Jump to ratings and reviews
Rate this book

Das Gartenzimmer

Rate this book
Die »Villa Rosen«, ein neoklassizistisches Landhaus, wird 1908 von dem später zu Weltruhm gelangenden Architekten Max Taubert für einen Professor Adam Rosen und seine Frau Elsa entworfen. Als Frieder und Hannah Lekebusch Mitte der Neunzigerjahre das Haus am Rande des Berliner Grunewalds entdecken, erliegen sie seinem verwunschenen Charme. In einer aufwendigen Restaurierung stellen sie den Originalzustand des Hauses wieder her, und schnell wird die neu erstrahlende Villa als »Kleinod der Vormoderne« zum Pilgerort für Taubert-Fans, Künstler*innen und einflussreiche Journalist*innen. Und mehr und mehr zum Spielball der Interessen. Sie wollten den alten Geist des Hauses wiedererwecken, doch mit denAuswirkungen des Ruhms und dem langen Schatten der Vergangenheit haben die Lekebuschs nicht gerechnet.
Kunst, Moral, privates Glück und Politik: ›Das Gartenzimmer‹ spannt einen Bogen von der Aufbruchsstimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, über die Weimarer Republik und die Herrschaft der Nationalsozialisten bis in die Gegenwart und erzählt fesselnd vom Schicksal eines Hauses und dem Leben derer, die sich seiner sirenenhaften Wirkung nicht entziehen können.

Paperback

Published October 11, 2021

6 people are currently reading
103 people want to read

About the author

Andreas Schäfer

43 books2 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
18 (13%)
4 stars
40 (31%)
3 stars
62 (48%)
2 stars
8 (6%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 18 of 18 reviews
Profile Image for Fabian.
139 reviews85 followers
September 29, 2024
Beauty and horror are close friends. The exquisite architecture of the Villa Rosen at the center of the novel makes the horror that took place there shine all the brighter. 

Pieces of the puzzle from different decades are strung together achronologically over the course of a century to reveal what happened in the villa's garden room in the final third. History is used as a foil, but is always fictitiously enriched. There was no Max Taubert, for example, but he is strongly reminiscent of Ludwig Mies van der Rohe. And there is no Villa Rosen, built in 1909, but it is described so vividly that you feel as if you have already visited it. You also increasingly understand why the people who live in it are so taken in by the house. The novel follows a long tradition here: from Poe's "House of Usher" to Shirley Jackson's "Hill House" and Danielewski's "House of Leaves" to Jenny Erpenbeck's "Heimsuchung" - the real protagonists are the buildings.

Schäfer knows how to give his characters psychological depth. However, this is often done very fragmentarily, so that they still remain alien to us. The novel says that if you look at the villa from a certain angle, you get the impression that it is floating. It's the same with the characters: Some have lost their grip, some are carried away aimlessly by the wind or time and others disappear. Maybe that's why you get the feeling that you know the house better than its inhabitants. Which is not necessarily a bad thing if you look deeper into the people.
Profile Image for Susanne Probst.
104 reviews8 followers
July 23, 2020
Man bekommt in dem 352 seitigen Roman einen interessanten und lebendigen Einblick in den Alltag und das Innenleben einiger Familien und Personen, bewegt sich dabei auf zwei Zeitebenen und wird mit erschütternden historischen Ereignissen konfrontiert.

Wir lernen Max Taubert, den Architekten, und seine Frau, die Malerin Lotta, kennen.
Sie haben zwei Töchter, die Zwillingsmädchen Monika und Josepha.

Wir begleiten das Ehepaar Elsa und Adam Rosen.
Es lässt sich vom Architekten Max Taubert die „Villa Rosen“ entwerfen, das Gebäude, in dem sich das titelgebende Gartenzimmer befindet.

Hannah und Frieder Lekebusch kaufen Jahrzehnte später die sich im Verfall befindliche Villa Rosen und lassen sie aufwändig restaurieren, so dass der Ursprungszustand wiederhergestellt wird.

Und dann lernen wir auch noch die Haushälterin der Rosens und die brasilianische Putzfrau der Lekebuschs und deren Tochter Ana kennen. Drei Menschen, die im Verlauf des Romans keine ganz unbedeutenden Rollen spielen.

So viel zum grob orientierenden Überblick, jetzt ein paar Worte zum Inhalt:

1908, Berlin-Schöneberg.
Der junge Architekt Max Taubert wird vom einschüchternden Herrn Prof. Rosen und seiner sympathischen Gattin im Atelier aufgesucht.
Sie wollen in Dahlem ein Landhaus bauen lassen und suchen einen jungen Architekten für ihr Projekt.

Diese Villa am Grunewald ist Tauberts erster Auftrag.
Voller Leidenschaft stürzt er sich in die Arbeit und gebannt verfolgt er den Baufortschritt.

Im Verlauf lernt man das widersprüchliche Ehepaar Rosen, das seinen Sohn bei einem tragischen Unfall verloren hat, näher kennen. Wie zu erwarten, spielen dabei die beiden Weltkriege eine Rolle.

Im Wechsel zu dieser Geschichte rund um Max Taubert und die Rosens tauchen wir in die Welt der Lekebuschs ein, die zu Beginn des 21. Jh. in der Villa lebt.

Das Ehepaar Lekebusch, Hannah, eine Zahntechnikerin, und Frieder, der Besitzer eines Pharmaunternehmens, hat einen inzwischen 18jährige Sohn, Luis.
Die drei leben nun seit sechs Jahren in der denkmalgeschützten und renovierten Taubert-Villa.

Die Hausherrin Hannah macht regelmäßig Führungen, um der Öffentlichkeit diesen besonderen architektonischen Schatz nicht vorzuenthalten.
Ihr Gatte Frieder ist nicht begeistert von diesen Hausbesichtigungen, die für ihn nichts anderes als Einbrüche in seine Privatsphäre darstellen und er mißbilligt auch Hannahs Anbetung der neoklassizistischen Villa.
Immer wieder kommt es zu Konflikten und feindseligem Schweigen.
Eine Paartherapie soll die Eheleute wieder zusammenbringen und die Trennung verhindern.
Auch Luis fühlt sich zunehmend unwohl in dem Haus, das zum Lebensinhalt seiner Mutter und zum Zankapfel seiner Eltern mutiert.

Dann steht ein bedeutender Empfang mit wichtigen und bekannten Persönlichkeiten an und ein Brief mit brenzligem Inhalt rückt ins Zentrum des Geschehens.

In dem Roman wird der Leser immer wieder von feinfühligen, psychologisch nachvollziehbaren und berührenden, aber niemals rührseligen Passagen überrascht.
Es ist z. B. so einleuchtend warum Frau Rosen abseits vom Trubel der Großstadt wohnen will und die Beweggründe der Eheleute Lekebusch für den Kauf der Taubert-Villa sind nicht nur nachvollziehbar, sondern auch schlüssig und interessant.

Neben dieser ruhigen, psychologisch stimmigen Erzählweise, die nicht emotional ist, aber Emotionen erweckt, ist meines Erachtens die schöne Sprache zu erwähnen, die angereichert wird mit Metaphern, Wortspielen, Doppeldeutigkeiten und Formulierungen.

Drei Beispielen dazu:

„... stieg die alte Wut in ihm hoch, eine Wut, die ihm seit Kindertagen vertraut und die inzwischen so trüb geworden war, dass er ihren Grund schon lange nicht mehr erkennen konnte.“ (S. 149)

„Adams (Professor Rosen) fordernde Strenge, die sich beim geselligen Zusammensein in eine väterlich interessierte Milde verwandelt...“ (S. 166)

„das Sonnenlicht kam von der anderen Seite, ließ die Kratzer in der Scheibe aufleuchten wie die Zeichen einer unverständlichen Geheimschrift.“ (S. 179)

Mir gefiel die durchgehend unaufgeregt erzählte und fesselnde Geschichte in schöner Sprache.
Vielleicht sollte ich aber nicht von EINER Geschichte, sondern von MEHREREN Geschichten sprechen. Denn es sind ja, wie bereits erwähnt, zwei Zeitebenen, mehrere Familien und mehrere Personen, die man im Verlauf gut kennenlernt, wobei letztlich alles durch die Villa mit dem Gartenzimmer miteinander verwoben und verbunden wird.

Während ich zu Beginn nur interessiert war, wurde ich zunehmend neugierig und gespannt und musste ich nicht selten über psychologisch überzeugende Details anerkennend staunen.
Als es dem Ende zuging, kamen bedrückende Momente von ungläubigem Entsetzen dazu.

Am Ende fragte ich mich, ausgelöst durch eine Unterhaltung zwischen Vater und Sohn Lekebusch:
„Ist es tatsächlich der Ort selbst oder sind es nicht vielmehr die Assoziationen, die die Gefühle AN diesem oder ÜBER diesen Ort auslösen?
Und wenn es „nur“ die Assoziationen sind, lassen sich aversive Gefühle dann überhaupt überwinden?
Oder muss man „einfach nur“ einen Umgang damit finden?“

Ich empfehle den Roman sehr gerne weiter und bin froh, ihn gelesen zu haben.
Ein Highlight.
Profile Image for Norman Weiss.
Author 19 books72 followers
February 18, 2022
Ein sehr deutsches Buch. Das macht seinen Reiz aus, darauf beruht alles, es stellt aber auch seine Schwäche dar. Für mich wurde hier zuviel zusammengedrängt und zu wenig entfaltet. Am Ende bleiben zu viele Fragen offen, wichtige und weniger wichtige, gewiß, aber so bleibt ein Eindruck des Auseinanderfransens, des Zerlaufens.

Das Buch erzählt die Geschichte eines Architektenhauses in Berlin-Dahlem und der Menschen, die mit ihm in über hundert Jahren verbunden sind. Es ist ein privilegiertes Leben, das nur selten mit der Außenwelt in Berührung zu kommen oder in Unordnung zu geraten scheint. Im Fokus von Empfindungen und Geschehnissen steht dabei das titelgebende Gartenzimmer.
Profile Image for JoBerlin.
359 reviews40 followers
July 30, 2020
Für seinen ansprechend geschriebenen und interessanten Roman wählt Andreas Schäfer den Berliner Grunewald als Setting. In Anlehnung an die große Aufmerksamkeit, die das Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 an moderner Kunst, Handwerk und Architektur entfachte, geht es auch hier um einen Baumeister - der alten Schule zwar noch , doch mit der Weimarer Republik kommen andere, modernere Zeiten. Es geht um den (fiktiven) Architekt Max Taubert, der für das Ehepaar Rosen die Villa im Grunewald baut, diese Villa mit dem besonders schönen Gartenzimmmer. Doch von der Moderne, mit der Taubert seine Entwürfe gerne schmückt, sind es nur paar Stolperer bis in braune Ziegeleien. Patriotisch-nationalsozialistisch, so heißt die präferierte Bau- und Lebensform nun.

Andreas Schäfer zeigt die Geschichte um den Architekten, das Haus, die Bewohner über circa 100 Jahre und auf zwei Zeitebenen. Das ist grundsätzlich gelungen , man folgt ihm gern, ein altes Geheimnis um Haus und Besitzer deutet sich an ...doch leider trägt die Verschachtelung der Aktionsstränge nicht zur Spannung bei. Besonders die Abschnitte aus den 2000er Jahren weisen Längen auf. Und doch - kaum zur eigentlichen Geschichte des Hauses zurückgekehrt, wird es wieder interessant. Das Buch wird trotz seiner Behäbigkeit viele frohe Leserinnen und Leser finden. Es würde sich aus meiner Sicht hervorragend für eine Verfilmung eignen.
Profile Image for Mark Swatek-Evenstein.
Author 1 book8 followers
October 24, 2020
ein buch, das daran leidet, dass der autor nicht nur ein gute geschichte gut erzählen will, sondern auch eine wirkmächtige. doch der fluchtpunkt dieser geschichte ist viel weniger interessant als ihr ausgangspunkt, und so treten die vergleichsweise uninteressanten charaktere der gegenwart bisweilen etwas störend zwischen die gelungene rekonstruktion der fiktiven (architektur-)geschichte eines fiktiven hauses. diese bedarf des dringlichen hinweise auf ihre aktualität gar nicht, ist sie in der präzisen sprache des autors doch schon überzeugend genug und anlass, nach weiteren geschichten hinter den dingen, die uns umgeben, ausschau zu halten.
Profile Image for Vicky.
284 reviews32 followers
July 20, 2020
Elegisches Architekturmärchen

Man sagt Häuser haben eine Seele, sie tragen die Erinnerungen und Schicksale der Menschen, die in ihnen gelebt haben, in sich. Kann man in einem Haus mit dunkler Vergangenheit jemals glücklich werden? Diese Frage stellt Andreas Schäfers pointierter Roman "Das Gartenzimmer". Anhand der bewegten Geschichte einer Berliner Villa zeigt er auf, welchen Einfluss die Vergangenheit auf unser Leben hat und auf die Räume, die wir uns dafür einrichten.

Die Handlung des Romans spielt auf mehreren Zeitebenen. Von 1908 bis 2013 erstreckt sich die erzählte Zeit. Die “Villa Rosen” ist das erste Projekt des jungen Architekten Max Taubert. Der Erzähler fängt die distanzierte, spröde Persönlichkeit des Architektur-Künstlers wunderbar ein. Elsa Rosen, die erste Bewohnerin des Hauses, ist begeistert von dem jungen Mann, den sie später verstoßen wird. Die charakterstarke Dame prägt das Haus mit ihren Soireen und Künstlerfesten. Später wird Hannah Lekebusch, die zweite Bewohnerin zu Beginn des 21. Jahrhunderts, versuchen, sie zu imitieren. Vergangenheit und Gegenwart spiegeln sich an vielen Stellen dieses so besonderen Romans.

Was machen “museale”, unter Denkmalschutz stehende Häuser mit ihren Bewohnern? Die Auflagen des Denkmalamts müssen erfüllt werden, aber noch schlimmer ist der unsichtbare Druck, den die Lekebuschs sich machen, vor allem Hannah. Sie lebt in einem Museum, während ihr Mann Frieder, der mit Placebos reich geworden ist, nur “etwas Echtes” erhalten möchte. Auch vor der nächsten Generation machen die Probleme nicht halt: Der Erbe der Lekebuschs, ihr Sohn Luis, kriminalisiert das Haus. Er sucht eine Zuflucht vor den Gespenstern aus Vergangenheit und Gegenwart. Wird er sie finden?

Wie bei einer Renovierung bzw. Restaurierung legt der Erzähler nach und nach eine Schicht der tiefenpsychologischen Beschaffenheit des Hauses und des Ichs aller Personen, die mit ihm zu tun haben, frei. Es ist ein ständiges Distanzieren, Definieren, Möblieren und Renovieren, was hier vor sich geht; das Haus Projektionsfläche von Wünschen, Befürchtungen und Ängsten. Das titelgebende Gartenzimmer ist das Symbol für die unheimliche Seele und verlorene Unschuld des Hauses. Sein düsterer Kern, den Hannah Lekebusch am liebsten verdrängen würde. Überhaupt ist das ganze Untergeschoss ein ihr unangenehmer Ort. Sie ist gleichsam angezogen und abgestoßen von dem monströsen Haus, in das sie viel Energie und Herzblut gesteckt hat.

Viel wird in diesem stimmungsvollen Roman nur hauchzart und behutsam angedeutet, er steckt voller Symbolik. Poetisch wunderschön und leise erzählt, mit so vielen Zwischentönen, wie es sonst nur die großen klassischen Erzähler der alten Schule können. Ich denke an Thomas Mann, Eduard von Keyserling, Robert Walser, wenn ich Andreas Schäfer lese. Es gelingt ihm wunderbar, Stimmungen in seiner vielschichtigen Prosa einzufangen und auszudrücken. Er schafft die Atmosphäre, die das Kopfkino des Lesers zum Laufen bringt. Elegisch, traurig, melancholisch - und doch so wunderschön.


Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
July 22, 2020
„Solche Häuser sind ein Fluch. Man wird ihnen nie gerecht. Sie sind immer stärker als ihre Bewohner.“ (Zitat Pos. 2817)

Inhalt
Max Taubert ist ein junger, noch unbekannter Architekt, als er 1908 von Professor Adam Rosen beauftragt wird, ein Landhaus in Berlin Dahlem für ihn und seine Frau Elsa zu bauen. Der Bauherr wünscht klare, schnörkellose Formen, auf keinen Fall die Jugendstil-Details und Türmchen der umliegenden Villen. Schon beim ersten Besuch des Grundstücks sieht Taubert das fertige Haus vor sich, das die Kriege überdauert und dann, leerstehend, unter Denkmalschutz, langsam verfällt. 1995 entdeckt Frieder Lekebusch das Haus durch Zufall, erwirbt und restauriert es. Wird es seiner Frau Hannah gelingen, die Villa Rosen wieder zu einem gesellschaftlichen Zentrum für Gäste aus Kunst und Kultur zu machen?

Thema und Genre
Im Mittelpunkt dieses Romans steht ein Haus, die berühmte Villa Rosen am Rande des Grunewalds, und das Leben und Schicksal seiner Bewohner. Es ist ein besonders Haus, das begeistert, aber auch fordernd und beklemmend ist, und in seinen Räumen die Spuren der Vergangenheit zu bewahren scheint.

Charaktere
Für Elsa sollte das neue Landhaus ein Rückzugsort sein, nur unwillig repräsentiert sie bei Einladungen an der Seite ihres Mannes und erkennt auch bald die drohende politische Veränderung. Die Familien Rosen und Lekebusch sind nicht verwandt und kennen einander nicht. Nur ein altes Gästebuch verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und regt Hannah an, die Villa wieder für Gäste und Interessierte zu öffnen. Sie bemerkt nicht, wie das Haus immer mehr zum Mittelpunkt ihres Lebens wird. Ihr Sohn Luis lehnt das Haus ab, als er durch Zufall Details aus der Vergangenheit erfährt.

Handlung und Schreibstil
Es sind Episoden und Ereignisse, die der Autor abwechselnd in zwei Handlungssträngen erzählt, die in sich nicht immer chronologisch verlaufen. Im Mittelpunkt steht jeweils eine der Personen der jeweiligen Besitzerfamilie und immer spielt die Villa Rosen eine wichtige Rolle, meistens auch als Handlungsort. Es sind mehr als einhundert Jahre deutsche Geschichte, die das Leben der Menschen bestimmen und prägen, die in diesem Haus wohnen. Die Sprache ist leise und eindringlich, der Autor beleuchtet manche Szenen aus unterschiedlichen Sichtweisen, indem er sie später nochmals aufgreift, ergänzt und so die Zusammenhänge klar erkennen lässt.

Fazit
Dieser Roman erzählt von einer Berliner Villa, die mehr als einhundert Jahre lang das Leben seiner Bewohner geprägt hat, zwei unterschiedliche Familien, die einander nie kennengelernt haben. Ein interessanter, beeindruckender Streifzug durch die weitläufige Halle und lichtdurchflutete Zimmer, mit Einblicken nicht nur in einzelne Entscheidungen und Schicksale, sondern auch in wichtige Kapitel deutscher Zeitgeschichte.
Profile Image for Kristall86.
345 reviews4 followers
August 31, 2020
!ein Lesehighlight 2020!

Klappentext:
„Die Villa Rosen, ein neoklassizistisches Landhaus, wird 1909 von dem später zu Weltruhm gelangenden Architekten Max Taubert für einen Professor Adam Rosen und seine Frau Elsa entworfen. Als Frieder und Hannah Lekebusch Mitte der Neunzigerjahre das leer stehende Haus am Rande des Berliner Grunewalds entdecken, erliegen sie seinem verwunschenen Charme. In einer aufwendigen Restaurierung stellen die Lekebuschs den Originalzustand des Hauses wieder her, und schnell wird die neu erstrahlende Dahlemer Villa als »Kleinod der Vormoderne« zum Pilgerort für Taubert-Fans, Künstler und einflussreiche Journalisten. Und – wie schon in der Weimarer Republik und zur NS-Zeit – zum Spielball der Interessen. Sie wollten den alten Geist des Hauses wiedererwecken, doch mit den Auswirkungen des Ruhms und dem langen Schatten der Vergangenheit haben die Lekebuschs nicht gerechnet.“
Kunst, Moral, privates Glück und Politik: ›Das Gartenzimmer‹ spannt einen Bogen von der Aufbruchsstimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Weimarer Republik und die Herrschaft der Nationalsozialisten bis in die Gegenwart. Andreas Schäfer erzählt klug, feinfühlig und fesselnd vom Schicksal eines Hauses in Berlin-Dahlem und dem Leben derer, die sich seiner sirenenhaften Wirkung nicht entziehen können.

Andreas Schäfer hat hier wahrlich einen Pageturner geschrieben, anders kann ich das nicht ausdrücken. Er hat einen sehr feinen und gewaltigen Sprachstil und entführt uns regelrecht in eine andere Welt, eine andere Zeit. Wer selbst ein altes Haus sein Eigen nennen darf, weiß nur zu gut, welche Gedanken einen einnehmen, wenn man sich mal ganz still hinsetzt und Revue passieren lässt. Man überlegt, sinniert und träumt, überlegt wie der alte Charme wohl mit der eigenen Gestaltung „klar kommt“. Wer hat darin gewohnt? Welche Geschichten könnte dieses Haus erzählen? Schäfer gibt hier dieser wunderschönen Villa ein Gesicht und vor allem eine Stimme - einmal durch ihre Bewohner und zum Schluss, darf selbst das Haus seine Seele öffnen. Wir erfahren so viele interessante Parts, dass es sich teilweise spannender liest als so mancher Krimi oder Thriller. Hier wird Geschichte nochmal ganz anders lebendig und das hat mich wirklich stark beeindruckt. Zu sehen, welchen Sog dieses Haus nicht nur auf deren Besitzer sondern selbst auf den Leser ausübt, ist unglaublich.
Ich will hier gar nicht zu viel verraten, aber eines steht fest: lesen Sie dieses Buch! Es ist ein echtes Sahnestück!
5 von 5 Sterne hierfür!
Profile Image for yexxo.
907 reviews27 followers
December 16, 2020
Adam Rosen und seine Frau Elsa lassen sich 1909 von dem jungen, später sehr erfolgreichen und berühmten Architekten Max Taubert ein Haus entwerfen und bauen. Die schöne Dahlemer Villa wird schnell zu einen bekannten Treffpunkt der kulturell gebildeten Oberschicht. Jahrzehnte später, Mitte der 90er, erwirbt das Ehepaar Lekebusch das mittlerweile seit langem leerstehende Gebäude und lässt es aufwändig restaurieren. Besonders Hannah Lekebusch ist derart fasziniert von der Vergangenheit des Hauses, dass sie einen Pilgerort für Taubert-Fans erschafft – sehr zum Leidwesen ihres Mannes und Sohnes.
Andreas Schäfer erzählt abwechselnd vom Leben der BewohnerInnen und den Gästen des Hauses, mit dem jede und jeder Einzelne auf ganz eigene Art und Weise verbunden ist. Während das Ehepaar Rosen die Villa vorbehaltlos liebt, trifft es bei Lekebuschs nur bei Hannah auf bedingungslose Hingabe. Alles ordnet sie dem Ziel der originalgetreuen Wiederherstellung unter, während ihrem Sohn Luis die Villa Rosen eher Unbehagen vermittelt und Ehemann Frieder die Beinahe-Obsession seiner Gattin gehörig auf die Nerven geht. Die Kapitel wechseln zwischen den Zeiten zu Beginn und Ende des 20. Jahrhunderts, was jedoch nicht zu Verwirrung führt, da die vergangenen Ereignisse immer wieder in Verbindung mit dem gegenwärtigen Geschehen stehen und damit Erklärungen liefern. So begleitet man nicht nur die Figuren durch die Geschichte, sondern auch das Haus, das durch die detaillierte Beschreibung des Autors fast schon eine eigenständige Persönlichkeit entwickelt.
Doch diese Liebe zum Detail könnte für manch architektonisch und an Design nicht so Interessierte ein Manko darstellen, vielleicht weil manche Ausführungen schon fast an ein Sachbuch erinnern.
Die quadratischen Fassaden mit den Fensterflächen wiesen weder Sockel noch Dachgesimse auf, nicht mal Fensterkreuze. Der einzige Schmuck, …, bestand aus vier Backsteinstufen hinauf zur Eingangstür, breit und weit vorkragend. S. 125/126
Dennoch lohnt sich die Lektüre, denn Andreas Schäfers Sprache ist so ausdrucksvoll und bilderreich, dass man die Personen tatsächlich zu kennen glaubt und sich nichts lieber wünschen würde, als selbst dieses Haus zu besuchen – mir ging es zumindest so 😉
Übrigens: Das Haus gibt es so oder zumindest sehr ähnlich. Es handelt sich offenbar um das erste Auftragswerk des damals 21-jährigen Mies van der Rohe – das Haus Riehl in Babelsberg des Philosophen Alois Riehl. Vielleicht fahre ich ja mal hin …
Profile Image for Wedma.
438 reviews11 followers
August 10, 2020
Eine bemerkenswerte Geschichte. Talentiert und gekonnt erzählt. Das Kopfkino startete mit der ersten Seite und ist noch nicht ganz zu Ende, obwohl die letzte Seite vor gut zehn Tagen umgeblättert worden ist.

„Das Gartenzimmer“ ist nicht nur Geschichte eines besonderen Hauses und seiner Bewohner, die im Jahr 1908 anfängt und in 2013 endet, und somit die zwei Weltkriege umfasst. Gerade der zweite Weltkrieg spielt hier eine Rolle. Die Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit und ihrer Auswirkung ist eine überzeugende wie beeindruckende Darstellung des Prinzips „Der Fluch der bösen Tat“, bildhaft und zum Greifen nah dargeboten. Vor dem inneren Auge läuft ein Film ab, wie diese die Schicksale der Bewohner über die Generationen hinweg beeinflusst, wie sie in ihre Lebensentscheidungen mit hineinfließt und so manches junges Leben komplett wegfegt.

Die überlebensgroßen Figuren, wie die Archetypen der Menschen der jeweiligen Zeit, ob in 1914, 1943, 2001 oder 2011, so heißen auch die Kapitel, werden mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Fazit: Ein beeindruckender, sehr lesenswerter Roman. Vor dem eigentlichen Text steht: „Die Arbeit am vorliegenden Buch wurde gefördert durch den Berliner Senat (Arbeitsstipendium) und das auswärtige Amt (Stipendium Villa Aurora).“ Jeden Cent wert, würde ich sagen.

Profile Image for Heike Bücherwurm.
5 reviews
May 27, 2024
Ausser zwei Zeitebenen profitiert der Roman durch seine architektonische Perspektive , hinterlegt durch politische Zeitgeschichte im Hintergrund.
Der Titel sowie das Cover lässt die Phantasie in eine Idylle schaukeln , welche durch die beginnende Beschreibung einer architektonischen Zeit genährt und lange durch die Geschichten der tragenden Handlungspersonen gehalten wird .
Durch viele kleine Nebenschauplätze fällt es gelegentlich schwer , nach einer Lesepause in der Haupthandlung rasch einzusteigen , tur dem Buch aber keinen Abbruch.
Am Ende des Romans bleibt man erstaunt über den gehaltenen Spannungsbogen und in einer tiefen Betroffenheit zurück.
Beindruckendes und empfehlenswertes Buch!
Profile Image for Inge H..
444 reviews7 followers
July 21, 2020
Etwas mystisch
Das Gartenzimmer ist ein interessanter Roman von Andreas Schäfer.

Der junge Architekt Max Taubert baut 1908 für das Ehepaar Rosen sein erstes Landhaus in Berlin.
Die Villa Rosen wurde später zu einem Vorzeigemodell.
Im Laufe der Jahre geschieht dann einiges. Die politischen Akzente werden gut eingearbeitet.

In den siebzigern bezieht die Familie Lenkebusch die Villa Rosen. Irgendwie steht auf dieser Villa ein Fluch. Die Bewohner werden nicht unbedingt glücklich.

Der Autor schreibt diesen Roman ziemlich ruhig. Ich fand die Geschichte nicht schlecht, allerdings konnte es mich nicht total erreichen.
Der Roman hat einen mystischen Einschlag.
Profile Image for Alexander Filipovic.
52 reviews1 follower
December 24, 2024
Dass an (und in) einem Haus die Menschen in ganz unterschiedlicher Weise zerbrechen - das ist ein interessantes Thema. Gut ausgeführt, Zeitgeschichte behutsam, aber mit intensiver Wirkung eingeflochten. Es gibt viele Zeitebenen und das Personentableau ist manchmal etwas unübersichtlich, weil jede Person ihre ganz eigene Geschichte mitbringt und manchmal gar keine Entwicklung stattfindet. Also, mit Gewinn gelesen, besonders die Sprache über Formen und Häuser ist sehr gut.
Profile Image for miss_mandrake.
826 reviews63 followers
July 6, 2020
Der Anfang gefiel mir richtig gut, aber mit fortlaufender Seitenzahl konnte ich mich fast gar nicht mehr auf die Geschichte einlassen. Vielleicht werde ich es später noch einmal lesen, da ich der Meinung bin, dass es dafür einfach nicht der richtige Moment war.
9 reviews
August 2, 2023
Eh
Gute Idee, aber komische Umsetzung.
Viele Anfänge/Ansätze aber keine bzw viel zu kurze Auflösungen.
Viel Drastisches passiert ohne wirkliche Erklärung/nachvollziehbare Gründe
Sehr unrealistischer Verlauf der Ereignisse.
Aber teilweise schön geschrieben.
30 reviews
March 19, 2023
Thema gut, aber mir war es etwas zu langatmig erzählt
This entire review has been hidden because of spoilers.
Displaying 1 - 18 of 18 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.