Was passiert eigentlich, wenn man den nächsten Termin einfach absagt?
Was, wenn man einfach in die Landschaft hineingeht, die bisher nur am Zugfenster vorbeigerauscht ist? – Max Heberer ist ausgestiegen, hat seinen Job als Unternehmensberater gekündigt und verschwindet für mehrere Monate in die Berge.
Von Bad Reichenhall bis zum Mont Blanc will er wandern und jeden Tag draußen schlafen. Dabei ist der Wandernovize alles andere als ein Kenner der Alpenwelt, ihrer Tücken und Gefahren.
Wie ist es, bei Dauerregen ein sicheres Lager für die Nacht zu suchen, mutterseelenallein auf einem Gipfel in der Morgensonne aufzuwachen und zu erleben, wie aus einem Traum eine Realität wird, die mit dem Traum nicht mehr viel zu tun hat?
Irgendwo hinter tausend Gipfeln und Tälern findet er Antworten. Und als seine Eltern und seine Freundin sich anschließen, wirft das noch mal völlig neue Fragen auf …
»Ich will, dass die wilden Berge mich verschlingen, mich zurechtstutzen und wieder ausspucken. Ich bitte sie geradezu darum, in der Hoffnung, den meiner Generation innewohnenden Größenwahn loszuwerden und mit einem simplen Lebensweg zufrieden sein zu können.«
"Gipfelnächte" ist einer der besten Reiseberichte, dich ich gelesen habe. Max Heberer hat Sehnsucht nach der Welt "hinter der Scheibe", die an ihm vorbei rast während er im Zug sitzt. Er plant eine ziemlich verrückte Tour die ihn von Bad Reichenhall bis zum Mont Blanc führen soll. Dabei läuft nicht alles nach Plan.
Am meisten hat mich die Authentizität beeindruckt. Max schreibt wie er sich fühlt und nimmt dabei in Kauf, dass ihn Leute wie ich kritisieren. Loszugehen bei Schnee war z.B. nicht so clever, insbesondere wenn ihn die Route durch alpines Bergland führt. Völlig klar, dass es einige brenzlige Situationen gibt! Zuwenig Wasser mitzuführen ist ein weiterer Anfängerfehler. Und dann die Entscheidung, alle Nächte im Biwakzelt zu verbringen. Sowas ist total verrückt und fällt wohl nur einem Stadtmenschen ein, der zurück zur Natur möchte (Moment, das trifft auf mich genauso zu......). Auf jeden Fall waren genau die Sachen drin, die mir bei Fräulein Draußen gefehlt haben.
Viele der Erlebnisse konnte ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Schlecht markierte Wege sind echt nervig, egal wo. Oder das Berg Hochkrabbeln, um wieder zurück auf den Pfad zu kommen, der "vielleicht" da oben langgeht. Nicht zu vergessen die Momente, wo man oben auf dem Berg ist und nichts als Nebel um sich herum hat. Das gleiche gilt für umgestürzte Bäume: zuerst ist es ein Abenteuer aber nach einer Stunde ist es einfach nur mühsam.
Mit hat gefallen, dass es kurze Einblicke in die Psyche gibt und nicht alles eitel Sonnenschein ist. Am Ende findet Max seinen Weg und weiß, wie er Beruf und Natur in seinem Leben verbinden kann. Mich hat das Buch motiviert, öfter den Trubel und Großstadtbeton hinter mir zu lassen um mehr die Natur zu spüren. Man muss ja nicht gleich 3 Monate unterwegs sein, es gibt genug Mini-Abenteuer.
5 von 5 Sternen und eine klare Kaufempfehlung für dieses sehr schön gestaltete Buch.
Was soll ich sagen? Ich war froh, dass ich beim Lesen im Trocknen mit einer Decke über den Beinen auf der bequemen Couch saß. Jedoch habe ich ab und an mitgefroren und das Gefühl gehabt, die klamme Kleidung des Autors zu spüren.
Max Heberer hat ein interessantes und auch spannendes Buch über seine Wanderung und seine innere Wandelung geschrieben. Mit ihm zu wandern, heißt viele Naturbeschreibungen zu lesen, viele Gedanken und Anregungen zum Nachdenken zu erhalten und die Freuden und das Leid des Wanderns zu erfahren. Er hat seine Wanderung nicht wirklich gut durchdacht und geplant, so dass er schon zum Start ins Straucheln gerät. Jedoch schreibt er ehrlich darüber, wie er das Wetter falsch eingeschätzt und die Nässe und Kälte unterschätzt hat. Er bricht ab und startet neu. Diese Ehrlichkeit hat mir gefallen, da er beschreibt, was vielen Menschen passiert. Sie stürzen, fallen oder biegen falsch ab, aber es ist meistens möglich anzuhalten, nachzudenken und neu zu starten.
Die vielen schönen Bilder im Buch machen Lust den Wanderrucksack zu packen und loszuziehen (für mich gern mit Pension & Co.). Wer möchte kann der Route folgen, denn der Autor schreibt immer wieder die Orte seiner Route auf, so dass man diese auf der Karte nachvollziehen kann.
Natur, Achtsamkeit und die Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen machen das Buch interessant. Es gibt Anregungen für den Lesenden sein eigenes Leben zu reflektieren. Jedoch ist es kein Muss.
Cool erzählt, man geht gefühlt mit durch alle Höhen und Tiefen. Man kann sich gut mitreißen lassen, aber mehr auch realistisch was so eine Reise wirklich bedeutet. Weniger ein Reiseführer als eine ganz persönliche Erfahrung des Autors.