Menschen träumen vom Fliegen, wovon träumt ein Mauersegler? Vielleicht vom Fallen, so wie wir an der Grenze zwischen Wachsein und Schlaf. Im freien Fall befindet sich auch Prometheus nach dem Tod seines besten Freundes. Wir treffen ihn, als er nach einer überstürzten Flucht vor Polizei, Familie und sich selbst am dänischen Strand aufschlägt. Der Mauersegler erzählt von einem Mann, der an seiner Schuld zu zerbrechen droht. Und von zwei Frauen, die wenig Fragen stellen - wie alle Menschen, die ihre eigenen Geheimnisse haben.
Jasmin Schreiber, geboren 1988, ist studierte Biologin und arbeitet als Schriftstellerin. Ihr Roman MARIANENGRABEN war eines der erfolgreichsten Debüts 2020. Im Wissenschaftspodcast BUGTALES.FM erzählt sie von Nacktmullen, Bärtierchen und Walexplosionen. Jasmin Schreiber lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Der Mauersegler ist nach Marianengraben mein zweites Buch von Jasmin Schreiber. Beide behandeln die Themen Tod und Trauer, allerdings auf recht unterschiedliche Weise. Der Mauersegler geht viel ernsthafter an die Thematik heran. Während ich bei Marianengraben oft herzhaft lachen musste, konnte ich beim Mauersegler höchstens ein paarmal leicht schmunzeln. Aber es ist gut, dass die beiden Werke so anders sind.
Im Mauersegler geht es viel um Schuld. War die Schuld am Tod eines anderen in Marianengraben nur eingebildet, so ist sie diesmal echt. Ich habe Prometheus gegenüber sehr gemischte Gefühle, meine anfängliche Apathie hat sich bestätigt. Auch wenn er im Lauf der Handlung einen Läuterungsprozees durchläuft und sich schließlich der Wirklichkeit stellt, kann ich ihm nur schwer verzeihen (er sich selbst vermutlich auch nicht).
Sprachlich ist Der Mauersegler wunderschön, ich könnte hier unzählige Passagen zitieren, die mich fasziniert haben. Wunderschön ist auch das Buch gestaltet, mit dem eingeprägten Mauersegler. Ich finde es toll, wie Jasmin Schreiber es schafft, ihren Themen immer wieder ein anderes Gesicht zu verpassen, herrliche skurrile Charaktere zu erschaffen und gleichzeitig eine Geschichte zu erzählen, die mitreißt und zum Nachdenken anregt.
„Wenn ein Mauersegler jagt, kann er sich mit einer Geschwindigkeit von zweihundert Kilometern pro Stunde nach unten stürzen, ganz spontan im Hier und Jetzt, plötzlich freier Fall […]“ (S. 21) und im freien Fall befindet sich auch Prometheus. Mit dem Tod seines besten Freundes Jakob hat er den Boden unter den Füßen verloren und befindet sich nun auf der Flucht vor seiner und Jakobs Familie, aber auch der Polizei. Anders als ein Mauersegler, der sich kurz vor dem Aufprall wieder hochziehen kann, droht Prometheus in das große Nichts zu stürzen.
Ich hatte es bereits in meiner Story erwähnt, aber ich glaube, ich muss einen Jasmin-Schreiber-Fanclub eröffnen. „Der Mauersegler“ ist nun schon das dritte Buch der Autorin, was mich komplett abholen konnte. Ich liebe allein ihren bildhaften Schreibstil, der trotz der ernsthaften Thematik sehr humorvoll sein kann. Man fliegt quasi durch die Seiten und lernt von der studierten Biologin dann sogar noch den ein oder anderen Funfact.
Jasmin Schreiber ist es auch in „Der Mauersegler“ wieder gelungen sehr einzigartige Charaktere zu schaffen. Prometheus, der eigentlich Marvin Prometheus heißt (aber der Zweitname ist ja eh viel cooler), macht seinem Namen getreu der griechischen Sage alle Ehre. Er ist nicht unbedingt ein Sympathieträger in der Geschichte, aber seine Trauer, seine Verzweiflung und die Schuld, die auf seinen Schultern lastet, kann man praktisch spüren. Auf seiner Flucht landet er in Dänemark auf dem Pferdehof von Helle und Aslaug, zwei sehr spannenden Charakteren, die ich sehr schnell ins Herz schließen konnte. Auf den knapp 240 Seiten bekommen auch die beiden Frauen und ihre Beziehung genügend Raum und ich hätte trotzdem noch viel mehr über sie lesen wollen.
Daneben lernen wir Prometheus besten Freund Jakob durch einige Rückblenden kennen und es hat mir beim Lesen wirklich das Herz zerrissen wie sich die Geschichte entwickelte.
Jasmin Schreiber kann einfach ausgesprochen gut über die Themen Tod und Trauer schreiben. „Der Mauersegler“ ist ein sehr bewegendes, emotionales und tiefsinniges Buch, was mir sehr gut gefallen hat und ich freue mich sehr auf weitere Bücher der Autorin.
Fesselnd, wunderschön, sehr bildhaft und eigen erzählt, man liest die Biologin heraus. Trotz der schweren Themen super leicht und flott lesbar. Im Vergleich zu „Marianengraben“, das vor allem skurril und humorvoll daherkam, ist „Der Mauersegler“ viel ernster. Die Charaktere sind aber wieder sehr besonders. Ich konnte trotz der Tatsache, dass die Hauptfigur kein Sympathieträger ist und ich absolut nicht gutheiße, was geschehen ist, mit ihm fühlen und war bis zur letzten Seite gespannt, wie Prometheus sich entwickeln würde. Das Ende ist nicht auf Teufel komm raus schöngefärbt, es passt zum Rest. Insgesamt sehr gelungen.
Im Vergleich zu "Mariannengraben" hat mich das Buch nicht so gepackt und mitgerissen. Es war kein schlechtes Buch. Aber es kam mir nicht nahe. Ich tat mich von Beginn an schwer mit dem Namen Promotheus. Aber es kann ja eigentlich nicht an einem Vornamen gelegen haben. Zwischendurch dachte ich, ich lese einen Jugendroman. Oder etwas von Coelho. Geschichte mit tiefgehender Lebensbotschaft. Vielleicht lags an mir, am Zeitpunkt. Wer weiss. Heute von mir nur 3 Sterne. Wobei 3 Sterne bei mir ein solides gutes Buch sind. Nur eben ohne Ahhh und Hachz
Ein unfassbar trauriges Thema, hier aber leider nur mittelmäßig verpackt. Marianengraben war letztes Jahr mein Jahreshighlight, vielleicht hatte ich daher zu hohe Erwartungen. Natürlich ist das Buch gut geschrieben. Ich fand auch den Anfang noch richtig gut, aber umso mehr es dem Ende entgegen ging, desto mehr musste ich mich schon zwingen, überhaupt weiterzulesen. Das Buch hatte für meinen Geschmack unnötige Längen, die ich eindeutig in den dänischen Pferdehofszenen sehe. Vielleicht bin ich auch einfach kein Pferdemädchen und fühlte mich deshalb nicht vom Charme des Ponyhofes eingeholt. Dieser war ja der Zufluchtsort unseres Prometheus, was ich auch durchaus begriffen habe. Aber ich hätte lieber mehr von der Verbindung zwischen Prometheus und Jakob gelesen. Die Rückblicke in ihre Kindheit fand ich hier einfach nur wunderbar. Leider fehlte es mir insgesamt dennoch an Emotionen. Vielleicht haben mich diese auch einfach hier nicht erreichen können. Literarisch philosophische Stellen gibt es natürlich zu Genüge. Das ewige Vertiefen der Gedanken, welche man ständig in Klammern (ja, ständig) lesen musste, hat mich leider auch irgendwie genervt, bzw. meinen Lesefluss.
Unter dem Schutzumschlag ist das Cover des Buches übrigens wunderschön geprägt. Das ist mir sofort positiv aufgefallen.
Alles in allem kann ich für mich persönlich hier den Hype leider nicht verstehen.
Ich habe das Buch eben aus der Hand gelegt. Die letzten Seiten haben mich angerührt. Manchmal fand ich einzelne Absätze oder Sätze aber auch zu kindlich. Und dann habe ich eben einen Post von Jasmin Schreiber gelesen in dem sie etwas dazu sagt, dass sie gebraucht hat so zu schreiben, wie sie es will, weil ihr der male gaze dazwischen gefunkt habe und ich frage mich, wie sehr ich den male gaze verinnerlicht habe und was hinter dem Urteil "kindlich" steckt. Plus: Natur, Frauenfiguren, Schuldthema.
Jasmin Schreiber schafft es einfach immer wieder das Thema Trauer so wunderschön in ihren Romanen zu verarbeiten. Fand das Buch wirklich sehr berührend. 5 Sterne weil ich auch nachdem ich es fertig gelesen hatte noch eine halbe Stunde heulen musste 😅
Ich bin ja großer Jasmin-Schreiber-Fan seit ihrem ersten Roman „Marianengraben“, den wir in unserem Podcast besprochen haben ( hört doch mal rein: Leseecke Internet) und ich mochte auch ihr Sachbuch „Abschied von Hermine“ richtig gerne, also war ich dezent hype, als ich gesehen habe, dass sie einen neuen Roman veröffentlichen würde, ich hab mich auch nicht mit dem Klappentext aufgehalten und bin gleich reingehüpft, in ein Buch was wirklich unbequem war zu lesen. Not gonna lie.
Prometheus (eigentlich Marvin, aber Prometheus ist ein so viel coolerer Name!) hat einen besten Freund – Jakob. Und Jakob hat Krebs und stirbt. Prometheus, (seines Zeichens Jakobs Arzt) flieht vor den Konsequenzen und der Schuld an die dänische Küste wo er auf zwei alte Damen trifft, die dort einen Pferdehof unterhalten. Bald merkt Prometheus dann, dass er Schuld und Trauer nicht davonlaufen kann.
Bevor ich hier in die Geschichte steige – Liebe Jasmin Schreiber – alleine wegen dem „Hexen stehen immer zwischen Birken“ war ich schon begeistert. Das sieht man den guten Buchgeschmack durchschillern. Großartig.
Ich sag mal ganz unverblümt – ich mochte Prometheus nicht. Ich fand ihn narzisstisch, egoistisch, unangenehm und insgesamt einfach blöd, aber ich konnte trotzdem gut mit ihm mitfühlen. Er verspürt unfassbare Trauer, weil sein bester Freund gestorben ist und Schuld, aufgrund der Dinge die er getan hat, die ich jetzt nicht weiter ausführen werde (aus Spoilergründen). Da merkt man mal wieder, dass auch die Menschen, die einem unangenehm sind durch die selben dunklen Täler müssen wie man selbst..
Teilweise war dieses Tal so tief und dunkel, besonders auch durch die Flashbacks in denen wir Jakob kennenlernen (ich liebe Jakob!), dass es schwierig war für mich weiterzulesen. Es war so unfassbar tragisch und unangenehm! Es war definitiv schwerer als Marianengraben, zwar gibt es auch hier den einen oder anderen Schmunzler, aber nicht wirklich genug um meine Stimmung beim lesen nachhaltig aufzuheitern. Aber hey – das ist ok. Es ist ein Buch über Trauer und Schuld und Tragödie, das sind meistens (nicht immer) Themen die wehtun und manchmal, wie in Prometheus Fall auch wehtun müssen. Und wenn ich das Buch über auch nicht eine Träne vergossen habe – die letzten beiden Seiten haben mich doch bekommen. Nicht wegen Prometheus, sondern wegen Jakob. Prometheus hat Jakob nicht verdient finde ich. Er war viel zu gut für diese Welt.
Sprachlich – ich hab das an anderen Stellen schon einmal gesagt – ich mag wie Jasmin Schreiber schreibt (höhö, Schreiber schreibt). Die Zeilen fliegen nur so dahin und die randomly eingestreuten Fakten zu Tieren und Pflanzen und auch der ein oder andere Popculture Einschub (hallllooo Moers), machen einfach einen schönen Text. Bin schon sehr gespannt auf ihr nächstes Buch.
Hab von vorne bis hinten durchgeheult (fr),mir war nicht klar wie traurig dieses Buch sein wird... Habs aber fast an einem Stück durchgelesen und fand es super ergreifend, es ist kurzweilig von der storyline, das Gefühl was das Buch auslöst, bleibt einem aber noch für ein Weilchen bestehen...
Uff, dieses Buch war eine Achterbahn der Gefühle und ich war mehrmals den Tränen wirklich nahe und musste das Lesen mal pausieren. Man denkt, es könnte nicht schlimmer werden, doch dann kommt Jasmin Schreiber und haut noch mal eine Situation oder einen Gedanken raus, der alles zum Kippen bringt. Mir hat alles an diesem Buch gefallen: Die Kraft und die Stimmen der Natur, die Rückblicke und Anekdoten aus der Kindheit des Protagonisten Prometheus und seines Freundes, oder wie sich das Bild des Mauerseglers durch die ganze Geschichte zieht. Ich finde, man merkt, dass Jasmin Schreiber Biologin ist; sie setzt so schöne naturspezifische Akzente, die sich perfekt in die Geschichte einfügen, ohne dass sie zu wissenschaftlich sind. Mir gefallen auch die beiden Frauen, bei denen Prometheus ein Zuhause auf Zeit findet und die ihm erst so skurril erscheinen, mit ihren heidnischen Bräuchen und Glaube an Fruchtbarkeitsgöttinnen. Aber genau das hat mich total abgeholt und ich freue mich, dass Jasmin Schreiber so unkonventionelle Charaktere in ihre Geschichte eingebracht hat. Meiner Meinung nach gibt es niemand "Böses" in der Geschichte, aber viele "Was wäre wenn"s und herzzereißende Momente.
Wer das Buch liest, muss sich im Klaren sein, dass es die Themen Tod und Verlust behandelt und keine leichte Geschichte ist.
Prometheus und Jakob sind beste Freunde und Prometheus ist Jakobs behandelnder Arzt. Als Jakob stirbt, flieht Prometheus nach Dänemark. Gefunden wird der völlig verzweifelt Mann von zwei älteren Damen. Diese nehmen ihn auf ihrem Pferdehof auf. Die Gefühle, die Prometheus in dieser Zeit durchläuft, sind von Trauer um seinen besten Freund, aber auch unermesslicher Schuld durchtrieben. Nach und nach versteht Prometheus (mit Hilfe der Frauen), dass er der Trauer, Schuld und den damit einhergehenden Konsequenzen nicht entkommen kann.
Der super unsympathische und narzisstische Protagonist erweckt in einem ein so tiefes Gefühl von Mitgefühl, dass es mich auch noch nach dem Beenden des Buches beschäftigt. Gestärkt wird diese Mitgefühl besonders durch die Passagen, in denen die tiefe Freundschaft zwischen Jakob und Prometheus zur Geltung kommt. Das Buch behandelt schmerzhafte Themen, aber wie durch die älteren Damen klar wird, auch wehtun müssen. Der Schreibstil ist sehr einzigartig mit den kleinen nebensächlichen Funfacts und es liest sich trotz den schweren Themen sehr schnell.
Das Ende hat mir den Rest gegeben. Nicht um Prometheus Willen, sondern Jakobs.
Ein fantastisches Buch über Tod, Trauer, Schuld und Freundschaft. Obwohl der narzisstische Prometheus kein Sympathieträger ist, kann man seine tiefe Trauer und die Schuldgefühle am Tod des besten Freundes nachvollziehen. Die Rückblicke in eine glückliche Kindheit hellen diesen Roman auf und geben ihn gleichzeitig eine gewisse Schwere.
Dieses Buch hat mich berührt und gleichzeitig herausgefordert. Ich habe mit dem Protagonisten gefühlt, gelitten hnd gleichzeitig aus frustrierender Distanz seinen Untergang beobachtet. Ein warmer Roman über die Menschlichkeit des Scheiterns, der zeigt, dass es immer weiter geht, auch wenn wir nicht mehr daran glauben.
Jasmin Schreiber ist mit „Der Mauersegler“ ein sehr berührendes Buch über Tod und Trauer gelungen. Die Beschreibung der Charaktere - vor allem Prometheus, aber auch Aslaug, Helle und Jakob- ist durchgängig sehr einfühlsam und nah. Prometheus, der einen Heilungs- und Läuterungsprozesses durchläuft, war für mich durchgehend eine weitestgehend unsympathische und schwer greifbare Figur: Ich hatte stark das Gefühl, dass er selbst sich nie gut genug ist und immer „mehr“ wollte, auch auf Kosten anderer. Dennoch hat man seine Verzweifelung, seine Schuld und seine Trauer, seine Wut und seine starke Verbundenheit mit seinem besten Freund sehr gefühlt und mit ihm auf seinem Verarbeitungsweg gelitten. Die Länge des Buches und auch das nicht-happy-End haben mir gut gefallen, aber ich hätte auch sehr gut noch mehr über Helle und Aslaug lesen können (die waren süß die beiden). Jasmin Schreibers Stil hat mir in diesem Buchsehr gut gefallen, vor allem die unauffällige Einbindung von Biologiewissen.
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Prometheus ist Arzt und sehr erfolgreich auf seinem Gebiet. Derzeit forscht er an einer alternativen Behandlung zur Chemo-Therapie für Krebspatient:innen. Als sein bester Freund Jacob an Blasenkrebs erkrankt, befindet er sich plötzlich in einem ethisch-moralischen Dilemma, denn Jacob, seine Freunde und seine Familie setzen ihn unter Druck, Jacob noch in die Studie einzuschleusen. Eigentlich möchte er das nicht, aber letzten Endes lässt er sich überreden… der erste von vielen Fehlern, die letzten Endes in Schuld, Schmerz und Flucht enden.
Auf dieses Buch habe ich mich schon sehr gefreut, denn Marianengraben von der Autorin habe ich einfach nur geliebt! Dieses Buch war anders.
Zunächst waren die Umstände, die Prometheus in diese Situation gebracht haben völlig nebulös und sie kommen erst nach und nach ans Licht. Das „Warum“ war aber erstmal auch gar nicht so wichtig. Wir befinden uns viel in Prometheus‘ Innerem, in seinen Gedanken und seinen Gefühlen, seiner Ohnmacht und seinem Versuch, das alles zu verarbeiten.
Es wird ausschließlich aus seiner Perspektive erzählt und die Erzählungen springen zwischenverschiedenen Zeitebenen. So lernen wir Prometheus, seinen Freund Jacob, seine Familie und die Beziehungen zwischen ihnen sehr gut und intensiv kennen. Es ist ganz leicht, sich in Prometheus hineinzuversetzen, mit ihm zu fühlen und zu leiden.
Prometheus ist nicht vollkommen und schon gar nicht immer sympathisch, aber er ist echt. Weil man ihn so gut kennen- und lieben lernt, verzeiht man ihm seine „Fehler“, denn man versteht zu 100 Prozent, wie es dazu kommen konnte. An einem Punkt der Geschichte wollte ich ihn schütteln, ihn anschreien, es nicht zu tun. Man weiß ja schon, was passiert und als dann der Punkt kommt, an dem sich alles entscheidet, möchte man es so gerne aufhalten. Katastrophal schwer auszuhalten, aber fantastisch umgesetzt!
Das Bild des Mauerseglers begleitet uns durch die gesamte Geschichte, durch alle Perspektiven und Zeitebenen, das fand ich auch sehr gelungen.
In dem Erzählstrang der Gegenwart landet unser Protagonist in Dänemark. Dort nehmen sich Aslaug und Helle dem gebeutelten und von Schuld zerfressenen Prometheus an. Und das machen sie auf so außergewöhnliche, berührende und ganz eigene Weise, dass es genau das Richtige für Prometheus und einen Weg aus der Verzweiflung war.
Schön war übrigens auch die kurze Erwähnung der Figuren aus „Marianengraben“. Die waren nämlich auch kurz auf einen Abstecher bei den beiden Frauen auf dem Hof und es geht ihnen richtig gut :)
Auch in diesem Buch nimmt sich die Autorin einem sehr schweren und hoch emotionalen Thema an. Es gibt hier kein einfaches „Richtig und Falsch“, „Schwarz oder Weiß“, „Schuldig oder Gerechtfertigt“. Es ist alles gleichzeitig und nichts ist eindeutig und schon gar nicht einfach.
Im Gegensatz zum Marianengraben, der mich mit jedem Satz gepackt und berührt hat, war es beim Mauersegler nicht durchgängig so intensiv und überzeugend, wie beim anderen Buch. Hin und wieder hatte mich Prometheus verloren, konnte mich aber immer wieder einfangen und für sich gewinnen. Im Vergleich zum Marianengraben, gab es hier vielleicht doch ein, zwei Längen, wo es mir dann schwergefallen ist, dranzubleiben.
Dieses Buch hat mich dennoch wieder mit dem tiefgründigen und emotionalen Schreibstil der Autorin absolut überzeugt. Es berührt und macht nachdenklich, lässt mich aber trotzdem hoffungsvoll zurück. Jasmin Schreiber ist eine Autorin, die man lesen muss!!
"Der Mauersegler" ist der zweite Roman von Jasmin Schreiber, die mich bereits mit "Marianengraben" begeistern konnte. Ebenso wie in ihrem Debütroman erzählt die Autorin auch in "Der Mauersegler" von Tod und Trauer – und von Hoffnung. Doch die Geschichte ist eine ganz andere…
Auf der Flucht Der Leser folgt dem Arzt Prometheus, der eine schwere Schuld auf sich geladen hat und auf der Flucht in Dänemark strandet. Ein älteres Paar nimmt ihn auf und dort, auf einem Ponyhof im Nirgendwo, sucht Prometheus nach Vergebung und Trost. Trost, weil sein bester Freund Jakob tot ist, und er ihn nicht retten konnte.
Wie schon in "Marianengraben" schreibt Jasmin Schreiber über die großen Themen der Menschheit, wie z. B. Schuld und Vergebung und schafft dabei auch glaubwürdige Charaktere. Prometheus‘ Verzweiflung ob seiner Taten ist stets spürbar; seine Zusammenbrüche glaubhaft. Seine Trauer ist ebenso dreckig wie seine Verzweiflung, Rotz rinnt ihm aus der Nase, er suhlt sich wortwörtlich im Dreck. Prometheus leidet und der Leser mit ihm.
Freud und Leid Während Prometheus um sich selbst und gegen die Verzweiflung kämpft, gehen seine Gedanken immer wieder zurück in die Vergangenheit. Glückliche Tage mit Jakob, die Erkenntnis, wie sehr er seinen Freund geliebt hat, dann wieder der große Verlust. Prometheus auf diesem Weg zu begleiten ist sehr schmerzhaft. Zum Glück gibt es zwischendurch immer wieder Lichtblicke.
"Der Mond schaut nun hinter den Wolken hervor, und das von ihm reflektierte und in abgeschwächter Form auf die Erde geschickte Sonnenlicht reichte, um die Landschaft besser zu erkennen. Das Kerzenlicht des Weltraums." (Seite 28)
Glaubwürdige Charaktere sind auch Aslaug und Helle, die beiden Frauen, bei denen Prometheus unterkommt. Beide leben zurückgezogen und bewirtschaften ihren Hof alleine. Sie brauen alkoholische Getränke, holen sich mittels eines Pferdes Holz aus dem Wald und halten die Tradition alter Feste wie Samhain hoch. Die beiden erinnern mich ein wenig an Hexen aus einem alten Märchen. Und hier auf dem Hof geschieht auch das Einzige, was mir an "Der Mauersegler" nicht so gefallen hat, nämlich Aslaugs Geschichte. Die war mir einfach zu grausam.
Doch apropos märchenhaft: Es gibt noch einige andere Stellen in "Der Mauersegler", die mich an Märchen erinnern. So legt Jasmin Schreiber auch Tieren und Bäumen Worte in den Mund. Die Tiere wundern sich z. B. über den Mann, der so oft in ihrer Mitte weint. Das klingt witzig, liest sich aber allenfalls poetisch und nicht kindisch.
Wunderschöne Sprache Ach ja, die Sprache. Jasmin Schreiber findet bis zum Ende immer passende Worte für das Geschehen. Ein Satz ist nicht nur ein Satz, er sagt so viel mehr. Damit hat mich die Autorin jedes Mal aufs Neue begeistert.
"Die Farben des Herbstes mag ich mehr als die des Sommers, der Sommer ist mir einfach zu laut in den Augen." (Seite 63)
Gerade durch solche Sätze wird klar, dass "Der Mauersegler" ein Buch ist, das man auf sich wirken lassen sollte. Es ist kein Roman für Menschen, die ständig Action brauchen, sondern für solche, die sich an schönen Sätzen erfreuen können. Womit nicht gesagt sein soll, dass das Buch keine Spannung bietet. Im Gegenteil: Obwohl wir von Anfang an wissen, dass etwas Schlimmes passiert ist, wissen wir nicht, was genau passiert bzw. wie es dazu gekommen ist. Prometheus gibt sein Wissen nur langsam preis.
Ein Herzensmoment Ein kleines Highlight war, dass auf einmal Marianengraben die Geschichte kreuzt. Wer das Buch gelesen hat, wird sich über diese kleine Szene sicherlich genauso freuen wie ich. Ein kleiner Herzensmoment.
Fazit Ein eindrucksvoller Roman über Trauer, Schuld und Hoffnung. Große Themen, von Jasmin Schreiber in wundervollen Worten dargeboten. Für Menschen, die "Marianengraben" mochten – und alle anderen.
Jede Schuld ist verständlich, wenn man ihr Werden gesehen hat.
-Otto Ernst-
Jemanden zu verlieren, den man sehr liebt, ist ein fürchterliches Erlebnis. Sich selbst am Tod dieser Person schuldig zu fühlen, muss unerträglich sein.
Jasmin Schreiber schildert in ihrem Buch eindringlich und sprachlich überzeugend die Geschichte von Marvin Prometheus, den eine enge Freundschaft mit Jakob verbindet.
Als dieser an Krebs erkrankt und stirbt, lädt Prometheus allerdings eine gewaltige Schuld auf sich, die ihn zu erdrücken droht.
Jasmin Schreiber versteht es meisterhaft einen Spannungsbogen aufzubauen und Promotheus Beweggründe darzustellen, die er in seiner Tragweite gar nicht zu überblicken scheint. Seine eigene Fehlbarkeit und das Ausmaß seiner Schuld machen ihn zutiefst menschlich.
Besonders begeistern konnte mich neben dem multiperspektivischen Blick auf die Schuld, die Nähe zur Natur und der ihr innewohnenden heilsamen Kräfte.
"Vielleicht rauschen die Wellen ja gar nicht. Vielleicht war das nur die Addition aller Geräusche, die die Tiere im Meer machten, und vielleicht könnte er sie verstehen, wenn er kein Mensch sondern eine Möwe wäre oder ein Sandfloh oder vielleicht ein Wattwurm."
Eine stille, eindringliche Reise über Freundschaft, Verlust und die Suche nach Vergebung.
Der Mauersegler erzählt die Geschichte von Prometheus, der nach dem plötzlichen Tod seines besten Freundes den Boden unter den Füßen verliert. Geplagt von Schuldgefühlen flieht er – vor der Polizei, seiner Familie und sich selbst. Erst in einem kleinen Ort in Dänemark findet er langsam zur Ruhe, zu Abstand – und zu einer neuen Perspektive. An seiner Seite: ein störrisches Pony und zwei bemerkenswerte Frauen, Aslaug und Helle, die beide ihre ganz eigene Geschichte mitbringen.
Nach Marianengraben ist dies mein zweiter Roman von Jasmin Schreiber – und auch dieses Buch konnte mich wieder berühren. Besonders die Figuren Aslaug und Helle sowie die Ponys haben es mir angetan ☺️ Das Buch thematisiert Krebs und Verlust, doch trotz dieser schweren Themen schafft es Schreiber, eine wundervolle Erzählatmosphäre zu schaffen, in der man vollkommen versinken kann. Ihr bildhafter, naturbezogener Stil begeistert mich immer wieder. Ein besonderes Highlight war auch die kleine Erwähnung der Protagonistin aus Marianengraben – ein schöner Moment für alle, die das Buch kennen 🫶🏼
Kaum zu glauben, dass eine so junge Schriftstellerin solche Bücher schreiben kann. Man möchte Rotz und Wasser heulen, wie Prometheus, dessen Geschichte sehr zu Herzen geht und lange nachwirkt.
Ein bewegendes Buch über die sehr intime Freundschaft von Jakob und Prometheus. Gerade zu Beginn bin ich beim Lesen noch über den sperrigen Namen des Letzteren gestolpert, woran man sich aber gewöhnt und der Zweitname immer passender erscheint, je mehr der:die Lesende über dessen Taten erfährt. Auch wenn die Handlung nicht die überraschendsten Wendungen nimmt, war ich bis zum Schluss sehr gut unterhalten, was besonders an Schreibers Sprache und Schreibstil liegt. Gerade die intensiven Naturbeschreibungen und deren Einbindung in die Handlung und Entwicklung der Charaktere weisen auf die Biologie als ihr Fachgebiet hin. Daher ist es auch nicht allzu dramatisch, dass sich einige Dialoge, besonders zwischen den beiden jüngeren Freunden in Rückblenden, hin und wieder etwas cringe anfühlen. Insgesamt ein bewegendes Buch, dass sich mit den Themen Tod und Schuld einfühlsam und differenziert auseinandersetzt.
Eine bewegende Geschichte über die Themen Schuld, Tod, Trauer, Natur und eine besondere Freundschaft wird erzählt. „Ein geschwächter Mauersegler kommt alleine nicht mehr hoch, ist er einmal abgestürzt. Man muss ihn in die Luft werfen, dann kann er weiterfliegen.“
Am Anfang wusste ich nicht ganz wo die Geschichte hinführen wird, ich war ein bisschen verwirrt - aber da ging es mir wohl wie dem Protagonisten.. Schlussendlich fand ich die Geschichte unglaublich berührend, gleichzeitig hat es mich sehr zerrissen - diese kack Situation in der Prometheus steckt hat mich fertig gemacht.. Jasmin Schreiber hat einen tollen Schreibstil und eine wirklich schöne, wenn auch traurige, Geschichte über Freundschaft, Liebe, Familie und das miese „meine-Handlungen-haben-reale-Konsequenzen-mit-denen-ich-umgehen-muss-Problem“ des erwachsen sein gezaubert.
Teilweise fand ich den Protagonisten Prometheus schwer zu ertragen. Die Geschichte ist super und auch die Einblicke un die Forscher*innen-Realität finde ich sehr gelungen. Gute und berphrende Geschichte.