Ostfriesland, 1948: Um den Verkauf des Familienhofs im friesischen Marschland abzuwenden, fängt die junge Gesa als Packerin in einem Teehandel an. Fasziniert von dieser für sie neuen und aufregenden Welt steigt sie bald zur rechten Hand des Juniorchefs auf, dem Kriegsheimkehrer Keno. Die beiden kommen sich näher, aber Keno ist ein verheirateter Mann. Und auch Gesas Herz ist nicht frei. Ihr Verlobter gilt als in Russland verschollen. Als böse Gerüchte die Runde machen, droht Gesa alles zu verlieren, was sie sich aufgebaut hat.
Es ist eins dieser Bücher, dass ich lesen wollte, um einfach ein paar entspannte Stunden mit den Slice of Life Problemen von anderen Leuten zu verbringen. Aber meine Güte, hat mich dieses Buch aufgeregt.
Fangen wir mal damit an, dass ich keine Ahnung habe, warum genau die Reihe "Die Teehändler Saga" heißt. Denn wir lernen nichts über Tee. Okay, Gesa und ihre Familie trinken oft Ostfiesenmischung und ja, sie fängt im Teekontor an zu arbeiten, aber was genau ist jetzt der Mehrwert für mich? Die Antwort ist, nichts. Wir lernen nichts über Tee oder wie man ihn kauft, zubereitet, mischt, auswählt oder verkauft. Und warum? Weil Gesa auch nichts lernen muss. Sie ist eins dieser "historische Frauenunterhaltung"-Phänomene. Ein absolutes Naturtalent, dass sofort Erfolge im Verkauf und bei der Mischung von Tee hat. Sie schaut dem Herrn Senior zweimal zu und schon ist ihr Gaumen so gut wie seiner, und sie haben den gleichen Geschmack, was Teemischung und so angeht. PHÄNOMENAL. Ja, phänomenal unverdient und langweilig.
Aber wenn es nicht um Tee geht, um was geht es denn dann?
Ja, wo soll ich da anfangen?
Vielleicht damit, dass das Buch voll problematischer Inhalte ist.
Das Buch ist voller antislawischer Slurs und Hass auf Menschen aus Polen. Und bevor hier jetzt wieder Leute sich die Finger wundtippen, ja, Antislawismus existiert. Ja, man kann das in einem Buch bearbeiten, aber die ART wie es hier passiert, ist einfach kritikwürdig.
Es gibt eine plastische Vergewaltigungsszene. Die "Auflösung" zu dem Konflikt gibt es dann entweder in Teil zwei oder gar nicht. Die Szene war schrecklich zu lesen, und ich kann niemandem, den sexuelle Gewalt in irgendeiner Art und Weise triggert auch nur im entfertesten empfehlen dieses Buch in die Hand zu nehmen.
Der Umgang mit der NS-Zeit, ist wie immer in Büchern dieses Genres fragwürdig und schlecht umgesetzt. Natürlich waren unsere Helden im Krieg wieder "die Guten" und haben sich in den ersten Nachkriegsjahren noch nicht mal am Schwarzmarkt beteiligt. Und natürich hat die Schwester, die als Kind schon "verschlagen" war und jetzt "unschön gealtert" ist den Nazi Bauern ausm Sumpfland geheiratet. Weil ... Nazis sind in diesen Büchern immer die hässlichen, gemeinen Typen, die neidisch auf ihrem wertlosen Stück land hocken, das nix wert ist, weil darauf nix wächst und deshalb wollen sie das gute Land, von den guten Leuten. Und obwohl niemand Nazi-Schwager mag, sagt auch niemand mal "halt die Fresse Nazi-Schwager, da ist die Tür" Stattdessen wird er irgendwann im letzten Drittel mittels Deus Ex Machina aus der Story entfernt. Weil puh, bei dem ganzen Feminismus können wir uns jetzt aber nicht mit der Nazi-Vergangenheit unserer Verwandschaft beschäftigen. Das Buch ist in dem Punkt so Deutsch wie Würstchen und Kartoffelsalat zu Weihnachten.
Und jetzt reden wir übers Fremdgehen. Das Buch möchte, dass ich für Gesa und Keno roote. Ähm ... nein. Gesa weiß, dass er ein verheirateter Mann mit Kindern ist und trotzdem fängt sie was mit ihm an und die Zwei planen eine Zukunft. Nope, nicht für mich. Ich finde es wirklich übel, Keno eine Frau zu machen, 3/4 vom Buch nur ÜBER sie zu reden, sodass man sich als Leser*in kein eigenes Bild ihrer Person oder ihrer Motivation machen kann und dann zu erwarten, dass wir sie einfach hassen, weil Keno das tut. Billig. Dann redet Keno plötzlich davon, dass er seine Frau doch nicht verlassen kann, weil SIE hat das Haus und das Geld und er hat Verantwortung für seine ARBEITER. Keno Bro ... du hast auch Verantwortung für deine zwei KINDER, die du mit keinem Wort erwähnst, Vater des Jahres.
Während ich also nicht wirklich Team Gesa und Keno bin, hab ich auch keinen Bock auf die Lovestory von Hanna. Sie lässt sich ein Kind machen um ihren Crush heiraten zu können, und das Buch verkauft das als eine super Idee. Nein, ist es nicht. Danke dass wir darüber geredet haben.
Insgesamt ein enttäuschendes Buch.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Gesa und Hannas Familie trifft es schwer, als der Vater plötzlich verstirbt. Noch dazu ist da der Schwager, der bereits auf den Hof spekuliert, den dort aber niemand haben will. So beschließt Gesa in Emden nach Arbeit zu suchen und kommt durch einen Zufall in einem Teekontor unter. Die Arbeit dort liegt ihr und auch die Zusammenarbeit besonders mit dem Juniorchef funktioniert gut. Doch Keno ist verheiratet und ein Ausweg scheint kaum möglich.
Fenja Lüders nimmt uns diesmal mit nach Ostfriesland aufs Land. Der Hof von Gesas Familie läuft gerade eben so, so ist es schwierig als der Vater stirbt. Und vor allem, wer soll denn der Bauer auf dem Hof sein. Hanna wird das erst nicht zugetraut. Doch sie kennt sich aus und die Unterstützung der Knechte, der Familie und auch der untergebrachten Flüchtlinge und am Ende auch der misstrauischen Nachbarn, ist ihr sicher.
Das Buch nimmt uns mit in eine Zeit als es für das Überleben eines Hofes noch viele Hände brauchte. Und Vorurteile über arbeitende Frauen und Fremdarbeiter an der Tagesordnung. Mir hat die Geschichte rund um Gesa, ihren Schwestern Hanna und Helga und Mutter Henrike gut gefallen. Henrike wirkt anfangs sehr unentschlossen und schwach nur um dann nicht nur ihre Angehörigen zu überraschen. Besonders mochte ich Großtante Alma, die zwar alt, aber im Kopf noch sehr fit und vor allem scharfsinnig und -züngig ist.
Gesas Anstellung im Tee-Kontor ist interessant und die Firma, bei der sie anfängt wie eine kleine Familie. Trotzdem ziehen Schattenwolken auf, denn Keno, der Juniorchef, ist bereits verheiratet und auch wenn es keine Liebesheirat war, gibt ihn seine Frau nicht einfach auf. Am Ende des Buches treffen dann die Schwestern eine Entscheidung, die dann wohl in Band zwei Thema sein wird.
Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Man bekommt einen guten Einblick in die Nöte der Zeit, aber auch in die Chancen, die es eben doch gab. Ich freue mich auf jeden Fall auf den zweiten Band der Reihe, wenn es weitergeht mit Gesa, Hanna und Helga.
Heute habe ich eine Geschichte für euch, die mich ganz besonders berühren konnte und uns nach Ostfriesland entführt. Bereits beim Lesen des inneren Klappentextes, indem erklärt wird, wie man ein Koppje Tee trinkt, war es um mich geschehen. Fenja Lüders hat einen ganz besonderen Schreibstil, der mir einerseits große Geborgenheit vermittelte, andererseits aber auch total spannend ist. Für mich eine sehr gelungene Mischung, die mich das Buch kaum aus der Hand legen ließ.
Nach dem Tod des Vaters, fehlt eine männliche Hand auf dem Friesenhof und es droht der Verkauf. Da geben die beiden Schwestern Gesa und Hanna alles, um das Familienerbe zu retten. Gesa fängt als Packerin im Teehandel an und Hanna hat sich schon immer sehr für Landwirtschaft und die Tiere interessiert. Von klein auf hat sie ihrem Vater geholfen und davon profitiert sie jetzt. Den beiden wird nichts geschenkt, Frauen wurde damals noch nicht allzuviel zugetraut und auch das Liebesleben verläuft nicht immer einfach und ohne Hürden. Ich fand die beiden und auch alle anderen Protagonisten, egal ob sympathisch oder nicht, sehr lebendig und authentisch dargestellt und konnte mir von jedem ein genaues Bild machen. Mein Lieblingscharakter war Tanti, die sehr gut beobachten konnte und sehr viel Meschenkenntnis besitzt.
Fazit: Eine sehr gelungene Mischung aus Wohlfühlroman, Liebe aber auch Leid und Schicksal, der zeigt, wie wichtig der familiäre Zusammenhalt ist. Natürlich gibt es 5/5 Sterne, einen Platz auf meiner Jahresbestenliste und eine sehr große Leseempfehlung. Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Fortsetzung.
Ostfriesland - für mich ein unbeschriebenes Blatt. Bisher habe ich diese Gegend nur buchtechnisch bereist, aber leider nicht im richtigen Leben. Marschland ist mir bergverwöhnte Österreicherin völlig unbekannt. Fenja Lüders bringt mir mit ihrem neuen Roman "Der Friesenhof - Auf neuen Wegen" diese Gegend näher.
Leider haben wir hier wieder einen Klappentext, der nicht wirklich zum Inhalt des Buches passt. Das Thema Tee ist kaum oder nur wenig behandelt. Vielmehr geht es um den titelgebenden Friesenhof und das bäuerliche Leben nach dem Krieg. Und es steht auch nicht Gesa im Mittelpunkt, sondern viel mehr ihre jüngere Schwester Hanna. Die Geschichte beginnt mit dem Tod des Vaters, Onno de Vries, der plötzlich und unerwartet an einer Blutvergiftung stirbt. Es bleiben seine Ehefrau und die gemeinsamen Töchter Gesa und Hanna, sowie die alte Tanti übrig. Der einzige Sohn blieb im Krieg. Zu dieser Zeit ist es üblich, dass nur ein männliches Oberhaupt den Hof weiterführen soll und der Streit ums Erbe beginnt. Günther, der Mann der dritten Schwester Helga, beansprucht den Hof für sich. Sollten die Familie sein Ansinnen ablehnen, besteht er auf die Auszahlung des Erbes von Helga, welches Günther bei der Hochzeit als unzureichend fand. Hanna und Gesa sind empört und versuchen alles, damit ihr Schwager den Hof nicht bekommt. Während Hanna gemeinsam mit den Knechten und Flüchtlingsfrauen den Hof so gut es geht bewirtschaftet, versucht Gesa auswärts zusätzlich Geld zu verdienen. Doch die Vorurteile sind groß und die eingefahrenen Ansichten der Dörfler nur schwer zu vertreiben. Können sie den Hof retten?
Fenja Lüders erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Gesa und Hanna, wobei nicht die im Klappentext erwähnte Gesa im Vordergrund steht, sondern Hanna. Das hat mich bereits bei der Leseprobe etwas verwirrt, ist aber eigentlich egal. Was mich viel mehr störte, war der Tee, der nur am Rande vorkam. Der Untertitel "Die Teehändler-Saga" lässt einen anderen Inhalt erwarten, wobei wieder der Titel "Der Friesenhof" perfekt zur Geschichte passt. Irgendetwas ist da beim Verlag schief gelaufen, denn der Leser hat andere Erwartungen an die Geschichte. Das ist schade, denn die Handlung lässt sich sehr flüssig lesen und wir erleben einige interessante und spannende Vorfälle, die mich das Buch kaum aus der Hand legen ließ.
Die Autorin greift in ihrer Geschichte eine Vielzahl von Themen auf. Dies sind vorallem die gesellschaftlichen Rollenbilder der damaligen Zeit, aber auch das Schicksal von Fremdarbeitern, die Nachwirkungen des Nationalsozialismuses bis hin zu sexuellem Missbrauch. Hingegen vermisst habe ich die Einblicke in den Teehandel. Die Abschnitte rund um Gesa im Teekontor greifen zwar das Thema auf, aber schon bald rückt die Liebesgeschichte in den Vordergrund. Diese konnte mich leider nicht richtig abholen. Der bereits verheiratete Keno war mir nicht wirklich sympathisch. Außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass Gesa innerhalb weniger Wochen die richtige Ostfriesenmischung beherrscht, womit andere Jahre benötigen.
Besonders gut umgesetzt fand ich hingegen die anhaltende Feindlichkeit und die Vorurteile gegenüber den ehemaligen Fremdarbeitern. Wie tief diese Vorurteile verwurzelt sind erleben wir an Tomek, der Knecht auf dem Friesenhof ist. Nach Kriegsende kehrt er nicht nach Polen zurück, sondern er sieht seine Zukunft in Deutschland. Dies liegt nicht nur daran, dass alle seine Familienangehörigen tot sind, sondern auch an Hanna. Doch eine Beziehung zwischen einen Fremdarbeiter und einer Bauerntochter ist unmöglich.
Wenn ich auch einige Kritikpunkte habe - die Autorin konnte trotzallem mit ihrem wunderbaren Schreibstil punkten. Die Geschichte liest sich flüssig und bildhaft. Ebenso hat Fenja Lüders viel Lokalkolorit einfließen lassen. Die Nachkriegszeit wurde sehr treffend dargestellt und man muss hier oftmals kräftig schlucken, wenn die Auswüchse des braunen Mobs noch immer vorhanden sind. Die zahlreichen Charaktere wurden authentisch dargestellt, obwohl manche etwas eindimensional und schwarz-weiß gezeichnet wurden.
Fazit: Der Auftakt der neuen Teehändler-Saga von Fenja Lüders lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Der Klappentext verspricht eine andere Geschichte, als wir sie tatsächlich erhalten. Wer sich darauf einlässt nur wenig Tee zu finden, bekommt eine turbulente, teils tragische Familiengeschichte präsentiert, die viele andere Themen aufzeigt und von einer schwierigen Zeit erzählt. Die Geschichte rund um Gesa konnte mich allerdings trotzdem nicht wirklich begeistern, während ich Hanna ins Herz geschlossen habe.
Seit dem Tod des Vaters steht es um den Hof der Familie de Fries schlecht. Zudem erhebt Günther, der Ehemann der 3. Tochter der Familie de Fries Anspruch auf den Hof, da dieser nur von einem männlichen Erbe weitergeführt werden darf. Zumindest möchte er seinen Anteil am Hof. Gesa, die ihrer Schwester Hanna und ihrer Mutter das Zuhause sichern möchte arbeitet als Packerin in einem Teehandel. Bald ist Gesa so fasziniert von den Gerüchen und den verschiedenen Sorten Tee, dass sie sich bis zur rechten Hand des Juniorchefs hocharbeitet. Die enge Zusammenarbeit mit dem Juniorchef weckt aber auch Gefühle in Gesa, Gefühle die nicht sein dürfen. Den ihr Chef Keno Kruse ist verheiratet und auch Gesa ist verlobt. Allerdings gilt ihr Verlobter in Russland als vermisst.
„Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ ist der erste Band der Teehändler-Saga von Fenja Lüders. Schon mit ihrer Kaffeehändler-Saga hat die Autorin mich begeistert. Jetzt also vom Kaffee zum Tee.
Die Geschichte beginnt 1949 in Ostfriesland. Gesa steht im Teehandel ihren Mann und Hanna auf dem Bauernhof der Familie. Doch die Gefahr droht aus den eigenen Reihen. Günther, der Mann der älteren Schwester Helga erhebt Anspruch auf den Hof. Er stolziert schon wie ein Gockel daher. Helga hingegen möchte gerne ihr Erbe ausgezahlt haben. Gesa und Hanna wollen ihren Hof nicht verlieren. So macht sich Gesa auf den Weg nach Emden wo sie eine Stelle als Packerin in einem Teehandel annimmt. Schnell arbeitet Gesa sich hoch bis zur rechten Hand von Keno Kruse, dem Sohn des Chefs. Hanna, die schon immer gerne mit den Tieren gearbeitet hat versorgt den Hof. Dabei steht ihr der polnische Arbeiter Tonnek zur Seite.
Natürlich darf auch ein bisschen Liebe nicht fehlen. Gesa hegt Gefühle für Keno und Hanna für Tonnek. Doch beide Beziehungen sind kompliziert. Keno ist verheiratet und Gesa ist verlobt, auch wenn ihr Verlobter als vermisst gemeldet ist. Und bei Hanna und Tonnek stehen die Vorurteile der Menschen im Weg.
Wieder hat Fenja Lüders starken Frauen das Leben geschenkt. Gesa und Hanna gefallen mir sehr gut. Zwei starke Frauen die sich in einer Männerwelt behaupten. Ich lese gerne Familiensagas mit starken weiblichen Persönlichkeiten. Nur solchen Frauen ist es zu verdanken, dass die Emanzipation ihre Anfänge genommen hat. Wenn Fenja Lüders Geschichten erzählt habe ich schnell Bilder im Kopf. Man kann sich alles so gut vorstellen. Ich liebe ihre Charaktere und die Sprache die sie verwendet. Immer wieder fließen Wörter im Dialekt ein, was alles noch authentischer werden lässt. Auch vermittelt die Autorin die Nachkriegszeit, in der die Geschichte spielt mit all ihrer Not und mit den Vorurteilen der Menschen sehr realistisch. „Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ hat mir wieder einmal schöne Lesestunden geschenkt und ich freue mich jetzt schon auf den 2. Band „Der Friesenhof - Schicksalstage“
Gelungener Reihenauftakt einer tollen Familiengeschichte
Nachdem ich „Die Speicherstadt-Saga“ - in der es um den Kaffeehandel ging - der in Oldenburg lebenden Autorin Fenja Lüders mit Begeisterung gelesen habe, war ich sehr gespannt auf ihre neue Reihe. Dieses Mal geht es um Tee und „Der Friesenhof: Auf neuen Wegen“ ist der erste Band ihrer Teehändler-Saga.
Die Handlung beginnt 1949 in Ostfriesland. Nach dem plötzlichen Tod von Onno de Fries sieht es finanziell für seine Familie und den Friesenhof nicht gut aus. Es ist zu befürchten, dass seine Frau Henrike einen Teil des Familienhofes verkaufen muss, da ihre älteste Tochter Helga – angestachelt durch ihren Mann Günther - auf die Auszahlung des Erbes pocht. Aber Henrike und ihre anderen beiden Töchter Hanna und Gesa hängen an dem Hof und wollen ihn nicht verlassen. Während Hanna emsig am Hof hilft, sucht Gesa eine Stelle in der Stadt, um etwas hinzuzuverdienen. Glücklicherweise findet sie Arbeit als Packerin in dem Teehandel Kruse & Sohn.
Fenja Lüders Schreibstil ist toll, sie hat mich direkt in das Ostfriesland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mitgenommen. Die Atmosphäre der Zeit und die Spuren, die der zurückliegende Krieg bei der Bevölkerung hinterlassen hat, kamen direkt bei mir an. Ebenso gut konnte ich die bedrückende Atmosphäre auf dem Hof der Familie so kurz nach Onnos Tod regelrecht spüren.
Die beiden Schwester Hanna und Gesa sind sehr unterschiedlich. Gesa ist viel impulsiver und sagt was sie denkt, während Hanna deutlich zurückhaltender ist und einen guten Draht zu den Tieren am Hof hat. Ihre ältere Schwester Helga ist wieder ganz anders und hat sich ihrem Mann Günther, der so gar keine Sympathiepunkte bei mir sammeln konnte, untergeordnet. Auch die übrigen Charaktere, wie der polnische Knecht Tomek, Tanti – die jüngere Schwester von Henrikes Mutter – Keno, der Sohn des Teehändlers, für den Gesa arbeitet, und die anderen Personen werden sehr gut dargestellt, so dass ich schnell eine gute Vorstellung von ihnen bekommen konnte. Dabei hat mir besonders Tanti gut gefallen, der alten Dame ist nichts entgangen und sie hatte immer die richtigen Worte parat.
Mir hat das Buch insgesamt unglaublich gut gefallen. Es ist ein großartiger Reihenauftakt, der die Atmosphäre Ostfrieslands und den Zeitgeist kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und den Zusammenhalt innerhalb einer Familie richtig gut wiedergibt. Leider bleibt am Ende vieles offen, weswegen ich am liebsten direkt weiterlesen würde.
Im Jahr 1948 stirbt der Vater von Gesa und Hanna. Beide versuchen, ihr bestes zu geben, um den Familienhof im ostfriesischen Marschland zu halten. Gesa nimmt eine Stelle beim Teekontor Kruse im Nachbarort an und Hanna arbeitet hart auf dem Hof. Dabei wird sie von Tomek unterstützt. Die Mutter der Mädchen und auch Tante Alma haben ein wachsames Auge auf die beiden. Schon bald entwickelt sich Gefühle bei Gesa und Hanno, die Männern gelten, die ihre Umwelt nur schwerlich akzeptieren werden.
Fenja Lüders entführt uns mit diesem ersten Buch über den Friesenhof in eine Zeit, in der zwar der Krieg vorbei ist, aber noch immer überall seine fatalen Auswirkungen zu spüren sind.
Gesa und Hanna haben noch eine dritte Schwester Helga, die nur sporadisch in der Geschichte auftaucht - dann allerdings mit der Wirkung eines Wirbelsturms. Fenja Lüders versteht es hervorragend, die Zeit einzufangen und auch die Situationen der Erben des Friesenhofs. Frauen als Bauern auf den Höfen gab es sehr wohl - allerdings aus der Not heraus. Hanna sieht sich Zweiflern gegenüber und auch Neidern, die sie zur Frau nehmen wollen - eben wegen ihres Erbes. Für Gesa hingegen öffnet sich eine völlig neue Welt, doch sie ist genauso wenig frei wie ihr Juniorchef Keno. Gesa wartet seit Jahren auf die Rückkehr ihres Verlobten und beginnt nur zögernd ihre Gefühle für Keno zu akzeptieren. Die Autorin hat einen wunderbaren Stil, den Leser*innen diese Verzweiflung lebendig zu beschreiben und die Leser*innen sensibel für die Probleme der Zeit zu machen.
Das Buch hat mich sehr in den Bann gezogen, ich konnte durch die Brille der Protagonisten sehr gut in die Geschichte eintauchen. Auch die Nebenfiguren wie Gustav Kruse, Tante Alma, Helga und auch Henrike - Gesas Mutter haben ein echtes Profil. Jede Person ist auf ihre Weise lebendig und passt sehr gut in die Zeit des Romans. Insgesamt ist es der Auftakt einer Familiensaga, Liebe, Freundschaft, Familie und auch Spannung sind wohldosiert.
Ich gebe diesem Buch 5 Sterne und freue mich auf die Fortsetzung. Für Liebhaber*innen von gut recherchierten Romanen empfehle ich dieses Buch unbedingt.
Der Friesenhof der Familie de Fries existiert bereits seit 100 Jahren und war immer im Besitz der Familie. Sie sind eine Marsch-Bauern Familie. Gerade ist der Vater an einer kurzen schweren Erkrankung verstorben, nicht nur für die beiden Schwestern Gesa und Hanna ändert sich daraufhin ihr gesamtes Leben.
Der großartige Schreibstil der Autorin fasziniert mich sofort und die Geschichte nimmt mich gleich gefangen. Die Figuren beeindrucken mich, sie sind liebenswert und ich folge ihnen gern. Die schwierige Lage, die sich manchmal in Verzweiflung steigert, der Nachkriegszeit ist fassbar. Eine Zwickmühle entsteht gar, denn die Männer, die aus dem Krieg und Gefangenschaft zurückkehren, erwarten eine Rückgabe ihrer Plätze, die die Frauen während der Kriegszeit erfolgreich eingenommen hatten. Auch die Zwangsunterbringung von Flüchtlingen auf den Höfen schafft Konflikte. Alle müssen zusammenrücken, die Privatsphäre des einzelnen leidet. Dinge, die ich ebenfalls aus Erzählungen meiner eigenen Großeltern kenne. Die Atmosphäre ist von einer brillanten Tiefe und Dichte, die einzelnen Szenen kann ich nicht nur sehen sondern auch fühlen, ganz wunderbar. Figuren, die ich so gerne begleite und von denen ich noch viel mehr erfahren möchte. Dieses Buch hat sich mir sofort geöffnet und mit den ausgeprägten und vielfältigen Charakteren einen Platz in meinem Herzen gefunden. Eine Geschichte die bleibt! Die Sprache ist ausgezeichnet, die norddeutschen Worte sind wunderbar platziert, die Sätze sind mitreißend formuliert. Die Landschaftsbilder sind fulminant gut gezeichnet und das Leben der Menschen glaubhaft und voller Herzlichkeit sowie Emotionen geschildert.
Liebend gerne vergebe ich hier wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen. Dem ersten Band dieser Familiensaga möchte ich dazu meine unbedingte und absolute Leseempfehlung aussprechen. Der Einstieg in diese Serie ist der Autorin hervorragend gelungen und ich freue mich schon sehr auf die Folgebände. Liebhaber der Nordseeküste mit ihren Riten und Gezeiten in Kombination mit einer fesselnden Familiengeschichte werden das Buch verschlingen so wie ich.
Die Geschichte von Gesa und ihrer Schwester Hanna spielt 1949 in Ostfriesland. Nachdem ihr Vater, der Bauer des Friesenhofs, verstorben ist, müssen die beiden um die Existenz des Friesenhofs bangen. Und darum, dass sich ihr Leben dadurch komplett ändern wird. Da Gesa auf dem Hof keine all zu große Hilfe ist beschließt sie, sich Arbeit zu suchen. Durch einen Zufall findet sie eine Anstellung beim Teehandel Kruse & Sohn. Im Laufe der Zeit arbeitet sie eng mit dem Juniorchef zusammen und kommt ihm immer näher. Doch er ist verheiratet und auch Gesa wartet eigentlich noch auf ihren Verlobten, der bis jetzt nicht aus Russland zurück gekommen ist.
Der Friesenhof - Auf anderen Wegen ist der erste Teil der Teehändler Saga. Der Schreibstil von Fenja Lüders hat mir gut gefallen. Das Buch lies sich leicht und flüssig lesen. Den norddeutschen Touch fand ich sehr angenehm. Da ich die Nordsee eh sehr liebe und durch und durch ein Dorfkind bin, fand ich das Setting auf einem ostfriesischen Bauernhof richtig schön. Gesa und Hanna sind zwei wunderbare junge und starke Frauen, denen unglaublich viel an ihrer Familie und ihrer Heimat liegt. Und es ist schön zu sehen, wie sie bereit sind dafür zu kämpfen. Die Ansprüche der damaligen Gesellschaft machten ihnen das nicht gerade leicht. Auch Keno Kruse mochte ich sehr. Die Charaktere sind alle wirklich schön ausgearbeitet. Jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Schon vom ersten Moment, in dem Gesa und Keno sich begegnet sind, hat man eine gewisse Anziehungskraft zwischen den beiden spüren können. Bei Hanna habe ich die Liebe für den Hof sehr spannend und authentisch gefunden. Schade, dass auch sie sich in jemanden verliebt, zu dem eine Beziehung in der Gesellschaft nicht angesehen ist und somit unmöglich erscheint. Zudem waren Themen wie der Krieg, Gefangenschaft und Flucht in der Geschichte immer wieder präsent, wurden aber gut und passend eingearbeitet. Am Anfang brauchte ich etwas um in die Geschichte rein zu kommen. Aber dann wurde es zunehmend auch immer spannender. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf Teil zwei der Teehändler Saga.
Als erstes bin ich ganz begeistert von dem tollen Cover, denn ganz oft wirken historische Romane nicht so ansprechend, da das Titelbild selbst wirkt, als würde es aus dieser Zeit stammen. Dieses Buch habe ich mir also sehr gern ins Regal gestellt.
Als nächstes fand ich es sehr authentisch, dass die Autorin selbst Friesin ist und damit sehr echt über das Leben in Ostfriesland im Jahr 1949 berichten kann. Sehr oft habe ich bisher Bücher gelesen, die zwischen 1920 und 1945 spielen, aber auch die Nachkriegszeit finde ich eine sehr wichtige Zeit, für die ich mich interessiere.
Ein ganz besonderer Aspekt in dieser Geschichte ist, dass abwechselnd die Perspektiven von zwei Schwestern betrachtet werden, da ich bisher noch kein Buch mit dieser Wahl von Protagonistinnen gelesen habe.
Die Geschichte beginnt schon sehr spannend, durch den Schicksalsschlag, den die Familie de Fries auf Grund eines plötzlichen Todes erfahren muss, und diese Spannung hält sich auch bis zum Schluss. Das Buch hat mir wirklich durchweg sehr gut gefallen und lies sich sehr angenehm lesen. Ich fand es auch sehr schön, wie viel man als Leserin über die Arbeit auf einem Hof und über die Herstellung und den Vertrieb von Tee lernt, da ich Bücher immer spannend finde, die auch eine detailreiche Hintergrundgeschichte haben. Ebenfalls fand ich es toll, dass die Handlung nicht voraussehbar war, kein unnötiges Drama aufwies und sich auch nicht alle Probleme ganz magisch zum Schluss aufgelöst haben.
Das Buch thematisiert auch sehr gut aufgearbeitet wichtige Probleme der damaligen Zeit, die die Gesellschaft, die Beziehung zwischen Mann und Frau und den Umgang mit geflüchteten Personen betreffen.
Fazit: Ein wirklich toller, spannender und interessanter historischer Roman, bei dem ich mich sehr auf die Fortsetzung freue! ☺️
„Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ spielt Ende der 40er Jahre aber Politik und die Schrecken der Nachkriegszeit stehen hier weniger im Fokus. Viel mehr ist dies ein Familienroman, der mich mit seinen bildhaften Beschreibungen dazu eingeladen hat, mich mitten ins Geschehen zu träumen. Eine wunderbare Lektüre um sich vom Alltag zu entspannen. Ich konnte mir den Bauernhof, die Kühe und die Protagonisten sehr gut vorstellen. Im Zentrum der Erzählung stehen die beiden Schwestern Hannah und Gesa, die einander sehr nahe stehen. Die beiden sympathischen jungen Frauen versuchen sowohl beruflich Fuß zu fassen als auch ihr Liebesglück zu finden. Der Weg dorthin gestaltet sich für beide schwierig. Nach dem Tod des Vaters möchte Hannah den elterlichen Hof übernehmen, doch einer Bäuerin ohne Bauer wurde damals wenig zugetraut. Erschwerend kommt hinzu, dass Hannah eine Beziehung mit dem Fremdarbeiter Tomek beginnt, der aufgrund seiner Herkunft geächtet wird. Gesa hat es da beruflich schon leichter, sie beginnt in einem Teekontor, wo sie sich durch ihr Talent für Tee und Verkauf schnell Anerkennung erarbeitet. Ich fand es sehr interessant, welchen hohen Stellenwert Schwarztee damals (und vielleicht sogar bis heute, ich weiß es leider nicht) in Ostfriesland hatte und mit welcher Begeisterung das tägliche Ritual zelebriert wurde. Auch die Arbeit im Teekontor und die komplizierte Auswahl der Teesorten wurden faszinierend beschrieben. Die Reihe nennt sich die Teehändler Saga, deswegen hätte ich nichts dagegen, wenn der Fokus im zweiten Band stärker darauf liegen würde. Bisher steht eigentlich der Bauernhof mehr im Mittelpunkt. Die aufkeimenden Gefühle zwischen Hannah und Tomek sowie bei Gesa und ihrem verheirateten Chef Kuno sind sehr romantisch beschrieben und ich habe mit beiden Paaren mitgefiebert. Alle vier Charaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen. „Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ endet relativ rund und doch wird zwischen den Zeilen noch so viel Drama und so viel Hoffnung angedeutet, dass ich unbedingt mehr darüber erfahren möchte.
Das Cover hatte mich sofort angesprochne, weil es wirklich hübsch ist und nicht ganz so aussieht wie alle anderen historischen Romane und der Klappentext klang dann auch gut.
Der Schreibstil war angenehm und man konnte sich schnell in der Geschichte zurechtfinden. Mal bekam man die Geschehnisse mehr aus Gesas Sicht, mal aus der von Hanna mit.
Ich mochte wie das Leben auf dem Hof beschrieben wurde und generell das Setting in Ostfriesland hat sich sehr heimisch angefühlt. Ich hätte mir nur gewünscht, dass man noch ein bisschen mehr von dem Teehandel und der Produktion erfahren hätte.
Hanna und Gesa haben sich immer unterstützt, was ich schön fand, auch wenn Hanna manchmal sehr naiv war. Durch Keno geht es hier auch viel um die Kriegsverbrechen und was der Krieg mit den Menschen gemacht hat, die wiedergekommen sind. Er tat mir teilweise super leid und trotzdem ist er unfassbar nett zu Gesa gewesen.
Der Familienzusammenhalt wird auch stark thematisiert und es war schön zu sehen, wie alle für den Friesenhof kämpften. Natürlich gibt es auch einige unangenehme Personen, denen man gerne mal richtig die Meinung gesagt hätte und es kommt zu ein paar Problemen.
Insgesamt hat es mir gut gefallen, es war ein schöner Roman zum Abschalten und einer, der nicht zu trübsinnig ist.
"Der Friesenhof - auf neuen Wegen" ist der erste Teil der "Teehandler Saga" von Autorin Fenja Lüders .
Sie führt uns in die Nachkriegszeit nach Ostfriesland . Genauergesagt um 1948 in das Marschörtchen Rysum auf den Hof der Familie der Fries.
Als Onno das Familienoberhaupt stirbt , müssen die Frauen des Hofs das Heft in die Hand nehmen und den Hof vorm Verkauf retten .
Aus der eigenen Familie frohe Unheil . Günther , der Ehemann von Helga , der ältesten de Fries Tochter , will sich als neuer Bauer breit machen .
Doch er hat die Rechnung ohne Gesa und Hanna gemacht. Während Hanna sich auf dem Hof als Bäuerin beweisst , geht Gesa in die Großstadt und nimmt einen Job im Teekontor an .
Die Autorin hat eine ganz tolle Art einem die Geschichte näher zu bringen . Sie schreibt ganz leicht und sehr atmosphärisch . Und ihre Figuren wirken sehr realistisch. Man ist sofort gefangen !
Es ist für jeden Geschmack etwas in der Geschichte vertreten . Liebe , Historie , Spannung und Intrigen .
Eine absolute Leseempfehlung , ich bin sehr gespannt wie sie die Geschichte weiter entwickelt
Mit diesem Band startet eine weitere Reihe von Fenja Lüders. Gerade weil ich beide Reihen innerhalb sehr kurzer Zeit lese, hatte ich zunächst Bedenken, ob die Figuren in der zweiten Reihe nur Kopien der Figuren aus der Kaffeehändler-Saga waren (dass es hier um Teehändler geht, hat mein Misstrauen auch nicht wirklich beruhigen können). Aber tatsächlich habe ich nur 2-3 Kapitel benötigt, um beruhigt festzustellen, dass ich tatsächlich eine ganz eigene Geschichte mit ganz anderen Figuren lese. Auch die Probleme sind andere - so ist hier zum Beispiel der Hass auf Fremdarbeiter, die Handlungen einer der Figuren im Nationalsozialismus und die Rolle der Frau in dieser ländlichen Gemeinschaft Thema.
Ich bin jetzt schon sehr gespannt darauf, wie die Geschichte des Friesenhofes weitergeht.
Interessante Geschichte mit Ostfriesland Bezug, durch die es nochmal bewusst wird, dass Frauen noch nicht sehr lange die Rechte besitzen, die wir heute haben.
Der Friesenhof - Auf neuen Wegen ist der Auftakt der Teehändler-Saga von Fenja Lüders, der mich mit einer turbulenten Familiengeschichte und einen Einblick in die Welt des Teehandels gelockt hat. Und was gibt's besseres als eine Kopje Tee in der kalten Jahreszeit?
Dank Fenja Lüders durfte ich eine nostalgische Reise nach Ostfriesland der Nachkriegszeit machen. Die Autorin hat mich mit unglaublicher Leichtigkeit und viel Lokalcholorit durch die recht turbulente Familiengeschichte geführt, in deren Fokus die Schwestern Hanna und Gesa stehen. Hanna, die nach dem Tod des Vaters den Friesenhof als Bäuerin übernehmen will und Gesa, die ihrer Familie finanziell unter die Arme greifen will und eine Anstellung in einem Teekontor findet.
Der Friesenhof - Auf neuen Wegen ist eine Geschichte über starke und selbstbestimmte Frauen, die trotz zahlreicher Hürden und Widerstände von Außen ihr Glück im Beruf und in der Liebe suchen. Die Autorin greift dabei eine Vielzahl von Themen auf, angefangen bei den gesellschaftlichen Rollenbildern der damaligen Zeit, das Schicksal von Fremdarbeitern, den Nachwirkungen des Nationalsozialismus, bishin zu sexuellem Missbrauch. Und nebenbei habe ich etwas zur Geschichte des Ostfriesentees gelernt.
Fenja Lüders konnte bei mir auf jeden Fall mit ihrem wunderbaren Schreibstil punkten. Bildhaft, flüssig zu lesen und den Geist der Nachkriegszeit treffend. Und auch die zahlreichen Charaktere wurden sehr authentisch dargestellt, wenngleich auch etwas eindimensional.
Leider gab es aber auch ein paar Dinge, an denen ich mich beim Lesen sehr gestört habe. Diese betreffen in erster Linie die beiden Protagonistinnen, mit denen ich bis zum Schluss nicht so recht warm werden wollte und die sich beide durch Dinge, die sie tun, bei mir ins Aus geschossen haben. Aber auch Gesas Love Interest hat sich bei mir nicht gerade beliebt gemacht. Keno ist verheiratet und hat zwei Kinder, für die er die Verantwortung trägt. Doch diese vergisst er beim Anblick von Gesa irgendwie komplett. Jetzt hab ich aber eigentlich schon zu viel verraten. Fakt ist, dass mich die Liebesgeschichten der Schwestern eher zermürbt haben und ich diese auch nicht so unterstützen kann wie sie dargestellt werden.
Zuguterletzt habe ich auch den Einblick in die Welt des Teehandels vermisst. Ich kann nur mutmaßen, dass der zweite Band der Saga weiter darauf aufbaut. Ob ich diesen lesen werde, weiß ich allerdings noch nicht. Vorerst hat meine Zeitreise mit diesem Band geendet.
Wenn du gerne Familienromane liest, die sich mit Schicksalen in der Nachkriegszeit befasst und du für Zwischendurch eine schnelle und leicht zu lesende Lektüre suchst, dann kann ich dir Der Friesenhof empfehlen. Zum Must Read reicht es allerdings nicht.
Fazit:
Der Auftakt der Teehändler-Saga hat mich etwas zwiegespalten zurück gelassen. Einerseits wurde mir hier eine spannende, teils tragische Familiengeschichte präsentiert, andererseits konnte ich mich mit den Protagonistinnen nicht anfreunden.
Für Zwischendurch hat mich das Buch jedenfalls gut unterhalten und ich kann es dir empfehlen, wenn du eine schnelle Lektüre zum Einstreuen suchst und gerne aus dem Genre der Familiengenerationromane liest.