"»Der revolutionäre Materialismus oder auch: kritische Kommunismus der Gegenwart hat die Erfahrung der Shoah und hat die Geschichte des Nazifaschismus nicht einer wie immer auch kritisch gemeinten Gesellschaftstheorie anzuhängen und aufzukleben, sondern er hat diese Erfahrung vollendeter Negativität in das Innerste seiner Kategorien aufzunehmen und zu reflektieren. Jedweder ›Marxismus‹, der sich weigert, auf diesen Zeitkern der Wahrheit zu reflektieren, ist Müll. Kein Materialismus ist noch denkbar, der dies nicht im Herzen der Kritik der politischen Ökonomie zu bedenken hätte. Es geht darum, der katastrophalen Entfaltung des Kapitals zu seinem Begriff, der Barbarei, kritisch inne zu werden.«"
ISF-typisch polemisch, so aber dem Gegenstand immer angemessen, wird unter anderem die Annahme eines anzustrebenden Gemeinwohls im Staat entlarvt oder Kritik an Focault-Jünger und der Leidenschaft für Dekonstruktion in der Postmoderne geübt. Bezeichnend, dass sich, seit 1998 der Beitrag verfasst wurde, am „akademischen Zitierkartell“ (S. 69) in den Geisteswissenschaften bis jetzt nicht viel geändert hat, sei es nun nur die nächste Generation Rezipienten der Rezipienten Heideggers.
Die Zeitlosigkeit der Kritik belegt ihre Treffsicherheit, wie an den Texten zur zweiten Intifada zu sehen ist, da sich bei den antisemitischen Einstellungen in internationalen Organisationen oder Medien nicht viel getan hat, verglichen mit damals. Für jemanden, der die damaligen Debatten nicht verfolgen konnte, werden mit Themen wie dem Irakkrieg oder der Finanzkrise Einblicke in die deutsche Gesellschaft vor 20 bzw. 15 Jahren gegeben - eben ohne dass die Diagnosen historisch oder veraltet sind.