Der Prozess gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe zählt zu den großen Strafverfahren des 20. Jahrhunderts. Die Hauptverhandlung fand von 1975 bis 1977 vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim statt. Belegt der Prozess, dass die Bundesrepublik der Herausforderung durch den Terrorismus standhielt? Oder kann von einem fairen Verfahren keine Rede sein? Bis heute gehen die Einschätzungen darüber auseinander. Hier wird zum ersten Mal eine umfassende Auswahl der unveröffentlichten Gerichtsprotokolle präsentiert. Zahlreiche Anmerkungen erläutern das Prozessgeschehen und ordnen es ein. Das Buch gewährt damit einen unmittelbaren Einblick in einen spektakulären Prozess, in dem der Rechtsstaat mehr als einmal auf die Probe gestellt wurde.
schuchmann & jeßberger haben richtig gecooked und mit der herausgabe und einordnung der protokollausschnitte des stammheimer prozesses nen guten dienst an kritischen jurastudis getan, danke dafür!
das war nicht nur sehr unterhaltsam zu lesen, sondern natürlich auch aus *wissenschaftlicher* perspektive spannend. die auswahl der protokolle macht richtig gut deutlich, was konfliktverteidigung und politische prozessführung in der praxis bedeuten kann, welchen einfluss der politische kontext während eines solchen großverfahrens hat, sogar StPO-feinheiten und all sowas faszinieren plötzlich.
absolut ikonisch für mich, wie die RAF es sowohl als angeklagte als auch als zeug*innen schaffen, das gericht zu boykottieren und den vorsitzenden richter zur weißglut zu treiben. legendär natürlich auch die verteidigung, was würde ich geben um otto schily live prinzing an bein pissen zu sehen. can recommend, am ende aber wahrscheinlich spannender aus juristischer perspektive zu lesen als aus rein geschichtlichem interesse (sofern sich das trennen lässt).