Vicki Baum beschreibt hier ein typisches Dorf bzw. deutsche Kleinstadt irgendwo im Hinterland in den 30er Jahren. Diese scheinbare Idylle wird durch drei Berliner, glamouröse Großstädter, gestört und so langsam kommt Leben in die Menschen. Die Idee ist nicht neu und mittlerweile Gegenstand vieler Bücher. Vicki Baum nimmt sich Zeit für viele einzelne Personen, zeigt deren tristes Leben, egal ob ärmlich oder reich.
Da wäre z.B. die Frau des Geschäftsmannes der Kleinstadt, die depressiv ist und den Besucher verhätschelt und mästet, da sie endlich einen neuen Lebensinhalt hat. Dann der verarmte Gutsbesitzer der im Clinch mit dem zugezogenen Geschäftsmann steht, die Schüler des Gymnasiums die anfangen gegen ihren Direktor zu rebellieren, oder die Arbeiter der Fabrik die anfangen zu revoltieren und zu streiken.
Besonders konzentriert sich Vicki Baum auf die Arztfamilie und Arztfrau. Nicht nur ihr hartes, arbeitsreiches und ärmliches Leben, auch ihre abgestumpfte Gefühlswelt wird aufgemischt als ein fescher Berliner ihr schöne Augen macht. Plötzlich denkt sie dass das Leben nicht nur daraus besteht, dem Mann hinterher zu putzen und den Haushalt zu schmeißen, sondern dass sie auch leben will. Wie sie selbst formuliert, sie wusste nicht dass ihr was fehlt bis sie es gesehen hat. Im Gegensatz dazu die Berliner Filmdiva deren größte Sorge ist, dass ihr Gesicht von dem Unfall entstellt (was für sie gleichbedeutend mit dem Verbleib einer Narbe ist) bleiben könnte. Dabei erscheint sie jedoch nicht weinerlich oder mitleidig, sondern erstaunlich nüchtern und gefasst, ihre schnell getroffene Entscheidung dass im Falle einer Narbe der Selbstmord der einzige Ausweg ist, hat auch nichts wirklich theatralisch divenhaftes, sondern ist lediglich eine sachliche, logische Schlussfolgerung für sie.
Alle Charaktere hat man so schon mal ähnlich kennengelernt, teilweise etwas klischeehaft aber doch irgendwie aus dem Leben gegriffen. Am Ende war, wie der Titel schon sagt, alles nur ein Zwischenfall. Letztendlich sind die revolutionären Gedanken schnell wieder niedergelegt.
Vicki Baum schreibt die Ehe sei so alt, kleine Zwischenfälle wie diese können sie nicht zerstören. In dieser Hinsicht ist das Buch heute nicht mehr aktuell, sondern schlecht gealtert. Dass die Frau am Ende hinterm Herd bleibt, hat mich nicht wirklich befriedigt, auch wenn es abzusehen war, wir befinden uns hier schließlich in der neuen Sachlichkeit. Immerhin gab es ein kleines Aufbegehren was zu einer Aussprache mit dem Mann führt und mich daher etwas versöhnt hat. Die Dorfbewohner zeigen eine Stetigkeit, die der Flatterhaftigkeit der Großstädter gegenüber steht. Eine endgültige Wertung gibt es nicht, was mir letztendlich gut gefallen hat.
Vicki Baum beschreibt das Leben der einfachen Leute und des Kleinstadtlebens zwar durchaus gut, aber nicht so originell und bitterböse wie es ein King tut, oder so sprachlich gekonnt und feinfühlig wie ein Fontane.