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Frühlings Erwachen. Textausgabe mit Kommentar und Materialien: Reclam XL - Text und Kontext

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129 pages, Paperback

Published March 12, 2021

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Frank Wedekind

346 books76 followers
Frank Wedekind was a German dramatist whose bold, unconventional plays reshaped modern theatre by challenging social norms and exposing the hypocrisies of bourgeois morality, especially around sexuality. Raised between Germany and Switzerland and drawn early to travel, performance, and satire, he lived an eclectic life that included work in advertising, time with a circus, and a celebrated stint as a cabaret performer with the influential troupe Die elf Scharfrichter. His fearlessness as both writer and performer made him a central figure in the artistic circles of Munich, where his sharp wit and provocative themes influenced a new generation of socially critical satirists. His early play Spring Awakening caused an uproar for its frank depictions of adolescent sexuality, repression, and violence, while his two-part “Lulu” cycle introduced a character whose rise and fall exposed society’s fascination with desire and destruction. These works challenged censorship, pushed theatrical boundaries, and later inspired films, operas, and adaptations across decades. Wedekind’s personal life was intense and often turbulent, marked by complicated relationships, creative restlessness, and brushes with authority, including a prison sentence for lèse-majesté after publishing satirical poems. His marriage to the actress Tilly Newes brought both devotion and strain, reflected in the emotional swings of his later years. Even near the end of his life, recovering from surgery, he returned to the stage too soon, driven by the same energy that fueled his art. His influence extended well beyond his death, resonating through the Weimar era and shaping the development of expressionism and later epic theatre. Many of his works were translated, staged, or adapted by major artists, ensuring that his confrontational spirit and fearless exploration of human desire would remain part of the theatrical canon.

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1 star
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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
481 reviews460 followers
July 12, 2025
Flaches, plakatives Aufrührerstück ohne Dramatik - eher eine Polemik und Zeitkritik.

Wedekind (1864-1918) wirkte als Lyriker und Dramatiker und geriet über seine ganze Schaffensperiode hinweg in Konflikt mit der Zensur im wilhelminischen Kaiserreich, zumal er sich u.a. mit tabuisierten Themen wie Sadomasochismus, Sexualität und Homoerotik in Dramen wie Frühlings Erwachen oder Lulu befasste. Mit Frühlings Erwachen (1891) erregte er seiner Zeit große Aufmerksamkeit. Es wurde für dieses Stück ein sofortiges Aufführverbot erlassen:

WENDLA. Würdest du mich nicht einmal damit schlagen?
MELCHIOR. Wen?
WENDLA. Mich.
MELCHIOR. Was fällt dir ein, Wendla!
WENDLA. Was ist denn dabei?
MELCHIOR. O sei ruhig! – Ich schlage dich nicht.
WENDLA. Wenn ich dir’s doch erlaube!
MELCHIOR. Nie, Mädchen!
WENDLA. Aber wenn ich dich darum bitte, Melchior!
MELCHIOR. Bist du nicht bei Verstand?
WENDLA. Ich bin in meinem Leben nie geschlagen worden!
MELCHIOR. Wenn du um so etwas bitten kannst …!
WENDLA. – Bitte – bitte –


Das Drama handelt weitestgehend von drei pubertierenden, vierzehnjährigen Figuren: Wendla, ein draufgängerisches, aber in Unwissenheit belassenes, streng erzogenes Mädchen; Melchior, ein liberal erzogener Musterschüler, und sein Kumpel Moritz, der um seine Versetzung fiebern muss und den Versagensängste peinigen. Alles in allem handelt es sich bei diesem Drama um eine teilweise surreale Aneinanderreihung von Szenen, die in einen kopflosen Moritz gipfeln, der Melchior per Händedruck ins Jenseits locken möchte, während ein vermummter Herr um Melchiors Lebenswillen ringt:

DER VERMUMMTE HERR. Erinnern Sie sich meiner denn nicht? Sie standen doch wahrlich auch im letzten Augenblick noch zwischen Tod und Leben. – Übrigens ist hier meinens Erachtens doch wohl nicht ganz der Ort, eine so tiefgreifende Debatte* in die Länge zu ziehen.

In der Tat, Frühlings Erwachen will nicht ein solcher Ort sein. Es ist vielmehr eine Art Provokationsstück mit parodistisch-satirischen Einschlägen, überaus gewollten pädagogischen Kabinettstückchen voller seltsam anmutender Vorstellungen, die den Realismus auf der Theaterbühne bekämpfen und gegen den wilhelminischen Maulkorb aufbegehren. Die Figuren erhalten keine Tiefe. Sie sind reine Schablonen und Projektionsflächen. Körperliche Vorgänge bleiben, wenn überhaupt, nur angedeutet, einzig das gesprochene Wort zählt, und dieses Wort würde retten, so die Moral der Geschichte, darf aber nicht.

WENDLA. […] Warum bringst du auch die Lippen nicht mehr zusammen? – Ich weiß nicht. – Ich weiß es ja nicht, ich finde nicht Worte … […] Ach Gott, wenn jemand käme, dem ich um den Hals fallen und erzählen könnte.

Wedekind verdiente am Anfang seiner Karriere sein Geld unter anderem in Werbeabteilungen und beschäftigte sich mit Marketingstrategien bspw. für Maggi. Vor diesem Hintergrund erscheint das Theaterstück weniger aufklärend denn als Marketingstreich. Zu unklar bleiben die Gefühle der Figuren, zu ungeklärt die Handlungsweisen, zu exaltiert, holzschnittartig die polemisierenden Szenen bspw. von den Gymnasiallehrern oder Melchiors Eltern. Von charakterlicher Entwicklung keine Spur, und der Höhepunkt, die Geisterstunde mit Kopf unter dem Arm, besitzt nur dröge Shakespear‘sche Anleihen von drolligen Totengräbern im dänischen Exil ohne jedweden sprachlichen Witz. Der Coup von Wedekind mag gelungen sein, seine Karriere nahm nach dem Verbot an Fahrt auf, interessanter wird das Stück dadurch aber nicht.
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