Der Held muss in die weite Welt hinaus und Abenteuer erleben, um ein Held zu werden – und eine Geschichte zu haben. Und was ist mit der Heldin? Doris Dörrie erzählt von drei Reisen – nach San Francisco, nach Japan und nach Marokko – und davon, als Frau in der Welt unterwegs zu sein. Sich dem Ungewissen, Fremden auszusetzen heißt immer auch, den eigenen Ängsten, Abhängigkeiten, Verlusten ins Auge zu sehen. Und dabei zur Heldin der eigenen Geschichte zu werden.
In Geschichten werden Drachen und Monster ausschließlich von Männern bekämpft, denen nach ihrer Rückkehr eine Frau die Wunden wäscht und das Kettenhemd ausschüttelt. Deshalb hatten Frauen vermutlich so selten Gelegenheit Drachen zu töten. Doris Dörrie befasst sich mit Frauen, die sich in die Fremde wagen und sich nicht immer bewusst sind, dass sie ihre Wunden selbst verarzten müssen. In einer Bestandsaufnahme der Welt nach dem Ausbruch der Covid-Pandemie nimmt Dörrie ihre Leser/innen mit nach San Francisco, Kyoto und Marrakesch, auf ihre letzten Reisen 2019, bevor Reisen lebensgefährlich wurde. 1955 geboren und mit 3 Schwestern aufgewachsen, gehört die Autorin zu einer Frauengeneration, die bereits couragierte Frauen zum Vorbild hatte und auf ihrem Lebensweg unterstützt wurde. Sei erfolgreich und finanziell unabhängig, war die Forderung an ihre Generation, von glücklich war zunächst nicht die Rede. Doch bereits als Studentin in San Francisco stellt sie fest, dass entschlossene Frauen nur schwer einen Partner auf Augenhöhe finden. Die Codes der 70er, sich und ihren Partnern vorzumachen, sie wolle keine feste Beziehung, um überhaupt eine Audienz zu erhalten, muss Dörries Generation erst lernen. In einer hochinteressanten Spiegelung tritt sie rückblickend ihrer japanischen Freundin Tatsu gegenüber, die sich ein Gesangsstudium in Hannover erkämpfte, um sich schon bald in eine toxische Beziehung zu ihrem Gesangslehrer zu verstricken. Außer Doris Dörries Heimatstadt ergeben sich weitere Verknüpfungen, als Tatsu in Japan Dörries Film „Mitten ins Herz“ sieht und die Frauen Jahre später einen gemeinsamen Urlaub in einem traditionellen Onsen verbringen. Eine andere Spiegelung erleben Dörrie und ihre Freundin Eva auf einer Reise nach Marokko. Eva startet damit in ein Leben als Rentnerin, überzeugt davon, man hätte ihr Karriere und berufliches Ansehen der Filmbranche geraubt.
„Die Heldin reist“ habe ich als kluge Sozialstudie der 70er und 80er Jahre gelesen, die besonders eindringlich wirkt durch die Begegnung mit Tatsu. Es geht darin u. a. um Bodyshaming, das Altern, im Film transportierte Kulturklischees, Macho-Kulturen, Frauen-Freundschaften und nicht zuletzt habe ich gelernt, warum deutsche Befindlichkeiten so eindrucksvoll in Japan inszeniert werden können ...
Weibliches Schreiben hat mich schon immer gecatched aber Dorris Dörie hat diese schwierige Disziplin der Écriture feminine perfektioniert !! Man kann mit den Protagonistinnen immer schmerzlich mitfühlen und obwohl auch Männer ein (Rand-)Thema sind, geht es vor allem immer um die eigenen Erfahrungen und Gefühlserlebnisse als Frau und Mensch. Ein tolles Buch und fast so gut wie ihr Buch „Der Mann meiner Träume“, eins meiner Lieblingsbücher.
Das Buch gibt einen Einblick in das Leben einer Frau, die alleine und in Begleitung von Freundinnen reist. Die Lebensgeschichten haben mich inspiriert und ich konnte ein wenig über kulturelle Gegebenheiten erfahren.
Ein Buch, wie ein heißes Bad. Ohne konkrete Handlung, ohne ein erzwungenes Ziel, beschreibt Dörrie drei Reisen nach San Francisco, Japan und Marokko und ihre Begegnungen auf eben diesen. Die bildhafte Sprache und die klugen Gedanken machen dieses dünne Buch zu einer höchst angenehmen Reiselektüre.
Zum Inhalt: Doris Dörrie erzählt uns hier von drei Reisen und wie es ist, allein als Frau unterwegs zu sein und das mit sehr persönlichen Einsichten. Meine Meinung: Dieses Buch war zum Glück sehr kurz, denn so richtig konnte ich mich nicht mit dem Buch anfreunden. Vielleicht hatte ich auch einfach eine andere Erwartungshaltung. Berührt hat ich das Buch so gar nicht. Ich habe mich zeitweise auch gefragt, was mit die Geschichte eigentlich sagen soll. Einzig der Schreibstil hat mir gut gefallen und das Buch liest sich sehr flott weg. Fazit: Nicht so meins
Dörrie schreibt hier sehr persönlich! über lose Reiseerinnerungen, die sie mit Themen wie Weiblichkeit und Pandemie von San Francisco über Japan bis nach Marrakesch führen.
Mich persönlich hat das Buch nicht ganz abgeholt, aber das muss es auch nicht, denn es bietet vor allem einen sehr individuellen Einblick in ihre Welt.🌍
Es ein kurzes Buch aus der Lebensgeschichte von Doris Dörrie. Es geht um Alleinreisende Frauen, Freundschaft, toxische Beziehungen, kulturelle Unterschiede, Weiblichkeit, Frauenbild und Altern. Insgesamt hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Die vielen kleinen Geschichten sind zeitlich durcheinander und teilweise springen die Informationen sehr schnell von einem Handlungsstrang zum nächsten. Ich weiß nicht, ob ich es nochmal lesen würde, deshalb nur 3 Sterne. Irgendwas fehlte, es war dennoch sehr unterhaltsam.
Dörrie reflects on the story arcs of our lives, love, lust, and loss, while jumping between travel stories from her own life and the memories of her companions.
Focusing on the life of aging women, this book is of course not written for me. Yet, whereas I really enjoyed to switch perspectives elsewhere (Annie Ernaux comes to mind), "Die Heldin reist" did not work for me. The reflections on writing and how-to-tell-one's-story seemed overly self-conscious and superficial-theoretical, building mainly on "hero's journey" folklore. Big parts of the book are dedicated to the life-story of a random encounter she had in Tokio. I will grant her that the story of the sex life of a Japanese woman in Hanover is actually something a stranger told her after knowing her for a day and not something Dörrie made up. Still, the story itself pales in comparison to the literate magnificent of Ernaux' (from Mémoire de fille), which it resembles a tad too much.
Finally, I am not convinced the structure around "San Francisco, Tokyo, Marokko" works that well. Dörrie doesn't much interact with these places, she rather uses them as shiny stages for reflections and thoughts that are more context-less. (Again, her visit in Tokyo is mainly a frame to tell a story of a Japanese woman back in Germany - sad as this seems to be the place where she actually is more than a tourist.) As such, the title and blurb disappoint, leaving the shallow aftertaste of one of those blog posts that shine with generic stock photos of "exotic" places, completely unconnected from their content. It's a pity, as her writing has the depths to do more than that.
Ich mochte es sehr. Lose Reiseerinnerungen, Sehnsucht nach der Fremde, dem Reisen und Reflektionen über sich selbst. In Beziehung gesetzt zu Pandemie, Alter, Weiblichkeit. Schön.
Als Analyse der Heldinnenreise fällt das Buch komplett flach. Am Anfang einmal kurz die Heldenreise erklärt, auch weit gefasst, scheint Doris Dörrie das Potential der Heldinnenreise überhaupt nicht zu erkennen. Abgegrenzt zur Heldenreise beschreibt sie Heldinnen nur als die Trophy Wives der Helden, die schön zuhause bleiben, und um die Helden sich nie fürchten müssen (von Fridging hat sie scheinbar auch nie gehört - Frauen, die sterben, damit der Mann sich nur deswegen Gefühle erlauben und dann blutige Rache nehmen kann).
Es ist, als könne sie sich nicht vorstellen, dass es weibliche Hauptfiguren mit ihren eigenen Reisen gibt und sie müsste sie erst selbst erfinden. What the fuck? Dabei gibt es eine lange Geschichte weiblicher Hauptfiguren, die hier ignoriert werden und bei denen Reisen schon typisches Handlungselement ist. Allein schon Heiraten fällt unter narratives Reisen, ob es nun der Einzug beim Ehemann oder die Einführung der Debütantin in die Gesellschaft ist. Zahlreiche Geschichten handeln davon. Dazu kommt noch das riesige Thema der Heldin, die weg vom Zuhause muss, weil es unsicher ist (da geht es eher darum, das Reisen überhaupt erst zu ermöglichen als das Reisen selbst). Sogar in Märchen wie Schneewittchen, Aschenputtel oder Rapunzel ist es DER zentrale Konflikt.
Und das sind nur die Geschichten, die in etwa den damaligen Konventionen entsprechen, unkonventionelle Heldinnen kommen ja noch dazu! Allerdings wischt Doris Dörrie Actionheldinnen schlichtweg als Männerphantasien beiseite, eigentlich eine Beleidigung für die ganzen gegenwärtigen Autor*innen, die Fantasy für Mädchen und Frauen schreiben. Es wirkt echt so, als wäre das alles Doris Dörrie egal oder unter ihren Niveau.
Ich finde, das Buch sollte einfach ehrlicher darüber sein, dass es keine Art von Literaturanalyse, sondern autofiktionales Nachdenken über Reiseerlebnisse der Autorin ist. Mag ich diese allerdings? Nicht so wirklich. Einzig die Schilderungen ihrer japanischen Freundin Tatsu tragen das Buch. Eigentlich hätte ihre Geschichte ein eigenes Buch verdient statt in konfuse Versatzstücke gewickelt zu werden.
Erstaunlich, wie ihr die Verstrickung des aktuell Erlebten mit denen ihrer Reiserinnerung gelingt. Anfangs fühlte ich mich etwas unliebsam reingeworfen. Es gibt viele zusammenhangslose Geschichten. Genial ist der Bezug zur Heldenreise. Und ihr Buch, ein weiterer Beweis, dass es auch ohne diese universale Formel des gewandelten Heldens geht. Was auch bleibt ist der Eindruck einer tief blickenden Doris Dörrie, in die man sich nur verlieben kann. Verwundbar, aufrichtig und unvermittelt vertraut sie sich dem Lesenden an. Nicht zu tief blickend, Gesicht wahrend ergibt sie sich und ihre Geheimnissen. Das macht das Werk reich an Seelenfutter. Die Beziehungen zu den Männern ihrer Freundinnen sind komplex aber Dörrie fängt sie ein und sie werden leicht wie ein Schnappschuss. Eine bereichernde Lektüre mit der man vom Balkon aus reisen kann.
Die Heldin reist von Doris Dörrie ist ein sehr persönliches Buch und hat mich auf vielen Ebenen angesprochen. Wir lesen von 3 besonderen Orten und damit verbunden Menschen, die der Autorin wichtig sind: San Francisco, Japan und Marrakesch. Die San Francisco Reise bildet eine Art Rahmen um die beiden anderen, wobei Japan der Schwerpunkt zukommt. Mit Japan verbindet die Autorin sehr viel - und sie findet eine Freundin, deren (teils sehr traurige) Geschichte Teil des Buches ist. Marrakesch bereist sie mit einer deutschen Freundin. Ich mochte den Stil des Buches sehr - teilweise augenzwinkernd, oft lebens-weise und auch nachdenklich, manche Stellen schockierend, andere lustig und skurril. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter - es ist sehr lesbar und vor allem persönlich und ich habe Dinge erfahren, die ich noch nicht wusste, über den Menschen Doris Dörrie.
"Die Heldin reist" hat mich wirklich überrascht, was wahrscheinlich nicht zuletzt daran lag, dass es mein erstes Buch von Doris Dörrie war. Zu Beginn schreibt die Autorin viel über die klassische Heldenreise, über Dramaturgie und die Rollenklischees von Mann und Frau. Doch dann taucht Doris Dörrie in drei Länder ab - Japan, San Francisco, Marokko - und nimmt uns mit auf eine Reise voller Ambivalenzen, berührender Schicksale und Menschlichkeit.
"Die Heldin reist" ist eine Reflexion ihres eigenen Lebens und ist dabei so vielfältig. Das Buch behandelt wichtige Themen, wie Feminismus, Rassismus und häusliche Gewalt; aber auch vermeintlich persönlichere wie Fernweh, die Angst vor dem Versagen, die Verantwortung einer/eines Reisenden. Ein schönes Buch, nicht nur für Frauen - aber vor allem für Frauen.
I liked it. The beginning was great! How the author treated the subject of the female role in action stories was super interesting to read. Young boys have to face the fear of live to become a man, but the girl (at home) has to worry about the beloved boy. Has to stay home. Waiting for the boy to become a man. What happens with the girls. What is about their personal process? The author pointed it out really well. The only thing I find hard to read is the story about the japanese girl in Hannover. Her bad story is described in an increadible neutral way. That makes it even worse for me to read.
Angenehmes, sympathisches, inspirierendes Buch, aber irgendwie zu kurz! Ich glaube, es stört mich, dass ich das Buch in zwei Stunden durchgelesen hatte, weil ich dann denke, die Autorin hat das mal eben so runtergeschrieben und musste sich gar nicht groß bemühen, und dann kostet das großzügig gesetzte und hübsch gebundene Buch dafür zu viel Geld, und dann bin ich neidisch auf die reiche Doris. :-)
Die Prämisse des Buchs, dass "die Heldin auszieht, um das Fürchten zu lernen", ist interessant: man begleitet die Autorin auf drei Reisen. Diese werden alle kurzweilig und anschaulich geschildert und bringen sehr tiefgründige und ernste Themen hervor. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, direkt mitten im Geschehen zu sein. Klare Leseempfehlung.
Kurzweiliges Buch in dem Dörrie Reiseanekdoten wiedergibt, Lebensgeschichten von Bekannten skizziert und Einblicke in die Sonnen- und Schattenseiten des eigenen Leben gibt. Teilweise aber in ihrer Selbstdarstellung etwas widersprüchlich.
It’s separated in 3 different countries. The USA part didn’t catch me but the other two were quite nice! I read it while traveling which was perfect cause otherwise I probably would have got the desire to travel. Overall I liked it.
Die Heldin reist gerne spontan.... und so schreibt sie auch... unterhaltsam schweifen ihre Gedanken von konkreten Reiseerfahrungen zu verschiedensten Lebenserfahrungen in einem ganzen Frauenleben... Für mich als in den 50ern Geborene gab es viele Anknüpfungspunkte...
Ein kleiner Einblick in das Leben der Autorin und kleine Bekanntschaften. Der Schreibstil ist sehr erzählerisch, wenig direkter Dialog. Ganz interessant für zwischendurch. Ich persönlich konnte mich leider mit der Autorin nicht differenzieren, kannte sie und ihre Filme bisher auch gar nicht.
Ich habe schon einiges von Doris Dörrie gelesen und liebe ihren Schreibstil. Hier fand ich die Geschichten leider teilweise etwas langatmig. Dennoch toll geschrieben, schöne message und einige wirklich schöne Stellen.
Doris Dörrie berichtet davon, was es bedeutet, als Frau in der Welt unterwegs zu sein und sich immer wieder neu dem Ungewissen, Fremden auszusetzen und dabei den eigenen Ängsten, Denkgrenzen und Vorurteilen mutig ins Auge zu sehen!
Hat mir gut gefallen – kein klassischer Reisebericht, sondern eher eine Reflexion über das Unterwegssein. Die Reisen dienen als Kulisse für persönliche Gedanken und Beobachtungen. Leicht, unterhaltsam, stellenweise tiefgründig – insgesamt sehr sympathisch.
Hat mir überraschend gut gefallen. Habe es eigentlich nur als Ersatzlektüre in die Ferien genommen. War mein erstes, aber sicher mein letztes Dörrie-Buch. Insbesondere der Japan-Teil hat mich sehr gut unterhalten.
Hab so ziemlich das halbe Buch Zeit gebraucht, um reinzukommen. Hatte es schon verflucht, und nur noch aus Sorge um Geldverschwendung für das Buch weitergelesen, da wurde es plötzlich richtig toll.