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Schildmaid - Das Lied der Skaldin

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EINE GÖTTLICHE STIMME AUS DER TIEFGRÜNEN SEE. EIN BLAUES SEGEL IN EINEM TRAUM. UND DER AUFBRUCH ZU EINER REISE, VON DER ES KEIN ZURÜCK MEHR GIBT...

Seit sieben Jahren baut die Einzelgängerin Eyvor ein Drachenboot in einem Fjord. Als sich immer mehr Außenseiterinnen um sie scharen, wird sie unerwartet zur Kapitänin eines Schiffes, das eigentlich niemals in See stechen sollte.
Die Letzte, die sich ihr anschließt, ist Herdis, das Krähenkind: Verfolgt von Berserkern zwingt sie die Gruppe zum Aufbruch. Es beginnt ein tödliches Wettrennen vom skandinavischen Festland bis ins Land der Eisriesen hinein, an dessen Ende nichts Geringeres droht als Ragbarök, das Weltende selbst.

Mystisch, mitreißend und abenteuerlich: eine moderne Neuinterpretation nordischer Sagen.

476 pages, Kindle Edition

First published February 24, 2022

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About the author

Judith C. Vogt

85 books38 followers

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Community Reviews

5 stars
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4 stars
49 (32%)
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25 (16%)
2 stars
9 (6%)
1 star
5 (3%)
Displaying 1 - 30 of 39 reviews
Profile Image for Anna Carina.
685 reviews353 followers
January 27, 2024
Noch nie ein sprachlich so tolles Buch aus der Phantasiewelt wie dieses gelesen. Es ahmt die Eposform nach und erinnert etwas an die Odyssee.
Nordische Mythologie trifft Empowerment der Frauen gegen das Patriarchat.
Wäre das nicht Stellenweise zu arg plakativ pädagogisch in den Vordergrund gerückt worden, hätte das Buch nix anderes als 5 Sterne bekommen.
Es ist rasant erzählt, dicht, actiongeladen, spannend und rührend.
Die Mädels rackern sich in ihrer schicksalsträchtigen Welt ab, um einen Platz zu ergattern. Runen, mythologische Wesen, Kämpfe, Göttergeschenke, Vorherbestimmungen. Ein buntes Potpourri, das fantastisch unterhält und am Ende die volle Wucht der Wut entlädt 💥.
Profile Image for Roxane Bicker.
Author 19 books28 followers
March 14, 2022
Nordische Saga meets Fantasy meets Smash the Patriarchy.
Eyvor erfährt den Ruf der Göttin Rán, baut sich ein Langboot und fährt mit einer Gruppe Frauen ins Ungewisse. Ihr Weg führt sie nach Doggerlund, Anglia und in den hohen Norden, wo sie sich ihrem Schicksal stellen müssen.
Ich weiß gar nicht recht, wie ich zu diesem Buch eine Rezension schreiben soll. "Schildmaid" ist etwas ganz Eigenes und wird sicher nicht zu allen sprechen. Es ist ein Untraum, es ist eine Richtung, es ist wie die stürmischen Wellen der See, auf die man sich einlassen muss, um von ihnen davongetragen zu werden. In der Geschichte steckt so viel Wahrheit, so viel Aktualität, dass es manchmal schmerzt und doch fängt eine die Schiffsgemeinschaft immer wieder auf. "Schildmaid" ist eine Geschichte von Selbstfindung und Selbstbestimmung, vom Auf-Brechen, von Vielfalt, von Schmerz und von Liebe. Eine Geschichte, auf die man sich einlassen sollte, dann gräbt sie sich wie eine Rune tief ins Herz und bleibt dort, um zu strahlen (okay, jetzt wirds poetisch ><)
Große Liebe an Eyvor und Skade, noch größere Liebe an Ulfberht und vor allem an Tinna (TINNA, ehrlich, wie kann man eine Person mit all ihren Eigenheiten so toll beschreiben???).
Lest dieses Buch, es ist progressive Phantastik at its best.
Profile Image for Aleshanee.
1,722 reviews127 followers
Read
March 26, 2022
Das ist wirklich ein ganz besonderes Buch - mit dem ich leider so meine Schwierigkeiten hatte.
Am Anfang war ich mir unsicher, ob ich es lesen kann bzw. ob ich verstehe, um was es geht. Es wirkte irgendwie als würde ich einen alten Bibeltext lesen... wie ich den Schreibstil beschreiben soll, fällt mir echt schwer, ich kenn mich da auch zu wenig aus wenn es um Begriffe wie Prosa oder Lyrik geht, aber so ähnlich fühlte es sich für mich an.
Ich hab echt schwer reingefunden.

Als eine "moderne Neuinterpretation" würde ich es jetzt deshalb nicht beschreiben - neu ist allerdings, dass hier die Frauen in der Wikingerzeit die Hauptrolle spielen. Nicht die starken, Äxte schwingenden Carls und plündernden Eroberer, sondern deren Frauen, die auf dem gesellschaftlich absteigenden Ast stehen.
So ganz ist mir die Frauenrolle aus dieser Zeit nicht so wirklich klar, dazu weiß ich zu wenig über die Wikingerzeit. Allerdings gab es, so wie es auch im Titel dieses Buches heißt, durchaus "Schildmaiden", die mitgekämpft haben; und während die Männer auf Beutezug waren, mussten die Frauen sich zuhause um alles kümmern, hatten also durchaus eine wichtige und verantwortungsvolle Rolle. Zumindest entstand für mich dieser Eindruck aus dem, was ich bisher über diese Zeit gelesen und gesehen habe (auch aus der Serie Vikings) Dass sie oft sehr unter der Dominanz der Männer gelitten haben ist aber durchaus klar.

Nachdem ich mich jedenfalls etwas eingelesen hatte, hab ich den Rhythmus gefunden.
Dass Eyvor als Witwe eines Schiffbauers sich ihren unträumbaren Traum verwirklicht und in einem verborgenen Fjord über Jahre ein Schiff baut, fand ich schon faszinierend. Und auch, wie man währenddessen mehr über die anderen Frauen erfährt, die schließlich zu ihr finden und mit dem Schiff in See stechen.

Etwas schwer getan hab ich mich auch mit den ungewöhnlichen Namen, die sicher genau passend sind für die damalige Zeit. Aber dazu kommen viele Begriffe, die ich nicht kannte und deren Bedetutung ich mir dann aus dem Text zusammenreimen musste. Manches hab ich auch nicht verstanden und oft dann auch die Lust verloren, wenn dann ganze Passagen verständnislos an mir vorüber gezogen sind.
Ich hab mir ja ein paar Rezensionen zu dem Buch durchgelesen, vorher, und mich hat etwas gewundert, dass keiner so wirklich auf diesen ungewöhnlichen Stil eingegangen ist. Wahrscheinlich hätte ich mir dann vorher erst eine Leseprobe durchgelesen.
Es sind auch immer wieder Textstellen kursiv gesetzt - was dahintersteckt, hab ich nicht rausfinden können...

Es kommen schließlich noch phantastische Elemente dazu und einiges aus den alten Sagen, was ich wiedererkannt habe. Trotzdem konnte ich mich nicht so recht einfinden in die Geschichte. Auch zu den Charakteren konnte ich keinen Bezug aufbauen, die zwar sehr gut skizziert waren und jede der Frauen ihre spezielle Art hatte, aber alleine vom Stil her bin ich nicht in der Geschichte angekommen. Und konnte somit auch nicht wirklich mitfiebern.

Letztendlich hab ich es dann nach 150 Seiten abgebrochen.
Man merkt, dass die beiden Autoren sich wirklich immens viel Mühe gegeben haben mit der Authenzität der Zeit, auch wenn Fantasy-Elemente vorhanden sind. Die vielen Details lassen aber auf sehr gut recherchierte Hintergründe schließen, wie man auch im Nachwort erfährt.
Zum Verständnis gibt es im Anhang auch noch ein Glossar mit den vielen Begriffen - grade für das Ebook wären aber Fußnoten oder ähnliches sehr von Vorteil gewesen, da ich es umständlich ist, immer wieder zum Glossar und wieder zurück zu switchen.

Da ich es im Grunde als wirklich außergewöhnliches Werk betrachte - auch wenn es nicht meinen Geschmack getroffen hat, möchte ich auf eine Bewertung verzichten, da ich es nicht zu Ende gelesen hab. Es wird sicher viele finden, die sich dafür begeistern können, aber meins war es leider nicht.
Profile Image for himbeerbuch.
426 reviews41 followers
June 23, 2022
4 - 4.5 ⭐

Was Wikingerkram angeht war ich schon immer sehr skeptisch. Irgendwie hat mich das nie abgeholt, da ich nie Lust hatte, mich mit der Dekonstruktion des von rechts vereinnahmten Wikingerbildes (aka weiße, blöde, bärtige, wütende Männer, Runen, Natur...) zu beschäftigen. Auch das Bild der "starken Frau" a la Lagertha konnte mich nie catchen und nordische Mythologie fand ich immer weird (wobei, welche Mythologie ist das eigentlich nicht lol).

Schildmaid - Das Lied der Skaldin hat mich da eines Besseren belehrt - denn ja, diese Dekonstruktion lohnt sich auf jeden Fall - und ist so wichtig; damit sich alle safe mit dem Genre Viking Age Geschichten beschäftigen können.

Die Erzählweise am Anfang hat mich direkt fasziniert. Noch dazu kommt, dass Lydia Herms ein absolut grandiosen Job für das Hörbuch gemacht hat. Es hat sich wirklich angefühlt, als würde mir jemand eine nordische Saga erzählen.
Ebenfalls liebe ich, wie unapologetic queer und konsequent das Buch ist; teilweise schmerzt es richtig, macht unfassbar wütend, wenn durch die Charaktere Themen wie patriarchale Gewalt, Queerfeindlichkeit, etc. thematisiert werden. Und generell - die Themen waren ein großes, feministisches Highlight und bei mir wurden so einige Emotionen bei der Lektüre ausgelöst! Die Gemeinschaft dieser Truppe und die gegenseitige Unterstützung untereinander stand dabei im Vordergrund, was mir richtig gut gefallen hat. Toll fand ich auch den Bezug zu den Sagas und der Rolle der Frau darin, der immer wieder in die Geschichte eingewoben wurde.

Teilweise hätte die zweite Hälfte des Buches gemächlicher und mit weniger Plotpoints von statten gehen können, dafür mit noch mehr Mystik, wie am Anfang der Geschichte, aber diese kleine Kritik bezieht sich wohl wirklich eher auf meinen eigenen Lesegeschmack, was Mythologie-Retellings etc. angeht.

Ich fand es super, dass das Nachwort im Hörbuch inbegriffen war, denn so weiß ich jetzt, wo ich mich weiter über das Viking Age informieren kann. Das Buch von Neil Price - The Children of Ash and Elm: A History of the Vikings - wird im Herbst auf deutsch erscheinen. Vielleicht schaue ich da mal rein und werde noch zum richtigen Viking-Fan!

Also: Empfehlung für alle, die bisher vielleicht noch nichts mit Viking Stories anfangen konnten. Aber auch Fans des Viking Age-Genres und nordischer Mythologie kommen bei dieser gründlich recherchierten, klischeefreien Saga auf ihre Kosten.
Profile Image for Monemi1986.
199 reviews4 followers
March 30, 2022
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Wenn ich bisher an Wikinger gedacht habe dann waren es starke Männer, die ausgezogen sind um zu rauben und zu morden. Jetzt werde ich immer zuerst an die tapferen Frauen der Skjaldmær denken. Die Gruppe hat mich stark beeindruckt. Am Anfang habe ich mich mit den Namen ein bisschen schwer getan. Auch kannte ich nicht alle Begriffe der nordischen Mythologie aber diese fand ich gut erklärt. Es gibt auch ein Glossar, das ich im ebook mal wieder erst am Ende entdeckt habe. Mittlerweile sollte ich es besser wissen. Die Gruppe ist sehr vielfältig. Es gibt die unterschiedlichsten Charakterzüge und insbesondere eine Person ist wahnsinnig stur und steht sich öfter selbst im Weg. Ein paar queere Charaktere kommen auch vor und eine davon konnte mein Herz besonders erobern. Am Ende des Buches gibt es auch Triggerwarnungen. Diese wären wohl am Anfang besser aufgehoben. Auch das Nachwort fand ich sehr interessant. Das lohnt sich wirklich es zu lesen. Wer ein Buch über starke Frauen und die Abenteuer, die sie erleben, lesen möchte ist hier definitiv richtig.
Profile Image for Miss Pageturner.
424 reviews33 followers
January 23, 2023
Schildmaid war mein Buddy Read im November, was ich zusammen mit Nenatie gelesen habe. Wir haben uns viel vom Buch versprochen, erntete es doch bereits sehr viel Lob und wurde für seien Progressivität gefeiert. Leider muss ich aber sagen, dass der Funken weder bei mir, noch bei Nenatie übergesprungen ist. Warum,weshalb, wieso, will ich jetzt näher erläutern.

Ein Buch, dass die Vielfalt feiert
Doch fangen wir mit dem positiven an. Das Buch hat eine klare Mission: Es möchte Vielfalt abbilden, Gesellschaftsstrukturen hinterfragen und mit Rollenbildern brechen. Alles Ziele, die ich ohne weiteres begrüße und unterstütze. Besonders das Hinterfragen der Rolle der Frau, was Mutterschaft bedeutet und das Beleuchten verschiedener Lebensmodelle fand ich gut gelungen.

"Die größte, schrecklichste Macht, die es gibt, ist die Illusion, dass es nur eine mögliche Art und Weise gibt, wie wir leben können."
(Schildmaid: Das Lied der Skaldin von Judith & Christian Vogt, Piper, 2022, S. 335)


Ebenso positiv fand ich, wie die AutorInnen ihre queeren Charaktere in historischer Kulisse umschrieben, ohne auf moderne Begriffe zurückgreifen zu müssen. Das hatte zudem die Wirkung, dass man sich solchen Charakteren als LeserIn ganz anders nährte. Es war nicht sofort klar, diese Person ist Trans und die andere Genderfluid, man fand es erst nach und nach hinaus, indem die Charaktere ihre eigenen Worte fanden, um das, was sie sind und fühlen zu umschreiben.
Auch sonst gehen Judith und Christian Vogt sehr sensible mit ihren Charakteren um und wenden viel Zeit und Seiten dafür auf, ihre Gefühlswelten zu erkunden, wobei sich viele Charaktere tatsächlich erst im Verlauf der Handlung bewusst werden, wer sie sind und wer sie sein wollen, was zu einigen gut gelungen Charakterentwicklungen führt.

Irgendwo ist auch ein Plot versteckt
Doch so sehr ich die Diversität in diesem Buch an sich begrüße, hat mir manches nicht zugesagt. Mein Hauptproblem mit dem Buch lässt sich im Grunde auf zwei Faktoren reduzieren: 1. Die AutorInnen wollen zu viel und 2. Sie wollen es zu sehr. Man ist bemüht, wirklich jeder marginalisierten Gruppe von Menschen einen Platz auf der Skjaldmaer zu verschaffen, Was in der Theorie eine lobenswerte Idee ist, führt in der Praxis jedoch dazu, dass wir eine Schiffsbesatzung von 20 Frauen haben, von denen wir bei den meisten nicht viel mehr wissen, als ihre “besondere” Eigenschaft. Natürlich erwartet niemand komplette Backgroundstorys zu jedem Nebencharakter, trotzdem fühlte sich für mich ein Großteil der Besatzung der Skjaldmaer wie pures Dekowerk an, damit es eben eine genderfluide Person, eine asexuellen Person oder einen Menschen mit Behinderung im Team gibt. Als gäbe es eine Quote zu erfüllen. Das ist insoweit schade, als dadurch deren eigentlich wichtigen persönlichen Geschichten untergehen.

Doch nicht nur mit den Charakteren, auch sonst haben sich die AutorInnen thematisch viel vorgenommen. Da steht an vorderster Front natürlich der Kampf gegen patriarchale Strukturen und feste Rollenbilder, aber auch Mutterschaft, Endometriose, Rassismus, offene Familienmodelle und viele weitere gesellschaftlich höchst relevante Themen wollen angesprochen werden, das benötigt Zeit und Seiten, da Dialoge zwischen den Charakteren hier das Mittel der Wahl sind, gesellschaftskritische Themen zu verarbeiten. Und zwischen all diesen Gesprächen geht der Plot dann leider völlig unter. Der Auftrag der Götter wird zur Nebensache, der Viking Raubzug zur Kulisse und das Buch beginnt ziemlich zäh zu werden. Für mich persönlich sogar umso mehr, da ich Skade, eine der Hauptprotagonistinnen, echt nicht leiden konnte und sie wahnsinnig nervig fand, sodass ich jedes Mal, wenn eine Passage aus ihrer Sicht kam, nur hoffte, er möge schnell wieder vorbei sein.
Letztendlich erfüllt Schildmaid nicht mehr das, wofür ich es lese: um eine interessante Geschichte mitzuerleben. Stattdessen kommt man sich vor wie in einer Podiumsdiskussion, was an sich ja nicht uninteressant ist, aber dafür hätte ich eben nicht zu einem Fantasybuch greifen müssen. Ich denke es hätte dem Buch gut getan, wenn weniger Themen im Vordergrund gestanden hätte, diese aber gekonnter mit der Handlung verknüpft worden wären, sodass beides, Plot und Gesellschaftskritik, mehr Raum zur Entfaltung gehabt hätten.

Komm liebe*r Leser*in, ich nehm dich an die Hand
Vielleicht hätte mich all dies gar nicht so sehr gestört, wenn ich nicht permanent das Gefühl gehabt hätte, ich sei ein Kleinkind, dass von dem AutorInnenpaar an die Hand genommen muss, damit es auch ja keine tiefgründige Stelle verpasst. Alles von der ersten, bis zur letzten Seite wirkt rigoros durchkonstruiert. Die Geschichte entfaltet keinen Lesefluss, der sich “natürlich” anfühlt. Stattdessen fühle ich mich als Leserin herumgeschubst und belagert. Jeder Satz wurde mit Bedeutung aufgeladen, jede Äußerung der Charaktere ist bewusst tiefgründig arrangiert. Es ist eine einzige Inszenierung, die trotz gut gemeinter Absicht auf Dauer einfach nur noch anstrengend ist. Man hätte den LeserInnen hier durchaus mehr Eigenständigkeit zutrauen können und sie selbstständig gewisse Problematiken entdecken lassen können, als es ihnen immer direkt ins Gesicht zu werfen. Manchmal erzeugt Subtilität ein umso größeres Echo und manche Botschaften zwischen den Zeilen hallen umso länger beim Leserin nach, weil man sie sich selbst erarbeitet hat. Beides ist bei Schildmaid leider nicht zu finden.

Fazit:
Ich habe größten Respekt vor dem, was das AutorInnenduo Vogt hier erreichen wollte, trotzdem bleibe ich dabei: Diversität allein macht noch kein gutes Buch. Es ist toll gesellschaftskritische Themen einzuarbeiten und marginalisierten Gruppen eine Stimme geben zu wollen, wenn darüber hinaus aber sämtlicher Plot flöten geht und ich permanent das Gefühl habe in bestimmte Richtungen geschubst zu werden, dann macht es einfach keinen Spaß zu lesen, schade.
Profile Image for machinaheart.
429 reviews6 followers
December 14, 2023
In KURZ: ziemlich bolle! und an sich auch genau das, was die tags hinten im buch sagen, also wenn die ansprechend sind, dann los!

In LANG:
meine lieblinge bei tags und content notes waren: vielfalt weiblicher erfahrungen, wahlfamilie, gemeinschaft von abwechler*innen und meerestierhorror!

DIE HAUPTFIGUREN machen alle was her und zwar so viel, dass ich von einigen noch so viel mehr sehen möchte. eine ganz wunderbare, diverse truppe. besondere liebe gilt der skaldkunna meines herzens tinna und dann herdis und ihrer kraka!

DIE GESCHICHTE wurde sehr oft als "buddy road movie mit 20 frauen auf einem drachenboot" bezeichnet und das unterschreibe ich genau so! in den mix dazu kommt dann noch die nordische mythenwelt und die segel sind gesetzt!

DIE NEBENFIGUREN sind unheimlich, unheimlich toll! bodil und allgemein wie mit gebärdensprache umgegangen wird las sich wunderbar. ich habe mich sehr in den kleinen wildkater verliebt und auch wenn er wenig vorkommt hat sich birger mir tief ins herz gesetzt. (und birger! BIRGER!)

DIE WELT ist schön und schaurig und kalt und rau gewesen. es gab für mich recht viel neues, weil ich mich mit der nordischen sagenwelt wenig auskenne und ich habe es sehr gemocht. alles fühlte sich stimmig und atmosphärisch an, so sehr, dass ich kurz nach dem zuschlagen des buches noch fast das salz in der brise schmecken konnte...

DIE WENDUNGEN UND DER VERLAUF waren auch wundervoll stimmig. lange konnte ich mir nicht so ganz vorstellen wie es denn genau verlaufen wollen mag und das habe ich sehr genossen. ab einem bestimmten punkt (insel mit o.) kamen mir mehr und mehr ideen und auch das habe ich sehr genossen, anders als das wundern aber gleich intensiv! und ein wunsch für eine meiner lieblingsnebenfiguren hat sich erfüllt und das hat mir sogar die tränen in die augen getrieben. im besten sinne!!

ALLES IN ALLEM bin ich sehr froh diese reise angetreten zu haben und kann sie jede*m empfehlen, dem dir prämisse gefällt. alleine tinna zuliebe, wirklich, tinna!!

kleiner zusatz am rande: es wäre schön gewesen, wenn bei den inhaltswarnungen auch queerfeindlichkeit dabeigestanden hätte und auch für das slut shaming fände ich einen etxtra hinweis nicht schlecht. (letzteres mag für manche sicherlich unter der warnung "sexualisierte beleidigungen" abgedeckt sein, in dem kontext, in dem es vorkommt, aber es war auf eine art und weise drin, für die ich persönlich eine detailierte cn gut fände.) alles in allem finde ich aber die CN und auch die tags gut und wichtig und es ist dahingehend wirklich nur ein zusatz zu einem gut gestalteten vor und nach für dieses buch. das nachwort ist auch TOLL und mehr als lesenswert!

(ich kenne die autoren des buches persönlich, falls das etwas für euch review-lesende ändert, wollte ich das gerne hier hinzufügen.)
Profile Image for Ceciliasophie.
220 reviews10 followers
April 7, 2022
Mit nordischer Mythologie habe ich bisher wenige Berührungspunkte gehabt. Aufgewachsen bin ich mit den griechischen und römischen Sagen (den von Peter Kaempfe sensationell vertonten geschrieben von Dimiter Inkiow) und denen blieb ich weiter befeuert durch Latein und Alt-Griechisch auf dem Gymnasium bis heute treu. Einzig die Erzählung der nordischen Mythen und Sagen von Neil Gaiman brachten mir diese etwas näher.
Und ich muss gestehen, dass ich trotz reichlicher Bemühungen immer noch zu schnell und zu einfach in Schubladen-Denken verfalle. Nordische Sagen hatten für mich bisher einen eher negativen Beigeschmack, sie wirkten mir zu rau, teils zu brutal. Bestärkt wurde ich in meiner eigenen beschränkten Sichtweise dadurch, dass diese Mythologie immer wieder durch rechte Ideologien missbraucht und instrumentalisiert wird.

Aber wenn sich ein Autorenduo wie die Vögte an ein Buch setzt, dann weiß ich inzwischen aus Erfahrung, dass ich eine Geschichte geliefert bekomme, die voller fantastischer Elemente die Leser:innen in ihren Bann zieht, gesellschaftskritisch ohne mit dem Finger erhoben auf Missstände hinweist, mit Vorurteilen aufräumt und dabei dann auch noch eine absolut fesselnde Lesezeit bietet.

„Schildmaid“ ist eine Sage, angelehnt an die Sagen der nordischen Mythologie und nimmt Leser:innen gleich sehr atmosphärisch in Empfang. Der Schreibstil ist ganz anders, als ich ihn erwartet habe und anders als ich ihn so kenne. Stilistisch wirkt er vor allem durch die allwissende Erzählperspektive und den kurzen Beschreibungen weniger wichtiger Charaktere wie eine Geschichte, die schon wiederholte Male erzählt wurde. Wie eine Nacherzählung oder Sage, also sehr passend und wunderbar geschrieben. Ich mochte den Schreibstil sehr!
Die kurzen Kapitel, die mal ein paar Seiten, oft aber auch nur ein paar Absätze lang sind, sind wohl typisch für die nordischen Sagen und ich finde es wirklich toll, wie viel Zeit spürbar in die Recherche geflossen ist. Das ist noch an weiteren Stellen im Buch und um das Buch herum zu merken.
Zum Beispiel gibt es keine Karte, obwohl diese bei dem Abenteuer der Schildmaid manchmal ganz nett gewesen wäre. Aber das Autorenduo hat sich dagegen entschieden, da es unter anderem im Viking Age keine Karten gab. Ein weiterer, kleiner Detailpunkt, der zur tollen Atmosphäre beiträgt! An dieser Stelle seien einmal die Social Media Kanäle und die Website empfohlen, auf denen sich wirklich viele weitere Hintergrundinformationen zum Buch finden lassen. Unter anderem auch,

Und nun habe ich, sehr ungewöhnlich für mich, abschweifend viel über das Buch geschrieben und sehr wenig über die Charaktere und den Inhalt. Aber bei manchen Bücher muss in einer Rezension etwas weiter ausgeholt werden, damit all die tollen Punkte Erwähnung finden.
Es wimmelt in diesem Buch nur so von interessanten und facettenreichen Charakteren. Nicht alle können natürlich mit derselben Akribie beschrieben werden, schließlich befinden sich fast 20 Personen auf der Schildmaid. Aber ausgewählte Frauen und ihr Schicksal werden tiefergehend beschrieben.
Allen voran natürlich Eyvor, die Erbauerin des Schiffes. Oder Dineke, eine Navigatorin.
In vielen Frauen habe ich mich wiedergefunden, andere waren mir fremd. Aber fasziniert war ich immer. Und neugierig auf mehr!
Denn Judith und Christian Vogt schaffen es auf wirklich spielerische Art und Weise Themen in ihre Geschichten einfließen zu lassen, die vielleicht unwichtig erscheinen, aber einen echten Impact darstellen. Ich hätte ein Buch lesen können, in dem sich eine Gruppe von Frauen aufmacht, um ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und dabei Irrungen und Wirrungen, Gefahren und göttlichen Einmischungen begegnen müssen.
Aber die Schildmaid ist eben ein Ort, an dem gesellschaftliche Themen, die sonst wenig Beachtung finden oder in den Hintergrund gedrängt werden, endlich einen Platz finden.
Und so habe ich ein Buch gelesen, in dem Themen wie Transsexualität, Identitätsfindung, Selbstbestimmung und Inklusion.
Und was eine Familie zu einer Familie macht, welche Familienbilder es gibt, welche es geben sollte, was Mutterschaft sein kann.
Wie wichtig es ist, immer weiter zu lernen und anderen zuzuhören. Ob mit der Stimme und Ohren, oder mit den Händen und Gebärden.
Und was für eine furchtbare Tragödie eine Krankheit wie Endometriose sein kann.
Ich kann es noch immer nicht glauben, dass all dies plus natürlich die eigentliche Handlung auf gerade einmal knapp 400 Seiten gepasst hat und ziehe meinen imaginären Hut vor den Vögten.

Mein Text wird diesem Buch nicht gerecht. Also bleibt mir an dieser Stelle nur noch eines: Lest dieses Buch!
Profile Image for Andrea.
924 reviews46 followers
September 18, 2022
"Andere würden das Schiff einen unträumbaren Traum nennen. Aber Träume reichen tief, und niemand weiß genau, welche davon wahrhaft unträumbar sind und welche Teil unseres Urđr, des Schicksals."
Eyvor baut ein Drachenboot und immer mehr und mehr Frauen kommen zu ihr. Und was wann der Bau nicht der einzige unträumbare Traum bleibt , was wenn sie wirklich in See stechen.
Eine moderne Neuinterpretation nordischer Sagen, voller Feminismus und Diversität. Die Frauen flüchten vor unhaltbaren Lebensumständen, werden unterdrückt und erniedrigt, erleben Gewalt , sowie Hohn und Spott. Starke Charaktere prägen die Geschichte, die mich mitgenommen hat auf ein großes Abenteuer. Dabei sind mir einige Personen leider nicht nah genug gekommen, ich hätte mir etwas mehr Tiefe hier und dort gewünscht. Und ich hatte große Probleme mit den Namen und nordischen Bezeichnungen, die teilweise recht sperrig waren und über die ich beim Lesen immer wieder gestolpert bin. Es gibt ein Glossar, das sehr hilfreich ist, aber leider kein Personenregister. Dafür ist die Story absolut mitreißend, ich habe mit den Frauen gehofft und gebangt, bin mitgereist und war mitten unter ihnen. Das Buch ist nicht zimperlich bei Kampfszenen. Richtig gut geschildert fand ich den ungeschönten Alltag. Das Nachwort hat noch mal vieles erklärt und ins rechte Licht gerückt. Eine Karte hätte das Buch für mich abgerundet. Epische Saga mit viel nordischer Fantasy, das hat Spaß gemacht und es ist schwer , die Gemeinschaft wieder zu verlassen.
Profile Image for Jodi.
2,294 reviews43 followers
April 5, 2022
Ein ungeahnt feministisches Buch, das sich eindrücklich damit beschäftigt, wie sich eine unterdrückte Minderheit zu Recht und Gerechtigkeit verhilft. Dabei regt das Buch auch an, den aktuellen Standart zu hinterfragen und Vergleiche zu ziehen.

Aufgrund dieses Themas ist dieser historische Fantasyroman brisant und aktuell. Dabei arbeiten die Autoren aber auch sehr akkurat mit dem geschichtlichen Hintergrund und haben sich viel Mühe gegeben, auf dem aktuellen Stand der Forschung zu schreiben.

Dass dabei auch noch die Mythologie des Nordens mit eingewebt wurde, mag nach zu viel anmuten, ist dem Team aber problemlos gelungen. Vieles bedient sich des anderen. Die Rolle der Frau in den Sagas mag eine ganz andere gewesen sein, als die Realität.

Schreibtechnisch also eine hervorragende Leistung. Für die ich hier gerne grosszügig Sterne verteile.

Woran es leider ein wenig haperte, war die Erzähltechnik. Die Geschichte hat zu viele Längen und zu viele Nebencharaktere, die einmal erwähnt, und dann vergessen werden. Das Ganze hätte eine leichte Straffung also gut vertragen. Weniger Figuren, dafür eine konkretere Ausarbeitung. Etwas mehr Spannung und Zug, dann hätte bei mir dieses Buch das Zeug zum Highlight gehabt.

So bleibt es leider einfach ein gutes Buch, was aber an und für sich ja auch nicht schlecht ist.
26 reviews
February 28, 2022
Keine literarische Sterneküche

Ich freute mich darauf, ein Buch mit einem progressiven Phantastikansatz lesen zu dürfen.

Prof. Mark Spicer definierte progressiven Rock (oder Progressivität in künstlerischen Werken) im Jahre 2000 als:
„Es ist Musik, die fortschreitet. Sie nimmt eine Idee und entwickelt sie,
statt sie einfach zu wiederholen. Pop-Songs bestehen aus Wiederholung,
Riffs und Einfachheit.
Progressive Musik nimmt ein Riff, kehrt sein Inneres nach außen,
stellt es auf den Kopf, spielt es dann wieder andersherum und erkundet so sein Potenzial.“

Andere Definitionen erläutern Progressivität eher als reine Geisteshaltung denn als etwas anderes.

Wieder andere möchten unpassende Elemente einfach fallenlassen, um mit den für sie ansprechenden Dingen weiterzuarbeiten.
Teile fallenzulassen ist natürlich wesentlich einfacher als sie zu hinterfragen, sich mit ihnen auseinandersetzen und zu bearbeiten. Sie damit letztendlich weiterzuentwickeln.
Auf der anderen Seite reduziert diese Vorgehensweise natürlich das Arbeitsvolumen signifikant.

Progressive Elemente sucht man in diesem Werk leider vergeblich, vielleicht ist es aber auch erst das nächste Buch, dass der progressiven Phantastik gerechter wird. Andererseits: Wurde die Progressivität,
gemäß einer der oben stehenden Definitionen, eventuell als Element einfach komplett fallengelassen?

Das, was in diesem Buch tatsächlich präsentiert wird, ist in weiten Bereichen ein lauwarmer Aufguss verschiedenster, hinreichend bekannter Phantastikströmungen, verbunden mit einem dünnen Mörtel eigener Ansätze.
Worldbuilding, Plot und Charaktere haben keinerlei Tiefe, Verbundenheit oder Progressivität.
Alles wirkt oft comichaft überzeichnet einerseits. Oder einfach nur ungemein nichtssagend andererseits.
Keine literarisch progressive Sterneküche, nichts was einem berührt oder in Erinnerung bleibt.

Natürlich kann es sich hier auch um ein Missverständis handeln. Natürlich ist es möglich, dass das Buch einen minimalistischen, skeletthaften Ansatz würdigt. Praktisch eine an die Knochen gegangene Phantastik.
Vielleicht ist dies die Basisaussage: Das man die Phantastik erst bis auf die Knochen reduzieren muss, damit etwas langweiliges und unlesbares zurückbleibt.
Profile Image for Andrea.
560 reviews15 followers
April 11, 2022
Ich habe einige Romane der Vögte gelesen, aber nichts hat mich bisher so abgeholt wie die Reise der Schildmaid. So geht feministische Fantasy!

Ich will nichts groß über die Handlung schreiben, das haben andere schon. Eine Gruppe Frauen baut als Auftrag der Göttin Ràn ein Langboot und zieht los, um den Weltuntergang zu verhindern. Dabei ziehen sie auf Viking, bereisen den gesamten Norden, zünden das Patriarchat an und stellen den wohl diversesten Cast ever dar. Es gibt WoC, eine Trans-Frau, etc . und ist insgesamt queer as fuck, und ich fand es großartig. Representation matters!

Mein Lieblingscharakter ist Skade, sie hat mich in ihrer Wut irgendwie mitgerissen.

Der Schreibstil ist sicherlich nicht für jeder-mann und -frau, aber ich war insgesamt sehr gefesselt.

Übrigens möchte ich hervorherben, dass ich das Buch sehr sehr gut recherchiert fand, und auch einiges über Wikinger gelernt habe, dessen ich mir vorher nicht bewusst war. Ich möchte dazu auch die großartige, passende Folge des Genderswapped Podcasts nicht unerwähnt lassen: https://genderswapped-podcast.podigee...
Profile Image for Andreas Vasold.
103 reviews6 followers
May 12, 2022
Mit "Schildmaid - Das Lied der Skaldin", haben Judith und Christian Vogt, Elemente nordischer Sagas aufgegriffen und diese historisch fundiert, neu interpretiert. Das Ergebnis ist ein spannender, historischer Fantasyroman über Selbstbestimmung, nordische Mythen und Diversität.
Die Gemeinschaft der Schildmaid, erhebt sich dabei über das patriarchalische System ihrer Zeit und verfolgen einen "unträumbaren" Traum. Trotz der tollen Message und der enormen Spannung dieses Romanes, blieb ein Großteil der divers gezeichneten Charaktere für mich weitgehend blass und teilweise sogar unsympathisch. Einzig Skade und Tinna, konnten mich überzeugen. Für die anderen Figuren, blieb da auf den etwas mehr als 400 Seiten leider nur wenig Raum, um sich in ihrem vollen Potential zu entfalten.
Der Einstieg fiel mir etwas schwer, da der Beginn tatsächlich im Stil einer Saga geschrieben ist und dadurch sehr distanziert bleibt, aber nach nur wenigen Seiten hat sich zum einen der Stil ein wenig verändert und ich konnte vollkommen in die Geschichte eintauchen
📖
Fazit: spannend, mystisch und divers mit kleinen Schwächen.
Ich gebe dem Buch 4 von 5 ⭐
Profile Image for Der blaue Buchling.
Author 12 books33 followers
March 10, 2022
Hatte „Anarchie Déco“ von den Vögten schon sehr gern und bin hier auch voll auf meine Kosten gekommen. Es war nicht das, was ich erwartet habe, als ich in den Roman reingegangen bin, aber das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil. Ich bin immer ein Fan von characterdriven Storys und das ist in dieser Erzählung nicht nur ein schönes Feature, sondern spiegelt tatsächlich auf einer Textebene ein wichtiges Element der inhaltlichen wider.

Generell findet sich hier eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen und individuellen Figuren, die alle ihre eigenen Stärken und Schwächen haben. Es hat großen Spaß gemacht, mit ihnen auf ihrer abenteuerlichen Reise mitzufiebern, klare Leseempfehlung für alle, die Viking-Storys lieben und unter einem erfrischend anderen Blickwinkel betrachten wollen!
Profile Image for Ralf Schneider.
57 reviews1 follower
June 23, 2022
Sie kämpfen, sie hoffen, sie arbeiten, sie quälen sich, sie lieben, sie leiden, sie töten … und alles auf einer gemeinsamen Reise, ohne ein eindeutiges Ziel: Die nicht männlichen Schildmaiden auf Viking von Judith und Christian Vogt.

“Zwei Kinder. Zweiundzwanzig Frauen … einundzwanzig Frauen – und Ulfberth.”

Wer die Werke der Vögte kennt, der/die wird nicht überrascht sein, dass sie es sich in Schildmaid. Das Lied der Skaldin, erschienen im Piper Verlag, nicht leicht machen, wenn sie einen Fantasy-Roman im frühmittelalterlichen Wikinger-Setting verfassen. Man kann sich aber sicher sein, dass sie mit so gut wie jedem Klischee und allen Stereotypen, die sie finden können, brechen oder sie zumindest hinterfragen.

Nichts in dem Reiseroman der beiden Vögte ist schwarz oder weiß, auch nicht unbedingt grau, sondern vielmehr springen die Farben wie Irrlichter in einem Moor von Pastelltönen zu satten, kräftigen Farben hin zu nebligem Weiß und dann wieder zu lichtlosem Schwarz.

Was wie ein naiver und beinahe trotziger Traum einer einzelnen Frau beginnt, geprägt von ihren eigenen Wunden in einer von toxischer Männlichkeit dominierten Welt, verselbständigt sich zu einer von Schweiß, Entbehrungen und harter Arbeit geprägten Reise mit zahllosen Herausforderungen und Gefahren, an deren Anfang der Bau eines alleine von Frauen gebauten Langbootes steht.

Die Besatzung wird nach und nach wie ein Magnet von dem Schiff Skjaldmaer angezogen und gerät in den Bann ihrer Erträumerin/Erbauerin Eyvor. Jede einzelne hat ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Päckchen zu tragen und ihre eigenen Gründe, mit auf die Reise zu gehen.

Natürlich dürfen in der von den Vögten erdachten Welt der Wikinger*innen nicht die Gött*innen, Halbgött*innen, monströsen Gestalten und nicht-menschlichen Wesen fehlen. Zuerst ist es nur der Glaube an die Welten neben Midgard, der den gemeinsamen kulturellen Hintergrund aller Protagonist*innen bildet. Doch dann geschehen Dinge, die nicht in unsere heutige, aufgeklärte Welt passen wollen … Krähen sind nicht nur einfache Vögel, Runen nicht nur Schriftzeichen, Gestalten aus uralten Geschichten begegnen den Schildmaiden in einer überraschenden Selbstverständlichkeit und machen sie zu Figuren in einem göttlichen Spiel. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar: Vermeintliche Beschränkungen sind aufgehoben und alles erscheint möglich.

Natürlich wären die Vögte nicht die Vögte, wenn sie sich nicht wohl recherchiert an eine Weltordnung halten würden, die die Protagonistinnen bis an ihr Reiseziel begleitet. Historisch inspiriert, mit Mythologie durchzogen und immer darauf bedacht, progressive Phantastik zu leben … das ist das Rezept von “Schildmaid”.

Auch wenn nicht alle Protagonistinnen gleich gut mit Worten umgehen können, so reflektieren doch alle, alleine oder im Gespräch mit ihren Mitreisenden, über sich, ihre Gefühle, ihren Glauben, ihre Mitmenschen und den ganzen Rest. Selbstzweifel und Bedenken sind stets ihre Begleiter*innen und werden mehr oder weniger offen kommuniziert, statt sie (wie in herkömmlicher, männlich geprägter Phantastik) hinter kernigen Parolen und kämpferischer Selbstkasteiung zu verbergen. Was sonst gerne simplifiziert wird und darin mündet, entweder ohne Rücksicht auf Verluste zu obsiegen oder heldenhaft zugrunde zu gehen, sucht im Roman der Vögte nach lebbaren Lösungen. Das eigentlich Interessante und die eigentliche Viking sind nicht immer die blutigen Held*innentaten, sondern das ganze lästige Zeug dazwischen. Dabei darf man keineswegs weichgespülte Dialoge und opportunistisches Mimimi erwarten. Ganz im Gegenteil: Die Schildmaiden sind härter zu sich und ihren Mitreisenden als die Held*innen in so mancher mir bekannten männerlastigen Geschichte. Dadurch werden die Protagonist*innen aber nur noch nahbarer und jede*r offenbart Eigenschaften, die man in sich selbst wähnt. In einigen Gesprächen rund um den Roman “Schildmaid” wurde gefragt, in welcher Schildmaid man sich am ehesten wiederfindet … welche einem am ehesten entspricht. Ich könnte mich nicht entscheiden und vielleicht findet sich die/der ein oder andere ja auch in der kompletten Skjaldmaer wieder.

Die/der Leser*in wird zwar mit auf Viking genommen, aber nicht das Ziel, nicht der Erfolg oder die Beute sind die wichtigsten Bestandteile des Romans, sondern die Kälte, der Hunger, der Durst, die Übelkeit, der Schmerz, die Einsamkeit oder die Enge auf einem kleinen, selbst gezimmerten Boot. Auch wenn der Kampf eines kleinen Haufens Schildmaiden in einer Welt voller brutaler und unterjochender Männer und ihre eigenen Ziele verfolgender Gött*innen scheinbar aussichtslos erscheint, so wird doch deutlich, die vermeintlich Schwachen weben ihr eigenes Schicksal beizeiten auch selbst.

Mein Rat an die/den Leser*in:
Vergiss alle bekannten Klischees über Wikinger, lausche den Geschichten jeder/jedes Einzelnen und begleite die Schildmaiden auf ihrer Reise in eine ungewisse, aber garantiert saga-würdigen Zukunft.

Well done, Vögte!
Profile Image for Milena.
57 reviews
March 6, 2023
Ich habe ein paar Schwierigkeiten gehabt in das Buch reinzukommen. Für meinen Geschmack wurden die Charaktere nicht ausreichend eingeführt und was teilweise auf 2 Seiten passiert ist, hätte sich auch auf 20 Seiten erstrecken können. Der Schreibstil ist also einfach nicht meins und hat bei mir dazu geführt, dass ich nicht so richtig mit den Charakteren mitfühlen konnte.

Inhaltlich fand ich "Schildmaid - Das Lied der Skaldin" aber ziemlich cool und kreativ. Wäre es ein anderer Schreibstil gewesen, wären das für mich definitiv 5 Sterne.
Profile Image for Alexandra.
88 reviews
April 9, 2022
Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Schreibstil und der Unmenge an eingeführten Charakteren, die teilweise kaum Raum für eine eigene Einführung bekommen haben, wurde es ab der Hälfte doch noch gut lesbar. Die Geschichte weiß zu fesseln und die Idee, ein Buch über weibliche Wikingerinnen zu schreiben ist mal etwas Neues!
Teils hätte ich mir trotzdem gewünscht, dass manche Charaktere besser ausgearbeitet worden wären.
Profile Image for Ingrid.
829 reviews7 followers
April 13, 2024
Ich bin begeistert, eine uralte Geschichte und doch eine ganz neue Saga von Frauen, die auf eine Viking gehen. Die Geschlechterrollen sind fließend, die Rollen der Götter werden neu definiert. Absolute Leseempfehlung.
Profile Image for bellas_auslese.
4 reviews
March 13, 2022
Inhalt:
Historische Fantasy. In einer altnordischen Mythenwelt. Ein Boot voller Außenseiterinnen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen gegen die patriarchale Fremdbestimmten auflehnen. Sie erleben ein Abenteuer voller Götter, Seeungeheuer und Berserker auf der Suche nach ihrem Schicksal und deren Erfüllung.

Cover:
Das Cover passt wirklich hervorragend zum Inhalt. Es zeigt den Kopf des Drachenbootes, dass die Frauen gemeinsam bauen. Es wirkt stark und unheimlich, zwei Eigenschaften, die auch perfekt zum Buch passen.

Meinung:
Der Aufbau und der Schreibstil des Buches gefallen mir ausgesprochen gut. Die kurzen Kapitel, angelehnt an die nordischen Saga, kommen meinem derzeitigen Lesefluss sehr entgegen. Am Ende des Buches befindet sich ein ausführliches Glossar, dass mir den Einstieg in die Geschichte erleichtert hat. Zudem gibt es Inhaltswarnungen, sodass die Leser*innen auf den Text bestmöglich vorbereitet werden.
Eine Liste der handelnden Personen fehlt leider, diese ließ sich von mir beim Lesen aber schnell erstellen, sodass ich den Überblick nicht verloren habe.

Auf dem Boot segeln eine Gruppe von Frauen und zwei Kinder. Die Protagonistinnen sind mir alle ans Herz gewachsen. Sie hadern und wachsen an den Problemen und Herausforderungen, die ihnen gestellt werden. Ihre Gefühle und Gedanken werden wunderbar beschrieben und wir können ihre Entwicklungsprozesse verfolgen. Sie wachsen als Einzelne und als Gemeinschaft untereinander zusammen und stellen ihre alten Denkmuster und Prägungen auf den Kopf.
Dabei lehnen sie sich auf kreative Art und Weise gegen die Unterdrückung durch Männer und starre Systeme auf, was zu jeder Zeit authentisch auf mich gewirkt hat. Das Buch hat mich emotional sehr berührt und hat es sogar geschafft, dass ich einige Tränen weg blinzeln musste.

Judith und Christian Vogt sprechen hier viele gesellschaftskritische Themen wie Catcalling, Gewalt an Flinta, Transsexualität, Queerness und bedürfnisorientierter Umgang mit Kindern an. Sie verweben ihre Kritik gekonnt und eindrucksvoll in die Geschichte. Dabei wurden ihre Protagonistinnen für mich zu Vorbildern, da sie so handeln, wie ich es mir für die heutige Zeit wünschen würde.

Das Buch ist gleichwohl auch ein spannendes und abenteuerliches Roadmovie auf hoher See, voller nordischer Götter und Sagengestalten. Der phantastische Charakter der Geschichte kommt hier keinesfalls zu kurz. Alte Saga werden hier geschickt neu erzählt und erschaffen eine ganz eigene Dynamik, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Dazu gehört auch der typische Galgenhumor, den ich wirklich sehr mochte.

Ich bin einfach nur verliebt in diese Geschichte und finde, wenn ich euch jetzt noch nicht überzeugt habe, ebenfalls diese Reise anzutreten, dann weiß ich auch nicht was ich noch schreiben könnte. ;)

Zum Schluss noch ein großes Danke an das Autoren*innen Ehepaar für dieses Buch, dass mir so viele wunderschöne Lesestunden geschenkt hat. 🖤
Ich bleibe mit einem ganz schönen Buchkater zurück, was aber nur zeigt, wie sehr mich diese Geschichte begeistert hat.

PS: Das Buch wurde mir im Rahmen einer Lovelybooks Leserunde als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
1 review
April 14, 2022
“Schildmaid - das Lied der Skaldin” ist ein fantastisches Buch. Die knackig kurzen Kapitel, die “Montage Szenen” zB. beim Bau des Bootes und der tolle, zT. fast Lyrische Schreibstil sorgen für einen regelrechten Sog ins Buch.
Inhaltlich kann man mit der Prämisse “20 Frauen auf einem Langboot” kaum was Falsch machen. Zumindest trifft es genau meinen Nerv.
Die 20 Charaktere auseinander zu halten - vor allem die weniger Präsenten - war mitunter etwas schwierig (gibt es da eigentlich irgendwo eine Charakterliste?), aber auch das ging mit der Zeit. Die “Main 5”, von denen es im übrigen auch wunderschöne Artworks von @ristolicious (Instagram) gibt, bleiben jedoch schnell, nicht zuletzt wegen ihrer einzigartigen Geschichten, im Gedächtnis.

Der Plot nimmt, nachdem sich die Frauen zusammengefunden haben, schnell an fahrt auf. Sie verstricken sich in Bedrohungen von vielen Seiten und meistern diese so gut es geht. Gegen Ende hin verdichtet sich bedrückende Gefühl an das, was Scheitern für jede von Ihnen bedeutet.

Zudem ist das ganze Buch einfach herrlich queer ohne die Belastungen und Gefahren die damit eihergehen weichzuspülen. Es ist kein wohlfühl Roman was das Thema angeht. Die Frauen liegen mit sich selber und miteinander im Zweifel, wollen sich den Ketten der Gesellschaft entziehen, sind sich jedoch nicht sicher, ob das das Richtige ist. Stellen ihr Schicksal immer wieder in Frage.
Dabei werden Fragen aufgeworfen wie “Was macht eine Frau zur Frau?”, “Was macht eine Mutter zur Mutter?” oder “Was macht mich queer?”. Die Vögte schreiben 2! ganze! Seiten! über das Thema Menstruation und Endometriose. Trans- und nichtbinär sein wird Thematisiert, genauso wie Homosexualität, Queernes im Allgemeinen (oder argr sein) und Poliamorie. Auch Schwangerschaftsabbrüche und totgeborene Kinder sind hier keine Tabu Themen.
Und ich habe bestimmt die Hälfte vergessen.
Das Genre progressive Fantastik ist hier absolut verdient!
(Fast) Uneingeschränkte Empfehlung! - Schaut euch bitte vorher die Inhaltswarnungen ganz hinten im Buch an! Einige Themen und Darstellungen sind nicht ohne.
Profile Image for WildWitch.
82 reviews2 followers
May 3, 2022
Was für eine wilde Fahrt war dieses Buch bitte!
Eyvor hat einen unträumbaren Traum und baut seit Jahren an einem Schiff, mit dem sie nie beabsichtigt hatte, ins Meer zu stechen. Doch nach und nach sammeln sich Frauen, die verstoßen wurden, weggelaufen sind und ihr Schicksal selbst in die Hände nehmen wollen. Schneller als gedacht sehen sie sich in der Verantwortung, Ragnarök aufzuhalten und es mit einem Eisriesen aufzunehmen.
„Ihr habt euren Mut bewiesen“, sagte Eyvor. „Niemand wird urteilen, wenn euch diese Viking zu groß ist.“
„Doch, ich werde urteilen!“, rief Skade.
Ich habe so viel Liebe für Skade – und natürlich für die anderen Frauen, Kinder und Ulfberht auf dem Schiff.
Die Geschichte ist grausam, die Frauen haben schlimmes erlebt und beim Lesen löst es so viel Wut in mir aus aus, weil sich bis heute so wenig verändert hat. Es gibt aber auch Mut und Kraft, weiterzukämpfen, weil doch immer wieder kleine Schritte in Richtung Gerechtigkeit gemacht werden können. Progressive Phantastik ist meiner Meinung nach dazu da, dass wir als Lesende ebenso unträumbare Träume haben und damit hoffentlich die Realität neugestalten können.
16 reviews
March 25, 2022
Das neue Buch "Schildmaid - Das Lied der Skaldin" vom Autorenehepaar Judith und Christian Vogt führt uns diesmal in den hohen Norden . Es ist angelehnt an die altmodischen Saga und Mythenwelt .

Wie schreibt man eine Rezension ohne zu viel vom Inhalt zu erzählen...

Ein Langboot mit 20 Frauen als Besatzung und von den Göttern auserwählt macht sich auf die Welt zu retten .

Zu Beginn hatte ich Probleme mit der Schreibweise und den Namen (da hatte mir ein Personenregister wahrscheinlich sehr geholfen ;-) ) aber das hat sich auch schnell gelegt .

Ich habe immer sehr viel Freude an Vogt Büchern ^_^ es ist immer eine besondere Geschichte , mit Themen die nicht jeder anfässt , es wird nie langweilig .
Profile Image for Larakaa.
1,053 reviews17 followers
July 8, 2022
One of the best fantasy books I've read. Funny and thrilling and emotional and action-packed and it all comes with a feminist undertone, subtly and beautifully webbed into the fabric of every sentence. I really hope this gets translations into other languages.
Profile Image for Nor Bert.
48 reviews2 followers
April 21, 2022
Den Roman "Schildmaid: Das Lied der Skaldin" von Judith & Christian Vogt kann man wohl am besten in das Genre Historical Fantasy einordnen, denn er kombiniert Bestandteile eines zur Wikingerzeit spielenden historischen Romans mit phantastischen Elementen. Heraus kommt eine Art moderne nordische Saga.

Seit sieben Jahren ist die Einzelgängerin Eyvor in einem entlegenen norwegischen Fjord damit beschäftigt, im Auftrag der Meeresgöttin Rán ein Drachenboot zu erschaffen, das eigentlich nie in See stechen sollte. Die Weberin und Witwe eines Langboot-Bauers wäre mit dieser Aufgabe allein überfordert, wenn sich mit der Zeit nicht immer mehr Außenseiterinnen um sie scharen würden, die sie unterstützen. Niemand traut den Frauen zu, ihr Ziel zu erreichen, denn schließlich verlangt die Tradition, dass sie mit ihren Kindern an Heim und Herd gehören. Zur Gruppe gehören die Skaldin Tinna, die auf Runenmagie angewiesen ist, um anderen als Frau zu erscheinen, die hitzköpfige Skade, die häuslicher Gewalt entflohen ist, und die junge Seherin Herdis, das Krähenkind, die ihren eigenen Tod im Kampf gegen ihren Zwillingsbruder vorhergesagt hat. Weil Herdis von Beserkern gejagt wird, steigt Eyvor unversehens zur Kapitänin des "Skjaldmaer" (Schildmaid) getauften Boots auf, als die Frauen vor den gefährlichen Verfolgern aufs Meer flüchten müssen. Anfangs können sie nur die Küste entlang segeln, doch als in Dänemark die friesische Sklavin Dineke zu ihnen stößt, die sich mit Navigation auskennt, können sie auch auf das offene Meer hinaus. In der Nordsee landen sie schließlich auf dem Meeresboden in einem versunkenen Reich, wo sie den göttlichen Auftrag erhalten, ins Land der Eisriesen zu reisen, um dort den Frostriesen Jökull zu erschlagen. Denn nur so kann Ragnarök, der Untergang der Welt, verhindert werden.

Bei Fantasy mit nordischen Versatzstücken fällt mir sofort die in der Welt des Rollenspiels "Das schwarze Auge" spielende, zwölfbändige "Phileasson-Saga" von Berhard Hennen und Robert Corvus ein. Aber mit diesem Epos hat "Schildmaid" eher wenig zu tun. Zum einen spielt der Roman nicht in einer erfundenen Welt sondern eher in einer vergangenen, wenn auch mystischen alternativen Realität und zum anderen stehen Themen wie Emanzipation sowie sexuelle und Gender-Identität neben einem spannenden Abenteuer im Zentrum. Das Buch ist mehr als nur ein ein klassisches Wikingerabenteuer mit weiblicher Besetzung. Man merkt an der detaillierten Beschreibung dieser patriarchisch geprägten Gesellschaft, in der Sklaverei, Menschenopfer und Gewalt, unter der vor allem Frauen und Kinder zu leiden haben, zum Alltag gehören, dass die Autoren ihre historischen Fakten sauber recherchiert haben. Gleichzeitig ziehen sie Parallelen zu heute noch bestehenden Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten.

Die Handlung ist, abgesehen von kleineren Längen, spannend und abwechslungsreich, die einzelnen Charaktere vielschichtig. Jede Figur verfügt über Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motivationen. Dabei werden auch die Antagonisten nicht ausschließlich böse gezeichnet. Das World-Building ist gelungen und führt den Leser durch einen Großteil Skandinaviens, vom heutigen Norwegen über Dänemark bis zu den Faröern, aber auch nach England. Hinzu kommen Elemente aus der nordischen Mythologie, die hier natürlich Bestandteil der erzählten Realität sind. Der Stil ist flüssig und packend, teils humorvoll, auch wenn man sich anfangs an die vielen Namen und teils authentischen Schreibweisen gewöhnen muss.

Vielleicht hätte man den Roman an ein paar Stellen etwas raffen können, indem man auf die eine oder andere Figur, respektive Nebenhandlung verzichtet hätte. Auch hat das Ende mich nicht 100%ig überzeugt, ansonsten hätte es fünf Sterne gegeben.

Insgesamt bleibt ein überaus empfehlenswertes Buch. So geht progressive Fantasy. Mein Dank geht an NetGalley und den Piper-Verlag für dieses Rezensionsexemplar.
Profile Image for Uwe Tächl.
341 reviews8 followers
September 7, 2022
Historische Fantasy mit reichlich göttlichen Eingebungen

Nordische Sagen sind aus heutiger Sicht schon mit reichlich Fantasy angereichert. Die Menschen sind Spielbälle der Götter, Naturgewalten beeinflussen den Alltag, Riesen und Monster wandeln auf Erden. In diesem historischen Umfeld entfaltet sich das Lied der Skaldin. Es beginnt mit dem Bau eines Langbootes, dem Versammeln einer zwanzigköpfigen weiblichen Mannschaft und endet in einer Reise mit göttlicher Mission. Dazwischen entwickelt sich eine epische, grausame, herzzerreißende und mystische Geschichte, die man unbedingt selber lesen sollte.

Eyvor beginnt in einem entlegenen Fjord ein Drachenboot zu bauen, nachdem sie von diesem geträumt hat. Der Bau des Schiffes dauert sieben Jahre. Währenddessen sammeln sich um sie immer mehr Frauen mit den unterschiedlichsten Talenten und Gründen, ihrem bisherigen Leben den Rücken zu kehren. Als das Schiff endlich samt blauem Segel fertiggestellt ist, muss es sich auch gleich als Fluchtschiff beweisen, da Herdis, ihr letzter Neuzugang, samt ihren Kindern vor ihrem mit Barbarenkräften ausgestattete Ehemann geflohen ist. Die Reise beginnt, man begibt sich auf Viking und sammelt erste Erfahrungen beim Plündern und Brandschatzen. Doch immer sitzt der Berserker, der Teil des siebten Langboots ist, ihnen im Nacken. Dies ändert sich auch nicht, als sie den göttlichen Auftrag erhalten, einen Eisriesen zu töten. Dabei müssen sie einen Teil ihrer Fraulichkeit opfern, um göttliche Unterstützung in Form von Krähen zu erhalten.

Wie man schon an der Zusammenfassung erkennen kann, taucht man als Lesender in eine völlig andere Welt ein, in der das menschliche Leben eher flüchtig ist. Die Geschlechterrollen sind klar verteilt und doch gibt es immer wieder Ausnahmen, die sich diesen gegebenen Umständen widersetzen. In dieser Geschichte sogar in zwanzigfacher Form. Jede hat ihren eigenen Grund dafür, zur Schildmaid zu werden und sich mit Kämpfen und Raubzügen durchs Leben zu schlagen. Dabei haben sie sich für den denkbar schwierigsten Weg nach Folkwang an Freya Tafel entschieden.

Die Geschichte hat mir hervorragend gefallen, die Charaktere sind toll, einmalig und bilden eine Einheit, der man eigentlich wünscht, dass ihr nicht zu viel Böses passieren wird. Umso mehr musste ich dann mit der Besatzung leiden, aber das Wikingerleben ist halt kein Zuckerschlecken. Die Männer scheinen durchgehend die Bösen zu sein, angefangen vom Ehemann zu Hause bis hin zu den höchsten Göttern. Etwas gewöhnungsbedürftig, wie allerdings zu erwarten, waren für mich die nordischen Begriffe, die mich immer mal wieder aus dem Lesefluss gerissen haben. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist, dass Eyvor gar nicht, wie ich es erwartet hatte, die Hauptrolle spielt. Stattdessen sieht man die Handlung oft auf Sicht der anderen Schildmaiden. Man wird also zum Teil des Teams.

Das Buch ist eine sehr gelungene Neuinterpretation nordischer Sagen. Frauen übernehmen die zentralen Rollen und können zeigen, dass sie ebenfalls im ewigen Kampf von Asen gegen Riesen mitmischen können. Es ist erfrischend, durch das Buch einen neuen Blick auf das damalige Leben zu werfen. Ich kann Schildmaid jedem empfehlen, der historische Fantasyromane liebt, mehr über die nordische Sagenwelt erfahren und einfach gerne mit einer Schiffsbesatzung mitleiden möchte, auf die das Abenteuer ihres Lebens wartet. Ein Buch, um in eine Zeit einzutauchen, in der Schildwall, Axt, Gemeinschaft, Langboot und Viking das Leben der Schildmaiden prägte.
Profile Image for Tenja Tales.
Author 2 books2 followers
October 2, 2022
Eyvor ist nach dem Tod ihres Mannes eine Einzelgängerin mit einem unträumbaren Traum. Doch sie stellt sich der Aufgabe, der Göttin Rán ein Schiff zu bauen. Sieben Jahre arbeitet sie an dem Drachenboot, während sich immer mehr Außenseiterinnen zu ihr gesellen. Als schließlich Herdis zu den Frauen stößt, müssen sie aufbrechen, um den sie verfolgenden Berserkern zu entgehen. Es startet eine Reise ins Ungewisse, begleitet von Göttern, Riesen und dem Schicksal, das sogar Ragnarök beinhaltet.

Traditionelle Motive in Frage gestellt…
Der Schreibstil

Judith und Christian Vogt haben auf der Lesung darüber gescherzt, dass gerne versucht wird herauszufinden, wer welchen Teil des Buches geschrieben hat. Von der lustigen Geschichte bzgl. der mengenmäßigen Aufteilung ganz zu schweigen. Doch ich muss nach dem Lesen sagen: Das ganze Buch liest sich wie aus einem Guss. Ich kann nicht erkennen, wer was geschrieben hat. Doch ich kann sagen, dass die beiden einen mitreißenden, anschaulichen und eingehenden Schreibstil haben. Es war herrlich ihren Worten zu folgen und Fehler konnte ich auch keine ausmachen.

Die Charaktere
In „Schildmaid“ gibt es so viele wundervolle Charaktere! Davon die fünf Protagonistinnen: Eyvor, Tinna, Skade, Herdis und Dineke. Und daneben viele weitere interessante Charaktere, die alle auf ihre Art und Weise besonders und liebenswert sind. So kommt es, dass ich mich auch jetzt noch nicht entscheiden kann, wen ich von ihnen am liebsten mag. Man merkt aber auf jeden Fall, dass die Autoren viel Wert auf die Darstellung der Charaktere gelegt haben. Sie alle sind individuell und facettenreich, haben ihre Stärken und Schwächen und ihre Vergangenheit. Dennoch können aufgrund der Menge natürlich nicht alle in gleichem Maße beleuchtet werden.

Die Besatzung der Schildmaid ist ein bunter und diverser Haufen. Sie werden durch den Wunsch nach Selbstbestimmung und der Suche nach ihrem eigenen Schicksal geeint. Die dadurch entstehende Einheit ist genau so schön herauszulesen, wie die Zweifel und Ängste jeder einzelnen. Wirklich toll beschrieben!

Die Geschichte
Die „Schildmaid“ zeigt einen neuen Blick auf eine vergangene Welt und trifft dabei gleichzeitig diverse Themen auf den Punkt, die uns auch heute beschäftigen. Festen Rollen, aufgezwungenen Schicksalen und der Fremdbestimmung wird der Kampf angesagt. In Kombination mit den historischen und mythologischen Elementen, Götterspielen und Seeschlachten ist eine absolut stimmungsvolle und starke Geschichte entstanden, der ich mich nach den ersten Seiten nicht mehr entziehen konnte. Das Setting ist absolut glaubhaft und man merkt, dass die Autoren hier viel Recherche betrieben haben, aber auch aktuelle Erkenntnisse in ihre Geschichte eingebunden haben.

…um etwas Neues zu erzählen
Die „Schildmaid“ ist keine typische Wikinger-Geschichte. Sie ist das Lied einer Skaldin, eine ganz besondere Geschichte, eine Saga, die ihresgleichen sucht. Ich bin auf jeden Fall begeistert und gebe eine klare Leseempfehlung!

Die komplette Rezension ist auch auf meinem Blog weltenschmie.de zu finden.
Profile Image for Linda in Utopia.
309 reviews9 followers
March 31, 2022
Ich war schon bei fast 300 Seiten aber... da ich das Buch jetzt schon 2 Wochen nicht mehr angefasst habe ist klar: Ich will eigentlich gar nicht weiter lesen.

Ich bin wahrscheinlich die Ausnahme, denn dieses Buch erhält ja fast ausnahmslos nur Lobpreis. Und na klar, die Idee ist wie so oft bei den Vögten wunderbar, frisch, neu, anders.
Statt rauer Nordmänner bauen hier Frauen ein Schiff und segeln ihrem Schicksal entgegen um nichts anderes als das Ende er Welt zu verhindern.

Don't get me wrong, es ist wunderbar geschrieben! Ich bin an so vielen Sätzen hängen geblieben und habe sie mir nochmal auf der Seele zergehen lassen...

"Schiffe würden ihnen folgen, doch auf dieser Haut zwischen zwei Himmeln hinterließ man keine Spuren, das Meer zog sich hinter ihnen wieder glatt, als hätte nichts es gestört."
oder
"Erst als der Morgen graute, beruhigte sich das Wasser, und sie fuhren vor der aufgehenden Sonne auf ein silberdurchwirktes graugrünes Tuch aus glatter See."

Aber ich habe mich echt schwer getan mit dem flow des Buches. Anfangs wird die gesamte Crew gefühlt auf einmal eingeführt, dann kam die, dann noch die, dann gibts wieder einen schnellen Flashback in die Vergangenheit einer der Frauen (sowas reißt mich immer mega aus dem Lesefluss), dann gehts weiter, nächste Frau, hä wie heißt die jetzt? Wie sieht sie nochmal aus?
Ich bin losgesegelt und kannte meine Crew eigentlich nicht, weil die Einführung der Frauen so rasant und sprunghaft war. Und das war wohl mein Dilemma für den Rest des Buches, ich kam einfach nicht mehr rein.

Es hat mich dann gar nicht mehr interessiert, was die Damen so treiben, wen sie ausplündern oder vor wem sie fliehen... Schade, so schade! (Schon wieder) Kein Buch für mich.
Profile Image for Blind Mapmaker.
348 reviews1 follower
December 22, 2022
5.0 War mir vor dem Kauf nicht ganz sicher, aber das Autorenduo J. C. Vogt hatte mich noch nicht enttäuscht. Da könnte man ja auch mal zu was Nordischem greifen und versuchen andere nerdig-nordische Versuche wie die Phileasson-Saga (Buchreihe) zu verdrängen. Meine Zögerlichkeit wich schnell heller Begeisterung. Das war kein dröger Fantasystoff mit nordischem Anstrich. Das war eine spannende, mythenatmende Erzählung, die fesselt. Hier stimmt einfach alles: die echt wirkende Alltagsgeschichte, das Pacing, die Charaktere, die Vielschichtigkeit und Doppeldeutigkeit der mythischen Elemente, die Intersektionalität und Vielfalt der weiblichen Erfahrungen, die Wendungen und Überraschungen, der Spannungsbogen, die Motive, die Emotion und die Queerness (das Buch ist was für alle, die Anarchie Deco gedacht haben "könnte noch queerer sein").

Kurz: Das ist definitiv das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, und auch in den letzten Jahren kommt nur Martha Wells' Murderbot Tetralogie an dieses Buch ran - sowohl in Sachen literarische Qualität als auch Enjoyment-Faktor. Im Gegensatz zu Murderbot gibt's die Papierversion hier aber schon für ein Viertel der 80 €, die man dafür hinlegen muss.

Ein Hinweis für Leser, die am Anfang etwas Probleme mit den vielen Charakteren haben (erinnert ein wenig an meine Phileasson-Rollenspielerfahrung): es wird nach dem ersten Viertel sehr viel besser. Nicht jede hat eine große tragende Rolle und der Fokus liegt klar auf vier Personen, aber es kommt auch nicht das Gefühl auf, dass einige nur Token-Charaktere sind. Und noch ein Hinweis: Die Triggerwarnung findet sich am Ende des Buches und ist nicht sehr spoilerig. Die Tags sind auch dort und nur minimal spoileriger - eine sehr schöne Lösung.
Profile Image for Jennifer.
104 reviews8 followers
September 26, 2022
Ein Schiff voller Menschen auf dem Weg zum Kampf gegen den Weltuntergang, aber eigentlich ein Ausbruch aus dem Patriarchat. Die Gruppe, die hauptsächlich aus Frauen besteht, findet sich zusammen und baut ein Langboot, mit dem sie ihr bisheriges Leben endlich zurücklassen können. Es schweißt sie im Laufe der Reise zusammen und bildet trotz aller Unterschiede einen Zusammenhalt, der auf so viel Liebe und Vertrauen basiert, dass man mit jeder einzelnen Person mitfiebert, um sie ja nicht während der Geschichte zu verlieren! Auf der Schildmaid hab ich in jeder Hinsicht ein deutlich diverseres Bild der Zeit vorgefunden, als es einem sonst gerne mal präsentiert wird (Die Vergangenheit war rein weiß und männlich, Frauen sind eine moderne Erfindung, bla bla) und es tut sehr gut, endlich auch diese Geschichten lesen zu können!
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