Hamid Reza Yousefi lässt in beeindruckender Weise die islamische Philosophie aus der Asche der Vergessenheit neu erblühen. Die leicht verständliche Sprache und viele Porträtzeichnungen der Philosophen machen das Lesen zum Vergnügen. Eine Auswahl von 32 Philosophen und Naturwissenschaftlern gibt uns Einblick in eine Geistesgeschichte von erstaunlicher Vitalität. Das Buch umfasst die islamische Philosophie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Die klar gegliederte, chronologische Vorstellung der wichtigsten Phasen und Schulen ermöglicht auch Lesern ohne Vorkenntnisse einen schnellen Einstieg und Überblick. Wer die Grundlage für ein umfassendes Islambild sucht, der wird sie hier finden.
Ich habe Einfuhrung in die islamische Philosophie von Dr. Yousefi mit Interesse gelesen, weil ich mir einen kompakten Uberblick uber zentrale Figuren und Denkstromungen der islamischen Philosophie erhofft habe. Der Stil ist klar und didaktisch gut aufgebaut – besonders fur Leserinnen und Leser ohne Vorwissen ist das Buch ein solider Einstieg.
Allerdings bin ich bei der Lekture auf eine Aussage gestossen, die mich stutzig gemacht hat: Im Kapitel 1.11 uber Ibn Rushd wird behauptet, dass al-Ghazali der Meinung sei, nur die Seele steige ins Jenseits auf – der Korper jedoch nicht. Diese Aussage widerspricht meines Erachtens klar der traditionellen islamischen Lehre sowie Ghazalis eigenen Aussagen, etwa im 20. Punkt seiner Tahafut al-Falasifa und in al-Munqidh min ad-Dalal (z. B. in der Ausgabe von Abd-Elhamid Elschazli, 2. Auflage, S. 25, Kapitel “Die Metaphysik”). Dort bekraftigt Ghazali die leibliche Auferstehung sehr deutlich.
Ich habe dem Autor eine hofliche E-Mail mit der Bitte um Klarung geschrieben, aber leider bis heute keine Antwort erhalten. Das finde ich schade, denn gerade in einem Werk, das Grundlagen vermitteln soll, ist eine korrekte Darstellung theologischer Positionen wichtig.
Fazit: Als Einfuhrung brauchbar, aber mit Vorsicht zu geniessen – insbesondere, wenn es um theologische Details geht. Wer tiefer einsteigen mochte, sollte unbedingt zusatzlich zu den Originalquellen greifen.