check your habitus
Im Rahmen des digitalen Literaturprojekts "check your habitus" haben Daniela Dröscher und Paula Fürstenberg im Sukultur Verlag die Beiträge von Autor:innen gesammelt, die über ihr Herkunftsmilieu, Bildungsaufstieg, den Milieuwechsel und das fehlende Zugehörigkeitsgefühl im Ankunftsmilieu geschrieben haben.
Das Gefühl ein Leben lang zwischen den Stühlen zu sitzen, Vereinbarkeit beider sozialer Welten und die in Kindheit und Jugend erlernte soziale Grammatik sind (u.a.) Themen der kurzen Texte.
Aber lest selbst:
Herkunft (George Demir, S.17)
In einer Dokumentation über das Viertel, in dem ich aufgewachsen bin, heißt es: »Wer mit dem Tempo, das die Gesellschaft vorgibt, nicht mitkommt, der landet hier, zusammen mit anderen, die ein ähnliches Schicksal haben. Fremde meiden Ghettos wie dieses.« An der »schlimmsten Ecke« ist ein Kiosk. Dort kaufte ich jeden Morgen auf dem Weg zur Grundschule mein Trinkpäckchen.
Enttarnt (Caca Savic, S.12)
Zweimal im Jahr platzt meine Tarnkappe auf. Der exotische Stamm meines Baumes ist rau. Zweimal im Jahr werden vor der Klasse die Stammdaten vorgelesen. Der Klassenlehrer kann meinen Namen nicht sprechen.Meine Muttersprache, meine Konfession kann er nur fragend stottern.
Zickzack (George Demir, S.22)
Ich springe zwischen so vielen Sprachregistern hin und her, dass Umfeld A eine ganz andere Person kennt als Umfeld B und C und D. Das wird für mich immer normal sein und sich trotzdem niemals nicht verräterisch anfühlen.
Sehr lesenswert!