Zum Inhalt:
Was geschieht in den letzten dreißig Tagen einer Beziehung? Wann ist der Moment zu gehen? Kann man den selbst bestimmen? Und kann man in der Liebe überhaupt irgendetwas selber bestimmen?
Thomas und Eva, beide Anfang dreißig, sind seit acht Jahren ein Paar. Als Eva von einem Auslandsaufenthalt wiederkommt, könnten sie eigentlich den nächsten Schritt machen. Heiraten, Familie gründen. Doch Thomas merkt, er ist sich nicht mehr so sicher. Andererseits: Kann es richtig sein, einen Menschen zu verlassen, der so grundsympathisch und klug ist wie Eva? Ist sexuelle Anziehung nicht sowieso überbewertet? Eva kann das schwankende Verhalten von Thomas nicht deuten und denkt sich immer neue Sachen aus, um ihre Beziehung zu retten. Auch Thomas gibt nicht so schnell auf, und so ringen beide um ihre verschwindende Liebe.
Der „Trennungsroman“ beleuchtet die 31 letzten Tage der Beziehung zwischen Thomas und Eva und rückt dabei kapitelweise auf Tag 0 zu, die Trennung. Ist „okay“ für eine Beziehung gut genug? Kann man sich mit dem Durchschnitt zufriedengeben? Soll man jahrelange Verbundenheit und Vertrautheit wegwerfen?
Danach folgen Stunden, Tage und Wochen nach der Trennung. Was fühlt und denkt man nach der Beendigung einer Beziehung? Wie erzählt man es seinen Freunden und der Familie? Kann man sich gleich in die nächste Beziehung stürzen, oder braucht man besser Zeit für sich?
In alle diese Fragen gibt das Buch einen gelungenen nüchternen, realitätsnahen Einblick, der die heutige Beziehungsmentalität passend wie die Faust aufs Auge beschreibt.
Ein Buch über:
Ein Buch über das Ende einer Liebe.
Was mir gefallen hat:
Zeitgemässer geht kaum. Die Autorin verwendet keine geschwungene, blumige Sprache, keine Floskeln, versucht nicht, aus dem Roman eine literarische Sensation zu machen, sondern schreibt einfach, wie es ist.
Nichts wird verschönert, nichts wird dramatisiert, nur Alltag und Realität sind im «Trennungsroman» zu finden. Für mich ist das erfrischend und gleichzeitig genial, denn näher kommt ein Buch an das Leben eines Millennials kaum heran.
Aber Achtung: Wer etwas anderes als durchschnittliche, banale Gedankenwelten und Probleme von Mittdreißigern erwartet, der wird dieses Buch nicht in sein Herz schliessen. Ich hingegen liebe jedoch gerade das an diesem Buch. Die unangestrengte Wahrheit unseres Alltags.
Was mir nicht gefallen hat:
Das kommt selten vor, aber an diesem Buch habe ich genau nichts auszusetzen. Deshalb bekommt das Buch von mir die Höchstbewertung, weil das Buch genau das ist, was es sein soll.
Bewertung:
5/5
Lies das Buch, wenn:
- du zeitgemässe, direkte Literatur magst
- du gerne Geschichten aus dem Alltag von Protagonisten liest
- du in die Gedankenwelt von Millennials blicken möchtest
Wenn dir dieses Buch gefällt empfehle ich:
- Kurt - Sarah Kuttner
- Super und dir? - Kathrin Weissling
- Gespräche mit Freunden – Sally Rooney
Zitat:
«Wie so oft fragt er sich, ob es wohl schlimmer ist, sich von jemandem zu verabschieden, mit dem man noch viel erleben wollte, oder von jemandem, mit dem man schon viel erlebt hat. »
«Freundlich, zugewandt, harmonisch, ohne Sex. Sie haben sich mit der Normalität zufriedengegeben. »
«Eva packt ihren Rucksack. Sie möchte heraus aus dem schweigenden Mittelfeld einer pausierenden Liebe. »
«»Du holst mich einfach so ab? » redet er weiter, aber es klingt wie «Kontrollierst du mich? »»
«Und übrig bleibt ein ganz normaler Erwachsener, sympathisch, rechtschaffen, aber irgendwie auch austauschbar. »
«Wie sehr hatten sie sich damals den Durchschnittlichkeiten des Lebens voraus gefühlt. »
«Ein weiterer Abend ist unwiederbringlich verloren, ein Abend, der schön geworden wäre, wenn er nicht mit Lust alles torpediert hätte, was Eva geplant hatte. »
«An diesem bewölkten Samstagvormittag, an dem es nach Regen aussieht, aber nicht regnen wird. »
«Thomas denkt daran, wie sie hier immer sitzen, in distanzierter Nähe zueinander, die fehlende Anziehung durch leichtes Berühren der Fingerspitzen oder Knie überspielend. »
«Die Faszination, die das neue Gesicht in einem auslöst, irgendwann die lieb gewordene Gewohnheit und dann: die Enttäuschung. »
«Sie kommt laut und hingebungsvoll. Thomas mag das. Es hat nur nicht viel mit ihm zu tun. Er beobachtet Eva wie ein Naturschauspiel, und auch das, beschliesst er, ist nach acht Jahren vollkommen normal. »
«Es ist nicht spektakulär, ihr jetziges Leben, aber es ist vertraut. Und das ist gut. »
«Wir schaffen es rein zeitlich nicht, Schluss zu machen, denkt er. »
«Er hört ihr mit ernstem Gesicht zu. Gleichzeitig kann man sehen, wie er darüber nachdenkt, dass er gerade interessiert zuhört. »
«Aber ich glaube, euer Gefühlt der Welt gegenüber, also euer Grundgefühl, wie sich euer Leben, jeder Tag, der Alltag anfühlt, ist total auseinandergedriftet. »
«Er wollte gehen, aber dann bin ich gegangen. Und er hatte nichts dagegen. »
«Wo ist die Weggabelung, an der wir in unterschiedliche Richtungen abgebogen sind? War ich eine Belastung für dich und habe es nicht gemerkt? Waren die letzten Jahre mit dir Almosen? Was denkst du eigentlich über mich, was denkst du insgesamt? Ich dachte immer, ich wüsste, was uns beide betrifft, genug, und merke jetzt: Ich weiss nichts. »
«Tu etwas, oder tu es nicht. Finde etwas gut oder schlecht. Aber erlaube dir bitte nicht diese selige Position der Unentschiedenen. Abwarten kann auch eine Todsünde sein. »
«Gemessen an bürgerlichen Vorstellungen sind Thomas und Jolanthe immer kurz davor, haarscharf versagt zu haben. Er als Arzt und sie als Frau. »
«Faszinierend, wie wenig sich im Leben ändert, wenn man einfach nichts macht. »
«Wann hört das endlich auf, dieses Zagen und Zögern, dieses Suchen, diese übersättigte Unruhe? »
«Das Leben ist sinnlos, man ist nett zu allen und stirbt allein. »
«Es tut gut, dich wiederzusehen. Mit dir bin ich die unkompliziertere, fröhlichere Version meiner selbst.»
«Es war einfach eine zu grosse Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, stimmt’s? » « Ja. »