Jump to ratings and reviews
Rate this book

Café der Unsichtbaren

Rate this book
»Die schlimmsten Katastrophen bekommen beim Erzählen einen Sinn.«

Rieke studiert Theologie und bereitet sich bei Sorgentelefon e. V. auf die Gemeindearbeit vor. Wanda sammelt für ein DDR-Museum Gegenstände, die nicht mehr gebraucht werden: »Das Gestern will im Heute nicht aufhören zu sprechen.« Für Matthias, der auf dem Bau arbeitet, ist das Dasein an sich eine rätselhafte Aufgabe. Während der Dienste beim Sorgentelefon merkt er, nicht nur sein Leid, sein Schmerz sind riesengroß. Außerdem hat er in der Ausbildungsgruppe die schöne Emilia kennengelernt. Die traurige Buchhalterin Marianne, der pensionierte Radioredakteur Lorentz und die 80-jährige heitere Ich-Erzählerin von Schrey, die nicht weiß, ob sie eine verhinderte Pianistin oder eine verhinderte Terroristin ist, gehören ebenfalls in die Sorgentelefon-Gruppe. Alle sieben – so unterschiedlich ihre Leben verliefen – erfahren, dass zuzuhören den Anrufenden in einer schlaflosen Nacht das Gefühl von Ausweglosigkeit nehmen kann – und mit dem Zuhören auch eigene Lebenserfahrungen einen unerwarteten Sinn bekommen. Die Biografien derer, die zuhören, berühren jene der Anrufer. Ein unsichtbares Netz zwischen Rand und Mitte der Gesellschaft entsteht, das Lebensgeschichten aus dem Dunkel des Unerzählten fischt.

208 pages, Hardcover

Published February 17, 2022

4 people are currently reading
63 people want to read

About the author

Judith Kuckart

24 books4 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
1 (2%)
4 stars
8 (18%)
3 stars
19 (43%)
2 stars
14 (31%)
1 star
2 (4%)
Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for Jin.
843 reviews146 followers
February 19, 2022
Eine Geschichte über die Deutschen, für die die Autorin Berlin als Kulisse ausgesucht hat. Die Anonymität, die Einsamkeit und auch die Verwahrlosung in einer Großstadt spielen eine feste Rolle in dieser Geschichte. Anhand der Gruppe, die beim Sorgentelefon arbeiten, versucht die Autorin verschiedene Porträts zu erschaffen und Geschichten zu erzählen, wie einzelne Schicksale und Leben parallel voneinander unabhängig stattfinden ohne dass man wirkliche Zusammengehörigkeit findet. An sich ein sehr interessantes Buch, aber die Charaktere waren zu verschieden und ich hatte das Gefühl, dass es nichts gab, was die Geschichte/Charaktere als Ganzes zusammengehalten hat. Was mir besonders gefallen hat war, dass die Charaktere von Anfang bis Ende sich selbst treu geblieben sind. Auch das Konzept der Zeit wurde auseinander genommen und wieder zusammen gesetzt, was mir sehr gefallen hat. Allerdings wurde die Geschichte ab der Mitte etwas repetitiv und hat mich leider nicht mehr gefesselt. Das Buch verdient 3-4 Sterne, mit der Tendenz zu 3 Sternen.

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Profile Image for Buchdoktor.
2,365 reviews188 followers
February 16, 2022
Rieke, Wanda, Marianne und ihre Kolleg/innen arbeiten in Berlin ehrenamtlich bei Sorgentelefon e. V., einer Organisation, die der Telefonseelsorge angenähert ist. Wanda und Matthias haben in der DDR die Erfahrung gemacht, dass ein Sorgentelefon immer gebraucht wird, auch wenn jeder weiß, dass die Stasi mithört, sowie die Leitung offen ist. Wanda, 1979 in der „Zwischengeneration“ geboren, fühlt sich noch immer als DDR-Pflanze. Matthias hatte jedoch nicht erwartet, dass im wiedervereinten Berlin viele Anrufer beim Sorgentelefon alt, einsam und ostdeutsch sein würden.

Die Nachtschichten leistet das Team nicht etwa per Rufumleitung von zuhause aus, sondern aus einer überdimensioniert wirkenden Dienststelle samt Vorzimmerdame. Männer und Frauen, Ost- und Westdeutsche, Eltern und Singles, Bankerin, Studentin und Bauarbeiter - wie auch die Anrufer bildet das Team einen Querschnitt gesamtdeutschen Alltags ab. Sie sind für ihre vertrauliche Aufgabe geschult. Dass Anrufer dennoch ihr Gegenüber zu jung, alt oder sonst wie unpassend finden, lässt sich schwer verhindern. Einzig Rieke ist eine Ausnahme, als Pfarrerstochter und Theologiestudentin könnte sie ihre Sorgentelefon-Erfahrungen später beruflich einsetzen. Jede/r sucht mit der freiwilligen Tätigkeit Zugehörigkeit und hat ein sehr persönliches Motiv, der eigenen Einsamkeit oder Schlaflosigkeit zu entfliehen. „3/4 der Bewerber hier brauchen selbst Hilfe“, meint der Ausbilder. Hochinteressant scheint Icherzählerin „von Schrey“ zu sein, aufgrund ihres Alters und einer Vorgeschichte, die Marianne zwar recherchiert hat, jedoch nicht so recht ansprechen will.

Nicht alle Telefon-Dienste sind aus dem Team zu besetzen, so dass “von Schrey“ im Notfall Doppelschichten schiebt. Unangepasst und komplex, hat sich ein Team gefunden, das sich etwas zu wenig mit der eigenen Hilflosigkeit als Helfer auseinandersetzt und dessen Mitglieder draußen schwer klarzukommen scheinen. Nicht nur Anrufer wirken an diesem Ort wie einsame Seelen, denen oft selbst nicht klar ist, was sie suchen.

Judith Kuckart lässt in der Dienststelle und privat beim Osterfrühstück Menschen aufeinandertreffen, die durch erzwungene Selbsterfahrung in ihrer Fortbildung viel miteinander zu klären hätten. Figuren, Plot und Dialoge empfinde ich als originell. Schade, dass die Wege der Figuren sich wie nach einem Cafébesuch für meinen Geschmack zu schnell wieder voneinander trennen.

Profile Image for lx.
116 reviews
February 4, 2025
,,Ich komme einfach nicht raus aus diesem Gefühl der Gefühllosigkeit, wiederholte an manchen Tagen ein Anrufer nach dem nächsten, sodass Rieke versucht war, allen eine gemeinschaftliche Sammelklage vorzuschlagen. Den dieser chronische Kummer konnte nicht nur mit den Anrufenden zusammenhängen. Wer sonst war noch schuld? Irgendjemanden musste es geben, der all diese Unglücklichen in den gleichen Regenmantel gesteckt hatte, an dem das Leben so schmerzlich abperlte.''

In diesem Roman verfolgen wir eine Gruppe von Menschen, die ehrenamtlich bei einem Sorgentelefon arbeiten. Dabei erfahren wir etwas über sie, den Leuten, mit denen sie ins Gespräch kommen, und dem Leben.
Ich glaube, dass das Buch viele universelle Themen anspricht, mit denen man konfrontiert ist, wenn man Mensch ist: Einsamkeit, Alter, Zeit, Erinnerungen und das Vergessen, Heimat, unsere Lebensgeschichte, der Tod, als auch die Kraft des Erzählen.

Das Buch ist sehr gut und schön geschrieben. Ich habe so viele Stellen unterstrichen, da es auf fast jeder Seite, einzelne Sätze bis hin zu ganzen Passagen gibt, die so vieles einfangen und einen zum Denken und zum Fühlen bringen.

Die Thematik rund um das Erzählen, mochte ich sehr. Es ist eine Art Zeichen des Lebens, das besagt: Ich bin noch hier, ich sehe und erlebe Dinge und kann darüber berichten: ,,Solange ich noch erzählen kann, habe ich das Geräusch der Zeit um mich, in der wie alle leben.’’
Das hat was an sich. Es kann dazu führen, wie es im Buch erklärt wird, den schlimmsten Katastrophen einen Sinn zu geben, als auch vielleicht, die Welt und deren Umstände zu verändern. Dafür braucht es allerdings Menschen, die einem zuhören.
Das Erzählen, wird innerhalb der Geschichte dem Beten als gegenteilige Instanz gegenübergestellt: ,,Erleichtert war ich, hier kein Gebet aufsagen zu müssen, hatte Arian gestern Nacht gesagt, also habe ich zu diskutieren angefangen.’’ /
,,Gibt es Momente, in denen du betest, von Schrey?
Nein.
Warum nicht?
Ich rede lieber.’’
Das gibt dem Akt der Erzählung, dem Reden, fast etwas heiliges, jedoch nichts religiöses.
Es sind das Erzählen, als wiederum das hin- und sich gegenseitige zuhören, dass uns zu einem tieferen Verständnis unserer Selbst, als auch anderer hinführen kann:
,,Doch sind ihm wie mir jene Gespräche die bedrückendsten, bei denen man sehr allein, aber doch an beiden Enden der Leitung gleichzeitig sitzt, weil der Anruf klingt, als käme er von einem selbst. Wer tröstet hier eigentlich wen, (…)’’ /
,, Jede Situation hat eine Geschichte, die man kennen muss, um das Woher und Wieso zu verstehen, (…), jeder Augenblick hat seine Biografie und jede Biografie ihre Rätsel.’’

Der Aspekt der Einsamkeit wird innerhalb dieser Gespräche, die eine temporäre Erleichterung sein können, ebenfalls zu einem wichtigen Punkt, der sich durch sie herauskristallisiert: dass wir Sie alle fühlen, und dass jeder auf seine eigene Art und Weise damit umzugehen versucht. Es ist gerade durch die Anonymität, die die Gespräche beim Sorgentelefon ausmacht, dass es Leuten leichter fällt, offen zu sprechen, etwas, was einem in unserem echten Leben, oft schwer fällt. Man hat vielleicht niemanden, der einem zuhören würde, oder es fällt einem schwer, die Maske seiner Umgebung abzusetzen, die Lippen dazu zu bringen, die richtigen Worte zu sprechen, geschweige denn, sie zu finden.

Die Rolle der Zeit wird innerhalb des Narratives oft erwähnt. Sie ist eine Illusion, jedoch auch ständig präsent. Manchmal geht sie um, ohne, dass wir es bemerken (,,Außerdem, meine letzten fünfundzwanzig Jahre sind mir einfach zu unmerklich und zu schnell vergangen, sodass ich manchmal morgens das Gefühl habe, ich bin gar nicht dabei gewesen. Ich habe sie nur geträumt, und sie schulden mir noch die Wirklichkeit.’’), manchmal jedoch, ist sie drückend und zäh, sie wird zur ,,boshaften Ewigkeit’’ (,Als er jung war, hatte er stundenlang warten können. Jetzt wartete er eigentlich nicht mehr so richtig, sondern wippte nur auf und ab in der Unendlichkeit seiner alten Tage.’’)
Die Zeit wird mit dem Erinnern gekoppelt (,,Nichts hörte auf, wenn es vorbei war. Eine Sache erlebte man nicht nur einmal. Man erlebte die Dinge, wenn sie geschahen, und jedes Mal, wenn einen etwas daran erinnerte, erlebte man sie wieder.''), und der Roman redet darüber, dass eigentlich alles miteinander koexistiert und nur einem System von Dauer unterliegt. Nichts geht verloren, vieles hinterlassen. Es liegt nur an uns, uns daran zu erinnern, hin- und zuzuhören, als auch mehr als nur einmal auf unsere Umgebung und alles was sie umfasst zu blicken:
,,Damals habe ich gelernt, dass ich nicht genau hingeschaut habe, wenn ich beim Sehen nur eine Sache sah. Was geschieht und was ist, birgt immer auch eine andere Version von Geschehen und Sein in sich.’’
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
February 17, 2022
Die Freiwilligenarbeit beim Sorgentelefon hat sie zusammengeführt. Ganz unterschiedliche Menschen, die sich die Sorgen und Nöte anderer anhören. Die Theologiestudentin Rieke, die sich in den Muslim Arian verliebt. Matthias, der auf Baustellen arbeitet und sich schon am ersten Tag der Fortbildung in Emilia verliebt. Buchhalterin Marianne, DDR-Museumssammlerin Wanda, Lorentz und die Erzählerin von Schrey gehören ebenfalls zu dem Team, das abwechselnd die Anrufe entgegennimmt. In den Anrufen spiegeln sie sich jedoch auch selbst, denn auch sie sind nicht ohne die kleinen und großen Sorgen des Alltags und des Lebens.

„nehmen Sie Platz an diesem traurigen Café der Unsichtbaren, und lassen Sie am Ende des Besuchs nicht eine gesicherte Erzählung, sondern die Unsicherheit mit uns sehen“

Judith Kuckart öffnet die Türen für den Blick auf ihre Figuren von Gründonnerstag bis Ostermontag. Die Frühschicht geht über in den Nachmittag, in den Abend und dann in die kritischen Nachtstunden. Während sie ihren Anrufern zuhören, horchen sie jedoch auch in ihr Inneres und lassen die Gedanken streifen. Es sind keine Figuren, die im Alltag auffallen würden, es sind die unscheinbaren Gesichter, die einem auf der Straße begegnen und deren Geschichte man nicht kennt, die die Autorin in „Café der Unsichtbaren“ erzählt. Wie in einem Café kommen sie zufällig zusammen, bleiben einander fremd und sind doch zumindest temporär eine Gemeinschaft.

„Jede Situation hat eine Geschichte, die man kennen muss, um das Woher und Wieso zu verstehen, hat sie einmal zusammengefasst, jeder Augenblick hat seine Biografie und jede Biografie ihre Rätsel.“

Fünf Tage, die symbolisch Leiden, Sterben und Auferstehung gedenken und damit kondensiert Ende und Anfang darstellen. Es ist ein Sammelsurium von Figuren, die sich eigentlich nicht begegnen können und doch schon seit Jahren immer wieder aufeinander treffen und eine Gemeinschaft geworden sind. So wie das Telefonat einen Blick in die Welt der Anrufer erlaubt, breitet der Roman in das Leben dieser Unsichtbaren vor dem Leser aus.

In der Erzählung spiegelt die Autorin die Arbeit bei dem Hilfetelefon. Mal längere, mal kürzere Einblicke, so wie sich manche Anrufer immer wieder melden und eine Verbindung zu den Mitarbeitenden aufbauen, tauchen die Figuren wieder auf und fügen weitere Facetten zu ihrem Charakter hinzu. Verpasste Chancen, falsche Entscheidungen, Enttäuschungen – es sind womöglich ihre eigenen Erfahrungen, die sie an diesen Ort geführt haben, wo das Leid durch das Teilen ein bisschen kleiner wird.

Es ist schwer auf den Punkt zu bringen, was den Roman ausmacht, so wie auch die Figuren bleibt er etwas flüchtig, schärft jedoch den Blick für das, was sonst vielleicht unbemerkt vorüberhuscht und schon wieder vorbei ist, bevor man es wahrgenommen hat. Die Symbolik des Osterfests hat sich mir für den Roman nicht wirklich erschlossen, außer Rieke hat keine Figuren einen deutlich christlichen Bezug. Auch als Zeit des Lichtfests, in der der Klammergriff des Winters sich langsam löst und die Tage wieder wärmer und länger werden, passt die Metapher für mich nicht wirklich. Ein Roman zum Innehalten, der unbestritten Fragen hinterlässt.
Profile Image for Elsa Monse.
4 reviews
November 1, 2025
3,5
Ich mag Romane, in denen „nicht so viel passiert“, die „irgendwie langweilig“ sind. Manchmal fühlte ich mich in der zuweilen sehr blumigen Sprache etwas verloren, dann hat sie mir wieder gut gefallen. Zwischendurch habe ich auch ein bisschen den Überblick verloren über das wer was wo wie wann und warum. Trotzdem bin ich immer gern in die Dienststelle und das Privatleben der Figuren zurückgekehrt.
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
March 8, 2022
„Jede Situation hat eine Geschichte, die man kennen muss, um das Woher und Wieso zu verstehen, hat sie einmal zusammengefasst, jeder Augenblick hat seine Biografie und jede Biografie ihre Rätsel.“ (Zitat Pos. 906)

Inhalt
Vor vier Jahren hatte die Gruppe gemeinsam die Ausbildung für ihre freiwillige Tätigkeit beim Sorgentelefon e.V. begonnen, heute teilen sie sich den Dienst am Telefon, Tag und Nacht. Rieke, die angehende Theologin, die eigentlich hatte Schauspielerin werden wollen, träumt von einer Stelle als Pfarrerin in einem Dorf, von einem alten Haus mit Birnbaum und Familie, doch noch studiert sie und findet ihre Geschichten für Übungspredigten im unsichtbaren Alltag der Anrufenden, notiert alles in ihrem rosa Heft. Ihre Einsätze am Sorgentelefon teilt sie mit Wanda, Marianne, Emilia, Matthias, Lorentz und der beinahe achtzig Jahre alten Frau von Schrey, kein Vorname, aber gelbe Klebezettel am Bildschirmrand mit kurzen Notizen über die besonderen Eigenheiten von einigen Daueranrufern. Sie alle vereint Einsamkeit in unterschiedlichen Facetten und ebenso unterschiedliche Träume – und die Geschichten, die der Anrufenden und ihre eigenen.

Thema und Gene
Dieser Roman besteht aus vielen Momentaufnahmen, aus Geschichten aus dem Alltagsleben unserer Zeit, von Menschen zwischen der Mitte und dem Rand der Gesellschaft.

Charaktere
Wir lernen viele unterschiedliche Figuren kennen, ihre Vorgeschichte und ihre Konflikte. Um diese vielen Formen des Mensch-Seins geht es in diesem Buch.

Handlung und Schreibstil
Die Handlung springt in kurzen Abschnitten zwischen einem Zeitraum vor vier Jahren, ergänzt durch Erinnerungen, und ebenso rasch zwischen den aktuellen Tagen von Gründonnerstag bis Ostermontag. Von Schrey führt als beobachtende Ich-Erzählerin durch einige Episoden, wechselt wiederholt auch in personale Erzählperspektiven. Es sind Fragmente, die kurz auftauchen und wieder verschwinden, und etwa ab der Mitte des Buches wünschte ich mir beim Lesen ruhige Unterbrüche, etwas mehr Ruhe zum gedanklichen Atemholen. Oder einfach eine neue, überraschende Abwechslung in diesem Erzählstil, der teilweise etwas zu gewollt erscheint. Dies mag an den vielen literarischen Vorbildern liegen, welche die Autorin am Ende des Buches als Inspiration für ihre Erzählform nennt, hier wäre vielleicht weniger mehr gewesen.

Fazit
„Wer mag mir folgen, wenn meine Geschichte mit bereits bekannten Momenten noch einmal eingesetzt hat? Denn Erzählen ist ein Labyrinth. Immer wieder kommt man – auf der Suche nach einem guten Ausgang – an Stellen vorbei, die einem bekannt vorkommen, aber doch noch kein Ausgang sind.“ (Zitat Pos. 593 – 599) Besser als die Autorin selbst kann man dieses Buch nicht beschreiben. Ich wäre ihr sehr gerne gefolgt, doch in ihrem Erzähllabyrinth hat sie mich irgendwann verloren – andere Leser:innen werden ihr sicher begeistert folgen.
Profile Image for Anne.
Author 5 books14 followers
September 16, 2022
Ich hatte mir mehr von dem Buch erhofft, aber vielleicht war es bereits eine Vorwarnung, dass ich es ungelesen (es war noch in einer Folie eingeschweißt) in einem Second Hand Laden gefunden habe.
Der Buchtitel klang vielversprechend, das Buch, seine Charakter und die "Handlung" ist aber absolut belanglos.

Warum solche Bücher geschrieben werden, ist die eine Sache. Warum sich deutsche Verlage gerade solche Bücher als "aktuelle deutsche Literatur" rausbringen, bleibt mir ein Rätsel.
Profile Image for Emmerlee.
102 reviews1 follower
August 29, 2023
1.5 ⭐️

Ich hab einfach gar nicht gecheckt, was vor sich ging.
47 reviews
February 17, 2022
Liebe Lesefreunde,
heute erscheint das neue Buch von #judithkuckart - #cafederunsichtbaren im Dumont Verlag. Das Buch hat 203 Seiten und kostet neu als Hardcover 23,00 €.
Ich habe das Buch vorab als Rezensionsexemplar bekommen und sage herzlichen Dank dafür an den #dumont Verlag.
Wir folgen in diesem Roman sieben ganz unterschiedlichen Menschen, die sich alle ehrenamtlich beim Sorgentelefon e.V. engagieren. Wir begleiten sowohl ihre Arbeit dort, bekommen aber auch tiefe Einblicke in ihre Seelen und ihre Lebensgeschichten. Die Sieben sind sehr verschieden - so gibt es zum Beispiel eine fröhliche 80 jährige, eine Theologiestudentin, einen Baurbeiter - und so unterschiedlich ist auch das, was sie zu erzählen haben und was sie bei ihren Telefonaten von den Menschen hören, die sich hilfesuchend an sie wenden.

Mich hat dieses Buch sehr berührt und beeindruckt. Es hat eine wundervolle, teils schon fast poetische Sprache und eine sehr angenehme ruhige, nachdenkliche Stimmung. Ich mochte die unterschiedlichen Perspektiven und wie der Blick eines Menschen sein Erleben verändert. Judith Kuckart gelingt hier ein Blick tief in die Seele einer Gesellschaft - ein Blick auf das Erzählen und das Zuhören und auf das Ungesagte dazwischen. Einziger kleiner Kritikpunkt: Ich hätte gerne noch mehr Rahmung und Zusammenführung der einzelnen Elemente gehabt. Es gab zwar die Verbindung durch das Sorgentelefon, aber für mich hätte es noch mehr sein dürfen.

Ein kleiner Ausschnitt von Seite 177: "Es war ein milchiger Seetag mit ersten Mücken. Nicht weit von ihnen glänzte der Waldrand auf. Wie Bullerbü, dachte Wanda. Gern hätte sie einen Sommer in diesem Idyll verbracht, das weder im Westen noch im Osten, sondern eigentlich in einem alten Raum lag, der nur erzählbar, aber nicht mehr betretbar war".

Ein wundervoller neuer Buchstern. Von mir ⭐ ⭐ ⭐⭐
Profile Image for Annette Kaiser.
245 reviews2 followers
January 7, 2023
Ich habe selbst am Telefon der Telefonseelsorge gesessen. Ja so ist es, die eigenen Erfahrungen werden in denen der Anrufenden angerührt. Kontakt entsteht in der gemeinsamen Wahrnehmung der Brüche in der Biografie und unserem Umgang mit Grenzerfahrungen.
Schwer fand ich, mit den vielen Anrufen umzugehen, bei denen ich mich fragte: was ist wirklich wahr. Macht mir gerade jemand etwas vor. Ich fühlte mich missbraucht in meiner Empathie. Ja der Anrufende braucht Begleitung in dem Moment, aber der Zuhörende auch.
Displaying 1 - 11 of 11 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.