Seit ein paar Wochen ist Schwein allein. Trübe blickt es aus dem Fenster. Irgendwo hinter diesem Himmel wird noch ein Himmel sein und dahinter noch einer. Gut, dass Dachs einen Apparat erfunden hat, mit dem sich in Gottes Wohnung wechseln lässt. Dort sitzen sie dann, mit dem Schöpfer am Küchentisch und zitternd nimmt etwas seinen Anfang.
»Ist hier das Jenseits, fragt Schwein« erzählt vom Glück Verbündete zu finden. Von Fernweh und der Sehnsucht nach dem Bekannten. Vom Diesseits, vom Jenseits und den wunderlichen Weiten dazwischen
Schwein wohnt jetzt alleine. Biber hat Schwein vor ein paar Wochen verlassen. Seitdem ist die Welt für Schwein ein wenig trister, trüber. Reh geht es ebenfalls schlecht, von Hirsch wurde es vor kurzem abserviert und es muss von nun an alleine seine Bahnen im Schwimmbad ziehen. Währenddessen ist Dachs in seiner Werkstatt zugange. Gewieft wie er ist, erfindet er einen Apparat, der eine Reise in andere Dimensionen ermöglicht. Zusammen mit Schwein sitzt er plötzlich bei Gott zuhause auf dem Sofa. Und weil Gott gerade auch etwas Anschluss braucht, scheint ein kleines Abenteuer nicht die schlechteste Idee… . Noemi Somalvicos Debüt „Ist hier das Jenseits, fragt Schwein“ liest sich wie eine klassische Fabel, die humorvoll und tierisch komisch eine schöne Moral vermittelt. Ihren tierischen Charakteren gibt sie in ihrer Geschichte sehr menschliche Sorgen, sie wirken alle vom Leben gebeutelt, sind etwas antriebslos und existieren in den Tag hinein. Eine Melancholie hat sich über ihr Dasein gelegt, die nur durch einen Ausbruch aus dem Alltag zu besiegen ist. Jedem ihrer Charaktere hat die Autorin bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die das Zusammenspiel ihres ungewöhnlichen Grüppchens einzigartig und extrem lustig gestalten. Die Tiere und Gott halten sich dabei gegenseitig bei Laune, helfen einander und lernen dabei so einiges über Freundschaft, Zusammenhalt und über die kleinen Freuden im Leben. . Es ist eine unaufgeregte, aufmunternde Geschichte, die sowohl als kleines Trostpflaster, Alltagsflucht oder als eine kleine Freude zwischendurch gelesen werden kann. Ich habe dieses kleine Büchlein sehr ins Herz geschlossen. Es war super entspannend in diese Erzählung abzutauchen und hat mich wohlig schön zum Lachen gebracht!
Schwein wurde von Biber verlassen und hat eine Reise in die Wüste gewonnen, doch Freundin Reh kann nicht mitkommen, sie muss sich täglich um ihre Mutter kümmern.
Gott steckt in einer Sinnkrise und würde gerne auswandern, doch wer soll sich um die alte Erde kümmern?
Dachs hat einen Apparat erfunden mit dem er zwischen der Erde und Gottes Welt hin und her wechseln kann.
Bald beschließen Schwein, Gott und Dachs mit dem "Weltenwechsler" ins Jenseits zu reisen, um Gottes toten Fisch zu besuchen, doch natürlich birgt das einige Schwierigkeiten ...
Erst dachte ich Noemi Somalvicos Debütroman wäre eine Tierfabel, mit stereotypen Charakteren (der Fuchs ist schlau, der Wolf böse etc.) und einer Moral am Ende der Geschichte, aber weitgefehlt:
Es ist ein lustiger Text mit spannenden, einfühlsamen Charakteren, reich an absurden und witzigen Ideen.
Dieser schmale Band hat mir einen kurzweiligen Leseabend beschert! Was für ein Vergnügen🚀🎉🥳✨🐷💫!
Das Buch ist Angang des Jahres bei Volan&Quist erschienen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Kreativ, erfrischend, unaufgeregt, Humor-Angebote zum inneren Hineinlächeln, ein sehr nettes Leseerlebnis, werde gerne auch den nächsten Roman der debütierenden Autorin lesen
wie wunderbar schwein, dachs und gott auf dieser reise begleiten zu dürfen. gerne würde ich auch mal ein bisschen erdgucken und dem jenseits einen besuch abstatten. die perfekte prise verrückt!
Verlorenheit, Sinnlosigkeit, Einsamkeit kennen alle irgendwie. Noemi Somalvico verlässt geschlechts- und kulturspezifische Kontexte, Zeit und Raum lokalisierte Klischees, indem sie diese Gefühle von Tieren ausleben und aussprechen lässt. Hier spielt nichts mehr als der emotionale Gefühlszustand eine Rolle. „Ist hier das Jenseits, fragt Schwein“ impliziert keine exkludierende Ursprungssuche. Gott und die Welt der Tiere leiden und wissen das auch:
„Zu Hause setzt Gott sich vors System. Er schaut zu, wie sich die Erde dreht. Er schaut zu, wie der Mond leuchtet. Dann setzt er die Fernbrille auf und guckt in eine Stadt. Guckt in ein Haus, in eine Wohnung, schaut einem Schwein zu, das mit geschlossenen Augen, genau wie er gestern, an einem Tisch, vor einem leer gegessenen Teller sitzt. Man sollte die Erde keinem Melancholiker überlassen. Die Wesen, die darauf leben, werden nach seinem Ebenbild geschaffen sein.“
Die Sprache ist pointiert, kurz, rhythmisch, schnörkellos. Sie agiert bauklötzenhaft, stereotypisch, atomar gleichförmig und unterstützt das erzählerische Setting, das den Tieren das Geheimnisvolle lässt. Die ganz und gar nicht psychologisierende, reflektierende, in sich zurückgebogene Beobachterperspektive hält einfach die Kamera aufs Geschehen. Das Schwein leidet. Der Dachs erfindet. Gott langweilt sich. Das Reh ist traurig. Hirsch und Biber sind gemein und nicht an dem Reh, respektive dem Schwein interessiert. Was also tun? Zum Glück hat Dachs eine Maschine entwickelt, die eine Reise zu Gott erlaubt und Gott selbst überrascht:
„Er gab den Apparat Gott. Sein Gewicht war beachtlich für die unauffällige Grösse. Ein Hebel, links stand Hin und rechts Zurück. Darunter leuchtete ein Lämpchen grün. »Sie sind quasi mein Erzeuger«, sagte Dachs. Da hätte Gott das Ding beinahe fallen lassen. So was hatte in aller Ewigkeit noch nie jemand zu ihm gesagt.“
Der locker und leicht geschriebene Roman besitzt heitere und traurige, teilweise sehr bedrückende Momente. Leicht hat es weder Schwein noch Reh noch Gott. Der Kosmos spielt irgendwie nicht mit. Zum Glück haben sie einander, und so bilden sie eine unwahrscheinliche WG, die sich insbesondere darin auszeichnet, dass sie sich gegenseitig nicht zu bekehren, zu verändern, zu manipulieren versuchen. Schlussendlich gehen sie auf eine Reise in das Jenseits, das sich als Wüste und dann als 3-Sterne-Ressort entpuppt, in welchem jedoch Gott schwer erkrankt:
„Am folgenden Abend ist es Dachs, der fragt: »Was ist das für ein Ort?« Schwein meint dieses Mal, es spiele wohl kaum keine Rolle, wo sie sich aufhalten. Es wäre ihm bei bestem Wille nichts Schöneres eingefallen fürs Jenseits. Der Himmel in der Ferne wird bisschen rot, bisschen violett. Gott fröstelt.“
Der kurze Roman überzeugt durch seine Pointiertheit. Die Maschine vom Dachs wird genauso wenig erklärt, wie die Probleme der Hauptfiguren auf Situationen und Konflikte zurückgeführt werden. Es passt nicht. Es klappt nicht. So ist es, und alle bleiben irgendwie traurig und verdattert zurück. Die Moral von der Geschichte lautet vielleicht, dass der Blick zurück wenig einbringt, zu hadern nicht lohnt und eine Reise viele Wunden heilt und Narben zum Verschwinden bringt. Der melancholische Unterton bleibt. Die Stilsicherheit überzeugt. Somalvico belehrt nicht. Sie erzählt und zwar eine Fabel wie George Orwell nur ohne alle Tragik und politische Konnotationen. Auf diese Weise gelingt ihr, was vielen nicht gelingt, ein Kosmos zu erschaffen, in welchem das Leiden von Schwein zutiefst betrübt und Gott sympathisch erscheint. Von unter 150 Seiten mehr zu erwarten, wäre schlichtweg unfair.
Ein wundervoll niedliches Buch für zwischendurch, es ist einerseits sehr schön kindlich, andererseits sehr schön spätadoleszent, das war für mich genau das richtige. Ich liebe die einzelnen Figuren, die kurzen Sätze, das hoffnungsvolle und das magische darin, ganz wundervoll.
Wundervoll poetisch, liebevoll komisches und tolles Buch, was eine fantastische Welt aufmacht, in der mensch sich doch schnell wiederfinden kann. Ein kleines, feines Buch, dass in meinem Bücherregal einen festen Platz findet.
I got this for my birthday from one of my best friends. Thank you for that because I really liked it and it was very funny but somehow still deep (: I can only recommend it