Zeitenwende in der Was für Deutschland auf dem Spiel steht
In einer Welt des rapiden machtpolitischen und technologischen Wandels müssen sich Deutschland und Europa strategisch neu Im Wettkampf zwischen den USA und China gerät Europa bereits zwischen die Fronten. Und dies wird auch unser Verhältnis zu Russland verändern müssen. Jetzt ist ein nüchterner, illusionsloser Blick auf die neuen Realitäten notwendig, wie Klaus von Dohnanyi Auf »Wertegemeinschaften« oder »Freundschaften« können wir nicht vertrauen, Deutschland und Europa müssen vielmehr offen ihre eigenen, wohl verstandenen Interessen formulieren und mit Realismus verfolgen. So fordert von Dohnanyi in seinem Buch grundsätzliche Kurskorrekturen – im Bereich der äußeren Sicherheit ebenso wie in der Industriepolitik, weg von einseitigen Abhängigkeiten, hin zu einer Politik der Eigenverantwortung. Ein ebenso provokantes wie anregendes Buch - von einer der herausragenden politischen Persönlichkeiten unserer Gegenwart.
Unbestritten sind die Analysefähigkeiten und die Weitsicht Klaus von Dohnanyis, mit denen 2021 die Sicherheitslage Europas in der ersten Hälfte des Buches behandelt. Wie schnell sich Situationen verändern können und vermeintliche Gewissheiten über Nacht obsolet werden, erfahren dieser Tage auch seine Positionen und Empfehlungen mit Blick auf die Sicherheitsordnung Europas und insb. Beziehungen zu Russland. Dennoch behandelt dieser erste Teil des Buches, auch wenn sich zwischen Verfassen und heute Grundlegendes geändert hat, einige interessante Punkte. Umso unverständlicher allerdings sind von Dohnanyis Positionen in der zweiten Hälfte hinsichtlich der Europäischen Union. Die Argumente, die mehrmals zur Verdeutlichung seiner Sicht heranzieht, sind teilweise auf dem Stand vor 1979. Spätestens danach kann nur jemand dem Europäischen Parlament eine demokratische Legitimität absprechen, der bewusst die Entwicklung im europäischen Gefüge, die das Parlament mit der Zeit gemacht hat, spätestens mit dem Lissaboner Vertrag, übersieht. Zumal mit den Argumenten von Dohnanyis auch gleich argumentiert werden könnte, die Parlamente mitteleuropäischer postsozialistischer Staaten verfügten ebenfalls, oder noch weniger, über (k)eine demokratische Legitimierung. Das wäre ebenso absurd. Somit baut das Buch in der zweiten Hälfte letztendlich unterm Strich leider erheblich ab.
Klaus von Dohnanyi is a former German politician of the Social Democratic Party. In his new book, published just before Russia invaded the Ukraine, he calls for a more interest-based approach to politics in Germany and in Europe.
Dohnanyi does a great job at showing that the US policy in Europe is neither as aligned with Europe‘s interests as is often stated, nor is it based on common values but rather on US interests (as most foreign policies are). For those reasons, Dohnanyi argues in favor of a detachment of the EU‘s China- and Russia-policies from the US‘ ones and for an increased focus on common interests with these powers. How that argument would have changed with the war in Ukraine is hard to say, but from Dohnanyi‘s explanation there can be no doubt that a more independent European policy is absolutely crucial.
In the following chapters, Dohnanyi makes recommendations for the EU, most of which seem sensible as well (focus on economic development, more decentralization, more democratic foundations).
There are some important shortcomings in the book as well. For one, Dohnanyi manages to show why US hegemony over Europe has its downsides. Yet he argues for less military spending by EU members (to use that money on climate change instead) without being able to explain how that wouldn‘t increase the dependence on the US or the threat from Russia. Also, he shows the differences between US and EU interests but repeatedly almost equates German interests with Europe‘s. While they probably align a lot, they surely don‘t do so always and a German hegemon, much like an American one, would have its downsides. Finally, Dohnanyi equates the EU with Europe almost throughout the book, which is just plain wrong and shows how his political viewpoint (pro-EU all in all) shapes his own perception.
Still, „National Interests“ is an insightful take on European politics from an important thinker on European politics. Highly recommended.
Eigentlich kann man das Buch nach dem 24 Februar 2022 so nicht mehr verkaufen. Das letzte aktualisierte Vorwort stammt vom Januar 22, wenige Wochen vor dem Beginn des Ukraine Krieges. Von Dohnanyi ist ein extremer Vertreter der SPD-Fraktion der Russlandversteher. Den gegenüber macht er leider fast die USA eher zum Feindbild und meint, Deutschland und Europa müsste sich mit seinen nationalen Interessen davon besser emanzipieren. Ansonsten wäre der Hinweis auf notwendige nationale Interessen gar nicht so schlecht. Ich zähle mich auch zu den "Russland-Freunden". Aber Russland für einen integralen Teil Europas zu halten ist nicht gleichzusetzen mit Verständnis für einen Autokraten und Kriegsanfänger wie Putin. Mein Vater hat nach den eigenen Eindrücken aus Russland im Zweiten Weltkrieg schon lange vor der Ostpolitik immer wieder betont: ein einiges Europa gibt es nur mit Russland! Damit hatte er Recht, wie sich bis zur deutschen Wiedervereinigung gezeigt hat natürlich haben sich die USA und der Westen als Sieger gefühlt. Trotzdem hat Russland selbst den Weg gewählt von Glasnost zurück zu einem zaristischen System und sich damit wieder von Westeuropa entfernt. Zurück zum Buch: seine Substanz reicht für einen Essay in der Zeit, aber nicht ein ganzes Buch.
Erkenne die Lage. Rechne mit deinen Defekten, gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen.
Gottfried Benn Der Glasbläser [Auszug aus dem Buch]
Das Buch war informativ, aufschlussreich und umfangreich geschrieben. Wen das Thema Politik interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten. Es werden Themen wie: • Europa auf dem Weg zu einer Wirtschaftsmacht • Der National Staat • Militärischer Schutz durch die Nato Und noch vieles mehr angesprochen und behandelt. Es ist sehr detailreich aufgebaut und geschrieben worden. Es wird sich mit vielen Themen näher befasst und ist somit sehr interessant zu lesen gewesen.
Wir empfehlen das Buch allen die sich für Politik interessieren und sich gerne mit dem Thema auseinandersetzen möchten.
Der Satz ,,Es drohen größere Gefahren vom Terrorismus als von der Russischen Föderation” auf Seite 218 beschreibt das Buch sehr gut, das Buch ist mehr als aus der Zeit gefallen und zeigt, wie sich große Teile der Politik in ihrem Umgang mit Russland dramatisch geirrt haben.
Etwas kurz gefasst und bei langem nicht so unpolitisch wie an vielen Stellen betont. Gibt aber einen guten Überblickt über die Beziehungen zu Russland.
Argues that Europe should decrease military spending in favor of measures against climate change. Absolute cringe boomer takes; thanks for wasting my precious time!