Dezember 1989. Die Mauer ist gefallen. Der angehende Kriminalpolizist Tobias Falck tritt bei dem neu gegründeten Kriminaldauerdienst in Dresden an – und wird vor große Herausforderungen gestellt. Drogenhandel, Prostitution, Mord auf offener Straße – die Kriminalität im Osten verändert sich drastisch. Und es ist völlig unklar, welche Rechtsgrundlage für ostdeutsche Polizeiarbeit kurz nach der Wende gilt. Das KDD-Team gerät zusehends unter Druck, vor allem als plötzlich eine westdeutsche Kollegin auftaucht und um Amtshilfe bei der Suche nach einem Auftragskiller ersucht …
Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren, machte aus Faulheit kein Abitur und bereute es sofort, als er sich stattdessen zum Maler und Lackierer ausbilden ließ. Mit Anfang 20 begann er zu schreiben, heiratete zwischendurch, ließ sich scheiden und wurde ein Meister in seinem Beruf. Außerdem hat er drei Kinder mit zwei verschiedenen Frauen. Kümmert er sich nicht gerade um seine Sippe, dann schreibt er.
Insgesamt unterhaltsamer Krimi. Der behandelte Fall fächert sich zum Ende ziemlich auf - die tatsächliche Auflösung fällt dafür ziemlich kurz aus. Abseits davon ist die Perspektive auf die Wende ganz spannend: Weit weg von einer unkritischen Verklärung der BRD und Kohls, aber auch überdeutlich kritisch zur DDR. War nett, kann man machen.
Tobias Falck ist Polizist aus Überzeugung. Was in der DDR manchmal nicht so einfach ist. Vieles muss sich hier staatlichen Reglementierungen beugen, Dinge wie Sexualverbrechen darf es nicht geben, also wird auch nicht ermittelt. Doch dann kommt die Wende und Falck wird dem KDD zugeteilt, wo er zusammen mit den Kollegen Edgar Schmidt und Stefanie Bach ermittelt. Und dann wird ihnen noch eine Kommissarin aus dem Westen zugeteilt, der sie Amtshilfe leisten sollen.
Frank Goldammer bringt uns hier das Dresden der Wendezeit näher. Die Wohnsituation ist prekär, viele Häuser stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung gärt und Tobias Falck soll Undercover bei Leuten ermitteln, deren Lebensweise er kaum nachvollziehen kann.
Dem Autor gelingt es von Anfang an das Kopfkino laufen zu lassen. Man sieht das verfallende Dresden förmlich vor sich und kann Tobias Unverständnis gut nachvollziehen. Das Buch teilt sich in zwei Teile. Im ersten ermittelt Tobias in einem Fall im Jahr 1988 Undercover und muss dabei erkennen, dass manches einfach nicht zu machen ist, wenn die Hierarchie nicht mitspielt. Der zweite Teil spielt dann kurz nach der Wende, als auch im Polizeidienst vieles in Bewegung gerät. Mir haben beide Teile auf ihre Art gut gefallen. Im ersten Teil wird sehr deutlich, was alles schiefläuft in der DDR. Im zweiten setzt der Autor dann auf die Dynamik im Ermittlerteam, in dem Tobias der unerfahrenste ist. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz. Gerade hier hatte ich die Szenen schon filmisch vor meinem inneren Auge. Wie das Team zusammenwächst, hat mir extrem gut gefallen.
Ich kann das Buch nur empfehlen, es ist ein solider Krimi, bei dem man als Leser auch ganz schön in die Irre geführt wird. Und zugleich auch eine Darstellung der DDR, gerade in der Zeit der Wende. Das Ermittlerteam ist wirklich ganz groß. Bitte gerne mehr davon!
Zum Inhalt: Die Mauer ist vor kurzem gefallen als der angehende Kriminalpolizist Tobias Falck seinen POst beim neu gegründeten Kriminaldauerdienst antritt. Die Herausforderungen sind vielfältig aufgrund der neuen Situation. Drogenhandel, Prostitution und auch Mord sind plötzlich Delikte, bei denen nicht mal klar ist, welche Rechtsgrundlage denn eigentlich gilt. Meine Meinung: Irgendwie war mir gar nicht so richtig bewusst, dass es auch im Bereich der Kriminalität die Rechtsgrundlage zum Handels kurz nach der Wende nicht wirklich eindeutig war. Ich fand, dass der Autor dieses Thema sehr gut angegangen ist, man hat wirklich das Gefühl, dass es so gewesen sein könnte. Schon fast wie im rechtsfreien Raum wurde agiert. Der Roman war auch echt spannend geschrieben und hat mich gut unterhalten. Der Schreibstil war gut und liest sich flott weg. Fazit: Hat mir gefallen
Der Krimi spielt kurz vor bzw. nach der Wende. Hierdurch entsteht ein interessantes Setup und Ambiente. Die Personen und ihre Sichtweisen / Konflikte werden glaubwürdig und rund dargestellt und das historische Setup macht den besonderen Reiz des Buches aus. Ich hoffe auf einen weiteren Band mit den Protagonisten - nachdem sie jetzt bekannt und eingeführt sind, kann es richtig los gehen.
Es ist Herbst 1989 und es gärt in der DDR, selbst im "Tal der Ahnungslosen". Der junge Volkspolizist Tobias Falck träumt von einer Karriere bei der Kriminalpolizei, als ein "ganz strammer" Genosse dürfte dem wenig entgegenstehen. Doch zunächst einmal hat er ganz andere Sorgen, als er mit seinen Kollegen nach Leipzig geschickt wird, wo die Montagsdemonstrationen immer mehr Menschen anziehen. Wie lange wird die Staatsmacht zuschauen? Wird es eine "chinesische Lösung" geben wie wenige Monate zuvor auf dem Platz des Himmlischen Friedens? Die Angst vor einem Schießbefehl - und der eigenen Reaktion - sitzt tief bei den jungen Polizisten.
Mehr als ein Drittel von Frank Goldammers Historischem Kriminalroma "Schatten der Wende" spielt in den letzten Wochen der DDR, bis es dann eher unprätentiös so weit ist mit der titelgebenden Wende. Wenige Monate später trittt Tobias Falck seine erste Kripo-Stelle beim Kriminaldauerdienst in Dresden an. Er hofft auf eine DDR mit einem menschlichen Sozialismus, ist befremdet angesichts des plötzlichen Konsumrauschs, findet es selbst ein wenig peinlich, dass auch er sich seine 100 DM Begrüßungsgeld abgeholt hat.
Sein teils abgeklärter, teils ruppiger Chef Eddie Schmitt ist leicht genervt von dem Neuen, die Kollegin Bach ist da schon lockerer im Umgang. Als eine westdeutsche Kollegin aus Frankfurt beim Kriminaldauedienst auftaucht und die Ost-Kollegen um Unterstützung bei der Suche nach einem Auftragskiller in Diensten des Rotlichtmilieus sucht, bringt dies die Dynamik in der Amtsstube ziemlich durcheinander. Der Obstkorb als Enführungssgeschenk kommt nicht so gut an und auch sonst sind die kulturellen Unterschiede zwischen Ost und West beträchtlich. Davon, dass zusammenwachsen soll, was zusammengehört, kann keine Rede sein. Die West-Frau ist erschüttert angesichts der schlechten Straßen und heruntergekommenen Häuser, die Ost-Polizisten fühlen sich angesichts des nassforschen Auftretens der Kollegin in ihrem Stolz gekränkt.
Der Reiz an "Schatten der Wende" liegt vor allem darin, dass hier noch einmal die Ungewissheiten, aber auch die noch offenen Möglichkeiten zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung aufgezeigt werden. Für jüngere Leser ein Blick in eine Zeit, die ihnen vermutlich ziemlich schräg vorkommt, für die Älteren dürfte es Erinnerungen wecken an die Fragen, die sich wohl nicht nur Ostdeutsche wie Tobias Falck stellten: "Was kam jetzt auf sie zu? Was sollte aus ihnen werden, aus ihnen allen? Plötzlich war die Zunkunft offen, aber auch ungewiss. Plötzlich schien nichts mehr sicher."
Das wird an anderer Stelle noch expliziter ausgedrückt: "Es kam ihm vor, als hätte er alles verloren. Sein Land, seine Ordnung, seine Orientierung, sein gesamtes Leben, wie er es bisher gekannt hatte. Auf einmal bestand alles nur noch aus Unsicherheit. Seine Gefühle, seine Gedanken waren ein einziges Chaor, von seinem Beruf ganz zu schweigen."
Für einen, der so "stramm" war wie Tobias Falck, muss diese Erfahrung besonders einschneidend gewesen sein. Mir ist dieser Charakter dennoch eher fremd geblieben. So wenig hat er in Frage gestellt, so wenig angezweifelt, auch dort, wo er Möglichkeiten hatte, etwa im Rahmen seiner Ermittlungen auch andere Lebenswelten kennenzulernen. Und selbst die eigene Mutter "beichtet" ihm erst im Jahr 1990, dass sie mitunter Westfernsehen geschaut habe. Ist er damit eine Karrikatur, steht er real für viele DDR-Bürger seiner Generation? da fehlt mir einfach die Ost-Kompetenz. Als Blick in eine fast vergessene Zeit des Übergangs und neuer Perspektiven fand ich "Schatten der Wende" sehr spannend, auch wenn manches bei dem Fall, zu dem hier ermittelt wird, ein bißchen dick aufgetragen scheint.
Worum geht’s? Tobias Falck macht in der DDR eine Ausbildung zum Polizisten. Als er fast fertig ist, fällt die Mauer und alles ändert sich. Er wird dem Kriminaldauerdienst Ost zugeteilt und die Ermittlungen, die er vor dem Mauerfall begann, verfolgen ihn weiter. Ermittlungen, die im Schatten der Wende stehen und die ihn fast an seine Grenzen bringen.
Meine Meinung: Mit „Im Schatten der Wende“ (dtv Verlagsgesellschaft, Februar 2022) schreibt Frank Goldammer einen Kriminalroman, der nicht nur spannend ist, sondern auch deutlich darstellt, wie es für die Menschen dort im Allgemeinen und die Polizei im Besonderen war, als die Mauer fiel. Vor welchen Problemen und Zukunftsängsten sie plötzlich standen und welche Hoffnungen sie hatten. Er beleuchtet hierbei in einem ausdrucksstarken Schreibstil auch das Leben in der DDR vor dem Mauerfall. Und wir dürfen Teil sein an polizeilichen Ermittlungen Ende der 1980er Jahre, erleben den Sturm auf das Stasi-Hauptgebäude und bekommen einen Einblick in das Leben der Menschen, das Warten auf eine Wohnung, den Zerfall der Gebäude und in die Ostalgie der 1980er Jahre.
Besonders gut gefallen hat mir Tobias Falcks Vorgesetzter Schmidt. Er macht zugleich auch die wohl größte Entwicklung durch. Von einem kauzigen Eigenbrötler zu einem echten Teamplayer. Doch auch Tobias gefällt mir gut und seine Kollegin Steffi Bach. Die drei entwickeln sich im Laufe des Buches zu einem tollen Ermittler-Trio bzw. -Quartett, als dann noch Westpolizisten Suderberg hinzukommt.
Und anhand dieser Charaktere dürfen wir einen wirklich spannenden Kriminalfall erleben, der es in sich hat und am Ende richtig an Fahrt und Spannung aufnimmt. Dies alles vor den Kulissen der ehemaligen DDR. Den Problemen, denen sich die Bevölkerung ausgesetzt sah. Der Bespitzelung durch die Stasi – war dein Nachbar Freund oder Feind? Der Wohnungssuche, nur als Familie mit Kind hattest du Chancen, eine gute Wohnung zu bekommen. Das bringt Frank Goldammer wie nebenbei mit in die Ermittlungen ein, dass man die damalige Zeit im Osten wirklich vor sich sieht. Das Handeln mit Westgütern. Die Gedanken und Träume der Menschen. Dieses Buch ist nicht nur ein Kriminalroman, sondern so viel mehr. Zwischendrin hatte ich zwar kurzzeitig das Gefühl, als mache der Autor einen Zeitsprung und hier fehlt mir auch etwas, als es plötzlich mit dem KDD weitergeht, aber ansonsten hat mich das Buch gut unterhalten und ich hatte das Gefühl, einen wirklich authentischen Blick in das ehemalige Ostdeutschland bekommen zu dürfen.
Fazit: „Im Schatten der Wende“ von Frank Goldammer ist nicht nur ein Kriminalroman, der am Ende an Spannung richtig Fahrt aufnimmt, sondern auch ein historischer Roman, der das Leben und Arbeiten in der ehemaligen DDR aufzeigt. Die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die Werte der Menschen und der Politik, das Leben im Schatten der Stasi. Wir dürfen Tobias, Steffi und Schmidt auf ihren Ermittlungen begleiten, erleben ihre Entwicklung zu einem guten Ermittler-Trio mit. Sehen die Unterschiede zwischen der Zeit vor und nach dem Mauerfall. Auch wenn es in der Mitte des Buches m.E. eine Lücke gegeben hat, und Tobias plötzlich von der Polizei der DDR im KDD saß – da hätte ich tatsächlich gerne mehr erfahren. Wie das kam, was dazwischen passierte. Aber wirklich gestört hat das nicht und am Ende war das Buch sogar nochmal richtig spannend.
4 Sterne von mir für diesen ostalgisch spannenden Kriminalroman!
Tobias Falck hat gerade seine Ausbildung als Kriminalpolizist beendet als die Mauer geöffnet wird. Seine neue Stelle beim Kriminaldauerdienst in Dresden wird zu einer großen Herausforderung, da die Öffnung der Mauer auch die Kriminalität im Land verändert. Als Hauptkommissarin Suderberg aus Frankfurt am Main um Amtshilfe bittet, beginnt die Suche nach einem Auftragsmörder. Dabei gerät das Ostdeutsche Team unter großen Druck. Unterscheidet sich die Vorgehensweise zwischen Ost und West doch erheblich.
„Im Schatten der Wende“ ist der erste Band einer neuen Krimireihe von Frank Goldammer. Mit seiner Max Heller Reihe hat der Autor seinen LeserInnen schon recht viel geschichtliches Vermittelt. Diese erfolgreiche Reihe endetet mit dem Bau der Mauer. Jetzt macht Frank Goldammer einen Sprung in die Zeit des Mauerfalls.
Im Mittelpunkt steht der junge Tobias Falck. Am Anfang ist er noch Volkspolizist, macht dann eine Ausbildung zum mittleren Dienst und findet sich danach beim Kriminaldauerdienst wieder. Zusammen mit seiner Kollegin Steffi Bach und seinem Vorgesetzten Edgar Schmidt versucht er für Recht und Ordnung zu sorgen, was gar nicht so einfach war. Nach dem Mauerfall werden die Polizisten plötzlich mit ganz anderen Verbrechen konfrontiert. Auch das Verhalten der Bevölkerung gegenüber der Polizei verändert sich. Haben die Menschen früher noch strammgestanden und hatten Respekt, beschimpfen sie die Beamten jetzt, gehen sie sogar tätlich an. Die Ermittlungen waren für mich in diesem Buch zweitrangig und auch etwas chaotisch. Leichen verschwanden und tauchten wieder auf. Die Polizei war oft rastlos. Hauptkommissarin Suderberg aus Frankfurt am Main, die um Amtshilfe gebeten hatte, sah sich in eine andere Welt versetzt.
Viel wichtiger waren mir in diesem Buch die Gedanken und die Gefühle der Charaktere. Die Polizisten hingen in der Luft. Der Satz „Keiner sagt mir was“ der beschreibt es sehr gut. Die Polizisten wussten nicht mehr wie sie vorgehen sollten, was sie durften. Dabei behinderte die Respektlosigkeit derer sie sich plötzlich gegenüber sahen erheblich. Die Mauer war zwar geöffnet aber immer noch war die DDR ein eigener Staat mit eigener Währung. Keiner wusste wie es weitergehen sollte.
Diese Gefühle und zum Teil auch die Hilflosigkeit der Menschen hat mir Frank Goldammer gut vermitteln können. Ich, als Westdeutsche, die keine Berührungspunkte zur ehemaligen DDR hatte, habe mich damals sehr gefreut als die Mauer fiel. Was das für die Menschen in der DDR bedeutet, die ja schließlich in diesen Staat hineingeboren wurden war mir nicht so richtig klar.
Ich denke im Laufe der nächsten Bände wird man noch einige interessanten Dinge erfahren. Auch die Kriminalpolizei wird sich bestimmt weiter entwickeln. Ich bin schon sehr gespannt.
Im Leben des jungen Polizisten Tobias Falck läuft eigentlich alles rund. Im Jahr 1988 in Dresden hat er seinen Beruf, seine Freundin, ein Zimmer. Und obwohl nur einfacher Volkspolizist wird er sogar zu einem under cover Einsatz geschickt. Ein Abschnittsbevollmächtigter ist unter seltsamen Umständen zu Tode gekommen. Zwar könnte man auf einen Unfall schließen, jedoch nur, wenn man wegschaut. Falck wird bei einer Gruppe jungen Leute eingeschleust, die wohl in einem kirchlichen Umfeld tätig sind.Tobias, der bisher immer sehr linientreu ist, kommt damit in ein anderes Milieu, das ihn befremdet, aber auch fasziniert.
Zu neuen Ufern macht sich der Autor mit dem Start der Reihe um den Kriminaldauerdienst Dresden auf. Die Handlung setzt im Jahr 1988 ein, in dem sich in der ehemaligen DDR Veränderungen andeuten, aber irgendwie doch noch alles beim Alten ist. Im Gegensatz dazu müssen sich die Polizisten ungefähr eineinhalb Jahr später an ein völlig neues System gewöhnen. Tobias Falck ist inzwischen bei der Kripo und dort staunt er nicht schlecht, als plötzlich eine Kommissarin aus dem Westen auftaucht, die in einem gemeinsamen Fall ermitteln will. Die Kollegin aus dem Westen und das Team im Osten passen zunächst nicht so gut zusammen. Die Möglichkeit, dass sich das ändert, sollte jedoch nicht außer Betracht gelassen werden.
Auch für seine neue Reihe hat sich Frank Goldammer eine spannende Zeit der deutschen Geschichte ausgesucht. Durch die Wende hat sich in der ehemaligen DDR wohl so ziemlich alles verändert. Die dadurch entstehende Verunsicherung, aber auch die Aufbruchstimmung werden eindringlich geschildert. Ebenso wie sich die Arbeit der Polizisten verändert, kommt deutlich zutage. Vorbei ist die Zeit, in der es Verbrechen eigentlich nicht gab und auch keine Arbeitslosen, als die Polizei das letzte Wort hatte und der Staat die Geschicke gelenkt hat. Nun scheint es als sei mit der Grenzöffnung auch das Verbrechen nach Dresden gekommen. Die ost-westlichen Verwicklungen sind spannend und ein neuer Ansatz, der Interesse weckt. Vielleicht vermisst man Max Heller in einigen Momenten, aber das bunt zusammengewürfelte Team KDD verspricht noch weitere packende Fälle.
Dem junge Polizisten Tobias Falck gerät während der Wende in Dresden auch sein Leben durcheinander. War er zu Beginn noch ein Sozialist und wusste was richtig und falsch war, kommen ihm immer mehr Zweifel als er verdeckt ermitteln soll. Dann ist auf einmal alles anders. Es gibt den Kriminaldauerdienst und die Verbrechen die es vorher in der DDR nicht gab sondern nur in Westdeutschland gehören auf einmal zur Tagesordnung. Nicht nur sein eigenes Leben wird umgekrempelt. Mit seinen starken kriminalistischen Instinkt versucht er alles richtig zu machen. Als Norddeutsche habe ich die Wende nur im Fernsehen erlebt, wir wohnen weit von den damaligen Ereignissen entfernt. Aber die Gefühle der Menschen waren trotzdem spürbar. Die ungeheure Spannung jener Tage und vor allem die Angst, auch bei uns, hoffentlich schießt niemand. Genauso ist es in diesem Buch im ersten Teil werden die Geschehnisse in den letzten Monaten vor der Wende beschrieben. Das Verhalten der Menschen, die Angst vor der Volkspolizei und der Stasi und ihren Schikanen. Die Montagsdemonstrationen und auch hier wieder Angst auf beiden Seiten. Die Gefühle von Tobias Falck als er die Menschen sieht denen er gegenüber steht sind sehr deutlich und nachvollziehbar beschrieben. Bis ins kleinste Detail, als Leserin hatte ich den Eindruck, dass der Autor selber an Ort und Stelle war. Im ganzen Buch wird dieser Eindruck immer wieder vermittelt. Es ist weniger Krimi mit einem sehr überraschenden Ende, dafür mehr eine intensive Geschichte über die Menschen und ihr Verhalten zu der Zeit. Der Schreibstil war sehr intensiv. Gestört hat mich nur, dass der Autor bei den einzelnen Personen wechselnd den Vor- oder Nachnamen verwendet hat. Das störte den Lesefluss besonders bei Tobias Falck weil der Nachname auch ein Vorname sein kann.
„Er kam sich auf einmal völlig nutzlos vor. Und er ärgerte sich. Jedes Mal stürzten sie komplett planlos durch die Gegend, wie Aushilfspolizisten, denen man ungeliebte Aufgaben verpasste.“ Wir treffen Tobias Falck kurz vor der Öffnung der innerdeutschen Grenze in Dresden. Falck ist Polizist, jung, engagiert und dienstbeflissen. Und doch stößt er, hin- und hergerissen zwischen seinem Gerechtigkeitssinn und dem staatlich vorgegebenen Rahmen, immer wieder an seine Grenzen. Auch wenn für ihn der Tod des ABVs, des Abschnittsbevollmächtigten (Polizeibediensteter, der für ein bestimmtes Terrain zuständig war), auf keinen Fall ein Unfall gewesen sein kann, Kriminalität gab es in der DDR nicht. Als in der Dresdner Neustadt dann auch junge Frauen nachts belästigt werden, wird er überraschend als Spitzel in die Szene eingeschleust, eine völlig neue Welt erschließt sich für Tobias Falck. Mit der Maueröffnung scheint sich die Kriminalität in der ehemaligen DDR Bahn zu brechen, die unklare Rechtslage macht es nicht einfacher. Doch Falck bleibt seinen Idealen im Kampf gegen die Kriminalität treu und arbeitet auch an alten Fällen weiter. Max Heller ist Vergangenheit, Tobias Falck begleitet durch Dresden. Wie immer ist es ein großes Vergnügen, mit ihm durch meine Heimatstadt zu gehen. Da stimmt einfach jede Straßenecke, um die man biegt im Kopf mit der Realität überein. Falck ist sympathisch und als Figur durchaus glaubhaft. Gut eingefangen ist die lähmende Stimmung in der Stadt kurz vor der Wende und das dumpfe Brodeln im Untergrund. Ja, es war trist und karg, die Neustadt verfallen, die Geschäfte fast leer. Mit der politischen Entwicklung nimmt dann auch die Geschichte an Fahrt auf und führt alle Fäden zusammen. Der Roman ist ein gut gelungener Auftakt der neuen Reihe Frank Goldammers mit ein bisschen Luft nach oben. Ich bin gespannt auf das zweite Buch.
Ich habe schon länger keinen Roman mehr gelesen, der zur Zeit der Wende bzw. im Dunstkreis der Zeit davor und danach gespielt hat. Umso gespannter und neugieriger war ich auf "Im Schatten der Wende"! Schon das Cover hat mich angesprochen - die knallgelbe Farbe auf dem sonst schwarzweißen Cover hat Signalwirkung und macht Lust aufs Lesen.
Die Handlung selber ist superspannend und beginnt mit Polizeiobermeister Tobias Falck, der in einigen mysteriösen und skurrilen Fällen ermitteln muss. Einerseits geht es um einen scheinbaren Treppensturz, an anderer Stelle werden Leichen entführt und Personen sexuell angegriffen. So motiviert Falck an die Fälle herangeht, so schwer wird ihm seine Ermittlungsarbeit gemacht. Die Fälle werden zu den Akten gelegt, weil sie zu unangenehm sind und einfach nicht sein dürfen. Zu erfahren wie unterschiedlich die Ermittlungsarbeit in der DDR hier gehandhabt wird, war ein interessanter Aspekt der Handlung.
Ende 1989 nach dem Fall der Mauer ermittelt er dann zusammen mit westdeutschen Kollegen in Drogenfällen und Rotlichtmilieu.
Die Ermittlungsarbeit macht aber nur einen Teil des Buches aus - vielleicht noch spannender ist das authentische Portrait der damaligen Zustände, sei es die Wohnungssituation, das Gesundheitswesen oder andere Aspekte der Lebensverhältnisse. Die Unterschiede im Osten und Westen werden anschaulich vor Augen geführt, sodass man fast das Gefühl hat, eine Zeitreise zu machen.
Ein sehr gut geschriebenes und recherchiertes Buch, das viel mehr als ein reiner Krimi ist - Daumen hoch!
Tobias Falck ist 1988 ein junger Polizist, überzeugt von der DDR und dem Sozialismus. Es erschüttert ihn daher, als ein ABV unter dubiosen Umständen stirbt und alle es als Unfall darstellen. Ein knappes Jahr später, als die Demonstrationen stattfinden gegen die Parteiführung, steht er in der ersten Reihe der Gesetzeshüter, die diese Demonstranten aufhalten sollen. Und dann ist sie plötzlich da, die Wende, im November, und keiner weiß, was jetzt passiert. Nur dass jetzt viel mehr Kriminalität existiert, und auf einmal eine Frankfurter Kommissarin um Amtshilfe wegen eines Serienkillers ersucht.
Das hätte schon ein gutes Buch werden können, wenn sich der Autor hätte entscheiden können, ob er einen Krimi oder eine Art Tatsachenbericht über die letzten Monate der DDR/die Zeit nach der Wende hätte schreiben wollen. So kam nichts Halbes und nichts Ganzes raus, im Gegenteil. Die Ermittlungen waren ein Witz und ich weiß aus ziemlich sicherer Quelle, dass die Kriminalisten im Osten sehr gut geschult und engagiert waren. Auch das ewige DDR-Bashing (Dresden auch 45 Jahre nach Kriegsende immer noch ein reines Kriegsgebiet und Polizisten ständig dabei, junge Leute zu schikanieren und Wohnungen waren grundsätzlich abbruchreif) war nicht nur maßlos übertrieben, sondern schlichtweg einfach nur das: gehässiges DDR-Bashing. Die Lösung des "Falls" dann auch nur eine Frechheit - ach, ich hatte das mal so im Gefühl, ich gebe jetzt mal einen Todesschuss ab; wir DDR-Bullen machen das halt so. No, Herr Goldammer. Das war mal nichts.
Kurz nach dem Mauerfall erlebt der junge Polizist Tobias Falck schwierige Zeiten. Soeben zum Kriminaldauerdienst versetzt, kämpft er noch mit seinen eigenen widerstreitenden Gefühlen und Gedanken und Anfangsschwierigkeiten in dem Team, als eine westdeutsche Polizistin um Amtshilfe ersucht. Sie vermutet einen Auftragskiller in Dresden. Während das unfreiwillige ost-west-deutsche Polizeiteam den Killer sucht und ganz nebenbei einem Triebtäter versucht zu fassen, geraten sie in – im wahrsten Sinne des Wortes – brenzlige Situationen.
Im Schatten der Wende ist weit mehr als ein spannender Kriminalroman. Ein junger Polizist, der an das System der DDR und den Sozialismus glaubt, muss erleben, wie alles zusammenbricht. Mit der Wende kommen auch neue Verbrechen in seine Welt. Dazu kommt die westdeutsche Kollegin und damit auch eine Menge gegenseitiger Vorurteile, die nach und nach abgebaut werden müssen. Die Charaktere sind authentisch beschrieben, man kann sich gut in sie hineinversetzen.Und auch die Orte und das Geschehen sind plastisch und glaubhaft dargestellt. So gelingt die Zeitreise und man kann sich gut in die Zweifel und Ängste der Personen hineinversetzen.
Mein Fazit: ein spannender Krimi und gleichzeitig ein zeitgeschichtlich interessanter und wichtger Roman. Absolute Leseempfehlung!
Ich habe die Krimi-Reihe um Max Heller geliebt und war nun gespannt auf eine neue Reihe, eine neue Zeit und einen neuen Ermittler. Mit Tobias Falck erleben wir die letzten Monate vor der Wende, beginnend im Jahr 1988. Tobias Falck arbeitet bei der Dresdener Volkspolizei als Obermeister. Mit ihm erleben wir die Zeit der Montagsdemos, die Zeit vor dem Zusammenbruch und dem Ende der DDR. Frank Goldammer lässt sich Zeit mit der Entwicklung der Geschichte und seiner Hauptperson. Es dauert, bis Tobias Falck nach dem Fall der Mauer zum Kriminaldauerdienst kommt, doch die historischen Ereignisse sind - gerade für diejenigen, die diese Zeit nicht miterlebt haben - recht komplex. Tobias Falck ermittelt hier nicht in einem einzigen Fall, darum steht für mich hier das Prädikat "Krimi" nicht im Vordergrund, das Geschehen erinnert eher an einen historischen Roman mit Krimielementen. Eine neue Ära, eine Zusammenarbeit mit dem Westen, eine Kommissarin, die um Amtsthilfe bittet und die Aufarbeitung alter Fälle aus DDR-Zeiten stehen an. Für mich kommt dieses Buch nicht ganz an die Max-Heller-Reihe ran, aber gefallen hat mir das Buch dennoch. Ich hoffe, es gibt bald weitere Bücher mit Tobias Falck.
Das Buch startet in der wilden Vorwendezeit, vermutlich um dem wendeunerfahrenen Leser die Situation etwas anschaulicher darzustellen. Ich finde das gelingt ihm ganz gut. Wie das ein Leser der die Wendezeit nicht miterlebt hat weiß ich nicht. Die Handlung ist ganz gut dargestellt und man beginnt sich langsam in die Zeit hineinzuversetzen. Dann macht das Buch einen großen Sprung und bricht mit der bisher beschriebenen Situation. Habe den Sprung beim Lesen sehr zwiegespalten empfunden. Vermutlich ist der Bruch aber bewusst installiert um die Wirrungen nach der Wende darzustellen. Es gelingt Frank Goldammer dann aber die Handlung wieder aufzunehmen, auch wenn dann ein paar zu viele Zufälle ineinander greifen. Einziger Kritikpunkt sind die Charaktere, die anfangs viel Potential haben und sich gut weiterentwickeln ließen. Am Ende werden dann alle irgendwie zu "weichgespült". Alle verstehen sich plötzlich gut und alles ist super. Daher ein Stern Abzug. Ansonsten ein tolles Buch über die Probleme und Sorgen in der Wendezeit.
Anders als der Klappentext vermuten lässt, beginnt das Buch mit einer Vorgeschichte 1988, die ein bisschen Hintergrund des Protagonisten Tobias Falck beleuchtet und in die Wendezeit einführt. Für Leser, die das nicht selbst erlebt haben ist es zum Verständnis der Verhältnisse, gut gemacht. Die Charaktere werden vielschichtig beschrieben und man bemerkt bei Tobias Falck ein Erwachsenwerden und ein Aufwachen aus seiner eigenen DDR-Blase. Dann beginnt er bei der Aufklärung der Verbrechen selbstständig zu denken und einiges zu hinterfragen. Jetzt springt die Geschichte in die Zeit nach dem Fall der Mauer und in die eigentliche Geschichte, denn Tobias Falck wird in den KDD nach Dresden versetzt. Ganz abgesehen von der 'Krimigeschichte', die spannend erzählt ist, finde ich auch die Geschichte der Protagonisten klasse erzählt. Das macht alles sehr lebendig und nachvollziehbar, so dass ich hoffe, da kommen noch mehr Bücher, denn der Cliffhanger mit Claudia und Ulrike ist echt gemein.
Bei Goldammer kann man sich sicher sein. Ein solider Krimi mit viel Hintergrundflair. Vorher waren wir mit Heller im NachkriegsDresden unterwegs und jetzt zur Wendezeit. O Gott was waren das für wilde Zeiten und die grossen Unsicherheiten: was passiert mit dem Land, mit meinem Beruf mit mir selber? Diesen großen Aufruhr bekommt Goldammer gut hin, zumal er sich für einen sehr schwieriges Berufsfeld entschieden hat. Die Kriminalpolizei. Welche Rolle spielte sie während der DDR wie sehr hat sie mit der STasi gekungelt und wo standen die Polizisten während der WEnde undwie gehen sie um mit der "neuen" Kriminalität im Osten. Einziges Manko fand ich die etwas zu grob geschnitzte Westkollegin - aber wer weiss wie dumm-dämlich die Wessis damals aufgetreten sind. Vielleicht sich man einfach nochmal schämen - für die Wessis. Aber wie gesagt Goldammer schreibt tolle Krimis und mir gefällt der gut recherchierte historische Kontext.
Wie auch bei Goldammers Max Heller Reihe sind die Kriminalfälle in diesem Roman meiner Meinung nach leider recht wirr. Man ist zwar zwischendurch gespannt wie es ausgeht, aber am Ende fällt das irgendwie in ein Loch und es bleibt ein kaputtes Fragezeichen zurück. Lesen lohnt sich aber wie bei der in der Nachkriegszeit spielenden Heller-Reihe für das geschichtliche Drumherum gemischt mit der Lokalität Dresden, hier in der Zeit unmittelbar vor und während der Wende. Hier ist bei den Charakteren noch ein Schuss Humor mit dabei.
Set in the GDR in the autumn and winter of 1989, a time of big upheaval and uncertainty around the Fall of the Berlin Wall, the backdrop for this historical mystery is fascinating. The criminal case itself is unfortunately not quite as interesting, and the characters could have been more fleshed out. Entertaining enough that I'll check out the next book, though.
Sehr gutes Buch, welches in der Wendezeit spielt und die Gedanken eines Jungen DDR-Bürgers aufzeigt, der zunächst linientreu war, jedoch langsam anfängt zu zweifeln. Es passieren mehrere Fälle, die in einander verstrickt sind. Ich fand die Anzahl der Verdächtigen sehr gering, sodass vieles relativ schnell klar war. Man bekommt jedoch ein sehr gutes Bild von Dresden in der Zeit.
Frank Goldammer vollführt mit diesem Krimi den Sprung in die Wendezeit und landet gekonnt. "Im Schatten der Wende" ist ein durchgehend spannender und interessanter Kriminalroman. Vielschichtige und zugleich angenehm kantige Figuren und bereichern die Zeitreise zusätzlich.