Maria lebt allein im Wald. Sie hat zwei Ehen hinter sich, ihr erste Gatte war ein Choleriker, der zweite ein Säufer. Beide sind lange tot. Die Leute aus dem Dorf halten sie für eine Hexe, der man besser aus dem Weg geht. Wenn jemand stirbt, gibt man der Hexe die Schuld. Doch niemand ahnt ihr wahres Geheimnis – und wie gerne der Tod ihr zur Hand geht.
Talberg ist ein kleiner abgelegener Ort am äußersten Rand der deutschen Provinz. Fernab der großen Zentren und im Schatten eines gewaltigen Berges gelegen, scheint sich hier über die Jahrzehnte hinweg das Böse immer wieder zu sammeln. Drei Romane spielen zu unterschiedlichen Zeiten in diesem Ort. Vier ortsansässige Familien bestimmen das Geschehen – wechselweise sind sie mal Opfer, mal Täter, mal Ermittler. Und natürlich sind alle Fälle miteinander verbunden …
Eigentlich ist die Reihe ja ganz spannend. Ich möchte nur den Autor an die Hand nehmen und ihm zuflüstern "Du darfst auch über Frauen schreiben, die nicht vergewaltigt werden." Und "Die Story wäre mit 1/3 weniger Worte immer noch leserlich. Vielleicht sogar leserlicher.
“Was die Menschen fürchten, das vertreiben sie; und ließ es sich nicht vertreiben, brachten sie es um. So waren die Menschen. Sie hatte es nie anders erlebt.“ (Seite 11)
Wie schon Talberg 1935 liest sich auch dieser Teil der Trilogie unglaublich intensiv und real. Er fügt sich perfekt die Zeit ein, in der er spielt und lässt sämtliche Taten und Gespräche authentisch erscheinen. Für mich perfekt auf den Punkt gebracht, spannend, geschickt und rund - ganz so, als wäre man direkt mit dabei. Man riecht, fühlt und spürt den Wald und hört jeden noch so kleinen, brechenden Ast in der Nacht. Mich erinnert die Erzählweise an einen True-Crime Roman mit Thriller und Krimianteilen und auch die Verknüpfung mit Band 1 durch die Familien- und Verwandschaftssituationen lässt einen noch tiefer in Talberg abtauchen.
„Was die Menschen fürchteten, das vertrieben sie; und ließ es sich nicht vertreiben, so brachten sie es um. So waren die Menschen.“ (eBook S. 12)
Maria ist 72 Jahre alt und lebt seit 30 Jahren in einer einsamem Hütte im Wald, 5 Kilometer von Talberg entfernt. Sie hat 2 Ziegen und einen Hund und geht hin und wieder nach Talberg um nach den Gräbern ihrer Ehemänner und ihrer Cousine zu sehen und ein paar Lebensmittel zu kaufen oder einzutauschen. Maria lebt autark auf ihrem kleinen Hof, im Einklang mit dem Wald um sie herum, den Naturgeistern und den Jahreszeiten.
„Mit dem Winter kam die ungewisse Zeit des Wartens, denn der Tod glitt am liebsten über Eis und Schnee.“ (eBook S. 25)
Doch Maria hat Geheimnisse. Geheimnisse, die in der Vergangenheit lauern und ihren Schatten immer wieder auswerfen. Als Maria eines Tages einen Brief bekommt, fängt sie an, an ihrem Verstand zu zweifeln; denn dieser Brief stammt von ihrer Tante Bruni, die seit 20 Jahren in Passau beerdigt liegt. Wie kann das sein? Und dann passieren weitere merkwürdige Dinge…
Ich muss sagen, dass mir der zweite Talberg-Band sogar noch besser gefallen hat als der Erste. Auch beim zweiten Band schafft der Autor wieder eine sehr eindringliche und düstere Atmosphäre. Die intensiven Naturbeschreibungen lassen uns neben Maria im Wald stehen und mit ihr in ihrer Hütte sitzen, wenn der Wind ums Haus pfeift. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen! Die erste Hälfte des Buchs liest sich fast wie eine Kammerspiel; wir begleiten ausschließlich Maria, lernen ihr tägliches Leben auf ihrem Hof kennen und erfahren in kleinen Dosen und durch Sprünge in die Vergangenheit etwas von Marias Innenleben; ihrer Kindheit, den Verlauf ihrer Ehen und wie sie im Haus mitten im Wald gelandet ist. Maria hat hin und wieder Erinnerungslücken und wir wissen als Leser selbst nicht genau, was nun wahr ist oder was sie sich vielleicht auch einbildet; das sorgt für eine mystische und auch leicht gruselige Stimmung. Ab der zweiten Hälfte des Buches „verlassen“ wir Maria und es kommen weitere Perspektiven hinzu, die die Handlung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten; auch hier gibt es wieder einige Rückblenden. Nach und nach entfaltet sich das ganze Ausmaß und der Schrecken, der in Talberg zu jeder Zeit lauert.
Mich hat die Erzählweise wieder komplett eingesogen und auf ganzer Linie begeistern können! Die Familienverstrickungen in Talberg fand ich nicht immer leicht zu durchschauen und ich habe mir oft den Stammbaum der Familien angeschaut um einen Überblick zu behalten. Der letzte Teil des Buchs hatte auch nochmal einige krasse Wendungen im Gepäck und das Ende an sich finde ich richtig gelungen und einfach passend zu dieser mystischen Buchreihe.
Ich bin sehr gespannt, welcher Schrecken von Talberg uns 2022 auflauert, im dritten und letzten Band der der Reihe, der am 9.5. erscheint. Von mir eine klare Lese-Empfehlung an diejenigen, die Slow-Burn-Thriller mit einer starken Atmosphäre und mit Fokus auf die Charaktere mögen.
Der dunkle Schatten von Talberg lässt niemanden gehen… Maria ist zweifache Witwe, doch oft trauert sie um ihre Männer nicht. Ihr erster Mann war ein Choleriker, der zweite ein nichts nutz und Säufer. Bezugspersonen gibt es in Marias Leben kaum noch, nicht zuletzt, weil sie in einer abgeschiedenen Hütte im Wald wohnt. Besuch bekommt sie hier nur selten, die Bewohner von Talberg meiden sie, halten sie für eine Hexe, niemand den man freiwillig besuchen möchte. Umso besser, so bleibt ihr Wissen auch weiterhin verborgen, nur der Tod, dem sie ab und an begegnet, weiß von den düsteren Geheimnissen. Doch eines Tages verirrt sich ein gar merkwürdiger Pilger vor ihre Tür, der aufdringlich um eine Übernachtung im Schuppen bittet. Wenn sie ihn doch nur schon los wäre.
Max Korn ist das synonym eines deutschen Autors, der in seiner Kindheit einige Zeit in einem bayrischen Dorf aufwuchs. Talberg 1977 ist der zweite Band aus seiner Trilogie über ein gleichnamiges, jedoch fiktives bayrisches Dorf nahe der österreichischen Grenze. Diesmal konzentriert sich der Schauplatz der Geschehnisse etwas außerhalb des Dorfes. Maria lebt zurück gezogen in einer Hütte im Wald. Als Hexe von den Bewohnern verschrien, verirrt sich nur in gewissen Angelegenheiten jemand zu ihr. Maria hütet das ein oder andere Geheimnis ihrer Vergangenheit, welche wir nach und nach erfahren. Der Start konnte nicht ganz so atmosphärisch aufwarten wie im 1. Band, doch das Setting und Marias Eigenheiten versprachen düstere Spannung. Leider konnte sich das im Buch nie so richtig durchsetzen. Auch wenn ihr etwas verwirrter Zustand, Raum für Überraschungen bot, war allzu schnell klar, was sich hinter den meisten Fragen verbarg. Dank der mehrfachen Beleuchtung der Geschehnisse durch ihre Sicht, die des Ermittlers und einer weiteren Person kauten wir alles mehrfach durch und kamen trotzdem nicht nennenswert vom Fleck, was mit den vorhersehbaren Auflösungen den Todesstoß für die Spannung bedeutete. Nach dem eher quälend langgezogenen Ende, brachte das Motiv auch keinen „Wow- Effekt“ zustande. Zu viele offene Fragen oder Ungereimtheiten wurden einfach abgetan, Fall abgeschlossen, Klappe zu, Spannung tot. Schade, nach dem atmosphärisch sehr gelungenem 1. Band, lag die Erwartung für das 2. Buch dementsprechend hoch und wurde grandios unterschritten. Zu viele verwirrende Verwandtschaftsverhältnisse, ein lahmer Kriminalfall, der versucht wurde aufzupeppen, ständige Zeitsprünge und fehlende Spannung machten nach dem angenehmen Start und großer Hoffnung, der Geschichte leider komplett den gar aus. Die zeitliche Ebene wurde auch für mein Empfinden nicht so gut wie in 1935 rübergebracht. Alles in allem eine sehr enttäuschende Entwicklung, da der Autor im 1. Teil zeigte, dass er mit viel Atmosphäre, Spannung und gelungener Konstruktion wirklich schreiben kann.
Fazit: nach hoher Erwartung ein eher enttäuschender 2. Teil. Anstrengende Ermittlung, vorhersehbar, spannungsarm, wenig düster oder atmosphärisch.
Ich habe meine Sachen gepackt und mich ein weiteres Mal auf die Reise nach Talberg begeben. Hatte ich denn von der ersten Begegnung mit dem düsteren Ort, der am Berghang klebt wie ein Giftpilz am knorrigen Baum, nichts gelernt? Nein, wohl nicht. Ich wusste aus der Vergangenheit ja, dass Talberg ein gefährliches (nicht beschauliches) Dörfchen ist und auch, dass nicht alle (un)bescholtenen Bürger überleben. Aber die Geschichte, die sich im Jahr 1977 ereignete, kroch mir unter die Haut und baut sich da ihr Spinnennetz.
Talberg 1977 ist der zweite Roman der locker verknüpften Talberg-Reihe - der Leser reist einmal 1935, 1977 und das letzte mal 2022 in das Dörfchen - und immer herrscht die selbe bedrückende düstere Atmosphäre. Ich glaubte wirklich, ich stände im Schatten des Berges wie das Dorf selbst. Die Schatten kriechen aus den Seiten, ich sah sie in den Augen der Figuren. Kurzum - der Autor erzeugte gekonnt eine beklemmende Stimmung, die zur Handlung passt wie ein Abziehbild.
Wir folgen Maria - die im Dorf als betagte Kräuterhexe verschrien ist und folglich ein einsames Leben fristet. Ich habe Maria schätzen gelernt. Ich fühlte mich im Buch beinahe wie ihre Verbündete. Natürlich war Maria (wie übrigens keine Figur, die im Buch vorkommt) nicht vollkommen makellos. Hat geliebt und Traumata durchgemacht, die sie geprägt haben. Teilweise waren diese für mich - leise erzählt - umso eindringlicher. Um die Dorfhexe herum gruppieren sich mit zunehmender Seitenzahl seltsame Ereignisse. Menschen verschwinden. Dubiose Briefe tauchen auf. Und alle Spuren verlaufen sich auf unebenen Waldpfaden. Ich begann, selbst Hypothese aufzustellen. Weiß die ehemalige Bäckerin Traudl mehr? Was wird in der Schankwirtschaft über die Bierkrüge hinweg getuschelt?
Gleich ob unten im Dorf oder bei Maria in der Waldhütte. Die Spannung war immer zum Greifen nah. Mal dünn wie Spinnenseide, mal dick wie eine Eisenkette. Sie hat mich durch die Geschichte geleitet - die manchmal in die kriminalistische Sparte schlägt, oftmals aber auch mysteriös bleibt. Wie es sich für so einen kleinen Ort an der deutschen Grenze gehört. Ein paar Dinge bleiben immer ungeklärt, werden unter feuchten Tannennadeln verscharrt. Und das ist gut so, in diesem Dorf, in diesem Buch hatte ich auch nicht das Gefühl, alles wissen zu müssen und jedes Geheimnis lüften zu müssen. Gerade das Mysteriöse übte einen ungeahnten Reiz auf mich aus. Die verzweigten Beziehungsgeflechte, die Andeutungen, die im Dorf getratscht werden. Das hat mich richtig mitgerissen.
Ich bin sehr gespannt, ob noch ein paar Talberg-Geheimnisse auf meiner nächsten Reise aufgedeckt werden oder ob sie im Dunkeln bleiben. Denn einige Geheimnisse überdauern die Zeit.
Einzig für das Ende hätte ich gern ein paar mehr Seiten gesehen. Es wäre sicher nichts an der geheimnisvollen Aura des Buches verloren gegangen, wenn die Schläge nicht im Stakatotakt erfolgt wären.
Die Talberg Reihe geht weiter und ich war unglaublich gespannt auf den zweiten Teil der Reihe. Bereits der Vorgängerband hat mich absolut begeistert. Umso gespannter war ich natürlich was mich hier erwarten würde.
Der Einstieg ins Buch fiel mir sehr leicht. Ich mag den Schreibstil von Max Korn sehr. Er schreibt einnehmend, fesselnd und sehr bildhaft. Auch dieses Buch ist wieder in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil erfahren wir alles über die 72 jährige Marie die in Talberg als Kräuterhexe verschrien ist. Der zweite Teil dreht sich um Josef. Mir haben beide Sichtweisen unglaublich gut gefallen. Talberg zog mich wieder in den Bann und ich bekam nicht genug.
Ich habe auch dieses Mal das Hörbuch, gesprochen von Michael Schwarzmaier, gehört. Ich war auch hier absolut begeistert von seiner Stimme. Er schafft es auf beeindruckende Weise der Geschichte Leben einzuhauchen.
Max Korn gelingt es beeindruckend eine sehr düstere und beklemmende Atmosphäre zu erschaffen. Es ist wie ein Sog dem man sich nicht entziehen kann.
Die Erzählweise packte mich wieder ungemein. Die familiären Verstrickungen in Talberg sind enorm. Nach und nach setzt sich alles zusammen. Nach und nach erfährt man wie sich Marias und Josefs Schicksale verknüpfen. Das Ganze wurde unsagbar gut umgesetzt und fesselte mich ungemein. Die Spannung steigerte sich stetig. Durch unvorhersehbare Wendungen wird es noch spannender.
Das Ende glich einem finalen Showdown und war absolut sprachlos! Was für ein geniales Ende!!! Ich bin absolut begeistert und freue mich nun schon sehr auf den dritten Teil der Reihe.
Klare Empfehlung!
Fazit:
Mit "Talberg 1977" gelingt Max Korn ein beklemmender, beängstigender und komplexer Roman der einfach begeistert!
Ich finde es schwierig. Schwierig deshalb weil mir der Roman einerseits wieder sehr gut gefallen hat. Andererseits fiel mir dennoch auf, das der Autor sich einiger Klischees bedient, die sich gezielt auf Sinti und Roma beziehen und ich fand das sehr problematisch. Die Reproduktion von Klischees und Vorurteilen in einem Band, bei dem es im Grunde unnötig war, das Ganze überhaupt in die Handlung zu integrieren... Klar, eine bestimmte Verknüpfung mit Band 1 war gewollt. Aber wenn ich vergleiche dazu ziehe, passte in Band 1 das Ganze zumindest noch in die Zeit und es wurde auch deutlicher aus welchem Blickwinkel erzählt wird und weshalb dann bestimmet Ansichten eine Rolle spielen. In Talberg 1977 wurden diese Trennungen unscharf und ich finde, das der Autor sich in den Klischees verfangen hat. Sinti und Roma werden einerseits auf ihre Außenseiterrolle reduziert - soweit so noch historisch Korrekt, wir wissen das die Diskriminierung weiterhin besteht - aber das Problem ist meiner Meinung nach, das der Autor sich dann auf Mythen bezieht, a la hellseherische Fähigkeiten, und hinterlistiges Verhalten... Es besteht aber ein Unterschied zwischen dem Aufzeigen von Vorurteilen und deren Reproduktion. Meiner Meinung nach ist es Max Korn nicht gelungen, diesen Unterschied zu machen. Und das beschäftigt mich daher nun mehr, als die eigentliche Handlung ... Alltagsrassismus fängt dort an, wo wir ihn als Normal empfinden und ein Autor das Ganze wie selbstverständlich in eine spannende Geschichte integriert und vermutlich sogar noch denkt, das er so toll ist, weil er eine Minderheit mit einbezogen hat.
Dennoch möchte ich auch über die eigentliche Geschichte schreiben und den Grund, weshalb ich das Buch subjektiv betrachtet eigentlich erstmal ziemlich gut fand.
Talberg ist kein Ort an dem man länger verweilen möchte, dennoch zieht keine der alleingesessen Familien weg. Was vielleicht auch mehr über die ganzen Dynamiken des Ortes aussagt. Die Düstere Atmosphäre wird scheinbar der Umgebung zu geschrieben. Aber wenn man sich die Menschen anschaut, sieht man, sie selbst verursachen ein Klima von Unbehagen und dem Gefühl des Gefangenseins. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, das hier immer wieder Menschen verschwinden, Morde nicht richtig aufgeklärt und die eigentlichen Geheimnisse nicht aufgedeckt werden. Dieser Aspekt ist definitiv eine der Stärken der bisherigen Reihe. Die Verbindungen zu Band 1 sind schnell hergestellt, auch wenn ich fand, das es zu Beginn etwas verwirrend war, wie Maria als Hauptfigur noch mal damit verknüpft wurde. Die Personen aus Band 1 werden eher beiläufig erwähnt, es ist sinnvoll das Ganze in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Dazu ist vieles zu sehr mit einander verknüpft und ich finde, es wird sonst doch eher verwirrend. Die Ereignisse aus Band 1 hängen wie ein Damoklesschwert über allem. In Talberg wird einem die Seele vergiftet... das ist im Grunde die Botschaft. Es ist aber nicht der Ort... es sind die Menschen die das tun. Sie vergiften die Luft zwischen den Nachbarn. Maria als Hauptfigur fand ich ziemlich interessant und ich hätte tatsächlich gerne mehr über sie und ihre weiteren Geheimnisse gelesen.
Sie ist vielschichtig angelegt und einiges was sie tut, ist aus meiner Perspektive heraus ganz schön verstörend. Wenn man dazu dann aber die Talberg- Gemeinschaft näher betrachtet hatte sie aus ihrem Blickwinkel heraus kaum eine andre Wahl um sich selbst zu schützen.
Josef, dessen Erzählperspektive etwa ab der Hälfte einsetzt, fand ich dagegen teilweise anstrengend zu lesen. Er ist einfach so ich bezogen und ich fand das er zu eindimensional erzählt wurde. Eine bestimmte Person und deren Verhalten war dabei durchaus der große Knalleffekt der Geschichte, gleichzeitig konnte mich das Motiv nicht so richtig überzeugen. Das liegt daran, das Korn meiner Meinung nach zu wenig darauf eingeht, weshalb Menschen so werden, wie sie als Erwachsene sind. Ich finde er hat sich hier einfach so ein bisschen darauf ausgeruht, das man halt alles irgendwie erbt. Das dabei aber weit komplexeres passiert und das eben nicht alles einfach in den Genen festgelegt wird, ignoriert man hier halt mal.
Gut gefiel mir, das man nur als Leser*in die volle Wahrheit kennt. Welche Schlüsse z.B. die Polizei am Ende zieht, hängt auch damit zusammen, das gar nicht das gesamte Bild vorliegt. Im Grunde liest man vor allem darüber, wie Geheimnisse bewahrt werden können und wie geschickt jemand falsche Fährten legt. um diesen Punkt auch zu garantieren.
Ich flog nur so durch die Seiten, hatte kaum Zeit und Ruhe mir zu überlegen, weshalb ich beim Lesen immer wieder ein unangenehmes Gefühl hatte. Erst mit etwas mehr Distanz konnte ich mir darüber klarer werden. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich sicher, das es dem Autor nicht mal groß aufgefallen ist. Viele Menschen die rassistische Begriffe und Vorurteile reproduzieren tun dies nicht automatisch aus Böswilligkeit, sondern aus der Normalisierung heraus. Gerade was Sinti und Roma betrifft ,habe ich den Eindruck das wir als Gesellschaft immer noch ziemlich hinter her hinken und Stereotype nach wie vor nicht aufgebrochen wurden.
Ich bin ganz ehrlich. So an sich ohne meine objektive Stimme ein zu beziehen, hat mir der Roman eigentlich richtig gut gefallen. Es war spannend und geheimnisvoll. Ich mag die düstere Atmosphäre. Gleichzeitig fühle ich mich auch zunehmend unwohl, das mir das Buch eben trotz allem so gut gefallen hat.
Wie im ersten Band bereits gehalten kommt dieser Roman sehr düster, teilweise schaurig und beklemmend daher. Das Cover ist in schwarz-weiß gehalten. Man erkennt ein Holzgebäude, welches sich vor einem Wald befindet. Der Klappentext ist meiner Meinung etwas zu kurzgefasst, was allerdings beim Leser wiederum durchaus Spannung erzeugen könnte. Trotzdem hätte ich mir etwas mehr Inhalt in der Beschreibung gewünscht.
In der Erzählung geht es diesmal um die Familie Leiner. Stand im ersten Band die Familie Steiner im Vordergrund, geht es diesmal um die Familie Leiner im speziellen um deren Stieftochter Maria.
Maria lebt als alte Frau in einer Waldhütte abseits von Talberg. Aufgrund der Verbannung ihrer ursprünglichen Familie lebt sie als Einsiedlerin und wird von den Bewohnern des Dorfes als „Hexe“ bezeichnet. Sie entwickelt ihr eigenes kleines Reich und führt ein bescheidenes zurückgezogenes Leben. Alsbald verschwindet aus einer Herberge ein Gast, welcher angeblich in dem Wald gesichtet wurde und eventuell ihr begegnet sein könnte. Im Dorf ist man sich sicher, dass Maria hinter dem Verschwinden stecken wird. Kriminalinspektor Walter Göhring ist überzeugt, dass hier etwas nicht stimmt! Oder ist alles doch ganz anders?
Die Hauptprotagonistin Maria Leiner ist eine sehr depressive und harte Frau. Aufgrund der schlimmen Erlebnisse in der Vergangenheit ist sie gezeichnet und kann dem Leben leider nichts Schönes abgewinnen. Sie tat mir auf der einen Seite sehr leid, aber trotzdem konnte ich mich leider nicht mit ihr identifizieren. Als bedeutsame Nebenfiguren treten Josef Leiner, der Sohn von Mathilde, eine Cousine von Maria, Wilhelm Steiner, der Sohn von Elizabeth Steiner aus dem ersten Band und Alois Wasner ein Metzger aus dem Dorf, seine Tochter Heike Wasner sowie Kriminalinspektor Walter Göhring auf.
Am interessantesten, wenn auch am unsympathischsten war dabei die Figur des Alois Wasner. Er kommt äußerst brutal und cholerisch daher und schreckt vor nichts zurück. Auch die Polizei bekommt ihr Fett weg und Gewalt ist für ihn immer eine Lösung, schlachtet er doch jeden Tag Tiere und der Tod ist in seinem Haus fest verankert.
Der Aufbau der Handlung ist stringent und wird nur durch wenige Zeitsprünge unterbrochen. Die Geschichte spielt in der Zeit um das Jahr 1977 und ist somit historisch gut einordbar. Vereinzelt werden Zeitsprünge in die Vergangenheit von Maria angedeutet, diese sind aber für den Lesefluss kein Problem, sondern tragen zum verbesserten Verständnis der Geschichte bei. Der Schreibstil des Autors ist gehoben, dialogorientiert und auch der dort beschriebenen Umgebung sehr gut angepasst. Dies hat mir wie im ersten Band bereits sehr gut gefallen. Durch die besondere Sprache hat der Leser einen guten Bezug zu diesem Ort und die Erzählung erhält dadurch eine große Portion Authentizität.
Die Erzählung ist erneut sehr düster, teilweise brutal und auch schaurig gehalten. Leser, welche etwas zum Schmunzeln haben möchten, werden hierbei kaum fündig werden. Das Fazit ist insgesamt positiv. Die menschlichen Abgründe und Handlungen des Ortes Talberg und seiner Menschen sind gut dargestellt. Den einzelnen Leserinnen und Leser wird nichts vorgemacht oder beschönigt. Ich hätte mir allerdings eine etwas „moderne Darstellung“ der Lebensweise der Personen gewünscht. Gerade beim Lesen der Geschichte konnte der Leser den Eindruck gewinnen, die Handlung spielt vor 100 Jahren was angesichts des Jahres 1977 etwas sonderbar klingt. Allerdings hat mir die Idee gefallen, einen Ort zu präsentieren, an dem die „dunkle Zeit und Vergangenheit stehen geblieben ist. Das Ende ist sehr bedrückend und wird im Laufe der Erzählung immer wieder angedeutet. Allerdings hatte ich eine andere Vorahnung für die Auflösung, was ich als sehr spannend empfunden habe. Für Freunde einer etwas anderen Geschichte ist dieser Roman also empfehlenswert.
Der zweite Band der Talberg-Reihe spielt, wie der Titel schon aussagt, im Jahr 1977.
Die Stimmung ist in diesem Band nicht ganz so düster wie im ersten Band. Das Dorf Talberg bzw. eher die Dynamik unter den Dorfbewohnern ist allerdings unverändert. Man trifft sich im Wirtshaus, es gibt jede Menge Klatsch und Tratsch über im Grunde jeden und als die Polizei in dem Örtchen eintrifft um die Ermittlungen zu einer vermissten Person aufzunehmen, schießen die Spekulationen in die Höhe. Dabei haben die Talberger mit der alten Maria, die die Hauptperson in diesem Band ist, eigentlich kaum etwas zu tun. Denn Maria lebt in einer Hütte im Wald außerhalb des Dorfes und kommt nur selten in den Ort. Doch schon alleine Marias Herkunft gibt immer noch genug Anlass zu wilden Spekulationen und als "Hexe" ist sie auch noch verschrien.
Das Grundgerüst für die Geschichte ist im Grunde genau wie beim Vorgänger. Zuerst wird die Hauptperson und die Umstände ihres Lebens vorgestellt, inklusive Rückblicke in die Vergangenheit. Im zweiten Teil geht es dann um die eigentliche Krimi-Handlung.
Nachdem mir der erste Band so unheimlich gut gefiel, waren meine Erwartungen natürlich entsprechend hoch. Und sie wurden nicht unbedingt erfüllt, muss ich gestehen. Gefallen hat mir die erzeugte Stimmung, die eher geheimnisvoll daherkommt. Gleichzeitig wurden die gleichen Ereignisse aus so vielen Blickwinkeln beleuchtet, dass die Geschichte immer auf dem Fleck geblieben ist. Dadurch hat sich alles sehr gezogen und ich habe tatsächlich einige Passagen auch quer gelesen. Glücklicherweise gibt es ein Verzeichnis der auftretenden Personen und das Verwandtschaftsverhältnis zueinander. Ich hätte aus den Beschreibungen absolut nicht herauslesen können, wer letztlich der Neffe oder der Vetter 5. Grades von wem ist. Der Kriminalfall selbst hat mich auch nicht überzeugen können. Das "warum" ist zwar durchaus realistisch, aber so richtige Spannung will einfach nicht aufkommen. Im zweiten Teil der Story ganz gewaltig die Luft aus und auch die "Enthüllungen" können das nicht mehr ausgleichen.
Krimi, Heimatroman, Thriller – grandioser Mix mit eindrücklichem Schreibstil und düsterem Setting
Maria, 72, wird im Dorf von allen als „die Hex´“ betitelt und wenn jemand krank wird oder stirbt, ist immer erst mal Maria Schuld. Andererseits kommen die Leute zu ihr, wenn sie Hilfe bei einem medizinischen Problem benötigen, welches im Verborgenen bleiben soll. Seit nunmehr 30 Jahren lebt sie in einer Hütte auf einer Waldlichtung, nahe Talberg und doch so weit weg, dass sie ein Eremitendasein führt. Eines Tages kommt ein angeblicher Pilgerer bei Maria vorbei, der in ihrer Scheune übernachten möchte. Er kommt ihr komisch vor, doch sie lässt ihn gewähren. Am nächsten Tag ist er spurlos verschwunden. Das ruft die Polizei auf den Plan in Gestalt von Inspektor Walter Göhring. Und nun nimmt das Unheil seinen Lauf, denn es wird eine zerstückelte Leiche gefunden und die Metzgertochter wurde offensichtlich vergiftet und schwebt in Lebensgefahr. Wer war der Pilgerer? Wer ist der Mörder? Wer hat das Mädchen vergiftet? Und vor allem: warum?
Die Geschichte spielt sich im Jahr 1977 ab. Dennoch springt der Autor zwischen den vielen Jahren (1906, 1920, 1945, 1947, 1955, 1977) hin und her und der Leser wird so immer tiefer in die Zusammenhänge geführt. Immer mehr erfahre ich darüber, warum Maria so abgeschieden lebt, was sie alles durchgemacht hat, wer ihre Familie ist etc. Und nahezu von Anfang an treibt mich die Frage um: was verbirgt Maria in ihrem Keller? Dieses Geheimnis wird gelüftet, bis dahin durchlebe ich eine überaus düstere, atmosphärische, bedrückende, fesselnde, spannende Geschichte, die mich wirklich in ihren Bann ziehen konnte. Es gibt Parallelen zu Band 1 und auch Erwähnungen von Personen/Zusammenhängen aus dem ersten Teil, der vor mehr als 40 Jahren spielte, dennoch ist das hier eine eigene Geschichte.
Es geht letztlich um diesen Ort – um Talberg – den Titel der Buchreihe. Dieses Dorf ist düster, bedrückend und lastet irgendwie schwer auf der Seele – auch beim Lesen. Seite 247: „Wir alle hier sind verflucht. Verflucht, Leid zu ertragen.“ Seite 248: „Und? Spüren Sie schon seinen Schatten [Anm.: den des Ortes] auf Ihrer Seele? Spüren Sie ihn?“ „Vierundneunzig Jahre fließt das Gift dieses Ortes bereits durch meine Adern“
Wie auch in Teil 1 ist der Schreibstil besonders. Nicht ganz leicht, weil einfach anders und dennoch mit einer Sogwirkung, die mich beeindruckt hat. Auch hier herrscht eine düstere, beklemmende Stimmung, die mich nicht kaltlässt. Das vielfache Hin- und Herspringen in der Zeit verlangt mir eine höhere Aufmerksamkeit ab, wodurch ich noch bewusster gelesen habe, also sonst. Auch deswegen, weil nicht alles zu 100% präsentiert wird, sondern man auch zwischen den Zeilen viel erfährt.
Schön finde ich die Auflistung der beteiligten Personen ganz vorne im Buch – diese habe ich immer mal wieder zu Rate gezogen. Das Cover ist gut gewählt, strahlt es doch eine gewisse Düsternis aus.
Von mir für diesen genauso außergewöhnlichen 2. Teil: 4 von 5 Sternen und eine Empfehlung für diejenigen unter euch, die düstere, sehr atmosphärische (Krimi-)Romane mit einem ordentlichen Schuss „mal was anderes“ mögen. Dass ich nun auch noch Teil 3 lesen MUSS, dürfte klar sein.
44 Jahre nach dem ersten Talberg-Band führt der Autor die Trilogie weiter, in einem Dorf, welches sich auch nach all der Zeit nicht groß verändert hat.
Im zweiten Band befasst sich Korn mit den mythischen Legenden rund um klassische "Hexen-im-Wald-Geschichten", baut dabei aber jede Menge Spannung für den eigentlichen Krimi in der zweiten Hälfte des Buches auf. Hier setzt er schon mehr auf die 70er-Jahre-Gauner Manier, welche schnell überzeugen kann. Gelungene Charaktere, eine fesselnde Geschichte, ein verzwickter Fall zum Selber-Miträtseln und glaubwürdige Darstellungen eines düsteren Dorfes im bayerischen Niemandsland verleihen dem Buch einen Glanz, wie es nur wenige Bücher mit einem solchen Setting erreichen.
Besonders anzumerken sind wieder philosophische Aspekte zunächst über das Leben in Talberg selbst, auch aber darüber hinaus, gerade hinsichtlich der düsteren Geheimnisse des Einzelnen, die auch in diesem Band erneut stark zur Geltung kommen.
Ist Talberg tatsächlich verflucht? Hat er, der Tod dieses Dorf ausgewählt und zu seiner Geisel gemacht? Was verbirgt die alte Frau draußen im Wald?
Talberg ist nicht nur ein (fiktives) verschlafenen dunkles Nest im bayerischen, das man besser nicht aufsuchen sollte, sondern auch eine Krimireihe, die man nicht unbedingt lesen muss! Es ist doch alles sehr dunkel, freudlos und mystisch bei den Talbergern und die Spannung wird eher mühsam und durch klassische cliffhanger und nicht fertig erzählte rückblenden aufgebaut. Die Handlung und die Logik blieb dabei bisweilen etwas auf der Strecke und allzu schnell verliert man sich im chaotischen Verwandtschaftsgeflecht des Dorfes. Wer nun mit wem ein Kind hat, wo es aufgezogen wurde und wessen Namen es nun trägt - da wird nicht nur dem unglücklichen Kriminaler aus Passau etwas schwummerig.... In Summe lässt es sich durchaus gut weglesen, aber man verpasst nichts, wenn man die Ausfahrt nach Talberg nicht nimmt und statt dessen einfach weiter zum nächsten Buch fährt!
Dieser Ort zieht einen an, ob man will oder nicht. Die Spannung zieht sich auch beim 2. Band wieder durch das gesamte Buch und der Schreibstil ist einfach toll. Nicht überzeugt war ich aber wieder vom Ende. Wie schon in Band 1 finde ich es irgendwie unpassend.
Auch Teil zwei der Talberg Reihe hat mich in den Bann ziehen können. Eine düstere Atmosphäre, bei der es mir mehrmals kalt dem Rücken runter lief. Auch das Ende war rundherum grandios und ich freue mich schon auf Band 3.
Gutes Buch. Hat mich aber nicht ganz so abgeholt wie Teil 1. Das wiederum ist rein subjektiv. Die Erzählweise ist nach wie vor gut. Die Charaktere gut gezeichnet. Jetzt bin ich gespannt auf Teil 3.
Familiengeschichte aus Talberg. Dieses Mal handelt es sich um ein altes Kräuterweiblein, das im Dorf gefürchtet war und um diverse undurchsichtige Gestalten, die an das Erbe von ihr kommen wollen. Sie lebt vollkommen bescheiden und weiss nichts von ihrem Erbe. Und natürlich geschehen auch Morde!
Habe schon wiedet ein Drittel des Buches gelesen.Das ist wie heimkommen ins vertraute Tal.Einfach gut! Bin jetzt fertig mit dem 2.Teil,es war ebenfalls sehr spannend geschrieben.Man wird gut in die Geschichte von Talberg eingeführt.Bin begeistert!