In der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang ist in den vergangenen Jahren eine Dystopie Wirklichkeit geworden: Die muslimischen Uiguren werden dort mit allen Möglichkeiten des Digitalzeitalters erfasst und überwacht. Etwa eine Million Menschen sind monatelang in Umerziehungslagern« interniert, wo Folter, Zwangsarbeit und Gehirnwäsche an der Tagesordnung sind. Gleichzeitig werden Moscheen geschlossen, religiöse Feste untersagt, Baudenkmäler zerstört. Offensichtlich soll die kulturelle Identität des 15-Millionen-Volks ausgelöscht werden. Philipp Mattheis beschreibt in seinem Buch, wer die Uiguren sind und warum die chinesische Regierung so erbarmungslos gegen sie vorgeht. Er stellt aber auch Menschen vor, die dem Alptraum entkommen sind, und solche, die Widerstand organisieren. Nicht zuletzt beleuchtet er die unrühmliche Rolle deutscher und anderer westlicher Unternehmen, die in Xinjiang auf Zwangsarbeiter zurückgreifen, und das weitgehende Schweigen der internationalen Gemeinschaft, die die Macht der chinesischen Regierung fürchtet.
Philipp Mattheis is a journalist and author of three books. He was born outside of Munich, studied philosophy and journalism, and now lives in Shanghai where he is the China correspondent of the German BusinessWeek. Formerly editor of the largest daily newspaper in Germany, he also writes for other publications, including Neon, Geo, and GQ.
Wichtig!! Ein Buch, das jeder lesen sollte. Es ist heftig, verstörend und geisteskrank. Unvorstellbar und doch Realität. Es hat sich nichts verändert und nach den Nachrichten der letzten Tage sogar noch verschlimmert bzw ausgebreitet.
Man darf nicht immer nur zuschauen und die Welt machen lassen. Sowas darf nirgends passieren. Allein das zu realisieren wäre ein Fortschritt (wenn dies von allen getan werden würde)
Dank gebührt Mattheis dafür, das Thema der chinesischen Konzentrationslager, des Sklavenarbeitssystems, der Zwangssterilisierungen uigurischer Frauen ins Bewusstsein und Gedächtnis der deutschen Öffentlichkeit zu rufen. Der Autor beschreibt, wie es gelang, den Ethnozid an den turksprachigen Uiguren im Nordwesten der Volksrepublik China ans Licht zu bringen und mit welchen Propagandamaßnahmen die chinesische Regierung reagierte. Das Verhalten dt. Firmen (insbesondere Volkswagen) wird gesondert beleuchtet. Ausgesuchte Zeugenaussagen aus dem 2021 stattgefundenen "Uyghur Tribunal" bilden einen wesentlichen Teil des Buches.
Der Umgang mit autokratischen, menschrechtsverletzenden Staaten wie der Volksrepublik wird sicher noch lange ein Thema sein, dem sich Gesellschaft, Wirtschaft und Politik stellen müssen.
Also Zusammenfassung der aktuellen Lage ist es sicherlich ein gutes Buch und verschafft einen guten Überblick. Zitier- und Belegweise des Buches finde ich aber recht fragwürdig - ist schwierig nachzuvollziehen, welche Information woher genau stammt und was der Autor selbst erzählt oder gerade jemanden anderen zitiert. Einmal wird unkonzentriert aus Wikipedia zitiert? Die Literatur und Quellenliste ist erstaunlich kurz, und es scheint mir, dass im Endeffekt aus recht wenig Quellen zitiert wird (dafür dass es ein ganzes Buch ist!). Dass ganze 6 (!) Kapitel der reinen Zusammenfassung von den Tribunals in London gewidmet sind, ohne irgendeinen Mehrwert durch den Autoren selbst, kommt mir auch sehr seltsam vor. Ich frage mich, ob die uigurischen Erzähler*innen von dem wissen, dem zugestimmt haben oder iwie von dem Erfolg des Buches teilhaben können. Auch werden bestimmte Formulierungen teils ganz oder fast eins zu eins wiederholt. Was persönlicher Bias oder Meinung des Autoren selbst und was zitiert wird ist auch an vielen Stellen unklar. Thematisch als Einführung ist das Buch sicherlich nicht falsche, aber ich habe weitaus mehr erwartet - vor allem von einem großen Verlag wie dem Ch.Links, der doch über gute Lektor*innen verfügen sollte.
Sehr informativ und wichtig, aber eine ersichtliche und nachvollziehbare Quellenarbeit ist das A und O bei solchen Themen. Leider wird hierbei vergeblich nach überhaupt einer ansatzweisen ordentlichen Quellenarbeit gesucht. Es war nicht klar, wann und wo, welche Quelle verwendet wurde oder woher die Information stammte. Inhaltlich ist es sehr wichtig, sich diesbezüglich zu belesen und teilweise ist man, auch wenn man was davon wusste, immer wieder erschreckt, welches Ausmaß und neue Dimension der Grausamkeit eingenommen wird/zustande kommt. Einfach nur ekelhaft, dass das Geld und die scheinbare Gewinnmaximierung zum Zusammenbruch der menschlichen und sozialen Werte führen, wodurch das Schweigen an die Tagesordnung kommt.
Total gutes Buch das wichtige Aspekte aufgreift, Geschichten von Betroffen widergibt und auch die Geschichte der Uriguren und Chinas in Verbindung mit heutigen Ereignissen und deren Folgen setzt und dabei vor allem jegliche Vorurteile gegenüber Uriguren deutlich verurteilt.
Leider hat mir die Quellenangabe in dem Sinn nicht gefallen, dass sie nicht direkt im Text markiert werden, sondern nur als Sammlung hinten stehen. Außerdem haben mir Bilder der Personen oder erwähnten Orten gefehlt, die ich dann alle selbst nebenbei gegoogelt habe. (hat den Lesefluss einfach gestört)