In zehn hochkonzentrierten Kapiteln legt Juliane Rebentisch Hannah Arendts politische Philosophie der Pluralität frei und diskutiert sie im Horizont gegenwärtiger Debatten. Politik und Wahrheit, Flucht und Staatenlosigkeit, Sklaverei und Rassismus, Kolonialismus und Nationalsozialismus, Moral und Erziehung, Diskriminierung und Identität sowie Kapitalismus und Demokratie sind die Stichworte der entsprechenden Auseinandersetzungen. Indem sie den Fokus auf das Motiv der Pluralität legt, lässt Rebentisch in diesen unterschiedlichen thematischen Kontexten jeweils den Zusammenhang von Arendts Gesamtwerk ebenso greifbar werden wie die Widersprüche, die es durchziehen.
Das Buch macht vermittels genauer Lektüren und unter Einbeziehung zeitgeschichtlicher Hintergründe die weitreichenden Implikationen von Arendts Denken sichtbar, und zwar vor allem dadurch, dass es die begrifflichen Sperren, die Arendt selbst diesem Denken setzte, klar herausarbeitet und konsequent kritisiert. Gerade deshalb erweist sich der Streit um Pluralität, der hier mit und gegen Hannah Arendt auf beeindruckende Weise ausgetragen wird, als überaus passende Reverenz an eine Autorin, deren Liebe zur Welt sich auch in der Streitbarkeit ihrer Urteile gezeigt hat.
Unglaublich tiefgreifende und zugleich breite Auseinandersetzung mit dem politischen Denken Hannah Arendts. Besonders beeindruckend ist die werkimmanente Rekonstruktion der Bedeutung von Pluralität bei Hannah Arendt. Ein Begriff, der nahezu alle ihrer Texte zu berühren scheint, so zumindest nach dem eindrucksvollen Werk von Rebentisch. Würde das Buch als fortgeschrittene Sekundärliteratur empfehlen.
3,5/5 War nicht schlecht, man kann es zB als linke Ergänzung zu der Kritik Judith Shklars an Arendt lesen. Die Kritik ist in einigen Punkten ähnlich, beide kritisieren die zu starken Distinktionen im arendtschen Denken. Beide kritisieren einen zu aristokratischen Politikbegriff, die Überhöhung des Status als und die daraus folgende Einschätzung Arendts zu Little Rock Nine und ein verstellter Begriff auf die amerikanische Geschichte. Aus beiden spricht eine grundsätzliche Sympathie und Anerkennung gegenüber Arendt - aber ohne dabei in einen wie auch immer gearteten Arendt-Kult zu verfallen, der schon wegen der Breite des arendtschen Denkens zum Scheitern verurteilt wäre.
Nach der Hälfte war ich erschöpft und habe vieles übersprungen. Im ersten Teil argumentiert Juliane Rebentisch mit Arendt, das habe ich gerne gelesen. Der öffentliche Raum als Ansammlung von Pluralitäten, das fand ich überzeugend. Im zweiten Teil weiß die Autorin es besser als Arendt (zu Recht, zumindest was Rasse betrifft), aber Besserwisserei ermüdet auch. Danach erlosch mein Interesse, leider.