Wien 1938: Der Anschluss Österreichs steht kurz bevor. Es ist die Zeit der Pogrome, der Opportunisten, Denunzianten und überzeugten Nazis. In dieser Welt des Umbruchs muss sich die 18-jährige Ursula zurechtfinden und entscheiden, ob sie Teil des aufkommenden Schreckenssystems wird oder Widerstand leistet.
Nirgends kann man mehr sicher sein, denn »in Zukunft werden alle Wände Ohren haben und hinter jeder Tür wird einer horchen«. Ursulas Bruder versucht die Familie für die Nationalsozialisten zu gewinnen, in ihrer Malerschule haben parteitreue Dozenten das Sagen. Nur ihr Freund scheint ein Hoffnungsschimmer in diesen Zeiten zu sein, in denen nicht nur Ursulas Leben durch all die Bedrohungen zu zerfallen droht. Die atemlose Prosa spiegelt Ursulas innere Zerrissenheit, Verzweiflung und existenziellen Ängste.
Zwischen 1946 und 1948 verfasste Mela Hartwig in ihrem Londoner Exil den Roman Inferno, der nun 70 Jahre später zum ersten Mal erscheint. Es ist bemerkenswert, wie scharfsinnig sich Hartwig unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit der NS-Zeit auseinandergesetzt hat.
Geboren 1893 in Wien, war Mela Hartwig zunächst Schauspielerin (zuletzt am Schillertheater Berlin) und heiratete den jüdischen Rechtsanwalt Robert Spira, mit dem sie nach Graz zog. Nach der Veröffentlichung ihrer ersten Erzählungen (auf Fürsprache von Alfred Döblin) und der beiden Bücher bei Zsolnay (der Novellenband "Ekstasen" 1928 und der Roman "Das Weib ist ein Nichts", 1929) wird nichts mehr von ihr publiziert (außer 1936 in einem Pariser Exilverlag), sie ist als Jüdin und Feministin zu riskant geworden. Sie beginnt zu malen. 1938 emigriert das Ehepaar ? nach der Enteignung durch die Nazis und der Vernichtung von Mela Hartwigs Bildern ? mit kleinem Koffer nach London, wo sie sich mit Virginia Woolf befreundet. Nach dem Krieg besucht das Ehepaar zweimal die Steiermark, beschließt aber aufgrund der Behandlung, die ihnen zuteil wird, in London zu bleiben, wo Mela Hartwig 1967 stirbt, kurz darauf auch ihr Mann. Bis zu ihrem Tod war es ihr nicht mehr geglückt, abgesehen von ganz kurzen Arbeiten, eines ihrer Werke zu veröffentlichen.