Querdenken-Demos, gewaltbereite Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker - immer mehr Menschen driften auf der Suche nach Halt und Orientierung aus der Mitte der Gesellschaft und finden beides in Chat-Gruppen, Internetforen und auf fragwürdigen Webseiten. Und immer häufiger wissen Freunde und Angehörige sich im Umgang mit Betroffenen nicht mehr zu helfen, fehlen Strategien, um miteinander im Kontakt und Gespräch zu bleiben. Wie können wir diesen Entwicklungen begegnen? Dana Buchzik wirft einen Blick auf die Psychologie, die hinter dem Abdriften in Parallelgesellschaften steht. Denn wenn wir verstehen, welche Mechanismen bei Radikalisierungsprozessen greifen, können wir ihnen aktiv entgegenwirken. Sie entwickelt konkrete Handlungsstrategien, wie jeder einzelne den Kontakt zu Betroffenen aufrechterhalten und konfliktärmer gestalten kann und was darüber hinaus in der Bildungsarbeit, in Politik und Sozialwesen wichtig wird, wenn wir auch in Krisenzeiten als Gesellschaft bestehen wollen.
Das Buch hatte so viel Potenzial! Mich haben die Hintergrundinformationen zu den einzelnen Organisationen sehr interessiert, da ich mich da im deutschsprachigen Raum fürchte ich zu wenig auskenne. Ich kann aber absolut nachvollziehen, wenn genau diese Informationen einigen Personen zu irrelevant waren.
Ansonsten war für mich jetzt auch nicht so viel dabei, ich fand das Buch außerdem sehr unstrukturiert. Der ganze Teil der "-und wie wir sie zurückholen können" behandelt war finde ich zu kurz gefasst und kam zu spät. Ich glaube die Praxis wäre für betroffene Angehörige, die sich von diesem Buch Erklärungen und Hilfe erwarten das weitaus interessantere.
Das Buch hat mir irgendwie gar nichts gegeben? Zunächst mal ging es etwa 150 Seiten darum, wie die Autorin über berühmte Beispiele aus den Medien geredet hat. Jonestown, RAF, NSU. Da war ich dann schon gelangweilt und habe mich gewundert, wo der Teil mit dem Zurückholen ist, denn die Aufklärung, wie diese Organisationen funktionieren, war nur sehr oberflächlich.
Dann kam tatsächlich, wie man mit Menschen, die radikale Ideologien haben, redet. Und da war ich dann einfach unbeeindruckt. Man soll sich eine Hausordnung aneignen (wie "wenn du mich beleidigst, wechsle ich das Thema." Kein Scherz.), man soll dem Gegenüber nicht widersprechen, sondern darauf eingehen ("wenn ich solche Artikel lesen würde, wäre ich auch besorgt") und Forderungen vermeiden (statt "Bitte unterbrich mich nicht" soll man sagen "Ich erzähle dir gerade etwas, das mir wichtig ist. Ginge es, dass du mir zuhörst?") und das war's.
Die letzten 40 oder so Seiten ging es dann darum, wie man mit Internettrollen umgeht, und was die Politik ändern sollte.
Und das ist einfach verdammt wenig.
Zugutehalte ich, dass die Sprache einfach und verständlich war. Die Wertung von 3 Sternen gibt es, weil vielleicht jemand anders eher etwas mit dem Buch anfangen kann als ich.
Ich habe sehr viel gelernt, auch wenn ich mich erst reinlesen musste. Über Kommunikation, über unwirksame Strategien und was helfen kann. Über Trolle und Onlinehass, über Shitstorms und Möglichkeiten, sich zu schützen. Wie Radikalisierung funktioniert und was alles dazu gehört. Und nicht zuletzt, was man (als Staat) tun könnte und muss, aber nicht tut. Die Kritik und die Vorschläge am Ende treffen. Alles in allem sehr lohnend und unglaublich gut recherchiert und aufbereitet. Nicht unbedingt leicht, aber sehr verständlich geschrieben. Und bei aller Kritik an Systemen und nicht wirksamen Maßnahmen bleibt doch die Hoffnung, dass wir durchaus Einfluss haben und unsere Energie dafür aufwenden sollten, wo wir wirklich etwas erreichen können. Im direkten Kontakt in menschlichen Beziehungen, persönlich und zugewandt statt sich in anonymen Internetdiskussionen zu verlieren.
Unabhängig von der Qualität des Buchs: fette Triggerwarnung für Mord und alle Arten von Gewalt. Es werden wahre Fälle von Sekten und sonstigen radikalen Gruppierungen beschrieben, das ist nicht unbedingt leichter Tobak.
Buchzik arbeitet hervorragend heraus, woran die aktuelle Radikalisierungsforschung krankt, welche Rolle die emotionale Verwundbarkeit Betroffener spielt (und weshalb es dennoch zu kurz greift, wenn Phobien als legitime Ängste verhandelt werden). Leider war mir das Buch etwas zu wenig "hands in" - vielleicht habe ich mir zu viel erhofft, aber mehrere Lösungsansätze wären schön gewesen. Außerdem blieb ich mit der Frage zurück, wie man damit umgehen soll, wenn es keine Zeit "vor" dem Abdriften gibt. Bei Anhänger*innen von Sekten und ähnlichen Gruppen kann ich mir vorstellen, dass man mit dem "Davor" arbeitet, aber wie könnte ein "Davor" helfen, wenn der Mitbewohner schon seit 30 Jahren auf "alternative Methoden" schwört, seine Impfgegnerschaft nun aber in pandemischen Zeiten dazu führt, dass ein Zusammenleben nicht mehr möglich ist? Schwierig... Außerdem: vermutlich besser geeignet, wenn man sich nicht bereits seit zwei Jahren mit dem Themenfeld beschäftigt. :) Insgesamt aber dennoch sehr empfehlenswert!
Das Buch ist super interessant und gibt gute Einblicke über Radikalisierungen, Radikalisierte und Radikalisierende. Ich muss zugeben, dass ich Radikalisierte immer in den Topf der dummen Menschen geworfen habe. Durch dieses Buch ist klarer geworden, dass dem nicht so ist (wegen Spoilern bleib ich mal wage).
Die erste Hälfte beschäftigt sich mit Ideologien und wie das Radikalisieren funktioniert, was ich super interessant fand. Und in der zweiten Hälfte geht es dann mit Fallbeispielen daran, wie man radikalisierte Menschen vielleicht/ hoffentlich wieder zurückholen kann.
Nur 3 Sterne, weil ich mehrere Lösungsvorschläge aus der Radikalisierung erwartet hatte. Im Grunde wird der immer gleiche Weg an mehreren Fallbeispielen erklärt.
Klare Leseempfehlung für alle, die sich für solche Themen interessieren.
Ich fand dieses Sachbuch sehr bereichernd und informativ, auch wenn ich streckenweise den Beispielen nicht folgen konnte, weil ich sie nicht kannte. Man erfährt viel über Radikalisierung mit dem Ausgangspunkt der Covid19-Pandemie, doch die Prozesse sind übertragbar. Gut fand ich, dass Stratgien zur Radikalisierung und zum Umgang damit dargestellt wurden. Es macht mich nachdenklich. Nach dem Hörbuch folgt definitiv das Buch.