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Flüchtiges Glück

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Der Roman zum Ende der Nachwendezeit - über Enttäuschungen, Wagnisse und Vertrauen

Geliebt und behütet ist Milla in Berlin bei ihrer Mutter aufgewachsen. Ihren Vater hat sie nie vermisst. Nun aber ist Milla schwanger, und ihr Freund Navid drängt sie, ihren Wurzeln nachzuspüren. Verschwiegenes sickert in Generationen ein wie Gift, sagt er. Doch sein Ansinnen sorgt für Zwist: Millas Mutter will den Schmerz aus ihrer DDR-Vergangenheit nicht aufwühlen. Und die Großeltern weichen aus. Als dann noch ein betrunkener alter Mann Milla und Navid angeht und behauptet, Millas Oma sei bei der Stasi gewesen und habe seine Frau auf dem Gewissen, erkennt Milla, dass sie in ein Wespennest gestochen hat. Was geschah damals wirklich?

480 pages, Paperback

Published February 25, 2022

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Ulla Mothes

13 books

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Community Reviews

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2 stars
4 (16%)
1 star
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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Ina Vainohullu .
887 reviews17 followers
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March 19, 2022
Ulla Mothes erzählt in FLÜCHTIGES GLÜCK eine spannende und mitreißende Familiengeschichte über verschiedene Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven.

Aufhänger sind Milla und Navid, ein junges, verliebtes Paar, das heiraten möchte und ein Kind erwartet. Navid, der aus Afghanistan geflohen ist, wo er zusehen musste, wie seine komplette Familie hingerichtet wurde, ahnt jedoch, dass es in Millas Familie ein tief vergrabenes Geheimnis gibt, welches nie ausgesprochen wurde und unterschwellig schwelt. Er glaubt, dass man Schuld nicht mit ins Grab nehmen kann, sondern dass das damit verbundene Unheil auf die nachfolgenden Generationen übergeht. Auch erscheint es ihm seltsam, dass Milla nie nach ihrem leiblichen Vater gefragt oder gesucht hat. Mit seinen Nachfragen sticht er dabei ins sprichwörtliche Wespennest, denn Millas Oma Agnes hat tatsächlich ein Geheimnis: Sie war nicht nur ein hohes Tier bei der Stasi, sondern scheint auch irgendwie in den dubiosen, tödlichen Unfall ihrer Freundin Renate verwickelt gewesen zu sein.

Die Handlung erstreckt sich über fast 40 Jahre, da es viele Rück- und Einblicke in das Leben aller Protagonist:innen gibt. Die Zeit als Agnes ihren Franz kennenlernte, in den 1960ern, die zarte erste Liebe von Millas Mutter Jola und Raik, dem Nachbarsjungen in Wolfen, in den 1980ern in der DDR, deren Wiedersehen nach der Wende in den 1990ern und natürlich dem Hier und Jetzt. Besonders spannend fand ich, wie all die einzelnen Geschichten eine Einheit bilden, wie sie miteinander verwurzelt und verzweigt sind und gemeinsam ins Hier und Jetzt zu Milla führen.

Dabei erfährt man außerdem viel über die Protagonist:innen, die wirklich sehr stark ausgearbeitet und somit sehr real und greifbar waren. Bis auf Milla und Navid vielleicht, an denen mich Millas Naivität ein wenig störte und Navids Drängen, dass sie den Dingen auf den Grund gehen muss. Ich empfand ihn ein wenig übergriffig und beide waren auch etwas oberflächlich gezeichnet, aber das ist nur persönliches Empfinden und tut dem Roman im Gesamten keinen Abbruch, weil es doch vornehmlich um die anderen Charaktere ging.

Ebenfalls spannend, fand ich es, über das Leben in der DDR und zur Nachwendezeit zu lesen. Als die Mauer fiel, war ich selbst gerade einmal 7 Jahre alt und konnte überhaupt nicht ermessen, was genau das eigentlich bedeutet und welche Tragweite es hat. Ich bin also immer neugierig, auf Geschichten dieser Zeit, um meinen eigenen Horizont zu erweitern.

Es ist ein wirklich rundum fesselnder Roman, über Schuld und Sühne, über Liebe und Zusammenhalt, über Hoffnung, Altlasten und Neuanfänge, den ich wirklich nur weiterempfehlen kann und möchte. Hat mir sehr gut gefallen.
Profile Image for Anni.
602 reviews
April 3, 2022
Uff, das war ganz schön hart…

Anmerkung: Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Leserunde als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken, dies beeinflusst meine Meinung jedoch nicht.

Ich will ganz ehrlich sein. Wäre dieses Buch kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich es nach den ersten 100 Seiten definitiv abgebrochen oder zumindest erst einmal pausiert, da ich die Charaktere wirklich furchtbar fand. Das hat sich im Laufe des Buches definitiv gebessert, aber bis zum Ende mochte ich weder Jola, noch Agnes oder Navid.

Wen hingegen ich sehr mochte, waren Toni und Dirk, das sind zwei herzallerliebste Menschen, Milla mochte ich mit der Zeit auch immer mehr und auch Raik war mir eigentlich sympathisch.

In diesem Buch wird die Geschichte zweier Familien erzählt, deren Schicksale untrennbar miteinander verbunden sind. Es wird abwechselnd aus der Gegenwart, den 1970er und 1980er-Jahren erzählt. Dabei werden die Leben von drei verschiedenen Generationen erzählt: Millas, Jolas (ihre Mutter) und die ihrer Großeltern. Ich hatte durch die Fluchtgeschichte Navids aus Afghanistan und Millas Familie aus der ehemaligen DDR das Gefühl, das hier so zwanghaft eine doppelte Ebene in Bezug auf die Flucht geschaffen werden sollte, das hat mir nicht ganz so gut gefallen, wobei es sicherlich stimmig war.

Der Schreibstil hat mir an sich ganz gut gefallen, er ist flüssig und man könnte wirklich sehr schnell vorankommen, wenn die Kapitel nicht so unfassbar lang wären. Ich persönlich bin Fan von kurzen Kapiteln mit maximal 15 Seiten, eine Abtrennung durch „…“ reicht mir da nicht und ich finde das Lesen dann sehr anstrengend, weil ich Bücher auch nicht mitten im Kapitel zur Seite legen kann. Dementsprechend war das Lesen von gerade einmal zwölf Kapiteln auf über 450 Seiten und nervigen Charakteren sehr anstrengend, aber ich möchte dennoch betonen, dass das meinen persönlichen Präferenzen geschuldet ist und die Autorin trotzdem wirklich gut schreiben kann!

Zu den Charakteren kann und will ich gar nicht mehr so viel sagen, weil ich mich einfach viel zu sehr aufregen würde und diese Rezension dann seitenlang werden würde und dadurch eventuell der Eindruck entstehen könnte, dass dieses Buch schlecht wäre, was es definitiv nicht ist. Ein paar Gedanken möchte ich dennoch loswerden: Navid fand ich sehr schwierig, vor allem, wie er sich immer in die Familienangelegenheiten von Milla eingemischt hat, fand ich furchtbar, wenngleich ich es gegen Ende hin schon auch nachvollziehen konnte. Agnes und Jola waren mir ebenfalls ultra unsympathisch und auch wenn ich ihre Entscheidungen definitiv nicht gut heißen kann, konnte ich ihr Handeln an einigen Stellen dennoch ansatzweise nachvollziehen.

Das gesamte Buch regt sehr zum Nachdenken an. Die Konflikte sind bestimmt keine Einzelfälle und stellen eine:n mehrfach vor ein moralisches Dilemma, da man die aufkommenden Fragen nicht so einfach beantworten kann und gleichzeitig dazu angeregt wird, seine eigenen Vorstellungen von Werten, Normen oder Ethik zu überdenken. So etwas mag ich sehr gerne.

Warum habe ich zwei Sterne abgezogen? 1 für die Charaktere. Es tut mir leid, andere hatten damit bestimmt auch weniger Probleme, aber mich haben die meisten einfach nur genervt. 0,5 für die Kapitellänge und 0,5 dafür, dass ich eigentlich alles vorhersehen konnte.

Kann ich das Buch dennoch empfehlen? Ja, denn nicht jede:r wird so große Probleme mit den Charakteren haben wie ich. Außerdem hat auch nicht jede:r so große Probleme mit der Kapitellänge wie ich und der Schreibstil ist definitiv gut. Nach den ersten 100 Seiten hatte ich mich definitiv an die Charaktere gewöhnt, weshalb mich das Ganze dann auch nicht mehr so angestrengt hat und ich am Ende definitiv auch mitgefiebert habe.

Fazit: Eine tragische Geschichte über das untrennbare Schicksal zweier Familien, das auch durch die Flucht der einen nicht auseinander gerissen werden konnte und die sehr viel zum Nachdenken anregt.

3/5
1,406 reviews7 followers
March 7, 2022
Emotional erzählte Familiengeschichte
Milla ist in Berlin bei ihrer Mutter aufgewachsen. Ihr Vater ist ihr unbekannt.
Jetzt ist Milla schwanger und möchte mit ihrem Freund Navid eine eigene Familie gründen.
Navid, der aus Kundus geflüchtet ist und seine ganze Familie verloren hat stellt die Behauptung auf, dass eine Familie ein festes Fundament braucht um glücklich leben zu können.
Er drängt Milla dazu nach ihren Wurzeln zu suchen.
Doch Millas Mutter möchte nicht über ihre Vergangenheit in der DDR reden. Auch die Großeltern Millas Großmutter Agnes hat so ihre Geheimnisse, sie hat für die Stasi gearbeitet.
So stößt Milla mit ihren Fragen nicht gerade auf fruchtbaren Boden.

“Flüchtiges Glück“ ist, wie schon „Geteilte Träume“ wieder ein sehr emotionaler Roman von Ulla Mothes.
Man spürt, dass die Autorin genau weiß wovon sie schreibt.
Sie ist selbst in der DDR aufgewachsen, hat einen Ausreiseantrag gestellt und konnte 1986 aus der DDR ausreisen.
Die Erzählung und auch die Protagonisten sind sehr authentisch.
Der Leser bekommt einen guten Eindruck vom Leben in der DDR.
Von den guten Seiten wie auch von den schlechten Seiten.
Von den Menschen die frei entscheiden wollen, die sagen wollen was sie denken.
Und auch von den Menschen die sich eins mit dem Staat fühlen.
Die Protagonisten sind sympathisch und interessant.
Milla sucht nach ihren Wurzeln.
Dabei stößt sie unbewusst in ein Wespennest.
Ihre Großmutter Agnes hat in der DDR für die Stasi gearbeitet.
Hier gibt es viel aufzuarbeiten.
Lange weiß man als LeserInn nicht was sich Agnes alles hat zu Schulden kommen lassen.
Man lässt seine Gedanken spielen und stellt Vermutungen an.
Agnes und ihr Mann Franz sind mir aber auch durchaus sympathisch.
Man erfährt einiges über ihr Leben zu DDR Zeiten.
Auch Millas Mutter Jola ist sympathisch, auch wenn ich lange nicht verstanden habe warum sie um Millas Vater so ein Geheimnis gemacht hat.

Nur mit Navid habe ich zeitweise gehadert. Er hat Milla oft sehr unter Druck gesetzt, damit sie der Vergangenheit nachgeht.
Auf der einen Seite konnte ich ihn verstehen. Er hat seine ganze Familie in Afghanistan verloren.
Jetzt wo er Vater wird möchte er sich eine eigenen Familie aufbauen und da soll es keine Geheimnisse geben.
Manchmal dachte ich aber auch er sollte etwas mehr Feingefühl Milla gegenüber haben. Schließlich ist es ihre Familie.
Dann hätten wir aber diese ergreifende Geschichte nie lesen können.
Ulla Mothes Schreibstil ist flüssig, sehr emotional und leicht verständlich.
Die Protagonisten sind gut gezeichnet.
Man konnte sich in die einzelnen Figuren sehr gut hineinversetzen.
Die Geschichte ist ergreifend und authentisch erzählt.

Beim Lesen ist mir wieder einmal bewusst geworden wie wichtig Familie ist.

Profile Image for Elke Sonne.
521 reviews
March 5, 2022
Ein Blick in die Vergangenheit der jüngsten deutschen Geschichte

„Flüchtiges Glück“ ist ein bewegender Roman der in Berlin lebenden Autorin und Lektorin Ulla Mothes.

Die Handlung beginnt in der Gegenwart in Berlin. Der 21-jährige Navid - der vor mehr als sechs Jahren, nachdem seine Familie von den Taliban ermordet wurde, aus dem Kundus geflüchtet ist - macht seiner schwangeren Freundin Milla einen Heiratsantrag. Die beiden sind glücklich und eigentlich könnte alles so einfach und schön sein sein, aber Navid spürt, dass es in Millas Familie ein dunkles Geheimnis gibt, das er vor der Hochzeit klären möchte. Milla ist bei ihrer alleinerziehenden Mutter Jola aufgewachsen und kennt ihren leiblichen Vater nicht. Dafür hat sie zwei tolle Ersatzväter – Toni und Dirk – die mit ihr und Jola in einer WG wohnen und sie liebevoll mit groß gezogen haben. Milla hat das nie hinterfragt und das Schweigen ihrer Mutter über ihren Vater akzeptiert. Nun möchte Navid mehr wissen, stößt aber dabei sowohl bei Jola als auch bei Millas Großeltern Agnes und Franz auf Schweigen. Niemand möchte sich erinnern.

Mich hat die Story von Anfang an gefesselt. Ulla Mothes hat mich direkt mit nach Berlin genommen und ich stand regelrecht neben Milla und Navid auf dem Teufelsberg. Durch Zeitsprünge in die Vergangenheit, in denen Jola noch ein Teenager war und mit ihren Eltern in der DDR gelebt hat und die Zeit als Agnes und Franz sich kennengelernt haben, erfährt man nach und nach immer mehr über die Vergangenheit der Familie. Durch diese Wechsel bleibt es spannend, da sich die einzelnen Puzzlestücke erst nach und nach zusammensetzen.

Mit Milla und Navid, Jola, Agnes und Franz und Toni und Dirk hat die Autorin hier tolle Charaktere geschaffen. Sie wirken durch und durch authentisch und werden facettenreich dargestellt.

Die Themen in diesem Roman sind genauso vielfältig wie das Leben. Es geht um Liebe, Familie, Verrat, Tot, Enttäuschungen, Betrug und vieles mehr. Es ist eine fiktive Geschichte, deren Hintergründe - das Regime der DDR, das Vorgehen der Stasi und alles, was sich in diesen Jahren danach in der deutschen Geschichte ereignet hat - real sind. Hier merkt man auch, dass die Autorin in der DDR aufgewachsen ist und weiß wie es damals zuging. Die Zerrissenheit der Menschen, was das Beste für ihre Familie ist, ohne sich dem Staat entgegnen zu stellen und damit auch wieder der Familie und sich zu schaden, kam beim Lesen direkt bei mir an.

Mich hat der Roman sehr bewegt, aber auch gut unterhalten und ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin.
1,049 reviews9 followers
March 7, 2022

Milla ist sehr behütet aufgewachsen, Mutter, zwei Ziehväter, Großeltern alle lieben sie über alles und haben Unheil von ihr fern gehalten. Nun ist sie mit Navid zusammen, er stammt aus Afghanistan und ist ein Kriegsflüchtling, zusammen erwarten sie ein Kind. Wer Millas Vater ist hat ihre Mutter immer verschwiegen. Nun fragt Navid immer wieder nach, er findet es wichtig das alle Komponenten der Vergangenheit offen liegen. Denn nach seiner Erfahrung kann es nur böse ausgehen wenn es Geheimnisse innerhalb der Familie gibt. Millas Familie stammt ursprünglich aus der DDR gab es dort Ereignisse die die Gegenwart belasten, gibt es deshalb keinen leiblichen Vater?
Milla und Navid sind ein sehr junges liebenswertes Paar, wie sie mit einander umgehen; sorgsam, fürsorglich und sehr liebevoll, ist großartig aber anspruchslos. Die anderen Figuren sind dagegen vielschichtiger. Franz, Agnes, Jola, Renate, Raik usw.. Sie tragen als Ältere mit mehr Lebenserfahrung viel mehr Altlasten mit sich herum.
Dazu kommen die Themen Umweltschutz und natürlich das Leben in der DDR.
Das Buch erzählt wechselweise von dem Leben im heutigen Berlin und von den Jahren in Wolfen DDR. Die Autorin erzählt sehr emotional wie die Menschen miteinander lebten, was ihnen wichtig war und warum viele sagen es war nicht alles schlecht. Grundsätzlich muss jeder akzeptieren, dass für die Menschen, egal in welchem Teil sie gelebt haben es gute und schlechte Erfahrungen gab.
Die Geschichte ist nicht schwarz weiß, es gibt unendlich viele Grauabstufungen, das macht das Buch ungeheuer spannend.
Es zwingt uns Leser:innen sich mit unseren eigenen Gedanken und Vorurteilen auseinander zusetzen. Wir verurteilen bestimmtes Handeln, aber hätten wir es in der Situation anders gemacht?
Das habe ich an der Figur von Agnes bemerkt. Am Anfang fand ich sie kalt und absolut passend in ihrer Rolle. Doch je mehr ich über sie gelesen hatte, desto sympathischer wurde sie mir, ich bekam Verständnis für sie und konnte sie am Ende vollständig akzeptieren.
Der Themenmix war gelungen, es wurde ein weiter Handlungsbogen gespannt bis zu einem logischen versöhnlichen Ende.
Profile Image for Avila.
141 reviews6 followers
March 15, 2022
Milla und Navid sind jung, glücklich, verliebt - und erwarten ein Baby! Doch Navid, der seine Familie im Krieg verloren hat, spürt die Familiengeheimnisse von Millas Familie wie einen gefährlichen Vulkan brodeln. Bevor diese sein junges Familienglück zu überrollen drohen, überredet er Milla nachzuforschen. So begibt Milla sich auf ins geteilte Deutschland, auf ins chemieverseuchte Bitterfeld, auf in die Stasi-Vergangenheit und das alte Liebesglück ihrer Mutter.


Der Roman glänzt vor allem durch seine starken Charaktere. Stark meine ich gar nicht in dem Sinne, dass sie stark handeln, sondern dass sie sehr gut gezeichnet sind. Millas Oma beispielsweise war eine hohe Stasi-Offizierin. Einige ihrer Charakterzüge waren natürlich dementsprechend und auch Linientreue findet sich bei ihr wieder. Dennoch schafft Ulla Mothes es, dass sie bei all ihrer Kühlheit und Reserviertheit menschlisch bleibt. Bei diesem Beispiel vor allem durch Millas Opa, der seine Frau über alles liebt und diese Gründe aus seiner Sicht gezeigt werden. So haben auch die auf den ersten Blick liebsten Charaktere eine Seite, die einem nicht ganz geheuer ist. Und genauso vielfältig sind die Menschen auch. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen.


Der Spannungsaufbau ist leicht kriminialistisch angehaucht. Einige Schlüsselelemente weiß man zwar von Anfang an, aber ein wenig rätselt man auch immer mit und fragt sich: Was ist genau passiert damals? Toll ist, dass ich immer kurz vor der Auflösung von kleinen Momenten das Rätsel gelöst hatte, so dass es nicht langweilig und plausibel blieb. Alles ist vor dem Hintergrund des deutschen Mauerfalls und der Umweltverschmutzung der DDR in Bitterfeld und Umgebung eingebettet. Von einigen Dingen hatte ich schon gehört, aber in dieser Tiefe waren mir manche Sachen auch noch gar nicht so bewusst. So gab es auch historisch einen schönen Einblick in die DDR-Geschichte, die ein wenig mit Stasi- aber viel mehr mit Umweltgeschichten zu tun hatte.


Alles in allem, ein schöner, vielseitiger und tiefsinniger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe. Die Autorin werde ich mir sicherlich merken!
Profile Image for Cornelia.
184 reviews
March 7, 2022
Milla wird von ihrem Verlobten Navid auf Geheimnisse in der Vergangenheit in ihrer Familie gestoßen. Die Klärung erfordert Mut und verursacht zunächst auch Leid bei denjenigen, die die Vergangenheit lieber ruhen lassen möchten.
Der Autorin gelingt ein spannender Rückblick in die Geschichte des geteilten Deutschlands. Die Figuren der Erzählung sind alle nicht ohne Schuld, aber bei der Darstellung gibt es nicht nur Schwarz und Weiß. Keine Person bleibt in Klischees verhaftet - alle bekommen die Chance, sich zu verändern und neue Wege zu gehen.
Der Roman weckt Emotionen ohne gefühlsduselig zu sein. Unbedingte Leseempfehlung!
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