Lena Die Rumplhanni Lesefreundlicher Großdruck in 16-pt-Schrift Großformat, 210 x 297 mm Berliner Ausgabe, 2019 Durchgesehener Neusatz mit einer Biographie der Autorin bearbeitet und eingerichtet von Theodor Borken München (Albert Langen) 1917. Textgrundlage ist die Lena Werke. Mü Süddeutscher Verlag, 1972. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Jean Baptiste Greuze, Porträt einer jungen Bäuerin, 1780. Gesetzt aus der Minion Pro, 16 pt. Henricus Edition Deutsche Klassik UG (haftungsbeschränkt) Über die 1881 im bairischen Glonn als uneheliches Kind geboren, verbringt Lena Christ ihre ersten Lebensjahre unbeschwert bei ihrem Großvater. Später erfährt sie die Gefühlskälte und andauernde brutale Mißhandlungen ihrer Mutter und fühlt sich zunehmend als Überflüssige. Nach dem Tod des geliebten Großvaters entflieht sie der häuslichen Situation 1898 in das Kloster Ursberg, das sie kurz darauf enttäuscht und verzweifelt wieder verlässt. Nach einem ersten gescheiterten Selbstmordversuch arbeitet sie als Köchin und heiratet den Buchhalter Anton Leix. Die Ehe scheitert, Lena erkrankt und ihre Töchter kommen in ein Kinderheim. Nur mühsam hält sie sich durch Schreibarbeiten über Wasser bis sie so 1911 den Schriftsteller Peter Jerusalem (der seinen Namen 1933 in Peter Benedix ändert) kennenlernt und 1912 heiratet. Er veranlaßt sie zur Niederschrift ihrer Lebensgeschichte, die 1912 als Erinnerungen einer Überflüssigen erscheinen jedoch nur geringe Beachtung finden. Auch die Lausdirndlgeschichten, in denen Ludwig Thoma eine plumpe Nachahmung seiner Lausbubengeschichten sieht, und der 1914 erscheinende Roman Mathias Bichler finden zu Lebzeiten wenig Beachtung beim Publikum. Die Rumplhanni, die zunächst als Drama in drei Aufzügen entsteht, dann aber auf den Rat von Peter Jerusalem zum Roman umgearbeitet wird, erscheint im Herbst 1916. Die Ehe mit Peter Jerusalem scheitert an dem V
Ob jemand den Roman überhaupt lesen kann, der kein Bairisch spricht, weiß ich nicht. Der erste Teil, der im bayerischen Landleben bei Ausbruch des Ersten Weltkrigs spielt, wird hauptsächlich in Dialogen erzählt. Und selbst ich als Bairisch-Muttersprachlerin musste die über 100 Jahre alte Version des Dialekts langsam lesen, um ihn zu verstehen, manchmal sogar laut. Aber fesselnd fand ich die Geschichte der eigensinnigen Hanni und ihrer Welt, auch als sie später nach München geht, bei einer armen Familie in der Au einzieht, auch mal im Gefängnis landet: Sehr viel geschichtlicher Lokalkolorit, manches davon absichtlich erzählt, vieles unabsichtlich. Was mir auffiel: Es gibt keine einzige sympathische Figur, alle verhalten sich in erster Linie boshaft, eigensüchtig und gemein. Ein literarisches Kleinod.
Kurzer Auszug a.d. viel längeren Rezension m. Links u. Hintergründen i. m. Blog: Fazit: Die ersten drei Viertel spielen auf dem Land und bereiten viel Freude: Deftiges Bairisch, scharfzüngige Dialoge und schöne Beobachtungen, wenn "die Bauern ((…)), die Jungen und die Dienstigen" interagieren, ganz zu schweigen von den Männern und den Frauen. Ich habe oft laut gelacht, wann gibt's das schon. Das München-Viertel am Ende klingt ganz anders: Die Autorin beklagt wehleidig soziale Kluft und kalte Staatsmacht. Dieses Viertel wirkt angeklebt.
Der Roman spielt im Zeitraum von 1914 bis 1916 und gibt einen Einblick vom Leben der Leute auf dem Land und (im letzten) Viertel in München, wobei der interessantere Teil auf dem Lande spielt. Die Rumpelhanni ist Magd auf einem Bauernhof in Öd, möchte aber selber die Bäuerin auf diesem Hof werden. Um ihr Ziel zu erreichen, schreckt sie auch vor Lüge und Betrug nicht zurück. Herrlich sind die Dialoge, für die man allerdings Bairisch lesen können sollte. (Es gibt scheinbar aber auch eine „Übersetzung“ ins Hochdeutsche. ;-) )