Was machst du gerade? Nichts ... Acht Autor*innen schreiben über Sex. Der Fokus liegt nicht auf dem körperlichen Akt, sondern auf den Momenten davor und danach. An was erinnern wir uns, wenn der Orgasmus längst verklungen ist? Dabei Mirjam Kergl, Yvonne Tunnat, Helen Faust, Eva-Maria Obermann, Janina Haselbach, Jessica Iser, Kia Kahawa, Matthias Thurau
Magret Kindermann wurde 1988 in einem kleinen Dorf in Hessen geboren. Sie studierte Online Journalismus in Darmstadt und arbeitete als Redakteurin und Produzentin in Berlin. Nun lebt sie in Thüringen mit ihrer Familie. Sie interessiert sich für Verhaltensmuster und Emotionen, für leichte Sprache für große Themen, und kuriose Menschen. Wenn sie nicht schreibt, ist sie im Schwimmbad oder Theater zu finden. Mehrere Bücher erschienen bereits im Selbstverlag, Killing Zombies and Kissing You ist ihr erstes im Genre New Adult und im GedankenReich Verlag.
Der dritte Teil der Anthologie-Trilogie hat mir wieder sehr gut gefallen. Es ist ein ziemlich dünnes Büchlein mit acht Geschichten, von denen manche vielleicht ein bisschen kurz sind. Aber auch diese kurzen Texte sind gut geschrieben und dann eben stimmungsvolle Vignetten. Zu jeder Geschichte gibt es eine gelungene Illustration. Dieses Mal geht es um Sex und zwar um die Momente davor und danach. Wie immer bei dieser Anthologienreihe, gibt es auch "Inhaltswarnungen", die für meinen Geschmack aber endgültig zu weit gehen, wenn sie vor Handlungselementen wie “Essen”, “Oberflächlichkeit” und “Fremdgehen” warnen. Besonders gut gefallen hat mir z.B. Eva-Maria Obermanns “Der Schattenpfeil”, eine großartige Beschreibung eines Morgens "danach", ein genauer Blick auf den noch schlafenden geliebten Menschen, mit viel sprachlichem Rhythmus, besonders ganz am Schluss. Gut fand ich auch Yvonne Tunnats “Buchstaben auf die Haut”. Dies ist eine einfühlsame Schilderung eines Dates aus der Perspektive eines Taubblinden, bei dem es zum Sex kommt. Eine beeindruckende Konzentration auf Gerüche, auf Tasten und Vibrationen. In Helen Fausts “CFNF” gibt es eine etwas verstörende Beziehung für die es auch eine Inhaltswarnung gibt. Erwähnen will ich auch noch “Märchenstunde” von Mirjam Kergl: Ein Paar geht fremd und trifft sich zum Sex im Auto. Sie haben nicht viel Zeit, er muss bald wieder zu seiner Frau. Im Auto ist auch nicht viel Platz und dazu kommt noch die Angst, gesehen zu werden. Die Wünsche der Frau stehen im Kontrast zum Geschehen, zur Märchenstunde der gegenseitigen Erzählung, wie es sein könnte, aber eben nicht ist. Für Lesende, die auf Stimmungen Wert legen, weniger auf oberflächliche Handlung.