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Die Gäste

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Der Rechtsanwalt Doktor Kowalk, der doch noch lebt, eröffnet Friederike das nachgetragene Erbe ihrer Großmutter: Ein Ladenlokal in Berlin unweit der Potsdamer Straße, in dem sich ein Café befindet. So kündigt Friederike mit fünfzig ihre Stelle am Institut für schwindende Idiome und übernimmt das Café. Von ihrem Vorgänger bleiben ihr die große Kasia, der Kioskbesitzer Herr Lehmann und Herr Palun, der Verkäufer, der fliegen kann. Unverdrossen übersteht sie die Kontrollen der Gesundheitsämter, die Anschläge von Heckenschützen, den schwarzen Regen, die Ausläufer der Pandemie. Auch wenn im Keller unter dem Tresen Ratten Szenen der jüngsten Geschichte oder des jüngsten Gerichts nachspielen, hält sie am Glück, anderen zu Diensten zu sein, fest. Es erscheint der wundersame Robert, und eines Tages wird zwischen den Gästen auch ihr verlorener Sohn Florian sein.

256 pages, Hardcover

First published January 1, 2022

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Katharina Hacker

23 books7 followers

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Community Reviews

5 stars
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8 (27%)
1 star
2 (6%)
Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Buchdoktor.
2,450 reviews196 followers
February 23, 2022
Mit dem 50. Lebensjahr beginnt das Alter, findet Friederike, und es sei ein idealer Zeitpunkt für einen Neuanfang. Dass ihr ihre Großmutter zu diesem Tag das Café „Bar“ vererbt, wundert sie nicht sonderlich. Friederike kündigt, zum Ärger ihres Professors am Institut für „sterbende Idiome“, und geht von nun an die unbedingt nötigen Schritte zur Café-Inhaberin einzeln, einen nach dem anderen. Das Café hat erstaunlicherweise den Lockdown überstanden und die Stammkunden des Vorbesitzers halten auch Friederike die Treue. Wir befinden uns in einem beliebigen Jahr nach einer verheerenden Pandemie, die Friederikes Gäste weniger beeindruckt zu haben scheint, als das Attentat am Breitscheid-Platz und weitere lokale Gewalttaten. Während draußen Kriegszustand zu herrschen scheint mit Scharfschützen auf den Dächern, bewegt Friederike sich von nun an in mehreren Welten. Sie irrlichtert zwischen einer Märchenwelt, in der es viele auffallend kleine Menschen gibt (mit dazu passenden Sesselchen) und in der Tiere sprechen, der Realität des Tagesgeschäfts im Café und Versatzstücken aus der Stadtgeschichte von 1945. Sie erhält Unterstützung von Kasia und Stislaw, die sie wie Bäcker und Lieferanten von Friedrich übernommen hat. Eine Ratten-Armee, ein sprechender Hund und ein geheimnisvoller Chinese kreuzen ihren Weg. Natürlich habe ich mich gefragt, ob man ein Café allein ohne die dazugehörigen vermieteten Seitenflügel, Hinterhöfe und die verfallende Remise erben kann. Vermutlich befasst Friederike sich mit diesem Problem erst später. Ein Robert tritt ins Bild und geht wieder ab, um irgendwo Wölfe oder Bären zu kartieren. Und Friederike hofft noch immer auf die Rückkehr ihre Adoptivsohns Florian, auch er ein reichlich märchenhaftes Ereignis, der an dem Tag verschwand, als sie ihm von seiner Herkunft erzählte.

In barocker Weise, die direkt aus dem Institut für schwindende Idiome zu stammen scheint, erzählt Katharina Hacker von grotesken Ereignissen in einem Café, das der letzte sichere Ort in der pandemieverwüsteten Stadt sein könnte, ebenso gut aber ein Portal in Friederikes phantastische Welt.

Profile Image for Wolle.
565 reviews5 followers
October 25, 2024
Eine Frau erbt ein Café und betreibt es seitdem.
Es ist ein Wendepunkt in dem Leben der 50-jährigen Protagonistin in diesem Roman, in dem die grenzen zwischen Realität und fantastischem immer zart verschwimmen.
Manchmal denkt man ist, dass jetzt eine Dystopie aber im nächsten Kapitel geht es dann wieder um das Café, obwohl dort auch viele krasse Sachen zwischenzeitig passieren ganz zu schweigen von den Ratten im Keller.
Generell ist die Tierwelt in diesen Roman eine wichtige allen voran Pollux der Hund.
Katharina Hacker ist ein wundersamer, aber auch sehr schöner Roman gelungen, denn man gut weg liest.
4,5
7 reviews1 follower
Read
August 7, 2022
Eine fünfzigjährige Protagonistin, die an einem Wendepunkt angekommen ist, nachdem Mann und Sohn gegangen sind: Ein überraschendes Erbe wird ihr Leben in eine neue Richtung führen. Sie kündigt ihren sicheren Job in einem Institut, um ein Café zu übernehmen. In kurzen bis sehr kurzen Kapiteln erzählt, fabuliert, träumt, assoziiert, erfindet, phantasiert die Heldin in ihrem neuen Café von/über/aus ihrem neuen Leben. Das hauptsächlich darin besteht, die Gäste zu beobachten und zu beschreiben. Die Handlung ist überschaubar, die Charaktere bunt und vielfältig. Es gibt einen wichtigen Hund, einen geheimnisvollen Mann, eine tatkräftige Hilfe und viele schräge Menschen, die der Erzählerin alle mehr oder weniger wohlgesonnen sind. Vieles, was passiert oder was die Menschen, vor allem die Heldin, umtreibt, fließt übergangslos ins Phantastische, ein bisschen magischer Realismus schleicht sich ein. Und er steht der Protagonistin: Zwar hat sie die Entscheidung, das Café zu übernehmen, getroffen, doch von der ersten Minute an ist sie hilflos, traumverloren und naiv-unschuldig, ohne die bodenständige und tatkräftige Kasia wäre sie verloren. Sie macht, was man ihr sagt, sie ist eine Beobachterin, diejenige, der etwas passiert, nie die Zupackende. Sie hat Träume, manchmal ist sie hellsichtig und sie folgt immer ihrem Gefühl. Und sie wartet auf ihren Sohn Florian, der sie bestimmt finden wird, jetzt, wo sie immer im Café ist. Kleine und große Schicksale treiben durch das Café, alle sind gleich wertvoll und wichtig, an manchen nimmt sie teil, manche bleiben rätselhaft, andere ziehen weiter. Am Ende ist ein Jahr vergangen, eines der Pandemie-Jahre, und sie hat ihr Café etabliert und vielleicht ist am Ende Florian gekommen.
Das hätte ein Buch sein können, das mir so richtig gut gefällt. Doch es hat mich im Gegenteil eher geärgert. Und ich kann gar nicht genau sagen, warum. Manchmal ist es die Gesellschaft der Bücher, die man vorher und hinterher gelesen hat, die ein Urteil beeinflussen. Manchmal die eigene Stimmung, die Umstände, unter denen man das Buch gefunden hat, unter denen man es liest, wer es empfohlen hat oder ob einem der Einband gefällt: Alles fließt mehr oder weniger bewusst in das Urteil ein. Vorher habe ich Judith Hermanns Daheim gelesen, das war vielleicht zu ähnlich, auch eine fast fünfzig Jahre alte Frau, deren Mann und Kind fort sind und die einen Neuanfang versucht, auch hier spielen eine Affäre und ein Gegenpol in Form einer gegensätzlichen Freundin eine große Rolle. Und auch hier schon war die Stimmung träumerisch-innerlich. Dann kam Esther Beckers Wie die Gorillas und das war dermaßen anders, dass es krachte: erfrischend, sachlich, krass. Wie auch immer – und mir ist bewusst, dass ich dem Buch vielleicht Unrecht tue, denn, wie gesagt, es hätte mir auch echt gut gefallen können: Mit dieser weichgespülten Protagonistin und den sanft-lieblich-kuriosen Lebensschicksalen ihrer Gäste konnte ich jetzt gerade nichts anfangen.
43 reviews1 follower
February 6, 2024
Sprachlich sehr präzise Vignetten aus einem rätselhaften und postpandemischen Berlin. Eine Welt, deren Realitätsstatus ungewiss bleibt, wird in einer durchbrochenen Darstellungsweise präsentiert, die formal an den Arno Schmidt der späten 50er erinnert, aber eine eigene Sprache findet.
Profile Image for Katja Bell.
Author 11 books1 follower
March 2, 2022
Als anglophiler Snob mit viel zu vielen Vorurteilen bin ich immer wieder überrascht, wie viele sehr gute deutschsprachige Autoren & Autorinnen es gibt. Hacker hat mich einmal mehr im besten Sinne des Wortes überrascht. Ihr Stil erinnert mich ein wenig an Helga Schubert. Die Geschichte, die sie erzählt, ist vielschichtig mit interessanten Figuren und Elementen des Magical Realism, und ich habe sie an einem Wochenende verschlungen. Sehr zu empfehlen!
Profile Image for yellowdog.
881 reviews
February 23, 2022
Die Gäste von Katharina Hacker in ein ungewöhnlicher Roman mit poetischer Sprache.
Die Icherzählerin Friederike erbt ein Café und übernimmt es tatsächlich, obwohl das in heutigen zeit ein riskantes Unternehmen ist.

Das Buch hat viele Kapitel, viele davon sind sehr kurz und zeigen verschiedenste Eindrücke Friederike über ihr verändertes Leben und den Gästen des Cafés.
Der Phantasie wird Raum gelassen und es gibt offenbar Traumsequenzen.
Dann ist da Robert, mit dem sie eine Beziehung beginnt. Es bleibt die Sehnsucht nach ihrem Sohn Florian, der mit 18 Jahren wegging.

Viele Tiere bevölkern das Buch. Außer dem Hund der Protagonistin auch Ziegen, Vögel, Hasen, Pferde, ein Fuchs sogar Ratten.

Die sprachliche Eleganz vieler Passagen ist beeindruckend und ich bin gespannt, ob Die Gäste ein Kandidat für die Shortlist des deutschen Buchpreises wird. Überraschen würde es mich nicht.
Profile Image for Birthe  Peters .
48 reviews
February 29, 2024
"Die Gäste" von Katharina Hacker ist ein fesselnder Roman, der mit einer packenden Handlung und tiefgründigen Charakteren beeindruckt. Die Autorin verwebt geschickt verschiedene Erzählebenen und Themen wie Identität, Familie und Vergangenheitsbewältigung zu einem mitreißenden Gesamtbild. Ihre einfühlsame Sprache und die feinsinnige Darstellung menschlicher Beziehungen machen dieses Buch zu einem kleinem Juwel.
Wer nach einem Buch sucht, das sowohl intellektuell anregend als auch emotional berührend ist, wird in "Die Gäste" definitiv fündig werden.
Profile Image for Estrelas.
1,016 reviews
October 10, 2023
„Aber was soll ich mit einem Café!, rief ich aus. Ist es nicht längst pleitegegangen?

Ja, rief er laut zurück, das weiß kein Mensch, was Sie mit einem Café sollen, in diesen Zeiten!“

Wohlklingende Worte, die im magischen Realismus irgendwann nicht mehr alle für mich greifbar waren. Ein interessantes Gedankenexperiment.
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