Was Hedwig Richter schreibt ist nicht neu und stellenweise auch stark verkürzt. Dies ist jedoch ihrem Anliegen geschuldet, die deutsche Demokratiegeschichte zwischen zwei Buchdeckeln zu verhandeln und es tut dem Ergebnis keinen Abbruch.
Negativ könnte dagegen ihre Fokussierung auf die Bedeutung von Eliten für die Herausbildung demokratischer Strukturen ins Gewicht fallen, die sie gegenüber revolutionären Erhebungen der Masse stets betont. Auch den Entwicklungen im Osten Deutschlands nach 1945 schenkt sie in dieser gesamtdeutschen Demokratiegeschichte weniger Beachtung.
Ihre Schlussfolgerung schließlich ist dann weder neu noch revolutionär, doch immer noch höchst bedeutsam. Einmal mehr gilt es festzuhalten: Es gab keinen deutschen Sonderweg!
Diese Erkenntnis bringt einerseits eine schwerwiegende Verantwortung mit sich, da sie zeigt, dass antidemokratische Ideologien der Ungleichwertig niemals ausschließlich von oben über ein wehrloses und unschuldiges deutsches Volk gekommen sind. Sie eröffnet jedoch andererseits auch die hoffnungsvolle Perspektive, dass Demokratie nicht nur möglich und gegenwärtig vorhanden, sondern auch unbedingt gesellschaftlich begehrt ist. Sie kam nicht 1949 bzw. 1990 als ein Fremdkörper vom Westen ins Land. Deutschland blickt vielmehr auf eine ebenso lange Geschichte der Demokratie wie seine europäischen Nachbarn zurück, in der Gleichheit, Partizipation und Menschenrechte immer wieder neu eingefordert werden mussten und auch wurden.
Dies wird auch in Zukunft so sein.