Der Autor, dessen Name eine auffallende Ähnlichkeit mit meinem aufweist :-), ist preisgekrönter Drehbuchautor und Verfasser humoristischer Bestsellerromane voller skurriler Ideen, von denen ich auch schon das eine oder andere nur mit mittelviel Begeisterung gelesen habe, vor allem, weil sie mich, wenn auch originell, vom feministischen Gesichtspunkt aus nicht gerade vom Hocker gerissen haben.
Dieses Buch ist anders, und zwar in jeder Hinsicht. Hier geht es nicht um Menschen, die als Ameisen wiedergeboren werden oder sich in Jesus verlieben, sondern um das (bisher) dunkelste Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte.
Die Story spielt im Jahr 1943 im Warschauer Ghetto, wo die sechzehnjährige polnische Jüdin Mira sich als Schmugglerin betätigt, um für ihre Familie zu sorgen. Die Situation wird immer dramatischer, und als die Nazis schließlich die gesamte Ghettobevölkerung ermorden wollen, schließt sich Mira dem Widerstand an ...
Icherzählerin Mira ist eine fiktive Figur; dennoch beruht der gesamte Roman auf Tatsachen, die vom Schriftsteller, der selbst seine Großeltern durch den Holocaust verloren hat, fiktionalisiert wurden. Allein dieses Wissen verleiht der ganzen Geschichte eine äußerst dramatische und auch tragische Komponente, und all die grauenvollen, verstörenden Details der Unmenschlichkeit, die hier zur Sprache kommt, lassen mich auch nach der Lektüre nicht mehr so einfach los.
Safier schreibt im Vorwort, dass er das Buch „mit den Mitteln des Spannungsromans“ verfasst habe, um damit auch Leute anzulocken, die normalerweise keine Literatur über den Holocaust lesen würden, und „eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen“.
Leider muss ich zugeben, dass genau das für mich ein gewisses Problem dargestellt hat. Obwohl Mira eine interessante und starke weibliche Hauptfigur ist, mit der ich mich im Großen und Ganzen gut identifizieren konnte (die Leitfragen für sie und das Lesepublikum werden im Text ständig wiederholt: Was würdest du tun, um zu überleben? Was für ein Mensch willst du sein?), las sich die Erzählung für mich tatsächlich wie ein (gar nicht immer unbedingt so spannender) fiktionaler Spannungsroman. Die schrecklichen Begebenheiten, die hier erzählt werden, haben für mein Empfinden zu wenig Tiefe; Miras Gefühle werden zwar geschildert, allerdings viel zu wenig eindringlich, um wirklich stark zu berühren.
Dadurch, dass mir die ganze Zeit klar war, dass all das, was hier vorkommt, in der Realität fast genauso passiert ist, hatte der Roman durchaus eine schockierende Wirkung auf mich, jedoch nicht unbedingt so sehr durch den Erzählstil.
Deswegen finde ich, „28 Tage“ ist zwar alles andere als ein schlechtes Buch, aber meiner Meinung nach trotz allem auch kein überragendes Meisterwerk.
4 Sterne.