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Der Tod der dreckigen Anna
Nach einem wahren Fall aus den siebziger Jahren. 1974, ein kleiner Ort in der Provinz: Die geistig verwirrte Anna Hager wird in ihrem Haus brutal ermordet aufgefunden. Wer ist zu so einer grausamen Tat fähig? Die Dorfbewohner sind sicher, dass es keiner von ihnen war. Man kennt sich, man vertraut sich. Doch nach und nach setzt sich ein Bild zusammen, das jede Vorstellungskraft sprengt – denn der Mörder lebt mitten unter ihnen.
352 pages, Paperback
Published March 17, 2022
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Community Reviews
Displaying 1 - 3 of 3 reviews
March 23, 2022
Wie heißt es doch so schön? Die besten Geschichten schreibt das Leben. Genau das hat sich Tina Seel für ihr Krimi-Debüt zu Herzen genommen. Denn der grausame Mord an Anna Hager, die in der Realität natürlich anders hieß, ist in den 1970er-Jahren tatsächlich geschehen. In einem kleiner Pfälzer Örtchen, in der Straße, in der Tina Seel aufgewachsen ist. Sie kannte die Ermorderte, sie kannte den Täter. Beide adaptierte sie für ihre Story. Ebenso wie sich selbst und viele weitere Dorfbewohner.
Und ja, das merkt man durchaus. Der Lokalkolorit ist hier sehr gut, weil plastisch, herausgearbeitet. Auch handwerklich ist der Krimi sehr solide aufgebaut. Es gibt zwei Zeitebenen. Das Hier und Jetzt der 1970er-Jahre mit Ermittlungen, Verdächtigungen und was sonst noch so dazu gehört, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Und dann die Vergangenheit, die in den 1950er-Jahren beginnt und das Leben des Mörders nachzeichnet, der so dann natürlich keine große Überraschung mehr im Hier und Jetzt ist.
Tatsächlich ist das aber gar nicht so schlimm, denn das Hauptaugenmerk in diesem Krimi liegt nicht auf den Ermittlungen, sondern auf dem Figurenreigen an sich. Und das funktioniert anfangs sogar sehr gut. Mit sicherer Hand zeichnet Tina Seel die Personen, haucht ihnen Leben ein. Nur leider bleibt es bei allen bei der anfänglichen Skizzierung. Kein Charakter entwickelt sich irgendwie weiter oder offenbart mehr Facetten oder Tiefgang. Von Seite zu Seite wird die Story so altbackener und altbackener, verliert an Spannung und dümpelt irgendwann dann ein wenig trutschig vor sich hin. Fazit: eine gute Idee, die leider nicht ganz konsequent umgesetzt wurde.
* #DerTodderdreckigenAnna wurde mir als Rezensionsexemplar von NetGalleyDE zur Verfügung gestellt.
Und ja, das merkt man durchaus. Der Lokalkolorit ist hier sehr gut, weil plastisch, herausgearbeitet. Auch handwerklich ist der Krimi sehr solide aufgebaut. Es gibt zwei Zeitebenen. Das Hier und Jetzt der 1970er-Jahre mit Ermittlungen, Verdächtigungen und was sonst noch so dazu gehört, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Und dann die Vergangenheit, die in den 1950er-Jahren beginnt und das Leben des Mörders nachzeichnet, der so dann natürlich keine große Überraschung mehr im Hier und Jetzt ist.
Tatsächlich ist das aber gar nicht so schlimm, denn das Hauptaugenmerk in diesem Krimi liegt nicht auf den Ermittlungen, sondern auf dem Figurenreigen an sich. Und das funktioniert anfangs sogar sehr gut. Mit sicherer Hand zeichnet Tina Seel die Personen, haucht ihnen Leben ein. Nur leider bleibt es bei allen bei der anfänglichen Skizzierung. Kein Charakter entwickelt sich irgendwie weiter oder offenbart mehr Facetten oder Tiefgang. Von Seite zu Seite wird die Story so altbackener und altbackener, verliert an Spannung und dümpelt irgendwann dann ein wenig trutschig vor sich hin. Fazit: eine gute Idee, die leider nicht ganz konsequent umgesetzt wurde.
* #DerTodderdreckigenAnna wurde mir als Rezensionsexemplar von NetGalleyDE zur Verfügung gestellt.
March 20, 2022
An sich eine interessante Geschichte, der allerdings der ein oder andere zusätzliche Draft gut getan hätte; soll heißen, bei der Autorin ist in Sachen Schreibhandwerk noch reichlich Luft nach oben. Das kann man ihr natürlich nicht vorwerfen, eher wäre hier das Lektorat gefragt gewesen – entweder durch massive Hilfestellung am Text oder schlicht durch Absage. Denn, leider, so richtig gut ist der Roman in der vorliegenden Form noch nicht.
Zum einen fand ich das Personal so überzählig wie blass. Für mich blieben die Charaktere mit Ausnahme Dieters und seiner Eltern sowie Nachbarin Maria und der Hager-Schwestern eine schwammige, gesichtslose Masse. Die Namen klangen für mich alle gleich, und es gab auch keine charakterlichen Unterschiede, jeder einzelne war neugierig, frömmlerisch und spießig bis auf die Knochen. Da bringt auch ein absurd ausführliches Namensregister am Ende (!) des Buches nichts; das hätte man, wenn überhaupt, schon an den Anfang des Romans stellen müssen.
Die Beschreibung der Polizeiarbeit überzeugte mich auch nicht, das klang alles recht dürftig, wie auch das “Motiv” des Mörders . Die Haupthandlung spielt 1973/74, aber das 70er-Ambiente beschränkt sich auf ein bisschen hingeworfenes Alltagsdetail (sonntags läuft “Catweazle”, am Freitag Aktenzeichen XY)… bei mir kam nicht richtig etwas davon an, alles fühlte sich entweder beliebig zeit-frei an oder aber noch deutlich angestaubter. Liegt vielleicht an der provinziellen Verortung, wo Leute ihren Dialekt ohne tagesaktuelles Modegefloskel durchziehen, keine Ahnung. Trotzdem hätte man m.E. am Rand Atmo-Hilfen wie die aktuellen Filme und Chart-Hits, gängige Comics, Eissorten (Grünofant, Dolomiti, Brauner Bär…) oder Süßwaren (bonitos, Treets, Maoam…), die für die Dorfjugend eine große Rolle gespielt hätten, einfließen lassen können, Dinge eben, die diese konkrete Zeit ausmachten. Ich meine, das war die Zeit von Bud Spencer und Terence Hill, von Konsalik und Simmel, es gab Glam Rock und “Dark Side of the Moon” und Schlager ohne Ende, und im Fernsehen lief neben “Catweazle” auch noch Ikonisches wie “Klimbim”, “Wickie und die starken Männer”, “Am laufenden Band”, “Derrick” und “Kojak” waren ganz neu, und Uri Geller machte Furore mit seinen Bestecktricks – irgendetwas davon muss es doch auch bis ins Dorf geschafft haben. Stattdessen lebt man dort in einer Art popkulturellen Vakuums. Selbst die Kinder. Wenn man sein Buch schon derart in einer konkreten Zeit verankert, warum füllt man diesen Raum dann nicht mit Leben?
Das ist aber alles nicht so wild; was mir den Roman leider vergällt hat, war der Schreibstil. Hier hätte nun wirklich ein erfahrener Lektor eingreifen müssen. Der gesamte Text krankt an akuter Adjektivitis, es gibt keinen Satz, der nicht mindestens zwei bunte Beiwörter im Gepäck hat. Das ist sehr anstrengend zu lesen und nervt einfach.
Dann: Die Menschen in der “Dreckigen Anna” (DER TITEL ALLEIN!!! Ernsthaft, Emons?!) sprechen nicht einfach. Stattdessen fährt die Autorin alles auf, was das Synonymlexikon an Abscheulichkeiten abwirft. Da wird gegeifert, gekreischt, gefistelt, gefaselt, gesäuselt, geblubbert, gekläfft, ereifert, geplärrt, gebellt, gekeucht, es ist ein bisschen wie im Tropenhaus; und alles willkürlich auf die Seite geballert, ohne Rücksicht auf die Frage, ob dieses Verb an dieser Stelle überhaupt Sinn ergibt. (So besitzt “geifern” eine ganz andere Bedeutung als “empört ausrufen”, wird aber gleichbedeutend eingesetzt. Dito “Gefasel”. Faseln ist etwas anderes als “verwirrt nach Worten suchen”, wie die Autorin es verwendet. [‘“Nein”, faselte sie leise und streichelte ihren Hund.’] Dito “Gefistel”. Und dann das ewige “Gesäusel”, mit dem Dieter sich mitteilt – passt nicht, es sei denn, er ist aktiv dabei, seinen Kumpel Manfred oder sonstigen Gesprächspartner zu umgarnen: ‘“Das ist so”, säuselte er völlig außer Atem und schaute Manfred aufgeregt an.’ Wie säuselt man “völlig außer Atem”?! Wie soll das gehen? Säuseln beinhaltet ein hohes Maß an Stimmkontrolle; Atemlosigkeit steht dem diametral entgegen.) Da fehlt es nach meinem Empfinden schlicht an Sprachgefühl.
Erklärte Lieblingswörter sind “hämisch” und “hysterisch”, beides wird großzügig mit beiden Händen in den Text gemengt – hier wäre jetzt das Synonymlexikon eine willkommene Unterstützung gewesen. Eine Figur spricht permanent “glucksend”, was ebenfalls nach dem zweiten Mal massiv nervt (und wie üblich nicht situationsgemäß angewendet wird).
Bei vielen Beschreibungen konnte ich mir nur den Kopf kratzen, etwa: “Walter sah sie entgeistert an und fing plötzlich an, keuchend in sich hineinzulachen.” Klingt für mich nach HNO-Notlage, gilt aber offenbar als gängige Gefühlsäußerung, so normal, dass es nicht bei dem einen keuchenden Insichhineinlachen bleibt (man begegnet diesem Phänomen viermal, dazu kommen unzählige “lachte keuchend” ohne inhalatorischen Anteil).
Gelacht wird sowieso viel, gern in Verbindung mit Hysterie (“Lembach lachte leise und hysterisch”, wie auch Dieter, was ich 1. wieder einmal schlicht übertrieben und 2. vergleichsweise unmöglich fand – leise Hysterie, das ist doch genaugenommen wie sanfte Panik, stiller Lärm oder warme Kälte). Noch mehr als lachen oder kichern lieben die Bewohner des Dorfes es nur, herumzukeuchen. Gekeucht wird eigentlich von jedem, in jeder Gefühlslage und zu jeder Gelegenheit.
Von einer Person heißt es: “Ihre Kehle war so trocken wie ein Sandhaufen,” nur dass Sandhaufen gemeinhin nicht komplett trocken, sondern zur Mitte hin klamm bis feucht sind. Menschen benehmen sich auf eine Art, die anderswo für mittleres Aufsehen sorgen würde: “Dieter sah ihm mit zusammengekniffenen Augen nach und schmatzte leise vor sich hin, während er überlegte.” Wer macht sowas?! Was ist da los?
Manches ist schlicht klemmig, etwa der Umstand, dass die Männer im Dorf anscheinend keine Geschlechtsteile besitzen, lediglich ein “Gemächt” – die Wörter “Penis” oder “Glied” tauchen kein einzigesmal im Text auf, einen “Schwanz” findet man nur hinten am Hund, aber “Gemächt” gibt uns die Autorin viermal. (Warum man die einäugige Hosenschlange nicht beim Namen nennen mag, dafür dann aber im Zuge diverser Ausweidungen problemlos Berge von Gedärm und ähnliches Blut-und-Knochen-Gemansche schildert, müsste man mir auch erstmal erklären. Penis=schlimm. Innereien einer alten Frau=voll okay. Hm.) “Sein Gemächt in der Hose schwoll an”, das klingt nicht nur aus der Zeit gefallen und seltsam, “in der Hose” lässt auch noch befürchten, dass der Mann in Frage eventuell noch mehr dieser seltsamen Gerätschaften an Bord haben könnte, vielleicht im Kopf oder in der Jackentasche. Schräg.
Alles sehr schade, zumal aus dem Nachwort hervorgeht, wie viel der Autorin an der Geschichte liegt; vielleicht wäre es ihr zu wünschen gewesen, dass der Roman in dieser Form keinen Verleger gefunden und sie sich zunächst einem anderen Buchprojekt zugewandt hätte, um dann später mit etwas mehr Erfahrung zu ihrer Herzensgeschichte zurückzukehren. Vieles von dem, was mich zu einer niedrigen Punktzahl bewogen hat, wäre mit rigorosem Editing problemlos in den Griff zu kriegen gewesen, vor allem das absolute Übermaß an Adjektiven und die vielen, vielen Wortwiederholungen (etwa das Dauergekeuche). Für mich ist dieser Roman einfach noch nicht ganz zu Ende gebacken. Womit ich allerdings definitiv nie warm werden werde, ist der Titel; ich kann die Entscheidung des Verlags schlicht nicht nachvollziehen, das Buch unter so einem Titel auf den Markt zu schicken. Einfach nur schlimm.
Ich bedanke mich bei Netgalley und Emons für die Chance, dieses Buch vorab zu lesen.
Zum einen fand ich das Personal so überzählig wie blass. Für mich blieben die Charaktere mit Ausnahme Dieters und seiner Eltern sowie Nachbarin Maria und der Hager-Schwestern eine schwammige, gesichtslose Masse. Die Namen klangen für mich alle gleich, und es gab auch keine charakterlichen Unterschiede, jeder einzelne war neugierig, frömmlerisch und spießig bis auf die Knochen. Da bringt auch ein absurd ausführliches Namensregister am Ende (!) des Buches nichts; das hätte man, wenn überhaupt, schon an den Anfang des Romans stellen müssen.
Die Beschreibung der Polizeiarbeit überzeugte mich auch nicht, das klang alles recht dürftig, wie auch das “Motiv” des Mörders . Die Haupthandlung spielt 1973/74, aber das 70er-Ambiente beschränkt sich auf ein bisschen hingeworfenes Alltagsdetail (sonntags läuft “Catweazle”, am Freitag Aktenzeichen XY)… bei mir kam nicht richtig etwas davon an, alles fühlte sich entweder beliebig zeit-frei an oder aber noch deutlich angestaubter. Liegt vielleicht an der provinziellen Verortung, wo Leute ihren Dialekt ohne tagesaktuelles Modegefloskel durchziehen, keine Ahnung. Trotzdem hätte man m.E. am Rand Atmo-Hilfen wie die aktuellen Filme und Chart-Hits, gängige Comics, Eissorten (Grünofant, Dolomiti, Brauner Bär…) oder Süßwaren (bonitos, Treets, Maoam…), die für die Dorfjugend eine große Rolle gespielt hätten, einfließen lassen können, Dinge eben, die diese konkrete Zeit ausmachten. Ich meine, das war die Zeit von Bud Spencer und Terence Hill, von Konsalik und Simmel, es gab Glam Rock und “Dark Side of the Moon” und Schlager ohne Ende, und im Fernsehen lief neben “Catweazle” auch noch Ikonisches wie “Klimbim”, “Wickie und die starken Männer”, “Am laufenden Band”, “Derrick” und “Kojak” waren ganz neu, und Uri Geller machte Furore mit seinen Bestecktricks – irgendetwas davon muss es doch auch bis ins Dorf geschafft haben. Stattdessen lebt man dort in einer Art popkulturellen Vakuums. Selbst die Kinder. Wenn man sein Buch schon derart in einer konkreten Zeit verankert, warum füllt man diesen Raum dann nicht mit Leben?
Das ist aber alles nicht so wild; was mir den Roman leider vergällt hat, war der Schreibstil. Hier hätte nun wirklich ein erfahrener Lektor eingreifen müssen. Der gesamte Text krankt an akuter Adjektivitis, es gibt keinen Satz, der nicht mindestens zwei bunte Beiwörter im Gepäck hat. Das ist sehr anstrengend zu lesen und nervt einfach.
Dann: Die Menschen in der “Dreckigen Anna” (DER TITEL ALLEIN!!! Ernsthaft, Emons?!) sprechen nicht einfach. Stattdessen fährt die Autorin alles auf, was das Synonymlexikon an Abscheulichkeiten abwirft. Da wird gegeifert, gekreischt, gefistelt, gefaselt, gesäuselt, geblubbert, gekläfft, ereifert, geplärrt, gebellt, gekeucht, es ist ein bisschen wie im Tropenhaus; und alles willkürlich auf die Seite geballert, ohne Rücksicht auf die Frage, ob dieses Verb an dieser Stelle überhaupt Sinn ergibt. (So besitzt “geifern” eine ganz andere Bedeutung als “empört ausrufen”, wird aber gleichbedeutend eingesetzt. Dito “Gefasel”. Faseln ist etwas anderes als “verwirrt nach Worten suchen”, wie die Autorin es verwendet. [‘“Nein”, faselte sie leise und streichelte ihren Hund.’] Dito “Gefistel”. Und dann das ewige “Gesäusel”, mit dem Dieter sich mitteilt – passt nicht, es sei denn, er ist aktiv dabei, seinen Kumpel Manfred oder sonstigen Gesprächspartner zu umgarnen: ‘“Das ist so”, säuselte er völlig außer Atem und schaute Manfred aufgeregt an.’ Wie säuselt man “völlig außer Atem”?! Wie soll das gehen? Säuseln beinhaltet ein hohes Maß an Stimmkontrolle; Atemlosigkeit steht dem diametral entgegen.) Da fehlt es nach meinem Empfinden schlicht an Sprachgefühl.
Erklärte Lieblingswörter sind “hämisch” und “hysterisch”, beides wird großzügig mit beiden Händen in den Text gemengt – hier wäre jetzt das Synonymlexikon eine willkommene Unterstützung gewesen. Eine Figur spricht permanent “glucksend”, was ebenfalls nach dem zweiten Mal massiv nervt (und wie üblich nicht situationsgemäß angewendet wird).
Bei vielen Beschreibungen konnte ich mir nur den Kopf kratzen, etwa: “Walter sah sie entgeistert an und fing plötzlich an, keuchend in sich hineinzulachen.” Klingt für mich nach HNO-Notlage, gilt aber offenbar als gängige Gefühlsäußerung, so normal, dass es nicht bei dem einen keuchenden Insichhineinlachen bleibt (man begegnet diesem Phänomen viermal, dazu kommen unzählige “lachte keuchend” ohne inhalatorischen Anteil).
Gelacht wird sowieso viel, gern in Verbindung mit Hysterie (“Lembach lachte leise und hysterisch”, wie auch Dieter, was ich 1. wieder einmal schlicht übertrieben und 2. vergleichsweise unmöglich fand – leise Hysterie, das ist doch genaugenommen wie sanfte Panik, stiller Lärm oder warme Kälte). Noch mehr als lachen oder kichern lieben die Bewohner des Dorfes es nur, herumzukeuchen. Gekeucht wird eigentlich von jedem, in jeder Gefühlslage und zu jeder Gelegenheit.
Von einer Person heißt es: “Ihre Kehle war so trocken wie ein Sandhaufen,” nur dass Sandhaufen gemeinhin nicht komplett trocken, sondern zur Mitte hin klamm bis feucht sind. Menschen benehmen sich auf eine Art, die anderswo für mittleres Aufsehen sorgen würde: “Dieter sah ihm mit zusammengekniffenen Augen nach und schmatzte leise vor sich hin, während er überlegte.” Wer macht sowas?! Was ist da los?
Manches ist schlicht klemmig, etwa der Umstand, dass die Männer im Dorf anscheinend keine Geschlechtsteile besitzen, lediglich ein “Gemächt” – die Wörter “Penis” oder “Glied” tauchen kein einzigesmal im Text auf, einen “Schwanz” findet man nur hinten am Hund, aber “Gemächt” gibt uns die Autorin viermal. (Warum man die einäugige Hosenschlange nicht beim Namen nennen mag, dafür dann aber im Zuge diverser Ausweidungen problemlos Berge von Gedärm und ähnliches Blut-und-Knochen-Gemansche schildert, müsste man mir auch erstmal erklären. Penis=schlimm. Innereien einer alten Frau=voll okay. Hm.) “Sein Gemächt in der Hose schwoll an”, das klingt nicht nur aus der Zeit gefallen und seltsam, “in der Hose” lässt auch noch befürchten, dass der Mann in Frage eventuell noch mehr dieser seltsamen Gerätschaften an Bord haben könnte, vielleicht im Kopf oder in der Jackentasche. Schräg.
Alles sehr schade, zumal aus dem Nachwort hervorgeht, wie viel der Autorin an der Geschichte liegt; vielleicht wäre es ihr zu wünschen gewesen, dass der Roman in dieser Form keinen Verleger gefunden und sie sich zunächst einem anderen Buchprojekt zugewandt hätte, um dann später mit etwas mehr Erfahrung zu ihrer Herzensgeschichte zurückzukehren. Vieles von dem, was mich zu einer niedrigen Punktzahl bewogen hat, wäre mit rigorosem Editing problemlos in den Griff zu kriegen gewesen, vor allem das absolute Übermaß an Adjektiven und die vielen, vielen Wortwiederholungen (etwa das Dauergekeuche). Für mich ist dieser Roman einfach noch nicht ganz zu Ende gebacken. Womit ich allerdings definitiv nie warm werden werde, ist der Titel; ich kann die Entscheidung des Verlags schlicht nicht nachvollziehen, das Buch unter so einem Titel auf den Markt zu schicken. Einfach nur schlimm.
Ich bedanke mich bei Netgalley und Emons für die Chance, dieses Buch vorab zu lesen.
March 24, 2022
Das war eine Überraschung. Anfangs gab es ein wenig fremdeln mit den Gegebenheit, etwas derb, die Zeit schon lang verdrängt und die Personen wurden verwirrend für mich eingeführt.
Hatte man sich ein wenig eingelesen, wurde es spannend. Nicht spannend im herkömmlichen Sinne für einen Krimi, da der Täter sehr schnell klar war.
Die Welt der kleinen Dörfer war spannend, alle kennen sich, alle wissen über einen Bescheid, alle ahnen etwas und alle leugnen es.
Keiner will sein Dorf funktional oder dysfunktional verleugnen. Die Polizei hat im Dorf nichts zu suchen, denen erzählen wir nichts.
Und doch ist jedem mulmig zumute.
Die Geschichte basiert auf einer wahren Gegebenheiten und die Autorin war Teil eines Dorfes. So das hier viel der Stimmung im "echten" Dorf nachempfunden wurde.
Wer mal nicht das Regionalkrimiklischee erlesen will und offen für neue Perspektiven ist: Bitte sehr!
Hatte man sich ein wenig eingelesen, wurde es spannend. Nicht spannend im herkömmlichen Sinne für einen Krimi, da der Täter sehr schnell klar war.
Die Welt der kleinen Dörfer war spannend, alle kennen sich, alle wissen über einen Bescheid, alle ahnen etwas und alle leugnen es.
Keiner will sein Dorf funktional oder dysfunktional verleugnen. Die Polizei hat im Dorf nichts zu suchen, denen erzählen wir nichts.
Und doch ist jedem mulmig zumute.
Die Geschichte basiert auf einer wahren Gegebenheiten und die Autorin war Teil eines Dorfes. So das hier viel der Stimmung im "echten" Dorf nachempfunden wurde.
Wer mal nicht das Regionalkrimiklischee erlesen will und offen für neue Perspektiven ist: Bitte sehr!
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