Mit 17 flüchtet Huschke Mau aus ihrem gewalttätigen Elternhaus und weiß nicht aus noch ein. Mittellos und ohne Unterstützung rutscht sie in die Prostitution und damit einhergehend in eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Ihr erster Zuhälter: ein Polizist. Zehn Jahre vergehen, bis sie sich aus diesem Teufelskreis befreien kann. Inzwischen hat Huschke Mau einen Studienabschluss, promoviert und fordert den gesellschaftlichen Ausstieg aus der Prostitution. Ihre These: Prostitution beinhaltet immer sexuelle Gewalt. Frauen in der Prostitution haben meist keine Wahl, weil sie sich in Abhängigkeiten oder Notlagen befinden. Freier hingegen schon. Niemand zwingt sie, Frauen zu kaufen. Nicht die Frauen sollten kriminalisiert werden oder beschämt sein, sondern die Männer. In ihrem Buch erklärt und beschreibt Huschke Mau das System Prostitution: wie Frauen hineingelangen, warum es so schwer ist, wieder auszusteigen, welche Traumata sie dort erleben und was an der Sicht unserer Gesellschaft und Medien auf Prostitution problematisch ist. „Ich glaube, mit dem Buch habe ich mich mehr ausgezogen als jemals während meiner Zeit als Prostituierte. Ich hätte diese Tür in die Vergangenheit einfach schließen können und nie mehr zurückschauen müssen. Aber ich kann nicht. Ich kann einfach nicht an all den Taxis vorbeigehen, die Bordellwerbung durch meine Stadt fahren. Ich kann die Zeitungsartikel über bei Bordellrazzien gefundene minderjährige Mädchen nicht nicht lesen. Ich kann einfach nicht ignorieren, dass so viele Frauen und Mädchen noch in der Prostitution sind, dass ihnen Gewalt angetan wird, Tag für Tag.“
Das war sehr krass. Wirklich sehr krass. Und sehr wichtig. Wo kann ich die Petition für die Einführung des Nordischen Modells in Deutschland unterschreiben?
„Entmenschlicht – Warum wir Prostitution abschaffen müssen“ der Autorin Huschke Mau ist wahrlich keine leichte Kost. Selten hat mich ein Sachbuch emotional so mitgenommen und gepackt wie es bei diesem Werk der Fall war. Zu Beginn berichtet die Autorin von ihren eigenen Erlebnissen, welche durch die Brutalität und Grausamkeit, nur schwer auszuhalten sind. Neben schlimmen Erfahrungen aus ihrer Kindheit und Jugend, erzählt Huschke Mau außerdem offen von ihrem ganz persönlichen Weg in die Welt der Prostitution. Durch diese persönlichen Erfahrungen gewinnt das Buch sicherlich an Authentizität und Eindringlichkeit. Die Autorin erzählt eben nicht von oben herab, sondern weiß sehr genau von was sie spricht. Im weiteren Verlauf sind die Kapitel dann allgemeiner gehalten und Huschke Mau zieht zahlreiche Quellen zurate, um ihre Thesen zu untermauern. So bietet sie einen ungeschönten Blick auf das System Prostitution und räumt erbarmungslos mit Mythen, Vorurteilen und dem Bild der freiwilligen, selbstbestimmten Sexarbeit auf. Auch ich musste einige meiner bisherigen Ansichten überdenken und fühle mich nach dieser Lektüre definitiv informierter.
Nachdem sich die Autorin ausführlich mit dem bestehenden System der Prostitution in Deutschland beschäftigt hat, zeigt sie in den letzten Kapiteln dann mit Hilfe des nordischen Modells eine Alternative auf. Auch wenn dieses sicher nicht den perfekten Weg darstellt, überzeugte es mich doch durch seine bestechende Logik. Positiv überrascht hat mich außerdem der Schreibstil, denn dieser liest sich auch in anspruchsvolleren Passagen richtig gut. Außerdem spricht die Autorin ihre Leser:innen immer wieder direkt an und erzeugt so eine gelungene Nähe. Auf jeder Seite spürte ich die Dringlichkeit ihrer Botschaft. Einziger Nachteil waren für mich übermäßige Wiederholungen, welche immer wieder vorkamen. Auch die erschreckenden Beispiele, welche ich an sich als sehr wertvoll und wichtig wahrnahm, hätten kürzer ausfallen dürfen. Denn auch in gestraffterer Form hätte der Text meiner Meinung nach nichts von seiner wichtigen Botschaft verloren. Aufgrund dieses Kritikpunktes, welcher sich leider durch das gesamte Buch zieht, gibt es von mir einen Stern Abzug. Dennoch möchte ich dieses persönliche wie auch wichtige Sachbuch gerne weiterempfehlen.
Sehr gutes Buch, wenn man sich noch garnicht mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Alle gängigen Argumente für Prostitution oder auch gegen das nordische Modell werden zumindest mal angekratzt. Viele Zahlen und Fallbeispiele, Texte aus Freierforen, bei denen einem nur schlecht wird... Es wiederholt sich einiges, manches hat mir gefehlt, aber für einen Überblick sehr hilfreich und ich denke, kein weiteres Buch ist danach nötig, um sich klarzusein, dass Prostitution kein Job wie jeder andere ist und sich mit den Frauen und gegen die Freier zu solidatisieren.
Erschreckend finde ich, dass ich schon einmal die Aussage :"Zum Glück gibt es Prostituierte, sonst gebe es noch mehr Vergewaltigungen!" von einer Frau gehört habe und noch erschreckender finde ich, dass ich das nicht einmal hinterfragt habe. Es ist in unserer Gesellschaft so verankert, dass der männliche Sexualtrieb so ausgeprägt ist, dass es den Männer schlichtweg die Selbstbeherrschung raubt und das soll normal sein??? Dieses Buch zeigt uns wie tief das toxische Männerbild bei uns verankert ist und wie abwertend unser Frauenbild ist. Ich denke, diese absurde Frauenrolle, die wir von der Gesellschaft aufgedrückt bekommen, ist leider immer noch stark präsent und das muss uns als Gesellschaft bewusst sein, dass wir sehr wohl davon betroffen sind, selbst wenn wir nicht in der Postitution arbeiten. Der Partner oder Ehemann geht fremd wenn er kein Sex, zu wenig Sex, schlechten Sex hat hat jeder von uns schon einmal gehört und es klingt so selbstverständlich und soll das der Standard sein? Huschke Mau macht die Problematik des patriachalischen Weltbilds deutlich und gibt Frauen eine Stimme die gegen Geld ausgebeutet, misshandelt und vergewaltigt werden. Zum Dank, dass sie uns vor Vergewaltigungen "schützen", verachten wir sie obwohl die Verachtung doch eher den Freiern gelten sollten, die dieses System unterstützen. Jeder sollte dieses Buch lesen, denn Prostitution geht uns allen etwas an. Man sollte sich fragen, ob das Verständnis für den unbefriedigten Mann angemessen ist, oder der verschobene Grund des unbändigen Sexualtriebs, in Wirklichkeit nicht einfach nur eine Ausrede ist, um ein primitives A******** sein zu dürfen.
12.10.22 Mittlerweile habe ich mich ausführlich mit der gegensätzliche Sexworker Meinungen auseinander gesetzt und meine Meinung zum dem Thema geändert. Es ist ein gesellschaftliches Problem wenn man aufwächst und gelehrt bekommt, dass Sexwork eine minderwertige Arbeit ist und diese Menschen abzuwerten sind. Das vermittelt man dem Kind und somit der heranwachsende Gesellschaft, dass es in Ordnung ist, diese Menschen abzuwerten. Überlegt Es euch also gut ob es so eine tolle Idee ist, wenn man den Kindern eine Weisheit a la "wenn du nicht brav lernst, endest du wie die Reinigungskraft, den Kassierer beim Lidl oder als Sexworker", mit gibt. Frauen als auch Männer die ihre Sexualität frei leben gehören nicht der Norm an, aber die Norm wurden von patriachalischen und/oder religiösen Befürworter gesetzt, welches einfach total überholt ist und eine Aufarbeitung bedarf. Wir müssen diese alten Glaubenssätze aufbrechen, daher fordern Sexworker eine Entstimatisierung ihres Berufsfeld. Menschenhandel und Vergewaltigungen sind Straftaten genauso wie Drogenhandel und Mord. Der Verbot allein hält diese Kriminelle nicht auf. Diese Leute müssen gefasst und vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Auch die Kritik von Huschke an die Korruption der behördlichen Polizei ist ein ernst zunehmender Kritik und ich wünsche mir dahingehend eine Besserung und Aufklärungsarbeit von den Behörden.
Eines der wichtigsten, aber auch der schlimmsten Bücher, die ich je gelesen habe.
Huschke Mau erzählt schonungslos ehrlich, so ehrlich, dass mir zwischendurch schlecht wurde und ich eine Pause einlegen musste. Das Leseerlebnis hier ist also keinesfalls ein schönes. Dennoch würde ich das Buch wirklich jedem Menschen ans Herz legen. Ja, das Thema ist hart. Ja, das Thema ist unbequem. Aber es ist eben auch verdammt wichtig und ein ganz essentielles, gerade wenn wir über geschlechtlicher Gleichstellung sprechen. Denn wie sollen wir die jemals erreichen, wenn es nach wie vor rechtlich möglich ist, Frauen zu kaufen? Mau berichtet im Buch übrigens nicht nur von ihre eigene Geschichte und den Erkenntnissen, die sie daraus zieht, sondern untermauert ihre Argumente zeitgleich immer wieder mit Erkenntnissen aus Studien, mit Zahlen und Fakten. Und die sind teilweise fast noch erschreckender. Am schlimmsten zu lesen waren für mich die Auszüge aus Freierforen. Es ist fast unerträglich zu lesen, wie diese Männer über Frauen denken und sie immer wieder zu einer „Ware“ stilisieren. Umso wichtiger ist es, endlich eine gesellschaftliche Debatte darüber zu starten und „Entmenschlicht“ liefert dafür den in meinen Augen perfekten Einstieg.
(Einen halben Stern würde ich abziehen, weil ich mir manchmal ein etwas andere/bessere Strukturierung gewünscht hätte, aber das ist natürlich etwas sehr individuelles.)
Huschke Mau hat zehn Jahre als Prostitutierte (Selbstbezeichnung) gearbeitet und kämpft heute dafür, dass Prostitution abgeschafft wird. Warum sie das will, erklärt sie ausführlich anhand ihrer eigenen Geschichte: bereits als Kind Opfer häuslicher Gewalt, zieht sich die Gewalt und damit verbunden Ohnmacht und Armut durch ihr Leben. Huschke Mau schildert, wie die zuständigen Behörden in ihrem Fall versagt haben und sie an Zuhälter*innen und Drogen gekommen ist. Wie sie es geschafft hat, aus der Prostitution auszusteigen und wie schwierig dieser Ausstieg war. Parallel zu ihrer eigenen Geschichte zeichnet die Autorin ein düsteres Bild der Prostitution in Deutschland und untermalt dieses immer wieder mit Studien aus anderen Quellen. Sie kommt zu dem Schluss, dass das 'Nordische Modell' das einzig richtige sei und kritisiert die Liberalisierung von Sexarbeit (Anm.: Das Nordische Modell definiert Schritte, die zur Abschaffung der Prostitution nötig sind).
Da ich der Autorin als Betroffene ihre Erfahrungen natürlich glaube und auch die Schlüsse nachvollziehen kann, die sie aufgrund dieser Erfahrungen gezogen hat, möchte ich inhaltlich nichts kritisieren. An der Form bzw. Umsetzung jedoch schon: Die Erfahrungen der Autorin und Erfahrungsberichte anderer Frauen sind in jeder Hinsicht krass. Es werden sehr schlimme, erniedrigende und traumatische Szenen geschildert. Auch, wie die Frauen immer wieder Grenzen neu verhandeln müssen und diese oft trotzdem überschritten werden. Bei all der schonungslosen Schilderung physischer und psychischer Gewalt, Kindesmissbrauchs und misogyner Sprache, war mir jedoch komplett unverständlich, warum es keine Triggerwarnungen im Buch gibt. Sogar Mord wird mehrfach geschildert, ebenso schonungslos, genau wie reproduzierter Rassismus. Ich verstehe, dass die Autorin die Schrecken ihrer Erfahrungen und ihr erlebtes Bild von Prostitution authentisch weitergeben möchte, um das gleiche Grauen bei den Lesenden auszulösen, jedoch wäre das mit Triggerwarnungen und ein paar Kürzungen genauso möglich gewesen. Das Buch weist einige Längen durch Wiederholungen auf. So werden manche Sätze 1:1 immer wieder geschrieben, oder Erfahrungs-/Freierberichte werden unendlich in die Länge gezogen.
Was ich positiv hervorheben möchte, ist, dass die Autorin ihre Kritik an Prostitution und einem System, das dieses zulässt, feministisch, antirassistisch und Kapitalismuskritisch formuliert. Was ich jedoch ebenfalls für erwähnenswert halte, ist die Verbindung zwischen Huschke Mau und Alice Schwarzer, da Erstere regelmäßig für die 'Emma' schreibt. Ich möchte Huschke Mau natürlich keine transfeindliche Einstellung unterstellen, jedoch hat es unter diesem Umstand ein Geschmäckle, das in 'Entmenschlicht' nur binär gegendert wird und trans Sexarbeiter*innen gar keine Rolle in ihrem Buch spielen, was mit der zahlenmäßigen Unterrepräsentanz begründet wird.
ein buch, welched jeder und jede lesen sollte. es wundert mich nicht, warum wir frauen tagtäglich aufs ärgste belästigt und objektifiziert werden, wenn wir in einer welt leben, in der männer frauen kaufen können, um sie s*xuell zu missbrauchen. ich will, dass ALLE laut werden, und wir endlich alle kollektiv anfangen, männer zu shamen. prostitution geht uns ALLE etwas an, das vermittelte frauenbild ist einfach nur ekelhaft und tut uns allen weh.
es ist nicht leicht das zu lesen und ich kenne mich schon sehr gut aus mit der thematik, trotzdem musste ich mich teilweise fast anspeiben. wir, frauen, können uns nicht annähernd vorstellen, wie sehr männer uns hassen. wenn man dieses buch, und insbesondere die einträge in den freierforen durchliest, bekommt man wenigstens eine idee davon.
Ein Buch in dem sämtliche Triggerwahrnungen fehlen (Kindesmisshandlung, Vergewaltigung, Gewalt) und das durch hauptsächlich immer/keine/nie - Aussagen in meinen Augen emotional wird. Hätte mir gewünscht, dass mir die Möglichkeit gegeben wird Szenen zu überspringen- stattdessen gibt es Aufforderungen selbst noch genauer in z.B. Freierforen reinzulesen oder sich die Szenen bildlich vorzustellen. Nach 260 Seiten hab ich aufgehört.
Spoiler: als ich das Katzenbild am Ende gesehen hab, hab ich mich nach all den Geschichten die sie in dem Buch beschreibt etwas verarscht gefühlt. Fand ich irgendwie nicht passend.
Kurze Kritik vorweg: Das Buch hätte gute 50-100 Seiten kürzer sein können, vor allem im Mittelteil. Es gab sehr viele Wiederholungen, was stellenweise anstrengend zu lesen war.
Trotzdem kann ich dem Buch nur volle 5 Sterne geben. Ich habe sehr viel gelernt. Ich hatte schon vor dem Lesen eine ablehnende Haltung gegenüber Prostitution, aber es war eher eine diffuse Meinung, mit der ich keine Diskussion hätte führen können. Ich hatte patriarchale Denkmuster unserer Gesellschaft übernommen, die ich erst durch dieses Buch hinterfragt und reflektiert habe. Ich hatte keinerlei Berührungspunkte mit dem Thema Prostitution und dieses Buch hat mir gezeigt, dass ich eine völlig falsche Vorstellung davon hatte. Huschke Mau entkräftet alle Argumente, die in Diskussionen von Prostitutionsbefürwortern vorgebracht werden und führt den Leser zu dem Schluss, dass es keine andere Lösung als das nordische Modell geben kann (vor dem Lesen hatte ich dazu eine andere Einstellung). Prostitution ist sexuelle Gewalt, Freier sind Täter und mit Geld kann man keinen Konsens kaufen.
Ich kann das Buch sehr empfehlen, auch wenn es natürlich harte Kost ist. Ich habe vergleichsweise lange gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Aber wie die Autorin schreibt: In einem Land, in dem täglich eine sechs- bis siebenstellige Zahl von Männern Prostitution in Anspruch nimmt und damit die Einstellung hat, dass Sex etwas ist, auf das sie ein Recht haben, geht uns das Thema Prostitution alle an.
Danke Huschke Mau, dass du dich deinen traumatischen Erfahrungen noch einmal gestellt und dieses Buch geschrieben hast, um Menschen wie mir eine Betroffenenperspektive aufzuzeigen.
Wow. Musste mehrmals schlucken, mit den Tränen kämpfen und Pause machen weil es mitunter wirklich keine leichte Kost ist. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist es umso wichtiger, dass man sich damit beschäftigt und da „durchkämpft“ Ein sehr wichtiges Thema, das alle etwas angeht. Die Wiederholungen zwischendurch störten mich überhaupt nicht, im Gegenteil fand sie eher hilfreich damit wichtige Punkte und Argumente im Kopf bleiben. Alles in allem würde ich es jeder Person empfehlen, die in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben möchte.
Unglaublich wichtiges Buch, hat meinen Blick auf die Debatte hinsichtlich Prostitution komplett verändert. Lässt einen fassungslos zurück, dass wir in Deutschland in einer Gesellschaft sind, die Sexkauf und somit sexuellen Missbrauch duldet.
Erstmal empfinde ich tiefes Mitgefühl mit allen Frauen, welche Opfer des perfiden Menschenhandels sind, welchen Prostitution darstellt. Ich war bevor ich dieses Buch gelesen habe auch teils zwiegespalten in der Debatte „Sexarbeit“ oder „Prostitution“. Wobei ich sagen muss, dass mir der Begriff „Arbeit“ in Verbindung mit „Sex“ schon immer sehr bitter aufgestoßen ist. Natürlich sollte jede Frau selbstbestimmt über ihren Körper entscheiden dürfen und damit auch nicht kriminalisiert oder stigmatisiert werden, falls sie sich dafür entscheidet, in der Prostitution zu „arbeiten“. Allerdings sind in meinen Augen die im Buch beschriebenen Fakten, die das Leid dieser Frauen zeigen zu niederschmetternd und ehrlicherweise ein Armutszeugnis für Deutschland, als Prostitution als einen „normalen“ Beruf anzusehen. Wenn circa die Hälfte aller Prostituierten in Deutschland an einer PTBS leiden, dann frage ich mich, wie freiwillig dieser „Beruf“ ausgeübt wird und ob nicht mehr auf das Leid dieser Frauen geschaut werden sollte. Ich dachte bis zu diesem Buch auch, dass es so etwas wie einen „guten“ Freier gebe, aber nein. Huschke Mau zeigt knallhart an ihren eigenen Erlebnissen, dass kein Sex in der Prostitution jemals einvernehmlich ist und der Gedanke „Mir steht Sex zu“ ein durch Frauenhass gefüttertes Weltbild ist, welches am Ende zu Vergewaltigungen und Morden an Frauen führt. Mir bleibt es im Anbetracht der rassistischen, klassistischen und zutiefst sexistischen Stereotype, welche innerhalb der Prostitution reproduziert werden echt eine Frage, wie man als Feministin den Diskurs in Richtung „Sexarbeit“ verschieben will. Zeigt dies nicht eher, dass man damit einverstanden ist, Männern stets Sex gegen den kleinen Penny anzubieten und dabei das Selbstbestimmungsrecht der Frau ganz hinten anstellt? Wer soll überhaupt entscheiden, was eine Frau zu kosten hat und wem ihr Körper gehört? Sollte ein Staat die Macht haben, Frauenkörper zu verkapitalisieren? Wir Frauen sollten in einer sicheren Gesellschaft aufwachsen und das ist sicher keine, welche Prostitutionswerbung auf Taxis schaltet. Wir sollten Prostitution als das begreifen, was sie ist: Gewalt gegen Frauen. Wenn wir für Gleichberechtigung auf die Straße gehen, dann sollten wir auch endlich das Nordische Modell in Deutschland einführen. Ich danke sehr für dieses sorgfältig recherchierte und dennoch auch emotional bewegende Buch. Wirklich krass schockiert haben mich die Aussagen aus den Freierforen. Ein System, welches solch einen perfiden Frauenhass fördert sollte niemals weiter geduldet werden.
Prostitution ist kein kontroverses Thema. Das Erwerben von Frauenkörpern ist nicht feministisch, kann nicht feministisch sein. Prostitution ist ein Relikt der Sklaverei und zu großen Teilen Neokolonialismus und kann nicht geduldet werden. Danke für dieses unglaublich mutige Buch, das nicht nur einen erschütternden Einblick in dieses schreckliche Thema liefert sondern zugleich auch Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Ein Buch, das in Schulen gelesen gehört (evtl gekürzt), und meiner Meinung nach die veralterte, frauenverachtende Literatur die heutzutage immernoch im Unterricht behandelt wird (*hust* Woyzeck, Faust) ersetzen sollte. Postitution ist Vergewaltigung, Freier sind Vergewaltiger & so schwer es auch war das Buch zu lesen, es wird mich ein Leben lang begleiten.
Sollte jede:r gelesen haben, die oder der sich zur Prostitutionsdebatte äußern will. Die Erfahrungsberichte und Zitate aus Freierforen, bei denen es einem den Magen umdreht, und die zahlreichen angeführten Studien und Statistiken sprechen allerdings für sich. Nach dem Lesen ist es unmöglich, sich (aus progressiver/linker/feministischer Perspektive) noch in irgendeiner Form für Prostitution auszusprechen
Hartes und eindrückliches Buch. Sprachlich durchaus sehr zugänglich (im Gegensatz zB. zum neuen Buch von Ruby Rebelde), hätte aber mMn mindestens 50 Seiten kürzer sein können. Da hat sich doch einiges gedoppelt und gedreifacht, was bestimmt sinnvoll ist bei Leser:innen, die zum ersten Mal mit dem Thema in Kontakt kommen, bei mir aber teilweise zu einer Ermüdung geführt hat. Sprachlich war das Buch teilweise sehr geladen, was ich grundsätzlich verstehen kann, da die Autorin selbst Betroffene ist und dementsprechend auch nicht aus einer neutralen Perspektive (soweit die überhaupt möglich ist) schreibt. Das ist auch mein einer "großer" Kritikpunkt: das von Huschke Mau "favorisierte" Nordische Modell wird auf gerade einmal 30 Seiten gequetscht, gängige Kritikpunkte werden nur sehr kurz abgeräumt und statistische Erhebungen, die die Wirksamkeit des Nordischen Modells in Frage stellen, werden sehr beschönt genannt oder halt einfach weggelassen (in Island stieg die Zahl der Prostituierten nach der Einführung des NM zum Beispiel...) Das hinterlässt leider ein bisschen den Eindruck, gerade eine sehr lange Werbung für das Nordische Modell gelesen zu haben (was an sich auch nicht verkehrt ist, es ist ja immerhin schon rein aus normativer Sicht deutlich besser als beispielsweise das ProstSchG). Klar kann man jetzt sagen, allein die krassen Schilderungen aus dem Prostitutionsalltag sind schon genug Argumente für das NM, ob jetzt jeder Kritikpunkt ausführlich entkräftet wurde oder nicht. Ich persönlich war aber schon eher auf der Suche nach einer tieferen Diskussion des NM, die sich ausführlich mit der Wirksamkeit beschäftigt und sich nicht nur überwiegend aus krassen und emotionalen Schilderungen speist. Statt der mehrfachen Wiederholung einiger Inhalte hätte ich mir hier eine längere und kritischere Auseinandersetzung mit dem NM bzw. den Gegenargumenten gewünscht, was mMn auch die Pro-Argumente gestärkt hätte. Statt seitenlange Auszüge aus Freierformen hätte ich hier gerne eine ausführliche Aufschlüsselung der Studien zur Wirksamkeit des NM gelesen.
Fazit: Eindrückliches Buch, das vorallem die moralischen und normativen Aspekte von (il-)legalem Sexkauf sehr stark analysiert. Die Analyse des NM hätte ausführlicher und ausgewogener sein dürfen.
Huschke Mau beschreibt eindrücklich und ausführlich wie das System Prostitution funktioniert, wie es systemisch verankert ist direkt in unserer gesellschaftlichen Mitte. Sie untermauert all ihre Beobachtungen und Schlüsse mit Fakten und Berichten, und weiß zu überzeugen. Viel wichtiger jedoch: Sie zeigt einen Weg vorwärts mit dem Nordischen Modell. Ich möchte jedem zum Lesen raten, sei es Prostitutionsgegner, Befürworter oder einfach nur Interessierte, die sich vielleicht noch keine so großen Gedanken um die Wohnwagen mit Neonleuchten am Straßenrand gemacht haben. Das Buch konfrontiert einen schonungslos mit den Details, aber es ist notwendig diesen akribischen Stil wertzuschätzen, denn es ist ein Zeugenbericht darüber, was sich bei uns im Land, und in ähnlichen Formen weltweit, abspielt. Ich habe mich schon davor mit der Thematik auseinander gesetzt, aber doch einiges Neues und insbesondere auch neue Argumente in dem Buch entdecken können. Ich danke der Autorin für ihren Mut und ihre geleistete Arbeit. Ich hoffe es wird eine englische Übersetzung hiervon geben, denn dieses Werk sollte definitiv von einem breiteren Publikum gelesen werden.
Innerhalb von zwei Tagen habe ich dieses Buch verschlungen und kann die Gefühle während und nach des Lesens nur so beschreiben: Angewidert von Männern, dem deutschen System zur Prostitution und liberalen Feministinnen die dauernd schreien „Sex Work is Work“. Mit viel Sympathie zur Autorin und ihren persönlichen Erlebnissen, aber auch anschaulich dargelegten Fakten rund um die Prostitution, sollte jeder dieses Buch gelesen haben. Aber Achtung: Die vielen Kommentare aus Freierforen sind schwer zu verdauen und lassen einen öfters schaudern.
wirklich sehr harter Tobak - ich konnte stellenweise nur ein paar Seiten lesen, bevor ich das Buch zur Seite legen musste oder Tränen in den Augen hatte. Huschke Mau bringt ihren Punkt überzeugend rüber - in einigem ehrlich gesagt zu überzeugend, denn Argumente werden so gebetsmühlenartig wiederholt, dass der Text locker 50 bis 100 Seiten kürzer sein könnte. Einige Sätze kannte ich am Ende halb auswendig. Außerdem muss erwähnt werden, dass zwar keine Transphobie auftaucht, Huschke Mau aber für die „Emma“ schreibt. Trotzdem ein beeindruckender Lebensbericht!
Ich weiß nicht welche Worte dieses Buch beschreiben können. Ich war zwischendurch so sehr verstört, was für Abgründe sich in unserer Gesellschaft befinden.
Ich habe sehr viel gelernt und habe zumindest anfangen können zu verstehen, was Prostitution bedeutet. Hätte niemals erwartet, dass es ein Thema ist was wirklich jeden angeht.
Heftiges Buch und hat einige Denkprozesse eingeleitet, da die Thematiken Sexkauf und Feminismus ambivalent sein können. Es ist schwer zu verarbeiten und auszuhalten wieviel Gewalt und Demütigung durch unsere patriarchale Gesellschaft gestützt werden. Das Buch führt (zumindest bei mir) dazu, kein Verständnis für Männer zu haben, die sich diesem Themas nicht annehmen und patriarchale Strukturen nicht aktiv hinterfragen und kann zu zahlreichen Diskussionen mit Mitmenschen führen.
Das Buch nimmt keine FLINTA* Thematiken auf, was aber darauf zurückzuführen sein kann, dass es autobiografisch geschrieben ist.
Leider gibt es an einigen Stellen Satzwiederholungen und der Aufbau ist zeitweise unstrukturiert.
Alles in allem ein Buch, dass ich nicht nicht gelesen haben möchte. Macht Wütend und Fassungslos!
Ein wirklich krasses Buch, ich konnte nicht jeden Eintrag aus den Freierforen lesen, aber ich kann jetzt dem Nordischen Modell und der Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Umdenkens mehr als zustimmen!
Danke für die persönliche Geschichte und die vielen Daten und Fakten!
Huschke hat keine glückliche Kindheit. Ihr sadistischer Stiefvater kontrolliert und quält die Familie. Mit 17 Jahren hält sie es nicht mehr aus, sie kann fliehen und kommt in einer Jugendeinrichtung unter. Als die staatliche Hilfe endet, weiß Huschke nicht weiter. Die Behörden sagen ihre Eltern seien für ihre Unterstützung zuständig, aber von ihnen kann sie keine Hilfe erwarten. Sie würde liebend gerne studieren, ach was, einfach nur die Miete bezahlen und Geld für Lebensmittel haben, aber sie weiß nicht wie.
Mit abwertenden und sexistischen Bemerkungen aufgewachsen, hat die Autorin kein gesundes Selbstwertgefühl. Es stört sie sehr, wenn Männer sie anmachen – irgendwann beginnt sie mit dem Spruch, „Bei mir kostet es aber!“ zu kontern. Und schließlich denkt sie, warum nicht? Warum mir nicht bezahlen lassen, was mir ohnehin angetan wird?
Ihr erster Zuhälter, ein Polizist, führt sie in die Prostitution ein. Das lässt er sich gut bezahlen. Auf einmal ist Huschke eine Gefangene. Von dem eingenommenen Geld bleibt nicht viel, und ihre Träume von einem Studium rücken in weiter Ferne. Es wird zehn Jahre dauern, bis sie den Ausstieg schafft.
In diesem Buch erzählt die Autorin offen ihre persönliche Geschichte. Dazu zeigt sie das große Bild auf, und erklärt anhand von Zahlen und Statistiken, wie schlimm das Problem der Prostitution in Deutschland ist. Besonders erschütternd sind seitenlange Aufzählungen von ermordeten Frauen und die vielen Zitaten aus Freier-Foren. Hier bewerten Männer die Frauen, mit denen sie Sex hatten. Das zu lesen ist einfach nur schaurig, und spätestens da wird klar: Prostitution ist unmenschlich und mit Sicherheit nicht eine Arbeit wie jede andere. Es sind andere, die große Gewinne machen, Zuhälter, Menschenhändler, und nicht zuletzt der Staat, da die Einkünfte versteuert werden müssen. Hilfen zum Ausstieg sind nur eine begrenzte Lösung, denn solange es eine Nachfrage gibt, werden neue Frauen gesucht, geworben, versklavt, um das Geschäft aufrechtzuerhalten.
Die Autorin macht sehr deutlich, dass Prostitution Gewalt an Frauen ist, legaler sexueller Missbrauch. Sie zeigt auch eine Lösung auf, das Nordische Modell, in dem Frauen Hilfe und Unterstützung beim Ausstieg bekommen, gleichzeitig jedoch jeder, der Sex kauft, als Täter angesehen und bestraft wird.
Gewöhnungsbedürftig ist die manchmal derbe Sprache, doch sie passt zum Thema. Ein weiterer Nachteil sind einige Wiederholungen, allerdings führt das auch dazu, dass die Problematik eindeutig klar wird.
Fazit: Ein wichtiges Buch, das zwar wegen den Schilderungen der schrecklichen Gewalt und Not schwer zu lesen ist, und doch unverzichtbar ist. Sehr empfehlenswert!