Kellerspiele von Simone Trojahn gehört zu den Büchern, denen ich am liebsten 2,5 Sterne geben würden.
Angelehnt ist der Thriller an dem Werk "The girl next door", in deutsch "Jack Ketchum's Evil"; ein Buch, in dem das Leiden einer jungen Frauen eskalierend und ungeschönt dargestellt wird. Ich halte dabei Evil für einen der besten Thriller, die je geschrieben. Vor allem dadurch, dass in einer verschrobenen, aber idyllischen Kleinstadt im amerikanischen Hinterland scheinbar sympatische, tollpatschige Kinder aufgrund des Einflusses einer dem Wahnsinn verfallenden Frau selbst zu Monstern ohne Gefühl und Einsicht werden, die junge Frau tyrannisieren und dabei sogar soweit gehen, ihre sexuellen Phantasien an ihr auszuleben, sie zu foltern und zu töten.
Anders als in Evil ist der Aufbau in Kellerspiele denkbar schlicht. Den Bösewicht erkennt der Leser ab den ersten Seiten und auch die Opferrolle ist bereits vorbestimmt. Auch der Ton ist von der ersten Seite an morbide, anrüchig bis hin zu pornografischer Offenherzigkeit. Die Frau, jung, in allen Facetten durchschnittlich und wie bei Trojahn üblich, nur an Sex denkend könnte dem Leser nicht banaler präsentiert; dazu tut aber auch keine Not, da sie sowieso nur als Spielzeug dargestellt wird, um "Protagonisten" der Story zu präsentieren, nämlich zwei makabre und eindimensionale Brüder, die nach nichts anderem als Sex gieren.
Das Beziehungsverhältnis zwischen den Brüdern ähnelt dem typischen Ganovenverhältnis, der Anführer nimmt dabei die Rolle des Psychopathen ein, dessen einziges Ziel dabei die Auslebung seiner Bedürfnisse zum Gegenstand hat, der andere ist der unterlegene Gehilfe, dessen Gesinnung als ambivalent geschildert wird, seine Handlungen jedoch nur die Bosheit des Hauptchrakters unterstreichen sollen.
Man könnte diese Einleitung als naiv bezeichnen, was sie auch ist, wäre da nicht der Umstand, dass sie eh nichts zu bedeuten hat. Die Fronten sind klar besetzt, jeder weiß, dass kein twist folgen wird und das Gegenstand der Geschichte keine austauschbaren Charaktere sein sollen, sondern eine abfolgende Art von sich übertreffender, sexuell aufgeladener Folter, die ausgebreitet und in allen Facetten dargestellt wird.
Dabei gleicht dieses Buch mehr einem Fachbuch über die Anatomie des weiblichen Körpers und erzeugt auch erwartetes Empfinden beim Leser. Teilweise gelangweilt, teilweise angewidert von bildhaften Darstellungen erwächst der Horror aus der Handlung. Zu jeder Zeit ist dem Leser die dumme, austauschbare, selbst im Zeitpunkt tiefsten Leidens noch angestrengt humoristische Person des Opfers egal, während er durch die Passagen rund um männliche Körperflüssigkeiten und menschlichen Fäkalien blättert.
So endet das Buch auch wie man es erwarten würde. Das Opfer ist endlich tot, der Hauptcharakter gefasst und der Gehilfe hat nur im Geiste etwas unternommen, das sich nie in der Realität abgebildet hat.
Ich habe eine Berwertung von 3 Sternen gewählt, da das Buch weder an Drama, noch an Gefühl, noch an Relevanz an Evil heranreicht. Die wichtigen Aspekte, die Evil bemerkenswert machten, nämlich die Angst, dass normale Personen ihre tief verborgenen Gelüste ausleben könnten, drehe man nur an einer Schraube, wie etwa Ruth, die dem Wahnsinn verfällt, wird von Kellerspiele ausgeschaltet und nie thematisiert. Auch die Leidensfähigkeit des Leser nie auf die Probe gestellt, der mit Megan die andauernde und eskalierende Folter ertragen muss, dem Opfer in Kellerspiele dabei nur einen möglichste schnellen und unkomplizierten Tod wünscht.
Nichtsdestotrotz ist die Zielgruppe klar und dem bleibt das Buch treu. Wer also eine präzise, ausführliche, teilweise makarbere Darstellung von Folter spannend findet, kommt auf seine Kosten und so erfüllt der Thriller das Minimal-Ziel und spricht seine Zielgruppe an, das ich mit 3-Sternen zu würdigen weiß.