In einer zukünftigen Welt tragen die meisten Menschen keine Verantwortung mehr. Sie leben in ihren, vom Staat zugeteilten Wohnungen und schauen Fernsehen oder spielen Videospiele. Ihr ganzes Leben wird von einer künstlichen Intelligenz gesteuert, von dem, was sie essen, bis wann sie Sport treiben müssen. Arbeitskräfte werden nicht mehr benötigt, da Maschinen fast alles erledigen können. In einem Berliner Vorort wohnt Laser Blue Potlowski, der sein Leben so ganz in Ordnung findet. Doch anscheinend macht die künstliche Intelligenz einige Fehler, was eigentlich nicht sein kann. Deswegen trifft er auch auf Violetta, die das ganze System kritisiert. Und dann gewinnt er auch noch bei einem Gewinnspiel, woran Laser gar nicht teilgenommen hat.
Am Anfang des Romans war ich noch etwas kritisch. Man wird ohne große Erklärungen in die düstere Welt geworfen. Die Blocks in Lasers Wohnort werden als grau und trostlos beschrieben und generell scheint das Leben der Bewohner/innen des "Berliner Bezirks" extrem langweilig zu sein. Ich meine, das muss es ja auch sein, wenn man den ganzen Tag nur vor dem Fernseher sitzt (wie Lasers Mutter) oder nur zockt (wie Laser und sein Bruder Blast). Ebenfalls hat mich die künstlich aufgesetzte Jugendsprache mit sehr derber Ausdrucksweise irritiert. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass in 64 Jahren die Jugendlichen so sprechen werden. Aber die Story wird besser, sobald Laser aus seinem trostlosen Heimatort rauskommt und es langsam den "Hunger Games" ähnelt (aber ohne zu kopieren".
Die Welt besteht nämlich nicht nur aus den Menschen, die ihr Leben vor der Glotze sitzen, sondern es gibt auch reiche Leute (Überraschung!), deren Leben in den inneren Ringen viel mehr Spaß macht (wohin die Armen wie Laser normalerweise nicht hin dürfen). Und es gibt die Menschen, die tatsächlich noch arbeiten, zum Beispiel als Softwareingenieur. Die Welt ist komplex aufgebaut, was erst später in der Handlung klar wird. Zum Beispiel gibt es "Reality Gaming". Zwei Menschen sind geistig miteinander verbunden, die eine steuert die andere, die in einem real life game ist. Etwas makaber, aber eine Idee, die ich bisher noch nie so in einem Buch gelesen habe. Es wird sich in dieser Dystopie also nicht nur auf den sozialen, sondern auch auf den technischen Aspekt konzentriert, was mir sehr gut gefällt, denn solche Dystopie findet man selten. Es wird sehr wenig zu der Welt erklärt. Vieles muss man sich selbst erschließen. Oftmals werden Dinge auch erst während der Handlung langsam klar und selbst jetzt nach dem Lesen sind mir einige Dinge noch unklar.
Die Handlung ist, wie schon erwähnt, am Anfang eher langweilig und zäh, vor allem, weil ich selbst es schwer fand, Laser nachzuvollziehen, wie er den ganzen Tag zuhause hockt und sein Leben toll findet. Aber als Laser aus seinem normalen Leben geworfen wird, nimmt die Handlung viel spannender Züge an, während das Ende voll mit Spannung ist.
Laser ist die Hauptfigur, es wird nur aus seiner Sicht in der ersten Person erzählt, was ich nicht unpassend finde, denn sonst hätte ich ihn für noch irrationaler empfunden. Am meisten genervt hat mich tatsächlich Laser. Er verhält sich oftmals so dumm, als könnte er kein bisschen die Folgen seines Handelns absehen, nein, der Junge kriegt nur ab und zu Wut- und Schreianfälle, die er direkt danach bereut. Hätte er besser vorher nachgedacht. Außerdem kommt er während des Romans nie auf die Idee, nur einen kleinen kritischen Gedanken gegenüber des Systems zu haben, obwohl er mit mehreren Leuten spricht, die es kritisch sehen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung von ihm.
Toll finde ich auch, dass das hier eine international ausgeweitete Dystopie ist, dessen "Hauptstandort" Deutschland ist. Das ist interessant zu lesen, da die meisten Dystopien von Amerikaner/innen handelt, selbst wenn der/die Autor/in aus Deutschland ist. Ein Teil der Handlung spielt in Kanada, wo ja Englisch gesprochen wird. Ja genau, und diese wörtliche Rede ist in dem Roman auf Englisch. Man liest also Teile (da Laser kein Englisch kann) von Konversationen auf Englisch. Und dieses Englisch hat manchmal ein paar Fehler oder klingt verdächtig Denglisch.
Und ja, der Name der Hauptfigur ist wirklich Laser Blue. Und andere Charaktere heißen Bullet, Mercury und Liberty. Ich finde, das sind schon dämliche Namen.
Insgesamt ist Jana Maria Lüpke eine gute Dystopie gelungen. Zwar dauert es ein bisschen, bis man zur interessanten Handlung vordringt, aber diese ist sehr gut ausgearbeitet und spielt in einer komplexen futuristischen Welt. Auch wenn der Hauptcharakter nervt, es handelt sich um eine gute Dystopie. Schade, dass dies nicht der Aufmachung des Verlages entspricht.
Ich empfehle diese Dystopie eher Jugendlichen, die schon etwas tiefer im Genre Dystopie/Sci-Fi unterwegs sind, denn die Welt ist komplex und erstmal schwer zu verstehen. Auch ist es wichtig, Englisch zu können, da sonst wichtige Dialoge nicht verstanden werden können.