Gendern ja - aber dabei nicht verkrampfen: Mit diesem Anspruch gibt Christine Olderdissen einen Einblick in die vielfältigen sprachlichen Möglichkeiten, die uns im Deutschen zur Verfügung stehen, und verschafft Orientierung auf dem Weg zu einer fairen Sprache. Wie geschlechtergerecht sind Wörter wie „Nerd“, „Hacker“ und „Profi“? Warum funktionieren Genderstern & Co. am besten im Plural? Wo hat das maskuline Genus seine Berechtigung? Alle, denen eine geschlechtergerechte Sprache am Herzen liegt, finden hier Anregendes und Lehrreiches, damit sie künftig selbst geschlechtergerecht und stilvoll schreiben.
Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich in meinem Alltag gendern muss. Und da gibt es immer wieder Zweifelsfälle. Wie gendert man zum Beispiel einen Nerd? Muss das gegendert werden? Oder was ist mit Wörtern wie der Bürgermeisterwahl? In der Zwischenzeit gibt es ja auch schon so einige Bürgermeisterinnen. Dieses Buch verspricht in seinem Klappentext, über Fälle wie diese aufzuklären. In meiner Vorstellung war das hier eine Art Nachschlagewerk, das ich in Zukunft immer wieder mal herausholen kann, wenn mal wieder ein Wort aufkommt, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin. Vielleicht hinten sogar mit einer alphabetischen Auflistung der schwierigsten Wörter oder mit einer knackigen Darstellung der häufigsten Fehler. Und natürlich mit Tipps, wie man auch stilistisch schön Gendern kann.
Leider dreht sich aber ein großer Teil des Buchs gar nicht um die Praxis. Der größte Teil handelt davon, warum Gendern eigentlich notwendig ist. Ein oder zwei Kapitel wären in Ordnung gewesen, aber die politischen Aspekte waren selbst in den Kapiteln, in denen es dann endlich um die Praxis ging, ein wiederkehrendes Thema. Ganz verstand ich das nicht. Ich glaube, dass die meisten Leute, die sich dieses Buch holen, mehr über die praktische Anwendung lernen wollen oder lernen müssen und nicht unbedingt über die politischen oder gesellschaftlichen Aspekte lesen möchten.
Die wenigen Tipps, die das Buch gibt, waren sogar ganz gut, gingen aber leider nicht in die Tiefe. Da sie aber in Fließtext verpackt sind, werde ich sie wahrscheinlich so schnell nicht wiederfinden können. Vieles blieb auch leider an der Oberfläche und war sehr allgemein gehalten. Das ist für Einsteiger:innen sicher hilfreich, für jemanden, der oder die sich aber schon länger mit dem Thema befasst, gab es aber leider nicht viel Neues. Das einzige wirklich Neue, das ich durch dieses Buch gelernt habe? Klare Vorgaben gibt es nicht und werden sich wohl leider erst in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten entwickeln. Also kann ich den Verlag auch gar nicht so ganz zur Verantwortung dafür ziehen, dass sie keine klaren Vorgaben machen können. Ich glaube aber trotzdem, dass es möglich gewesen wäre, in diesem Buch mehr auf die Praxis einzugehen.
Mein Fazit? War leider nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Schade.
Praxisnah und angenehm leicht, wird ein wichtiges Thema angepackt
„Genderleicht – Wie Sprache für alle elegant gelingt“ von Christine Olderdissen ist ein äußerst gelungenes Sachbuch aus dem DUDEN Verlag. Darin geht die Autorin das Thema „richtiges Gendern“ professionell, aber dennoch mit jeder Menge Humor an. Zunächst einmal wird der tiefer gehende Sinn, nämlich der einer geschlechtergerechten Sprache, welche einfach alle anspricht, erklärt. Nach der Lektüre ist mir nun noch bewusster wie viel Macht unsere alltägliche Sprache auf Denk- und Verhaltensmuster hat und das ein lapidares „es sind ja alle mitgemeint“ eben nicht (mehr) ausreicht. Darum ist klar, es muss sich etwas ändern! Allerdings gibt es noch nicht den einen anerkannten Weg, wie richtig gegendert werden sollte. Alle die sich unsicher diesbezüglich fühlen, bekommen mit diesem Buch eine tolle Handreiche. Sehr alltagsbezogen arbeitet die Autorin mit vielen Beispielen und vermittelt so eine grundsätzliche gut zu verstehende Logik. Sie nimmt dabei gekonnt die Angst vor Neuerungen und lädt zu einem aktiven Spielen mit der eigenen Sprache ein. Denn überraschenderweise wird der Genderstern gar nicht so häufig benötigt, wie ich ursprünglich dachte. Schon jetzt hält unsere Sprache zahlreiche neutrale Alternativen bereit. Ein wenig über Formulierungen nachzudenken lohnt sich deswegen immer. So konnte mich das Buch inhaltlich auf wirklich allen Ebenen überzeugen. Der Schreibstil liest sich, trotz einiger tiefer gehenden sprachwissenschaftlichen Ausführungen, erstaunlich leicht und so kam ich schnell mit der Lektüre voran. Außerdem vermittelt die Autorin ihr Thema mit viel Humor und Leichtigkeit, was dem oft heiß diskutierten Feld meiner Meinung nach gut tut. Ich für meinen Teil, konnte so Einiges mitnehmen und werde das informative Buch sicherlich immer mal wieder zur Hand nehmen. Auch wenn bisher noch nicht der perfekte Weg gefunden wurde, gibt es hier jede Menge erstklassiger Ansätze zu entdecken. Mein Fazit: Hier ist der Titel Programm! Gendern ist nämlich gar nicht so schwer wie gedacht. Wir müssen uns einfach nur trauen.
Dieses Buch wurde mir von der Bibliothek zum richtigen Zeitpunkt angeboten. Seit meinem Studium habe ich mehrere Phasen vom Gendern mitverfolgt und war von Anfang an unschlüssig ob (und später auch wie) ich es in meinem Alltag anwenden kann. Genderleicht hat sich zu diesem Zweck perfekt geeignet. Christine Olderdissen gibt sich sehr viel Mühe um zu erklären, warum gegendert werden soll und welche Vor- und Nachteile gendern mit sich bringt. Dabei bleibt sie sachlich und versucht nicht dem Leser vorzugaukeln, dass es nur einen richtigen Weg gibt. Die Gender-Debatte ist erst am Anfang und es wäre einfach nur schlicht falsch die Entwicklung der Sprache in eine bestimmte Richtung durch Zwang zu lenken. Auch aus diesem Grund werden in diesem Buch hauptsächlich nur Tipps gegeben, wie jede Person den eigenen Umgang mit der Sprache für sich selber anpassen kann.
Da ich die gleiche Meinung wie Christine Olderdissen vertrete, war es für mich nicht schwer die Idee hinter diesem Buch und der ganzen Bewegung zu befürworten. Und da ich mich selber nach den Tipps sehnte, habe ich das gefunden, was ich gesucht habe. Vor diesem Hintergrund wäre dieses Buch für mich normal 5* wert. Es gab allerdings einen Faktor, der mein Lesevergnügen immer wieder unterbrach - die fehlende Struktur des Buches. Ich kann gut nachvollziehen, dass es nicht einfach war die Kapitel thematisch zu trennen. Leider entstand bei mir der Eindruck, dass der Versuch gar nicht unternommen wurde. Es gab einfach zu viel Wiederholungen und zu viel Themensprünge. Die Unterteilung in einzelne Teile (oder waren es Kapitel?) habe ich gar nicht verstanden und der Schluss des Buches war in meinen Augen gezwungen.
Im Großen und Ganzen war es für mich ein Erfolg, ich hätte mir jedoch mehr Mühe und Liebe bei der Struktur gewünscht. Das Buch wäre damit nicht nur besser lesbar, sondern auch für den alltäglichen Gebrauch einfacher anwendbar.
Tatsächlich frage ich mich heute, was ich von diesem Buch erwartet hatte. Scheinbar war es zu viel, denn das meiste sprach mich nicht an, oder war einfach nichts neues für mich. Kleine Grundregeln, wie oft man in einem Absatz mit Sternchen gendern sollte, damit es übersichtlich bleibt, fand ich ganz spannend, wobei dies auch keine feste Regel ist, wie sich die Autorin des Öfteren wiederholt, denn für das Gendern gibt es schlichtweg keine offiziellen Regeln, nur Empfehlungen. Das man diverse Dinge umschreiben kann, das weiß ich leider selbst, dafür muss ich mich nicht durch 200 Seiten Sprachgeschichte quälen. Dafür lese ich dann entsprechend andere Bücher. Spätestens, als sie dann "das Fräulein" auspackte, um korrekterweise eine Seite später zu erwähnen, dass dieses in den 70er Jahren abgeschafft wurde, hatte ich dann endgültig nur noch wenig Lust auf dieses Buch.
Ich meine, Entschuldigung, aber wir wissen doch, dass die Frau in der deutschen Sprache - oder aber auch vielen anderen Sprachen - zu kurz kommt. Deswegen, und wegen der vermehrten Akzeptanz der nicht-binären Menschen, gibt es doch das Gendern überhaupt. So etwas hervor zu heben sehe ich tatsächlich als Lückenfüller, der mich einfach kostbare Zeit kostet. Wie erwähnt, das Buch gibt eine handvoll interessanter neuer Informationen mit auf den Weg, aber den Rest fand ich schlichtweg ermüdend, weil es nichts neues oder einfach uninformativ war.
Ich mag wie nüchtern es geschrieben, vor allem das agree-to-disagree-agreement vom DUDEN & Christine beim Streittopic "*". Es ist eine angenehme Abwechslung zu dem normalerweise so aufgeladenem, emotionalem Diskurs um dieses Thema. Ich, 17 Frau gendere & das Buch hat hier einen gewaltigen Teil beigesteuert. Als Feministin war ich immer schon positiv auf das Gendern ein gestellt, aber das Buch hat mich mit den objektiven, logischen Argumenten überzeugt & mir geeignete Kontrapoints für jede Gender-Diskussion an die Hand gegeben. Erst nach diesem Buch hab ich mich sicher genug gefühlt auch in Antigender-Atmosphären mit Sternchen um mich zu schmeißen ;), weil ich (jetzt) überzeugt bin, dass es gut ist zu gendern - erst recht nichts schlechtes. Genderleicht war mein How To Gender & ermutigte mich die Person zu sein, die ich jetzt bin. Die "nervige" Feministin, die geschlechtergerechte Sprache nutzt - gesprochen sowie geschrieben. Große Empfehlung an alle Einsteiger*innen oder Menschen, die sich wirklich mit dem Thema befassen & nicht nur Spamtischparolen wiederholen wollen.
Per Zufall in der Bücherei entdeckt, reingelesen und direkt mit nach Hause genommen.
Das Buch war wirklich interessant und hat mir noch einmal einen neuen Blickwinkel auf das Gendern verschafft. Für alle, die im Alltag auf eine gendergerechte Sprache achten wollen und dabei noch etwas über die deutsche Sprache lernen möchten, ein absolutes Muss.
„Gendern ist […] das Bewusstmachen, wie männlich dominiert die deutsche Sprache ist […]. Und dann zu überlegen, wie können wir darin Frauen sichtbar machen?“ So definiert es Christine Olderdissen, Juristin, Journalistin und ehemalige Leiterin des Projekts „Genderleicht“ in ihrem gleichnamigen Buch aus dem Dudenverlag und ich finde die Definition ziemlich passend.
Natürlich geht die Autorin nicht nur auf die Sichtbarmachung von Frauen, sondern auch von anderen nichtmännlichen Personen ein. Zunächst erklärt sie die historischen Hintergründe der männerdominierten Sprache und des generischen Maskulinums, um dann die besten Formen des Genderns vorzustellen. Generell plädiert sie allerdings dazu, Genderstern und Co möglichst elegant durch neutrale Formulierungen zu umgehen.
Der Tonfall der Autorin ist wertschätzend und sachlich und sie möchte zwischen den Lagern vermitteln, um allen gerecht zu werden. Wer versucht, geschlechtergerecht zu schreiben, findet hier den optimalen Ratgeber mit vielen Beispielen, Vorschlägen und Tipps. Was mich ein bisschen gestört hat, sind einige Wiederholungen, z. B. dass sich der Rat für deutsche Rechtschreibung nicht dazu durchringen kann, Regeln fürs Gendern aufzustellen oder anzuerkennen, was an zig Stellen erwähnt wird.