Luise ist klug, Luise ist unabhängig, Luise ist eine Insel. Als Meeresbiologin hat Luise sich einen exzellenten Ruf erarbeitet, ihr Spezialgebiet: die Meerwalnuss, eine geisterhaft illuminierte Qualle im Dunkel der Ozeane. Als Luise für ein Projekt mit einem renommierten Tierpark nach Graz reisen soll, zögert sie nicht lang. Doch Graz, das ist auch ihre Heimatstadt, das ist die Wohnung ihres abwesenden und plötzlich erkrankten Vaters. Und das ist die Geschichte einer jahrelangen Sprachlosigkeit und Fremdheit zwischen ihnen.
Soghaft und strömend erzählt Marie Gamillscheg von der allmählichen Befreiung aus den Zwängen der eigenen Kindheit, des eigenen Körpers und aus den Gesetzen, die andere für einen gemacht haben. Es ist zugleich der Versuch, die Unmöglichkeit einer Beziehung zu erfassen: zwischen Mensch und Tier, Mann und Frau, Vater und Tochter.
Longlisted for the German Book Prize 2022 This reminds me of last year's winner Blaue Frau: Jury bait that borders on self-parody. Luise, a 32-year-old marine biologist, is personifying what reactionaries imagine a female career scientist to be: A reclusive nerd with poor social skills and a disastrous romantic life who also struggles with daddy issues (don't come for me for writing this, I didn't invent this problematic set-up). She specializes in researching the sea walnut, an invasive comb jelly that eats its own children (metaphor!! climate change! Freud! *sigh*). Luise travels back to her hometown of Graz, Austria, to consult with the local animal park about a research station on the sea walnut. Ruminations about the relationship between human beings and nature as well as between Luise and her daddy ensue, during which Luise's fragile mental state and reality collapse into each other.
I applaud Gamillscheg for trying to write an experimental piece about human consciousness and climate change, alas, it does not work: Much like in the case of Nebenan, the author throws thematic confetti into our eyes (hello, I'm important literature!), but if you look closer, it's pretty shallow. The sea walnut as a species is a "winner of globalization, beneficiary of climate change, monster of adjustment" - in short, she is evolution's answer to the challenges of warming oceans, nature's revenge and suicide. In a way, the sea walnut is just like us: It grows and expands and dominates, until the world is no more. Luise, feeling alienated from the human species, often identifies with the animal that others despise.
The scientist, we learn, "is an island" (hello, John Donne), she has "a heart of stone" - which, of course, isn't really true, it's just the trauma inflicted on her by the patriarchy and the people who maintain that she does not function as she should - and the way feminist topics are dealt with here is so uninspired and enumerative, so lifeless and sterile, and I haven't even mentioned that if a man came up with a character like Luise, the cliché female scientist, he would probably be called out for it (and rightly so). When she grew up, no one taught her how to be a woman (stated in the text, not explained); her father, a biology teacher, and her can't build a proper relationship, why remains unclear; the same goes for Luise and her brother. When her father has a heart attack and recovers at her brother's, Luise wonders how so many people survive heart attacks while elsewhere, oceans collapse.
Luise struggles with body image issues as well as psychosomatic neurodermatitis, and while women making research careers in the male-dominated natural sciences is a fascinating, important topic, Luise remains a cipher, fighting enigmatic demons, ruminating and never arriving anywhere, stuck in her own mind. Dr. Schilling, the head of the animal park, is one more man that appears as a mediated father figure (she grew up watching him on tv), but in the end, their relationship remains unresolved. In a way, Luise is always on the move and utterly passive at the same time.
This book has no message, some scenes oscillate between reality and hallucination, cause and effect are freqeuntly not stated, and there are sentences that underline that the feminist impulse is not properly worked through, i.e.:
- "The grandfather was dead, but his gaze was still there and at the same time framing the girl's vision of the future, thereby annihilating it." - Wow, that's one hell of a grandfather, destroying female futures with his evil eye *facepalm*. ("Der Großvater war tot, aber sein Blick war noch da und rahmte gleichzeitig den Blick des Mädchens in die Zukunft ein, vernichtete ihn dadurch.")
- "But fathers do worse things to daughters than to sons." - Another melodramtic sentence that also happens to be very stupid. ("Aber die Väter verbrechen an den Töchtern schlimmere Dinge als an den Söhnen.")
Literature certainly doesn't owe us a message, but it should at least have a point.
Luise ist Meeresbiologin und forscht in Kiel über Ctenophora, die Meerwalnuss, eine leuchtende Rippenquallen-Art. Die Qualle wird in Ballastwassertanks von Schiffen eingeschleppt und vermehrt sich als Nutznießerin des Klimawandels explosionsartig, weil sie in ihren neuen Revieren keine natürlichen Feinde hat. Rein wissenschaftlich handelt es sich um eine invasive Art, die den heimischen Fischbestand bedroht und das Ökosystem Meer an den Rand des Kollapses gebracht hat. Luise ist allerdings der Meinung, dass eine Tierart nicht invasiv sein kann, die passiv transportiert wird und nicht aktiv einwandert. Luise sind offensichtlich Sachthemen wichtiger als Menschen. Die Qualle ist ihr Lebensinhalt; ihren wissenschaftlichen Ruf hat sie sich unter persönlichen Entbehrungen erarbeitet. Aktuell scheint die Wissenschaftlerin mit ihrem Thema nicht weiterzukommen. Die Leuchtqualle entzieht sich ihrer Erforschung, so dass u. a. noch unbekannt ist, wie sie sich vermehrt. Luise hält zwar Präsentation über Präsentation, aber bisher ist nichts gegen die Invasoren unternommen worden. Vom Institutsleiter wird Luise ermahnt, bei ihrem anstehenden Besuch im Grazer Tierpark „das Ganze“ im Auge zu behalten und sich nicht nur für ihr eigenes Forschungsthema zu interessieren. Selbst an eine schwierige Person wie Luise gerichtet, wirkt diese Kritik kränkend; männliche Kollegen würden in vergleichbarer Situation als zielstrebig anerkannt. In Graz ist Luise aufgewachsen. Ihre Bewunderung für den charismatischen Tierpark-Direktor Schilling hat sicher ihre Berufswahl beeinflusst. Bis heute lebt ihr Vater in der Stadt, mit der sie traumatische Erinnerungen verbindet. Die Begegnung mit ihm verrät, dass hinter Luises Schroffheit und ihrem Einzelgängertum mehr stecken muss, als ich mir zunächst vorstellen konnte. So wie der Sand an einem Meeressaum mit jeder Welle andere Farbtöne zeigt, wechseln sich im Rückblick Facetten aus Luises Vergangenheit ab. Ihre Distanz zum Vater, das vom dominanten Großvater vorgegebene Frauenbild und ihre Essstörung als Jugendliche lassen Luises berufliche Krise in anderem Licht erscheinen. Stets mit hohen Ansprüchen an sich und andere, steht sie nun in Graz kurz vor dem Zusammenbruch.
Marie Gamillscheg verknüpft die Figur einer schwierigen, unnahbaren Wissenschaftlerin mit ihrem Forschungsgegenstand, dem Zustand unserer Meere durch den Klimawandel. Die Schlangengrube Forschung wirkt wie ein Katalysator für Luises persönliche Krise. Der sprachlich herausragende Roman steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022. Verdient, finde ich.
Fast die Hälfte habe ich gelesen und durchgehalten. Der Beginn war noch gut, die Konzentration auf die Kreatur mit dem seltsamen Namen Meerwalnuss, der Text sehr meta als Übertragung für Klimawandel und dem Kippen des Systems. Aber dann verlor sich alles in echt unangenehmen Selbsthinterfragungsphrasen, die zwischenzeitlich eine Fetischierung der Elternbeziehung beinhaltete und nein, das geht einfach nicht mehr für mich.
Luise ist Meeresbiologin und fasziniert von der Meerwalnuss, einer Rippenquallenart, die im Dunkeln leuchten kann. Seit Luise ihre Doktorarbeit über die Meerwalnuss geschrieben und diese sich kurz darauf durch menschliches Eingreifen in die Natur immer weiter verbreitet hat, forscht sie auf diesem Gebiet. Denn die Meerwalnuss ist das, was allgemein als "invasive Art" bezeichnet wird, ernährt sie sich doch von heimischen Fischen und reduziert damit die Erträge der Fischer dramatisch. Nun arbeitet Luise an einem Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit einem Tierpark realisiert werden soll. Luise reist also nach Graz, zurück in ihre Heimat, und sieht sich dort mit Erlebnissen aus ihrer Kindheit konfrontiert. Nicht nur wirkt ihr Kindheitsheld, ein angesehener Biologe, der früher eine Tiersendung für Kinder moderiert hat, an dem Projekt mit - auch die zerrüttete Beziehung zu ihrem Vater drängt sich Luise immer mehr ins Bewusstsein.
Denn diese war Luises ganzes Leben lang hauptsächlich von Distanz und dem Unverständnis für den jeweils anderen geprägt. Luise sehnt sich nach Nähe, ist jedoch nicht dazu in der Lage, diese auch zuzulassen; sie wünscht sich, Teil einer Gemeinschaft zu sein, irgendwo dazuzuhören, doch zugleich macht ihr diese Nähe Angst, weil das etwas ist, was sie nie gelernt hat. Während zu Beginn des Romans die Meerwalnuss und die Forschung dazu stark im Vordergrund stehen, verschwimmt dieser Aspekt später immer mehr und verfließt mit den Beschreibungen von Luises Vergangenheit und Gegenwart. So, wie die Meerwalnuss dazu in der Lage ist, sich komplett in Wasser aufzulösen und einfach zu verschwinden, so fühlt auch Luise ihre eigenes Leben in einem ständigen Prozess der Auflösung und der Entstofflichung begriffen, und versucht, durch den Verzicht auf Essen und dieses Weniger-Werden immer mehr zu werden. Sie muss dafür kämpfen, wahrgenommen zu werden; wie die Meerwalnuss auch reist Luise kreuz und quer um die Welt, ohne je irgendwo anzukommen; wie die Meerwalnuss wird sie in ihrem Leben mehr vom Handeln anderer Menschen angetrieben, als selbst ihren Weg zu finden.
Ein eindrucksvoller Roman, der mir sehr gut gefallen hat!
Sprachlich ist das Buch ganz besonders. Die Informationen über die Meerwalnuss fand ich recht interessant. Man befindet sich meistens im Kopf der Protagonistin und da habe ich mich nicht so gut zurechtgefunden. Die Gedanken und Erinnerungen haben oft so schnell gewechselt, dass mir manchmal nicht klar war, ob das gerade Gegenwart oder Vergangenheit ist.
Um den Anschluss an die junge österreichische Literatur nicht ganz zu verpassen, habe ich mir wieder den Text einer jungen Österreicherin ausgesucht. Marie Gamillschegs „Aufruhr der Meerestiere“ ist für mich eine Textmontage, eine Innerlichkeitsliteratur mit durchaus gelungenen Sprachbildern und von sehr großer Sensibilität in der Sprache über eine Protagonistin, die sich selbst nicht wirklich spürt. Vielleich zu viel Sensibilität und zu wenig Dramaturgie? Teile des Textes fand ich sprachlich wunderbar gelungen aber auf die Dauer doch ermüdend. Dieses ständige Drehen um die eigene Befindlichkeiten: (Essstörung, Störung in der Beziehung zum Vater, Störung in der Beziehung zur Mutter, Störung in der Beziehung zum Freund, Störung in der Beziehung zu Männern, Störung in der Beziehung zum wissenschaftlichen Arbeitsbereich, Störung in der Beziehung zu Graz, Störung…) ohne einen Schritt weiterzukommen, macht es zumindest dem männlichen Leser nicht ganz leicht. Interessantes Detail am Rande: Auf die Besprechung des Buches von Reinhard Pohl im Online Standard (4. April 2022) gibt es sage und schreibe 2 (ZWEI) Kommentare. Immerhin ist der Standard ein intellektuelles Leitmedium in diesem Land. Zu jedem Furz eines Rapid-Fußballers gibt es dort jedoch mindesten 200, zu Tesla- und Streamingthemen ebenfalls immer eine zigfache Anzahl von Kommentaren. Sagt das etwas über unser Land aus? Ich fürchte schon. Sollte man dagegen anschreiben? Ich weiß es nicht.
I like stream of conciousness. And when it is done this well, I really enjoy it. The subject of Marie Gamillscheg's second novel might not be that special: an overworked scientist, struggling with a different childhood and a complicated relationship to her parents, overrun by the often conflicting expectations she's exposed to, an eating disorder - in short: the joys of reading Austrian authors. There is not too much happening in terms of events. It's all about the introspection. But Gamillscheg has a sense for good images and scenes that elevate her story. She carefully exagerates memories of certain memories to peel out a central feeling - like father and daughter taking turns in calling each other on the phone for days with the other one never picking up. She is also very good at the art of omission. She often just hint at things and leaves them open to interpretation, but tells enough to not lose he reader. Perhaps she has included a few too many themes in the novel, but in the end, it was a book I enjoyed a lot more than I thought I would. If you like stream of conciousness, you should give it a try.
In „Aufruhr der Meerestiere“, geschrieben von Marie Gammilscheg, nimmt uns die Protagonistin Luise mit in ihre Gedankenwelt und erzählt von ihrem Alltag als gerade zurück in ihre Heimatstadt gezogene Meeresbiologin. Der für die Longlist des deutschen Buchpreises nominierte Roman beschäftigt sich mit der Fremdheit zum eigenen Vater, mit Luises Herkunft und ihrem Körper und zieht immer wieder Parallelen zu ihrem tierischen Forschungsprojekt, der Meerwalnuss. Die Themen haben mich sehr angesprochen und daher war ich umso gespannter auf’s Lesen.
Die Sprache des Romans gleicht einem soghaften Gedankenfluss, an dem ich immer wieder innehielt, um einzelne Sätze auf mich wirken zu lassen. Dieser Schreibstil hat mir tiefe Einblicke in Luises Gedankenwelt, ihre Verbindung zum Vater und ihrer Heimat, ihrem essgestörten Verhalten und wissenschaftlichem Karrieredruck gewahrt. Leider fand ich diese Beschreibung, so völlig aus dem Innen der Protagonistin heraus auf Dauer aber auch anstrengend und etwas mehr Dramaturgie, Handlungen oder Dialoge hätten mehr Frische gebracht. Zusätzlich erschien es mir, als hätte Luises Gedankenschwall teilweise auch zu wenig Inhalt und Tiefgang. So hat es sich für mich mit einigen Themen des Romans verhalten– obwohl ich sehr in die Geschichte eingebunden wurde, hatte ich das Gefühl, inhaltlich hätte an einigen Stellen noch pointierter gearbeitet werden können. Die Beziehung zum Vater und auch die Meerwalnuss fanden zwar ständig Beachtung, wurden aber nicht wirklich intensiv behandelt, die häufigen Beschreibungen des Tierparks hingegen waren mir zu ausführlich.
Die Thematik an sich, das außergewöhnliche Setting und auch der außergewöhnliche Umgang mit Sprache haben mir an sich sehr gut gefallen. Trotzdem wurden meine (zugegeben hohen) Erwartungen an einigen Stellen nicht erfüllt.
*ich bedanke mich für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars über netgalley.de
Luise ist Meeresbiologin und forscht in Kiel über Ctenophora, die Meerwalnuss, eine leuchtende Rippenquallen-Art. Die Qualle wird in Ballastwassertanks von Schiffen eingeschleppt und vermehrt sich als Nutznießerin des Klimawandels explosionsartig, weil sie in ihren neuen Revieren keine natürlichen Feinde hat. Rein wissenschaftlich handelt es sich um eine invasive Art, die den heimischen Fischbestand bedroht und das Ökosystem Meer an den Rand des Kollapses gebracht hat. Luise ist allerdings der Meinung, dass eine Tierart nicht invasiv sein kann, die passiv transportiert wird und nicht aktiv einwandert. Luise sind offensichtlich Sachthemen wichtiger als Menschen. Die Qualle ist ihr Lebensinhalt; ihren wissenschaftlichen Ruf hat sie sich unter persönlichen Entbehrungen erarbeitet. Aktuell scheint die Wissenschaftlerin mit ihrem Thema nicht weiterzukommen. Die Leuchtqualle entzieht sich ihrer Erforschung, so dass u. a. noch unbekannt ist, wie sie sich vermehrt. Luise hält zwar Präsentation über Präsentation, aber bisher ist nichts gegen die Invasoren unternommen worden. Vom Institutsleiter wird Luise ermahnt, bei ihrem anstehenden Besuch im Grazer Tierpark „das Ganze“ im Auge zu behalten und sich nicht nur für ihr eigenes Forschungsthema zu interessieren. Selbst an eine schwierige Person wie Luise gerichtet, wirkt diese Kritik kränkend; männliche Kollegen würden in vergleichbarer Situation als zielstrebig anerkannt. In Graz ist Luise aufgewachsen. Ihre Bewunderung für den charismatischen Tierpark-Direktor Schilling hat sicher ihre Berufswahl beeinflusst. Bis heute lebt ihr Vater in der Stadt, mit der sie traumatische Erinnerungen verbindet. Die Begegnung mit ihm verrät, dass hinter Luises Schroffheit und ihrem Einzelgängertum mehr stecken muss, als ich mir zunächst vorstellen konnte. So wie der Sand an einem Meeressaum mit jeder Welle andere Farbtöne zeigt, wechseln sich im Rückblick Facetten aus Luises Vergangenheit ab. Ihre Distanz zum Vater, das vom dominanten Großvater vorgegebene Frauenbild und ihre Essstörung als Jugendliche lassen Luises berufliche Krise in anderem Licht erscheinen. Stets mit hohen Ansprüchen an sich und andere, steht sie nun in Graz kurz vor dem Zusammenbruch.
Marie Gamillscheg verknüpft die Figur einer schwierigen, unnahbaren Wissenschaftlerin mit ihrem Forschungsgegenstand, dem Zustand unserer Meere durch den Klimawandel. Die Schlangengrube Forschung wirkt wie ein Katalysator für Luises persönliche Krise. Der sprachlich herausragende Roman steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022. Verdient, finde ich.
Nochmal zurückdenkend stufe ich das Buch von 3 auf 2 Sterne runter... Die ersten Seiten, das Thema und die Erzählweise wirkten vielversprechend, aber dann hat sich alles in einem Stream of Consciousness verloren, der mich wirklich nicht interessiert hat. Ich glaube, ich wollte eigentlich ein völlig anderes Buch lesen, und war deswegen so enttäuscht.
Die Meeresbiologin Luise ist Wissenschaftlerin durch und durch. Das nimmt den Raum in ihrem Leben ein und lässt wenig anderes übrig. Das wichtigste überhaupt ist ihr das Forschungsobjekt, die Meerwalnuss, eine Qualle. Der Roman ist anfangs so gemacht, dass man tief in Luises Welt eintaucht. Dann ergibt sich für sie die Chance, in Graz mit einem Tierpark zu kooperieren. In Graz ist Luise aufgewachsen Dann kommen die Passagen in Graz, die ihr Verhältnis zum Vater zeigen, das auch nicht ganz einfach ist. Als Jugendliche hatte sie Essstörungen. Im Verlaufe des Romans erfährt man durch Luises Erinnerungen schließlich mehr über sie, ihre Sensibilität und Labilität und ihren Problemen und warum sie die Welt der Wissenschaft wählte. Doch das nur in Ansätzen, viel bleibt auch rätselhaft und das ist von der Autorin Marie Gamillscheg bewusst so gewählt.
Es gibt einige gute Beobachtungen. Ich mochte z.B. Luises Ankunft in Graz oder die Passagen im Tierpark. Die sprachlichen Qualitäten der Autorin sind bemerkenswert.
Das Buch ist von den Metaphern durchdrungen, sprachlich gediegen gemacht.
Was vielversprechend anfing, wurde leider ab der Mitte zu langatmig und glatt. Es war glatt, weil der Geschichte die Tiefe gefehlt hat, die Geschichte blieb auf einer Ebene ohne wirkliche Tiefen oder Höhen. Manche Szenen fand ich wunderschön erzählt, vor allem, wenn es um die Faszination des Meerwalnusses ging. Oder auch wie die Protagonistin anfangs immer wieder an sich selbst zu ertrinken droht oder überfordert ist. Aber es bleibt einfach nicht greifbar und war für mich zu oberflächlich. Es war als ob die Protagonistin auf der Stelle tritt und mit ihr leider auch die Leser. Die 3 Sterne gibt es für die schöne Erzählsprache der Autorin und die Idee an sich. Ich habe das Gefühl, man hätte mehr aus dem Thema und der Geschichte rausholen können, was sehr schade ist.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Hatte mich auf einen Roman gefreut, der wissenschaftlichen Themen mit einer persönlichen Geschichte verwebt. Der wissenschaftliche Aspekt ist leider sehr dünn und wenig ausgeprägt und die persönliche Geschichte hat mich nicht erreicht, da sie klischeehaft eine Eltern-Kind Beziehung beschreibt bei der sich niemand etwas zu sagen hat, aber auf Grund von familiärem Zwang im Kontakt bleibt. Der Schreibstil ist bewusst schwerfällig und dramatisch ohne eine Aussage zu haben. Sätze, die aus dem Kontext gerissen wirken, aber eine tiefgründige Aussage haben sollen, lässt ganze Seiten wie zusammenhangslos aus einer anderen Geschichte im Buch erscheinen. Vielleicht hab ich es nicht verstanden, aber ich hätte lieber etwas anderes gelesen.
Dieser Roman, von dem ich mir viel versprach, hat mich überhaupt nicht abgeholt. Mühsam habe ich 2/3 durchgeackert, um das letzte Drittel nur noch quer zu überfliegen, auf der Suche nach etwas - für mich - Entscheidendem. Ich wurde nicht fündig. Der Schreibstil hat mich einfach nicht angesprochen, sowas passiert auch Viel-Leserinnen wie mir manchmal. Am interessantesten fand ich die Absätze, in denen es um die Quallen ging.
some aspects of a life as a young academic and scientist are well captured. Eine unaufgeregte Geschichte. Wahrscheinlich Gefühl mir das Buch auch wegen der Sprache - ich lese dieser tage selten deutsche Bücher
Incelemesini okudugumda 0ldukca ilgi cekiciydi fakat okudukca ön incelemelerin ne kadar yanlis yönlendirici olabilecegini gördüm 2/5 bir tik zaman kaybi oldu
Mit „Die Verwirrungen des Zögling Torleß“ debütierte einst Robert Musil. In ihm ging es um die Abgründe beim Aufwachsen innerhalb eines Internats, um die Probleme, die Welt intellektuell und emotional zu verarbeiten. Mit anderen Worten, es wurde die Entwicklung eines mehr oder weniger anschlussfähigen Narratives nachvollzogen, mittels dessen sich der Jugendliche zu orientieren und der Erwachsenenwelt zu stellen versuchte. Marie Gamillscheg unternimmt in „Aufruhr der Meerestiere“ Ähnliches, nur etwa ein Jahrzehnt um die Studienjahre an der Universität verzögert und mit Luise, einer Nachwuchswissenschaftlerin, als Protagonistin:
„Luise musste raus aus dieser Wohnung. In Eile legte sie sich Schicht um Schicht auf, dunkle Schminke, helle Schminke, Puder, übermalte das Kind, zog sich die Erwachsene mit einer leichten khakifarbenen Jacke an, fast Blazer, aber eben doch nicht, gerade noch Jacke, gerade noch schick genug, gerade noch so, dass es aussah, als würde man sich keine Gedanken machen. Sie strich ihre Augenbrauen gegen den Strich und wieder zurück, sie fasste sich an die Wangenknochen. Würdest du für ein schöneres Gesicht töten? Die Landschaft sagte: Natürlich.“
Luise forscht an der Meerwalnuss, einer Qualle, deren lateinische Bezeichnung „Mnemiopsis leidyi“ lautet und an die Worte „Mnemosyne“ und „Leid“ gleichermaßen erinnert. In der Tat handelt es sich bei Gamillschegs Roman um eine Spurensuche in der Vergangenheit. Die Protagonistin versucht mittels Introspektion eine Standortbestimmung durchzuführen, zwischen Graz und Kiel, zwischen Wissenschaft und Privatleben, zwischen der Erwachsenenwelt und ihren Kindheitserinnerungen. Motiviert wird die Introspektion durch das Leid an ihren Essstörungen, an ihren Beziehungsproblemen, an den im Dunklen liegenden, verstörenden Kindheitserlebnissen mit dem Vater und der Untreue der Mutter, die in der Scheidung der Eltern gipfelten.
„[Luise] hörte, wie die Mutter sich von der Musik wegbewegte, wie sie eine Tür öffnete und schloss, dann sagte sie: Ich glaube, die Männer sind mit mir zusammen, weil sie vor dem Tod weglaufen. Und du bist mit ihnen zusammen, weil du nicht alleine sein willst? Ich bin mit ihnen zusammen, damit ich mehr über den Tod weiß als alle anderen. Luise legte auf. Dieser Abend im Wohnzimmer, als sie von der Trennung der Eltern erfuhr. Vor ihr der Fernseher, in dem jeden Samstagvormittag Schilling die Welt erklärte, jetzt war der Bildschirm schwarz.“
In lakonischer Weise werden die Tage einer Dienstreise nach Graz erzählt. Luise pendelt zwischen der Wohnung des Vaters und dem Grazer Zoo hin und her, hält Vorträge, erinnert sich, besucht die Mutter und sorgt sich um den Vater, der bei Luises Bruder nach einem Herzinfarkt gepflegt wird. Vermittelt wird der Plot durch Beschreibungen und Spekulationen rundum die Meerwalnuss:
„[Luise] erzählte [Juri] von der Meerwalnuss, diesmal nicht, um ihn zu beeindrucken, sondern um ihm zu beweisen, dass es ihr wirklich nicht um Titel und Einladungen ging, sondern dass es für die Welt wichtig war, von diesen Tieren zu erfahren und zu lernen, wie sie sich so massiv ausbreiten und selbst im schlimmsten Gewässer überleben konnten. Juri schwieg dazu. Verstehst du denn nicht, sagte Luise. Da ist ein Aufruhr in den Ozeanen, von dem niemand wissen will.“
Zwischen Anorexie, angedeutetem Kindesmissbrauch, zwischen Klimawandel und Naturkatastrophen und den Problemen einer jungen Wissenschaftlerin, innerhalb der akademischen Forschung ernstgenommen zu werden, pendelt der Roman stilistisch konsequent unentschieden herum. Die Welt liegt zersplittert vor der Protagonistin und lässt sich so einfach nicht mehr zusammenfügen. Das Narrativ existiert schlichtweg nicht. Die Ordnung der Dinge rückt in weite Ferne.
Auf seine Weise bildet der Roman die Zusammenhangs- und Haltlosigkeit von Luises Welt formal wie inhaltlich sehr überzeugend ab. Er erinnert deshalb an Sylvia Plaths „Die Glasglocke“, nur ohne die intensiven Bilder, und auch Musils „Törleß“, nur ohne die philosophischen Einlagen und psychologischen Reflexionen, oder an Judith Hermanns „Sommerhaus, später“, nur ohne Nostalgie und sich selbst genügsamer lyrischer Sentimentalität. Der Roman bleibt in seinen Abgründen stecken, und das ist wahrscheinlich auch so gewollt.