Sind schwule Jungs eigentlich richtige Jungs? Und wie sagt man seinem Umfeld, dass man nicht auf Mädchen steht? Als 15-Jähriger hat sich Tommy Toalingling diese Fragen auch gestellt. Heute gibt er auf seinem YouTube-Kanal mehr als 100 000 Follower*innen auf humorvolle Weise Tipps zum Thema Homosexualität. Tommy ist überzeugt, dass ein Coming-out früher oder später keine Rolle mehr spielt, vielmehr geht es um ein Ankommen bei sich selbst.
Mit seiner eigenen Outing-Geschichte möchte er die jungen Leser*innen seines Buches ermutigen, zu sich zu stehen.
»Auch wenn ich gestehe, dass ich mit 14 Jahren nicht all zu viele Bücher las, so hätte ich mir dieses gewünscht – Tommy ist der Outing-Coach, der mir damals fehlte.« Fabian Grischkat
Als mir das Hörbuch auf BookBeat angezeigt wurde, dachte ich mir, dass ich mir das relativ kurze Buch einfach mal anhöre. Hauptgrund dafür war, dass ich Tommy bisher nur aus der eBay-Kleinanzeigen-WG kannte und da sympathisch fand.
Das Buch ist an sich eine Sammlung an Tommys Erfahrungen bei seinem Coming Out und Leben als schwuler Mann. Ich möchte dies auch nicht schlecht reden und bin mir sicher, dass es bestimmt den ein oder anderen Jungen oder Mann gibt, dem es helfen könnte, von den Erfahrungen zu hören.
Dennoch hat mich das Buch nicht wirklich überzeugt. Grund dafür ist unter anderem die Aussage gleich zu Beginn des Buches, dass die Geschehnisse angepasst wurden, um sich als Buch besser zu machen. Aus meiner Sicht war nicht erkennbar, wie stark die Anpassungen vorgenommen wurden und wie viel letztendlich wirklich so ähnlich geschehen ist. Ich denke, dass das Buch vermutlich informativer und hilfreicher gewesen wäre, wenn es einen Fokus auf einen bestimmten Aspekt (beispielsweise die Homophobie auf der Arbeit) gegeben hätte und hierzu neben eigenen Erfahrungen gegebenenfalls Ansprechstellen und die Rechtslage thematisiert worden wären. So klingt das Buch nach einer (möglicherweise zu großen Teilen erfundenen?) Autobiographie in Hinblick auf seine sexuelle Orientierung, wie es sie schon sehr oft zu lesen gibt. Einige Stellen waren mir auch einfach zu kurz oder zu lang erzählt. Möglicherweise liegt das an der persönlichen Wertung des Autors, wie wichtig die Situationen für ihn waren, aber als Leserin/Hörerin konnte ich das nicht ganz nachvollziehen.
Ein schönes, kurzweiliges (Hör-)Buch mit einer unterhaltsamen Darstellung von Aspekten im Leben des Autors, die mit seiner sexuellen und romantischen Identität zusammenhängen. Es gibt keine gesellschaftswissenschaftlichen Ausarbeitungen, geschichtliche Exkurse oder Erklärungsansätze. Gerade das hat mir sehr gefallen - das Buch zeigt einfach einen Teil einer “normalen” schwulen Lebensgeschichte. Teilweise hätte ich mir etwas ausführlichere Passagen gewünscht, aber insgesamt ist es eine angenehme kurze Geschichte, die der Autor selbst in der Hörbuchfassung wunderbar vorliest.