Der Krieg steht bevor. Düstere Zeiten brechen an. Zwei Buchhändlerinnen setzen für ihre Überzeugungen alles aufs Spiel.
München, 1913. Für die rebellische Elly wird ein Traum wahr, als sie in der Buchhandlung in der Amalienstraße ihre Ausbildung beginnen darf. Zusammen mit ihrer wissbegierigen Freundin Henni liest sie jedes Buch, das ihr in die Finger kommt. Gegen alle Widerstände gründen Elly und Henni einen Salon für Schriftstellerinne. Die harsche Zensur des Kaiserreichs lässt nichts unversucht, um den modernen Frauen Steine in den Weg zu legen. Zu allem Überdruss bricht der erste Weltkrieg über die jungen Buchhändlerinnen hinein. Als Ellys Freund Leo an die Front gerufen wird, können sie sich nicht mehr in ihre Bücher flüchten …
Heidi Rehn wurde 1966 in Koblenz/ Rhein geboren und wuchs in einer Kleinstadt am Mittelrhein auf. Zum Studium der Germanistik, Geschichte, BWL und Kommunikationswissenschaften kam sie nach München. Nach dem Magisterexamen war sie zunächst als Dozentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig, anschließend war sie PR-Beraterin in einer Agentur. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie mitten in München. 2014 erhielt sie den "Goldenen Homer" für den besten historischen Beziehungs- und Gesellschaftsroman.
Die Geschichte beginnt in München im Jahr 1913. Elly beginnt ihre Ausbildung zur Buchhändlerin. Sie und ihre Freundin Henni sind echte Leseratten. Die Buchhandlung bekommt noch einen neuen Mitarbeiter: Leo. Zusammen mit Hennis Bruder sind die vier bald unzertrennlich, doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus... ❤️ Ich mag Historische Romane. Dieser hat mir auch sehr gut gefallen, auch wenn er hin und wieder ein klein wenig langatmig war. Es passiert nicht wirklich viel für die Anzahl an Seiten, aber dafür wird viel geredet und diskutiert. Der Alltag in der Buchhandlung und alles um den Beruf der Buchhändlerin um 1913 herum ist ein großes Thema. Auch die Frauenrechte werden immer wieder diskutiert. Man merkt, dass die Autorin sich viel Zeit für die Recherche genommen hat. Wer sich für diese Themen interessiert, kann in diesem Buch auf sehr angenehme Weise viel darüber erfahren.
Und wieder bin ich nicht objektiv einem Buch gegenüber.....Als gelernt Buchhändlerin habe diesen historischen Roman einfach zu gerne gelesen....trotz einiger Schwächen im Handlungsverlauf...!
Elly und ihre beste Freundin Henni leben in den 1910er Jahren in München ein Leben, dass nicht unterschiedlicher sein könnte. Elly ist als begüterte Tochter einer grossbürgerlichen Familie aufgewachsen...Henni kommt aus wirtschaftlich präkeren Verhältnissen. Die beiden beschließen, in der Buchhandlung Lämmle an der Amalienstraße eine Ausbildung zu beginnen, was für Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts außergewöhnlich ist.
Insgesamt habe ich diesen historischen Frauen Roman gerne gelesen....obwohl er sich teilweise in buchhändlerischen Details und kleinteiligen Beschreibungen damalig aktueller Literatur verliert.
Lesenswert für Buchhändler/innen und historisch Interessierte....
Ein Buch, das einen ins München der Zeit vor und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg entführt. Obwohl es sich hier um einen Roman und somit um eine fiktive Geschichte handelt, bekommt man einen guten Eindruck von der Stimmung und den Themen dieser politisch sehr aufregenden und aufgeregten Zeit. Politische Umstürze, die Rolle der Frau in der Gesellschaft und das literarische Leben mit Figuren wie Heinrich und Thomas Mann, Ricarda Huch oder Annette Kolb machen den Roman zu einem großartigen Leseerlebnis, das keine Längen hat.
Da ich schon einige Bücher von Heidi Rehn gelesen habe, die mir gut gefielen, habe ich dieses Buch aus dem offenen Bücherschrank mitgenommen.
Die Geschichte spielt in München in den Jahren 1910 - 1919 und erzählt vom Leben der zwei Hauptfiguren, den jungen Frauen Henni und Elly. Während Henni eins von sechs Kindern ist, ist Elly Einzelkind und Tochter einer verwitweten Adeligen, die sich kaum um ihre Tochter kümmert. Elly kann machen, was sie will und so ergreift sie die Chance, eine Ausbilung als Buchhandelsgehilfin in der Buchhandlung in der Amalienstraße zu absolvieren.
Hennis Vater jedoch sieht in seiner Tochter eher das Mädchen, das ohnehin heiraten wird und daher keine Ausbildung braucht, jedoch durch ihre Arbeit zum Haushaltseinkommen beitragen muss, und so ist sie glücklich, als sie als ungelernte Kraft ebenfalls in der Buchhandlung arbeiten darf.
Wir erfahren eine Menge über das Leben in den 1910er Jahren, vor allem über die Frauenbewegung. Die Buchhandlung, in der die beiden Frauen arbeiten, legt sehr viel Wert auf die Bekanntmachung der einheimischen Literatur und vor allem der weiblichen Autorinnen. So finden Lesungen statt und Begegnungen mit bekannten und unbekannten Schriftstellern. Die Brüder Thomas und Heinrich Mann werden regelmäßig erwähnt, aber auch Carry Brachvogel und Lena Christ sind Zeitgenossinnen, die eine große Rolle spielen.
Zusammen mit Hennis Bruder Zacherl und Leo, dem Gehilfen in der Buchhandlung, sind die beiden Mädels ein Vierergespann, dass die Gegend um die Amalienstraße unsicher macht. Sie gehen zu politischen Veranstaltungen, sehen u.a. Rosa Luxemburg, und wir erfahren einiges über die politischen Gegebenheiten in München der 1910er-Jahre. Bis dann der Krieg ausbricht...
Ich fand den Roman spannend, denn die damalige Zeit wurde interessant geschildert. Die Tätigkeiten im Buchhandel wurden detailliert beschrieben, auch der Kampf ums Überleben, als im Krieg kaum noch jemand Bücher kaufen konnte. Die Literaturszene war ein ebenso vielseitiges Thema, z.B. was Frauen- und Männerromane ausmachte. Das Leben der Daheimgebliebenen im 1. Weltkrieg spielte sich vor meinen Augen ab.
Ein paar Längen hat der Roman leider, doch alles im allem war er lesenswert.
Ich schätze es, dass die historischen Fakten unglaublich akribisch recherchiert sind, man bekommt auch große Lust sich eine Leseliste mit Büchern aus dieser Zeit anzulegen. Aber leider ist der Plot extrem langatmig und die Charaktere bleiben fürchterlich flach. Der Buchhändleralltag nimmt in der Erzählung enorm viel Raum ein, was am Anfang recht interessant ist, sich aber nach einigen Seiten nur noch wie ein Praktikumsbericht aus den 1910er Jahren liest und genauso unspannend ist. Nach 200 Seite ist man handlungstechnisch genauso weit wie am Anfang und man fragt sich, wozu man sich diesen Roman eigentlich antut. Auch die ständigen Phrasen- und Dialogwiederholungen nerven nach einiger Zeit: JA, ich hab es begriffen, trotz ihrer über vierzig Jahre, sieht die Frau toll aus... und NEIN, sie möchte diesen Hauenstein nicht daten! Aber wie gesagt, historisch wahnsinnig gut recherchiert... aber wenn halt der Plot einen ins Koma schickt, nützt das nicht so viel. Eine Begriffserklärung am Ende des Buches wäre mit Sicherheit auch nicht verkehrt gewesen, ich weiss nicht ob Nicht-Buchhändler mit den vielen Fachbegriffen etwas anzufangen wissen.
Warum auf dem Buchcover zwei Frauen in der Mode der 30er Jahre abgebildet sind, weiss auch kein Mensch.
Elly und Henni sind die besten Freundinnen, die einen gemeinsamen Traum haben: in einer Buchhandlung zu arbeiten. Dieser Traum erfüllt sich für beide, doch ist Henni als Arbeitertochter in der Buchhaltung gelandet, während Elly als Tochter einer reichen Witwe eine Ausbildung als Buchhänderin machen durfte. Doch beide sind zufrieden. Bis ein neuer Gehilfe in der Buchhandlung auftaucht. Leo. Verschlossen, aber nett. Zielstrebig, aber hilfsbereit. Zwischen Elly, Henni, Leo und Hennis Bruder Zacherl entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Diese wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Denn Leo und Zacherl melden sich freiwillig zum Kriegsdienst. Elly und Henni müssen nun in München Dinge übernehmen, die eigentlich für Männer vorgesehen wäre. Eigentlich kein Thema, sind beide doch sehr aktiv, wenn es um Frauenrechte geht. Aber trotzdem stoßen beide bald an ihre Grenzen. Vor allem, da Elly sich über ihre Gefühle zu Leo bewusst werden muss. Und Henni über ihre Gefühle für jemanden, der für sie unerreichbar ist.
Die Autorin stellt uns zu Anfang die beiden Wildfänge Elly und Henni vor. Unzähmbar und willensstark kämpfen sie für ihre Rechte und ihre Träume. Buchhändlerinnen möchten sie werden. Ein Beruf, von dem ihnen jedoch viele sagen, dass es nichts für sie wäre. Doch beide setzen sich durch. Während Elly ihren Traum als Buchhändlerin verwirklichen kann, kann Henni "nur" eine Ausbildung zur Buchhalterin machen. Beide werden jedoch im der Buchhandlung Lämmle angestellt und können dort ihrem besonderen Hobbie, den Büchern, frönen.
Ich konnte mich sehr gut in die beiden Mädchen hineinversetzen, die mit einer Leidenschaft für Bücher brennen. Sie verschlingen diese regelrecht, diskutieren, fabulieren und preisen die Werke vor allem von Schriftstellerinnen jedem an, der ihnen zuhört. Als kurz darauf noch der Gehilfe Leo in ihr Leben tritt, der ebenfalls mit Leidenschaft dabei ist, glauben sie ihr Glück perfekt. Der vierte im Bunde ist Zacherl, ein Bruder Hennis. Das Kleeblatt steckt pausenlos zusammen und lässt es - im wahrsten Sinne des Wortes - brennen. Sie gehen aus, tanzen, trinken, genießen ihr Leben.
Bis der Schatten des Krieges unaufhörlich auch bis nach München dringt. Als Leo und Zacherl sich freiwillig melden, an die Front zu gehen, geht es bergab. Für alle.
Die Autorin erzählt das Kriegsgeschehen fast schon sehr nüchtern. Es werden viele Fakten wiedergeben. Der Krieg ist zwar ein Thema, aber der Autorin geht es mehr um das Drumherum. Die politische Lage in München. Der Widerstand. Die Versuche, Anti-Kriegs-Propaganda zu verteilen. Doch damals war es eben so, wer sich gegen den Krieg aussprach, wurde gejagt. Es war gefährlich, eine andere Meinung zu haben. Und so passten sich viele an. Wenige haben sich gewehrt und ihre Meinung - zwar anonym und vor allem auf geheime Wege - kundgetan.
Elly und Henni sind ebenfalls gegen den Krieg und wollen versuchen, dem Widerstand zu helfen, was natürlich zu sehr gefährlichen Situationen führt.
Aber auch das Thema Beziehung kommt nicht zu kurz. Während Elly sich auch noch mit von Hauenstein herumärgern muss, der ihrer Mutter versprochen hat, sich um Elly zu kümmern, ist es vor allem Leo, der Elly im Kopf herumgeistert. Und Henni ist ebenfalls verliebt. Doch kann sie ihre Liebe nicht gestehen, da sie weiß, dass diese nicht so erwidert wird, wie Henni es gerne hätte.
Wir erleben das Schicksal von vier jungen Menschen in München zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Doch nicht nur der Krieg macht zu schaffen, auch die Liebe, die Freundschaft, die Treue und die Wahrheit. So entsteht eine bunte Mischung aus verschiedenen Handlungssträngen, die am Ende natürlich alle ihre Aufklärung bekommen.
Jedoch muss ich nochmals auf den sehr sachlichen Stil eingehen, der mir teilweise etwas das Lesevergnügen geraubt hat. So hatte ich teilweise Mühe, etwas tiefer in die Geschichte einzutauchen und mir fehlten bei den Charakteren dann viele Details. Vor allem Elly wirkte bei mir oft sehr gefühlskalt, so als würde sie einfach alles so hinnehmen, was passiert und auch nicht hinterfragen. Es gibt eine Szene im Buch, in der man merkt, dass Elly mit allem nicht klarkommt, ansonsten behauptet sie sich gegen alles und jeden und zieht ihr Ding durch, ohne groß mit Gefühlen zu hantieren.
Henni dagegen ist da schon anders. Sie frisst zwar auch einiges in sich hinein, kommt dann aber auch mal aus sich heraus. Ihre Entwicklung im Buch fand ich besser dargestellt, als Ellys.
Aber die Buchhandlung, die als Hauptort des Buches dient, würde ich sehr gerne mal besuchen. Sie strahlt Wärme aus, Geborgenheit und scheint für viele ein Zuhause zu sein.
Eine wunderbare Freundschaft vor den Wirren des 1. Weltkriegs
Worum geht’s? Um 1918 machen die Freundinnen Elly und Henni ihren Traum wahr und beginnen ihre Arbeit in der Buchhandlung in der Amalienstraße. Vor den Wirren des 1. Weltkriegs, dem Sturz der königlichen Herrscher und den Anspannungen der Räterepublik tun sie alles, um die Buchhandlung am Leben zu halten.
Meine Meinung: Mit „Die Buchhandlung in der Amalienstraße“ (Ullstein Buchverlage, April 2022) gelingt Heidi Rehn ein weiterer Roman, der absolut faszinierend und bezaubernd ist. Ihr bildhafter Schreibstil ist unheimlich bewundernswert! Dann die Verbindung zwischen Historie und Fiktion – vor allem die vielen auch nebensächlichen historischen Details, die sie immer in ihre Geschichten einpflegt; ihr gelingt es immer wieder, Dinge aufzuspüren, die so interessant sind und von denen ich noch nie gehört habe!
In diesem Teil erleben wir nicht nur den Beginn und den Verlauf des 1. Weltkriegs mit, wir sehen vor allem, wie es den kleinen Geschäften in dieser Zeit ergeht und den Frauen, die daheimgeblieben sind. Erleben mit, wie die Frauen, die immer kleingehalten und unterschätzt wurden, plötzlich ihren „Mann“ stehen und mindestens genauso gut die Aufgaben erledigen, die sonst den Männern vorbehalten waren. So erleben wir den Beginn der Gleichberechtigung mit, das erste Mal, dass Frauen wählen dürfen. Aber auch die Zensur, denen viele Bücher und ihre Autoren unterliegen. Dann der Kampf der Roten gegen die Weiße und die Räterepublik - so viel Geschichte so mitreißend erzählt findet man nicht oft. Und das alles dürfen wir Seite an Seite mit Elly und Henni erleben, die in diesen Zeiten erwachsen werden. Die das Glück haben, selbstbewusste Frauen zu sein und in ein neues Zeitalter hineinwachsen zu dürfen.
Neben den beiden ist mir auch das ganze Team der Buchhandlung ans Herz gewachsen. Zu gerne hätte ich noch mehr persönliche Geschichten auch von Theres und Ruth gehört, zwei Frauen, die sicher ein interessantes Leben in einer für sie schwierigen Zeit geführt haben. Dann die Diskussionsrunden in den Cafés und Bars – wie wundervoll, mit solchen Menschen aufwachsen zu dürfen. Die rauchigen Kneipen, angeheizten Diskussionen, ausgelassenen Feiern, der Kampf, der Aufstand – dies alles hat die Autorin wieder so real und lebendig auf Papier gebracht, dass ich das Buch Seite um Seite verschlungen habe! Heide Rehn ist für mich eine der besten Autorinnen im Bereich historische Romane und ich bekomme nicht genug von ihren Büchern!
Fazit: Mit „Die Buchhandlung in der Amalienstraße“ hat Heidi Rehn wieder auf ihre faszinierende Weise ein Stück Geschichte auf Papier gebannt, das, gespickt mit ein bisschen Fiktion, lebendig, ergreifend und einfach nur herrlich zu lesen ist. Mit Elly und Henni und dem ganzen Team der Buchhandlung dürfen wir erleben, wie die Frauen erstarken, wie es zum 1. Weltkrieg kommt, zur Räterepublik, zum Sturz des Kaisers und Königs. Heide Rehn erzählt von der Zensur der Bücher aber auch vom neuen Selbstbewusstsein der Frau. Und wir dürfen mit Elly, Henni, Leo und Zacherl das Leben der Studenten und Künstler in den Kneipen erleben, bei Zigarettenrauch, Bier und hitzigen Diskussionsrunden.
5 Sterne für dieses lebendige Stück Geschichte, ich freue mich schon auf Heidi Rehns weiteren Romane!
„Die Zeiten ändern sich gerade grundlegend, und wir beide stecken mittendrin. Im letzten Herbst wurde hier in München der Schriftstellerinnen-Verein gegründet, jetzt waren wir auf einer Versammlung mit Rosa Luxemburg, was erwartet uns wohl als Nächstes?“ (Zitat Pos. 1853)
Inhalt 1910 ist Elly (Eleonore) Grafenstetter sechzehn Jahre alt, doch sie weiß genau, was sie will: sie will Buchhändlerin werden, nicht von einem Ehemann versorgt werden, sondern auf eigenen Beinen stehen. 1913 tritt Elly in der Buchhandlung von Theres und Ruth Lämmle in Münchner Amalienstraße ihre Lehrstelle an und auch ihre beste Freundin Henni wird dort als Ladenhilfe eingestellt. Diese Buchhandlung bietet als Schwerpunkt Münchner Literatur an, vor allem aber auch Literatur von Frauen für Frauen, und so kommen Elly und Henni bald mit der modernen Frauenbewegung in Kontakt. Doch dann beginnt der Krieg, ihre Freunde Leo und Zacherl melden sich freiwillig, und wer soll noch Bücher kaufen, wenn das Geld nicht für das nötigste Essen reicht? Es gibt kaum Papier und Zensur und Spitzel kontrollieren genau, ob verbotene Bücher angeboten werden, besonders in einer von Frauen geführten Buchhandlung. Doch Aufgeben kommt für die Buchhändlerinnen nicht in Frage.
Thema und Genre In diesem historischen Roman geht es um München während der ersten zwanzig Jahre des 20. Jahrhunderts, Freundschaft, den Wandel des Frauenbildes in der Gesellschaft, die Kriegsjahre, um Literatur und eine Buchhandlung.
Charaktere Dieser Roman vereint fiktive und reale Personen. Die fiktiven Hauptfiguren sind Elly und Henni. Elly will Buchhändlerin werden und setzt dies auch zielstrebig um. Gegenüber ihrer Freundin Henni ist sie etwas besitzergreifend, egoistisch. Henni träumt davon, eines Tages einen eigenen Roman zu schreiben. Da sie aus einfachen Verhältnissen stammt, hat sie es schwieriger als Elly, geht aber selbstbewusst ihren Weg. Im Zusammenhang mit den tatsächlichen Ereignissen in diesen Jahren sind auch die entsprechenden Personen aus Politik, Kultur und Gesellschaft real, sowie die erwähnten Schriftsteller und Schriftstellerinnen und ihre Werke.
Handlung und Schreibstil Die Handlung spielt zwischen Mitte März 1910 und Mitte Juni 1919 und wird chronologisch erzählt, wobei die einzelnen Kapitel mit dem jeweiligen Datum versehen sind. Ort des Geschehens ist die Münchner Marxervorstadt und die Buchhandlung in der dortigen Amalienstraße. Die Ereignisse schildern die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die Kriegsjahre und die politischen Aufstände nach Kriegsende. Gleichzeitig geht es um die Anfänge der Frauenbewegung und das Schicksal von vier eng befreundeten Menschen, Elly, Henni, deren zwei Jahre älteren Bruder Zacherl, und Leo, ebenfalls Buchhändler. Die Sprache ist leicht zu lesen, was dem Genre Unterhaltungsliteratur entspricht. Die realen Konflikte und Probleme dieser schwierigen Jahre werden im Rahmen der Handlung erwähnt, ohne allerdings in die Tiefe zu gehen. Bücher und die Buchhandlung stehen weniger im Mittelpunkt, als ich es auf Grund des Titels erwartet hatte.
Fazit Ein Unterhaltungsroman mit geschichtlichem Hintergrund, der in einer Münchner Buchhandlung in der Zeit des Ersten Weltkrieges spielt.
Du hast Lust auf einen klassischen, historischen Roman mit Buchelementen und Liebesgeschichte? Dann wird dir der neue Roman von Heidi Rehn gefallen.
I N H A L T: München, 1913: Elly und Henni sind beste Freundinnen. Gemeinsam setzten sie sich für ihre Überzeugungen ein - allen Widerständen zum Trotz. Die rebellische und aus gutem Hause stammende Elly absolviert die Ausbildung zur Buchhandelsgehilfin. Als ihr Freund Leo in den Krieg zieht und es schwieriger wird den Schriftstellerinnen-Salon weiterzuführen, müssen Henni und Elly mutige Schritte wagen.
M E I N U N G: Rehns neuer Roman ist eine Hommage an alle Buchhandlungen und ihren Kund:innen und Mitarbeiter:innen. Die Buchhandlung in der Amalienstraße ist so lebendig beschrieben, dass man selbst das Gefühl bekommt, mitten im Laden zwischen Theke und Buchauslage zu stehen. Historische Buchtipps gibt es inklusive! Ganz nebenbei empfiehlt Elly ihren Kunden verschiedene literarische Werke aus jener Zeit - teils aktuell, literarisch oder auch seicht. Diese Buchempfehlungen führt die Autorin im Glossar nochmals auf, was ich wirklich sehr gelungen finde. Die Buchhandlung Lämmlein ist ein Traditionsladen in München. Dort ist jede:r willkommen, der/die sich für Literatur interessiert. Das Flair Münchens und vor allem der literarisch-künstlerische Viertel schwappt über. Die Autorin fängt die Stimmung vor, während und nach des 1. WK gekonnt ein. Die beiden Hauptcharaktere stammen aus zwei konträren Lebenswelten. Ellys Mutter Dita ist modern, unkonventionell und eine wahre Boheme. Elly hat viele Freiheiten und erhält Ditas volle Unterstützung. Henni stammt aus einer sehr traditionell-bürgerlichen Beamtenfamilie, die sie stark eingrenzt. Leo und Zacherl ergänzen die Freundschaft der beiden Mädchen - von da an sind sie ein vierblättriges Kleeblatt. Musik, Alkohol und das politische Geschehen spielen eine Rolle. Rein lässt beiläufig historische Ereignisse in die Handlung einfließen. Gewaltszenen sind mir teils zu unreflektiert.
📖 Von Liebe, Freundschaft und der Rolle der Frau zur Zeit des 1. WK erzählt Rehn in ihrem aktuellen Roman. Lebendig, historisch und spannend.
München, kurz vor dem ersten Weltkrieg. Elly hat sich ihren Traum erfüllt und hat ihre Lehre zur Buchhandelsgehilfin beendet. Ihre Freundin Henny arbeitet mit ihr gemeinsam in der Buchhandlung in der Amalienstraße in der Maxvorstadt als Bürogehilfin. Neu in der Buchhandlung ist Leo, der sich über seine Vergangenheit dauerhaft ausschweigt. Gemeinsam mit Hennis Bruder Zacherl beginnen sie München unsicher zu machen und auch politische Veranstaltungen zu besuchen. Als dann der erste Weltkrieg ausbricht, wird ihr heiteres Leben jäh unterbrochen. Leo und Zacherl müssen an die Front und Henni und Elly irgendwie über die Runden kommen.
Heidi Rehn schildert eine interessante Zeit in München. Die Buchhandlung wird von zwei Cousinen geführt, die sich auch gesellschaftspolitisch engagieren. Dadurch kommen Elly und Henni nicht nur mit noch heute berühmten Schriftstellern in Kontakt, sondern auch mit späteren politischen Entscheidern. Die Zensur ist im bayerischen Königreich schon vor dem Krieg streng, nimmt aber im Krieg schon fast hysterische Formen an. Der Autorin gelingt es die Stimmungen der Zeit gut einzufangen und auch den Wandel mancher Ansichten. Herrscht am Beginn des Krieges noch Euphorie, so tritt mit Fortschreiten des Krieges immer mehr Ernüchterung ein.
Mir hat das Buch gut gefallen. Ich habe hier einiges über die Geschichte Münchens erfahren, das mir noch nicht so bewusst war. Die Zeit des Krieges in Berlin wurde ja schon in vielen Büchern geschildert, wieviel anders es in München war, ist wohl eher noch unbeschrieben. Die Schilderung der gesellschaftlichen Schichten haben mir gut gefallen und besonders Elly Rolle zwischen Tochter aus guter Gesellschaft und erwerbstätiger Frau fand ich spannend. Ihre Mutter Dita hat es sich als Offizierswitwe eingerichtet und möchte ihre Tochter eigentlich gut verheiraten. Andererseits bewundert sie aber auch Ellys Selbstständigkeit und Durchsetzungskraft.
Alles in allem ist es ein Buch, das ich gerne empfehle, es zeigt ein München zwischen guter alter Zeit und Aufbruch in den Fortschritt.
Heidi Rehn legt hier eine Geschichte vor, die wie einige Vorgänger in München spielt und bei der man die Leidenschaft der Autorin für die Historie ihrer Stadt regelrecht spüren kann. Eine grandiose Geschichte rund um die Buchhändlerinnen, die in der Amalienstraße ihre Ausbildung. 1913 war es im Kaiserreich sicher für die beiden Mädels nicht ganz einfach, bemerkenswert, wie Heidi Rehn sowohl die glanzvollen als auch die dunkelsten Zeiten schildert und mir damit die Möglichkeit eröffnet hat, ganz und gar in die Handlung anzutauchen.. Ich habe die authentischen, warm gezeichneten Figuren sehr lieb gewonnen und bin tief in die Handlung abgetaucht, wobei dieser Roman hat mich voll und ganz überzeugt hat. Er hat alles, was ein gutes Buch aus diesem Genre braucht, Spannung, gut recherchierte Informationen, die perfekt in den Roman mit eingebunden werden und eine Handlung, die den Leser in seinen Bann ziehen. Der Schreibstil ist perfekt an die Zeit, um 1913 angepasst und verleiht dem Buch somit eine atmosphärische Dichte.
[b]Fazit:[/b]
Einer der besten historischen Romane, die ich je gelesen habe! Spielerisch schafft es die Autorin den Leser mit Spannung und geschichtlichen Fakten an das Buch zu fesseln. Niveauvoll, atmosphärisch dicht und mit einer Gänsehaut machenden Spannung war es ein durch und durch gelungenes Buch.
Zwei ungleiche junge Frauen - die Welt um 1913 in München - und Bücher, die ein Ort für Träume und das Überleben sind. Die Autorin hat in ihren historischen Roman alles gepackt, was beim Lesen interessant ist und Spaß macht. Das Cover ist schön und der Schreibstil zieht den Leser gleich in die Geschichte. Die beiden Frauen, Elly und Henni könnten unterschiedlicher nicht sein, aber sie eint die Liebe zu Büchern, zum Lesen und ihr Freiheitswille. Von ihren Familien gibt es nicht die Unterstützung, die jede der Beiden gebrauchen könnte, doch die Buchhandlung, in der Beide eine Anstellung finden, wird zu ihrem zweiten Zuhause und hilft ihnen über viele schwere Momente in der politisch aufgeheizten Zeit hinweg. Sehr eindringlich beschreibt die Autorin die politische Situation kurz vor dem Ersten Weltkrieg und darinnen - zudem die Besitzerinnen der Buchhandlung Jüdinnen sind. Elly und Henni werden zu politisch sehr interessierten Frauen und auch kommen Diskussionen über die wichtigen Bücher der damaligen Zeit dankenswerterweise nicht zu kurz. Alles in Allem ein tolles Buch, dass nicht immer leichte Kost ist, aber ich uneingeschränkt weiter empfehle.
Zum Inhalt: Elly glaubt sich nahezu in einem Traum, als sie die Lehrstelle in der Buchhandlung bekommt. Zusammen mit ihrer Freundin verschlingt sie jedes Buch, dass sie bekommen kann. Und dann gründen sie auch noch einen Salon für Schriftstellerinnen und das gegen massive Widerstände. Als der erste Weltkrieg aus und Ellys Freund muss an die Front und sie können sich nicht mehr in ihre Bücherwelten flüchten. Meine Meinung: Mir gefallen ja Bücher die auf historischem Hintergrund eine Geschichte erzählen. So hat ma gleichzeitig Unterhaltung, erfährt aber durch auch noch mehr über die Zeit und wie es war, in der Zeit zu leben. Hier hat mich zusätzlich das Cover direkt angesprungen, dass wirklich ansprechend ist. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und hatte einerseits das Gefühl, dass eine wirklich interessante Geschichte erzählt wurde, ich aber auch neue Einblicke in die Zeit gewonnen habe. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Das Buch liest sich sehr flüssig und schnell weg. Fazit: Tolles Buch
Was eine unglaubliche Rechercheleistung über den Literaturbetrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ich muss sagen, dass ich am Anfang etwas schwer in die Geschichte reinkam, aber nach einiger Zeit hat es mich völlig mitgerissen. Der Alltag in München mit den politischen Spannungen, den Kriegsjahren und der Literatur-/Buchhandelswelt ist so lebhaft und interessant beschrieben, dass ich nebenbei immer nach Geschehnissen und Personen gegoogelt habe, um noch mehr zu erfahren. Natürlich hat mich auch das Leben der Frauen zu dieser Zeit sehr mitgenommen, deren Kampf um Selbstbestimmung und Gleichberechtigung, in der Gesellschaft, sowie in der Literatur und Politik. Wenn man sich für Literatur, Buchhandlungen, Frauenrechte und Geschichte interessiert, kann man hier nur mitgerissen werden, auch wenn sich die Handlung an manchen Stellen etwas zieht. Ich habe gefühlt so viel neues von dieser Zeit der deutschen Geschichte gelehrt und wie grausam ist es, dass mir weniger Jahre später ein weiterer Weltkrieg anbahnt.
Ich mag Bücher über Bücher. Und über Buchläden. Und historische Bücher. Dementsprechend habe ich mich auf dieses Buch hier sehr gefreut - aber leider wurde ich enttäuscht.
Die ganze Geschichte tröpfelt irgendwie nur so vor sich hin und ist sehr vorhersehbar. Die Charaktere bleiben leider alle sehr farblos und oberflächlich und scheinen auch keine großartige Entwicklung durchzumachen.
Einer der Protagonisten, Leo, trägt ein Geheimnis mit sich herum, aber als es endlich gelüftet wurde, war ich enttäuscht. Da hatte ich mehr erwartet.
Ich denke, es ist der Autorin grundsätzlich gut gelungen, den Zeitgeist um den ersten Weltkrieg herum einzufangen und deutlich zu machen, wie sich die gesellschaftliche Situation der Frauen verändert hat. Doch alles darüber hinaus blieb mir zu emotionslos.
Man hatte deutlich den Eindruck, dass es hier nicht um eine Geschichte mit Handlung ging, sondern um ein Bild der Zeitumstände. Das war auch nicht uninteressant, aber als Roman nicht sehr ansprechend. Zudem hätten manche historischen Umstände vielleicht für Nicht-Kennerinnen etwas näher erklärt werden müssen, gerade die Wirren am Ende des 1. Weltkriegs.