Dieser Roman fokussiert in den Kurzgeschichten über die zwischenmenschliche Beziehung von zwei Menschen in verschiedenen Lebens- und Krisensituationen. Mein erster Gedanke war, dass die erste Geschichte mich bei diesem Buch am meisten gefesselt und beeindruckt hatte. Aber bei erneutem Überlegen stimmt es so nicht; alle Kurzgeschichten haben mir auf die eine oder andere Weise sehr gefallen. “Nur zwei Menschen”, wo das innige Beziehung zwischen Vater und Tochter auseinander genommen wird, oder “Suche nach einem Kind”, wo ein Paar wegen des verschwundenen Einzelkindes eine Veränderung des Selbst durchlebt und durch das Wiederauftauchen des Kindes ein zweites Mal zusammenbricht, und nicht zuletzt “Mais und Ich”, wo man sich selbst am Ende fragt, was wirklich wahr ist.
Die Ehrlichkeit, die von den Protagonisten stammen, ist so erfrischend und lebendig, dass man den Gefühlen und den Zwiespalt der Charaktere quasi spüren kann. Es ist immer das tief im Innern schummernde Schlechte, was hier im Buch geschildert wird. Schlecht in dem Sinne, dass man bei Unfällen Katastrophen die Erleichterung spürt, dass man selbst nicht betroffen ist. Aber vielleicht sogar gerade deswegen menschlich, weil wir neben den moralisch richtigen Gedanken und diese Gefühle ins uns hegen.
Da ich keine ausgebildete Literaturwissenschaftlerin bin, habe ich sicherlich nicht alle Ebenen erörtert oder komplett verstanden. Ich könnte sehr lange über jede einzelne Geschichte sprechen und rätseln, so sehr hat mir das Buch gefallen. Auf jeden Fall gehört es zu den wenigen Büchern, die ich gerne noch ein paar Male lesen würde.