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Die Paradiese von Gestern

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Ein Roman über die Spielformen der Liebe und die Zeichen einer neuen Zeit

Debütroman des preisgekrönten Dokumentarfilmers und Komponisten
Ein großartiger Erzähler und genauer Beobachter
Das Hörbuch wird von der Schauspielerin Gudrun Landgrebe eingelesen
Ella und René sind jung und frisch verliebt. Sie kommen aus Ostdeutschland und verbringen, kaum dass die Mauer gefallen ist, ihren ersten gemeinsamen Urlaub in Südfrankreich. Dabei geraten sie auf das heruntergekommene Weinschloss der Madame de Violet. Als deren Sohn Alain auftaucht, ein aalglatter Geschäftsmann, stoßen drei Weltanschauungen aufeinander. Die Situation eskaliert. Am kommenden Morgen ist nichts mehr wie es war. René fährt mit Alain nach Paris und wird von ihm in die High Society eingeführt. Ella bleibt zurück auf dem Schloss und taucht immer tiefer in die Welt von Madame de Violet und ihrem verschwiegenen Diener ein. Niemand weiß, dass die Gräfin mit dem Leben abgeschlossen hat und nur noch auf den passenden Moment wartet, sich von der Welt zu verabschieden.

In „Die Paradiese von gestern“ treffen drei Gesellschaftsordnungen aufeinander: die des gescheiterten Sozialismus, der für das junge Paar überwältigende Kapitalismus und Vorstellungen von Stolz und Würde eines längst überkommenen Adels. Mario Schneiders erster Roman erzählt meisterhaft von der Liebe, dem Tod und den Verlockungen unserer neuen Zeit.

556 pages, Hardcover

Published March 8, 2022

36 people want to read

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Displaying 1 - 13 of 13 reviews
Profile Image for Cule.Jule.
91 reviews85 followers
April 2, 2022
https://www.youtube.com/watch?v=ERYmD...

Ella und Rene´ sind ein junges Paar aus Ostdeutschland und erleben nach der Wende im Sommer 1990 ihren ersten Urlaub in Südfrankreich. Unerwartet entdecken sie das marode Schlosshotel der Gräfin Madame de Violet und ihrem Diener Vincent und kommen dort unter. Eines Abends erscheint plötzlich Alain, der Sohn der Gräfin, und überredet spontan Rene´ zu einem Trip nach Paris am nächsten Tag, während Ella allein und entrüstet im Schloss zurückbleibt. Doch Ella findet in dieser Zeit einen tollen neuen Freund.

Ab der ersten Seite mochte ich den sehr angenehmen und tollen Schreibstil des Autors. Die gesamte Atmosphäre des Romans erinnerte mich an einen guten französischen Film. Jede Figur wurde sorgfältig und tiefgründig herausgearbeitet, dadurch erhielten die Protagonisten ein Eigenleben. Für mich persönlich wurde die Geschichte und das Beziehungsdrama von Ella und René jedoch stellenweise zu langatmig. Der Kerngedanken des Wechselspiels zwischen Vergangenheit und Zukunft sowie der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit fand ich sehr gelungen.

Der Roman beinhaltet 552 Seiten, auf die man sich einlassen muss. Es lohnt sich aber definitiv und das Buch erhält von mir eine klare Leseempfehlung.
Profile Image for Mybellelibrary.
81 reviews20 followers
May 31, 2022


In ihrem ersten Sommer nach dem Mauerfall wollen Ella und René, ein junges Paar aus Ostdeutschland, sich endlich einen Traum erfüllen und ihre neu gewonnene Freiheit in Südfrankreich auskosten. Als sie eines Abends auf der Suche nach einer Unterkunft sind, führt ihr Weg die beiden in das einstige 5-Sterne-Schlosshotel der Gräfin Charlotte de Violet. Als die Hausherrin sie dann zusammen mit ihrem zurückhaltenden Angestellten Vincent zu einem Dinner einlädt, scheint der Urlaub perfekt, doch der Abend endet in einem großen Streit als dann auch noch Madame de Violets Sohn dazustößt. Die Situation eskaliert und auch Ella und René müssen feststellen, dass ihre Beziehung nicht so unzerbrechlich ist wie sie geglaubt haben.

In Mario Schneiders Roman „Die Paradiese von gestern“ werden wir in die Welt des bereits seit langem vergessenen Adels entführt. Hier begegnen sich Jung und Alt, Sozialismus und Kapitalismus, Liebe und Stolz. Der Autor beleuchtet diese Differenzen vor allem in den unterschiedlichen Charakteren und beschreibt die Entwicklung der verschiedenen Beziehungen sehr ausführlich. Durch seinen angenehmen Schreibstil lässt sich das Buch flüssig und schnell lesen und dass der Autor ebenfalls ein erfolgreicher Drehbuchautor ist, wird in „Die Paradiese von gestern“ besonders durch die detailliert gezeichneten Handlungsorte deutlich. So konnte ich mich quasi direkt auf das Weingut träumen und habe die Lavendelfelder förmlich vor mir gesehen. Nichtsdestotrotz fehlte mir zu den Figuren immer wieder der Zugang, sodass ich nie wirklich das Bedürfnis hatte, das Buch jetzt unbedingt weiterlesen zu wollen. Es wirkte stellenweise einfach sehr überladen, langatmig und gleichzeitig sprunghaft.

Ich kann mir vorstellen, dass diese Geschichte einen großartigen Film mit französischem Flair ergibt, als Buch hat es mich nicht so sehr aus den Socken gehauen wie ich es mir gewünscht hätte und bleibt leider nicht allzu lange hängen. Ich würde „Die Paradiese von gestern“ als gute Urlaubslektüre bezeichnen und falls dieses Jahr bei euch ein Frankreich-Urlaub ansteht, könntet ihr es ja einmal damit versuchen 🍷🍇
85 reviews2 followers
May 1, 2022
Die Paradiese von gestern war so ein Buch, das ich gar nicht aus der Hand legen wollte, bei dem ich aber gleichzeitig auch immer wieder bewusst Pausen gemacht habe, damit es nicht so schnell endet. Aber auch in diesen Pausen hat es mir immer sehr viel Stoff zum Nachdenken gegeben.

Ella und René sind frisch verliebt. Nach der Wende macht das junge Paar aus Ostdeutschland eine Reise nach Südfrankreich. Nach ein paar Tagen landen sie nachts beim heruntergekommenen Weinschloss der Madame de Violet. Dieses ehemalige Hotel hatte seit Jahren keine Gäste und dient nur noch Charlotte de Violet und ihrem verschwiegenem Diener Vincent als Zuhause.
Um das Haus steht es sehr schlecht und Charlotte ist schon lange nicht mehr glücklich mit ihrem Leben. Ihr Suizid ist geplant und ihr Leben soll nach einem letzten Dinner beendet sein. Ein Dinner mit Konsequenzen. Nicht nur ihre letzten Gäste die redselige, extrovertierte Ella und der ruhige, verkopfte René sitzen am Tisch, auch Charlottes Sohn Alain taucht auf und löst einen großen Streit aus. Auch die Beziehung von Ella und René wird dabei auf die Probe gestellt.

Ich kann euch leider nicht mehr über den Inhalt verraten. Es entwickeln sich unterschiedliche Dynamiken und bewegende Geschichten kommen ans Licht, die mich alle total gekriegt haben. Die Charaktere sind so anstrengend, wie sie faszinierend sind. Aber sie sind so realistisch und ihre Beweggründe so gut dargestellt, dass es mir sehr leicht gefallen sind, mich auf sie einzulassen. Mario Schneider beweist hier eine besondere Beobachtungsgabe und bringt uns die Charaktere feinfühlig näher.

“Ein Glück ist umso größer, je unwahrscheinlicher es ist”

Besonders wird dieses Buch aber vor allem, durch den wundervollen Schreibstil. Die zarte Sprache des Autors hat mich total gefesselt. Viele Situationen hatte ich bildlich vor Augen und gerade die Szenen im Schloss waren atmosphärisch und einfach wunderschön.

 "Aber eines muss ich anmerken, Mademoiselle, Sie haben gesagt, man durfte nicht alles sagen, was man denkt. Das ist sicher scheußlich, hier bei uns können Sie alles sagen, aber es interessiert niemanden. Ich weiß eigentlich nicht, was schlimmer ist."

Außerdem tauchen wir im Laufe des Buches in die Welt der Reichen und Schönen ein und erleben eine Reise nach Paris. Ostdeutsche sind hier eher eine Attraktion zu der Zeit und diesen Kontrast zu sehen, ist sehr Interessant. Vor allem, die Diskussionen über Themen wie Kapitalismus zwischen Menschen aus unterschiedlichen Welten.

Die Paradiese von gestern ist ein wunderschönes Buch über tiefe Verbindungen, mit einem großartigem Setting und echten Charakteren. Eine klare Empfehlung an alle, die es mögen, wenn Geschichten etwas mehr vor sich hinplätschern und dabei eine packende Atmosphäre erzeugen.
Profile Image for Buchbesprechung.
212 reviews24 followers
July 16, 2022
REZENSION - Früher war alles besser? Es ist müßig, darüber nachzudenken oder den „Paradiesen von gestern“ nachzutrauern. Stattdessen gilt es, sich den Herausforderungen der neuen Zeit zu stellen und sein künftiges Leben danach auszurichten. Dies ist die Kernaussage des kürzlich im Mitteldeutschen Verlag veröffentlichten Romans „Die Paradiese von gestern“. In seinem eindrucksvollen Debütroman schildert Mario Schneider (52) in kleinen, scheinbar alltäglichen Szenen, wie seine aus drei völlig unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen stammenden Protagonisten mit diesen Herausforderungen umzugehen lernen – oder auch nicht.
Die junge Schauspielerin Ella und der angehende Musikstudent René haben nach dem Zusammenbruch des DDR-Sozialismus ihre ostdeutsche Heimat verlassen und prallen im Jahr 1990 auf ihrer Frankreich-Reise erstmals auf den Kapitalismus, im Roman vertreten durch den jungen Adligen Alain, in Paris als Makler für Luxusimmobilien erfolgreich. Er ist der scheinbar ungeliebte Sohn der Gräfin Charlotte de Violet, die als Nachfahrin eines tausend Jahre alten, ehemals hoch angesehenen, jetzt aber völlig verarmten Adelsgeschlechts aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Sie lebt auf ihrem längst verwahrlosten Weingut im verstaubten Schloss ihrer Ahnen allein mit Vincent, der ihr als einziger ihrer Angestellten als Diener, Koch und Gärtner treu blieb. Das ostdeutsche Liebespaar wird im leeren Schloss, das die letzten Jahrzehnte als Hotel herhalten musste und in Kürze verkauft werden soll, als letztes Gästepaar empfangen. In den nächsten Tagen lernt René in Begleitung Alains die Glitzerwelt von Paris und deren Jetset kennen, während Ella im Schloss zurückbleibt, um über sich und ihre Liebe zu René nachzudenken. Während ihrer Gespräche mit Diener Vincent erfährt sie, dass er seit einer kurzen Affäre mit der Gräfin vor 30 Jahren in Biarritz in sie verliebt ist, sich ihrer Liebe aber nicht sicher ist.
Der Autor vermag es mit erstaunlicher Leichtigkeit, diese sich auf seine Protagonisten unterschiedlich auswirkenden neuzeitlichen Herausforderungen unaufdringlich zu verdeutlichen. Nach und nach werden, obwohl die Handlung des Romans scheinbar nur dahinplätschert, die gewaltigen Umbrüche erkennbar, die die neue Zeit von Gräfin Charlotte und ihrem „Lebensbegleiter“ Vincent fordert. Beide halten an veralteten Konventionen fest, die ihnen ein Liebesverhältnis verbietet, und kreisen seit Biarritz um einander „wie zwei Planeten, deren Elipsen sich einmal berührt hatten und die nun im festen Verbund … eine gemeinsame Bahn beschritten, nur wenige Meter voneinander entfernt.“ Während die Gräfin eine Zukunft nach Verkauf ihres Familienschlosses für sich ausschließt, erkennt Vincent eine neue Chance: „Das ist nicht das Ende, es ist der Anfang.“
Auf anderer Ebene, aber nicht minder gewaltig, sind die Anforderungen, die die neue Zeit an René und Ella stellt. „Die Sachen, die vorbei sind, sind nicht mehr von Interesse. … Sie werden mit dem, was ist, was jetzt ist, umgehen müssen, und das wird Sie fordern, glauben Sie mir, es wird Ihnen alle Kraft abverlangen“ muss sich René in Paris sagen lassen. „Aber Sie sind jung. Schlagen Sie sich einen Weg durch den Dschungel!“ Nach den wenigen Tagen im Schloss und in Paris wird Ella und René bewusst, dass ihr Wunsch, nach ihrem Urlaub in ihre „verklärte Vergangenheit“ zurückkehren zu dürfen, unerfüllt bleiben muss und sie den „Liebenden, die sie noch vor Stunden gewesen waren … nie wieder begegnen würden“.
Schneiders Roman verführt durch seine malerische, poetische Sprache, die die Lektüre der 550 Seiten leicht macht und durch bildhafte Schilderungen selbst kleinster Szenen für manche vermeidbare Länge entschädigt. Es ist diese Sprache und die liebevolle Charakterisierung seiner so unterschiedlichen Protagonisten, die uns tief ins Geschehen hineinzieht und, obwohl die Handlung ohne spannende Aktion auskommen muss, dennoch fesselt. Es sind die leicht und locker anmutenden, inhaltlich aber tiefgehenden, oft berührenden Dialoge und Selbstgespräche seiner Charaktere, die den Reiz und Wert dieses literarisch empfehlenswerten Romandebüts von Mario Schneider ausmachen.
Profile Image for Marie.
184 reviews14 followers
May 12, 2022
Ein Buch, das sich wie ein Sommerurlaub in Frankreich liest. Doch neben Liebe und Leichtigkeit geht es hier um Unausgesprochenes, Verdrängtes und Verlorenes. Die perfekte Sommerlektüre, wenn eine leichte Lektüre nicht banal sondern mit einer Aussage daherkommen soll.

Zum Inhalt:

Durch Zufall entdecken Ella und René, ein junges Paar aus Ostdeutschland, in ihrem Frankreichurlaub das Chateau der Violets nahe Bordeaux. Sie sind die einzigen Gäste in einem Hotel, das durchaus schon bessere Tage erlebt hat. Neben dem Paar sind nur noch der Diener Vincent und die Herrin des Hauses, Gräfin Charlotte de Violet, anwesend. Da Ella und René die letzten Gäste vor Schließung des Hotels sind, werden sie an ihrem ersten Abend zum Diner eingeladen. Doch das gerät furchtbar aus den Fugen als der Sohne der Gräfin, Alain, eintrifft. Im Streit gehen nicht nur Mutter und Sohn auseinander, sondern auch Ella und René beschließen, die nächsten Tage getrennt voneinander zu verbringen.

Meine Meinung:

Besonders gut gefallen hat mir die behutsame Erzählweise des Autors. Mario Schneider hat einen Blick für kleine Details, die den Roman zu einem Kurztrip ins französische Weinanbaugebiet der 90er-Jahre macht. Die Atmosphäre des alten Weingutes und des kleinen Dorfes fängt er auf wunderbare Weise ein. Diese Schilderungen haben mich ganz verzaubert. Das liegt auch an den Bildern, die der Autor schafft. Das zerfallende Weingut ist in Sinnbild für den Alterungsprozess der Gräfin. Das Motiv des Kindes und die Frage nach der guten Mutterschaft (und auch Vaterschaft) werden subtil zwischen den Zeilen immer wieder eingebunden. Sei es durch einen Fußabdruck oder eine Kindheitserinnerung. Auch die Frage, welchem Paradies man nachtrauert: Der Kindheit, der Familie, dem Weingut, einem alten Staat (auch wenn die DDR hier kaum eine Rolle spielt); hat mich hier zum Nachdenken angeregt.



Tatsächlich wird der Roman für mich daher zu einem der seltenen Werke, bei dem ich das Bedürfnisse habe, schöne Textstellen herauszuschreiben. Das gilt insbesondere für den Beginn des Buches.

An einer Stelle beschreibt René seine Leseerfahrungen mit den folgenden Worten:

...sich voll und ganz in eine Geschichte hineinzugeben, die Charaktereigenschaften und Handlungen der Helden und ihrer Widersacher in sich aufzunehmen und vor allem, nachvollziehen zu können. Er wollte verstehen, was jeden von ihnen antrieb, er wollte, dass sie im besten Fall zu persönlichen Bekannten, Freunden oder eben auch Leuten wurden, denen man im wirklichen Leben aus dem Weg ging."
Diese Worte Renés fassen gut zusammen, wie Mario Schneider seine Figuren zeichnet. Insbesondere Vincent wuchs mir beim Lesen immer mehr ans Herz und ist tatsächlich zu einer Art gutem Freund geworden. Ella hingegen fällt für mich eher in die letzte Kategorie. Einer so divenhaften Person möchte ich im wahren Leben nicht begegnen. Sie ist mir immer unsympathischer geworden. Sie mochte ich noch weniger als den eitlen und völlig arroganten Alain. Man muss dem Autor lassen: Seine Figuren sind lebendig - genauso, wie Ella an der ein oder anderen Stelle beschrieben wird. Sie sind kein eindimensionalen Abziehbilder, sondern Figuren mit vielen Facetten.

Trotz der gelungenen Erzählweise, der Bilder und der lebendigen Figuren gibt es für mich den ein oder anderen Wermutstropfen: Manche Handlungsstränge oder Themen scheinen nicht zu Ende gedacht. Da ist zum Beispiel ein Hund, der ganz kurz auftaucht und dann wieder verschwindet. Da sind die Bediensteten, die Gerüchte streuen, deren Herkunft nicht aufgeklärt wird. Und da ist Renés und Alain merkwürdige Ausflug nach Paris, der zwar die Wandlung es Protagonisten verdeutlichen soll, für mich an vielen Stellen aber für die gesamte Erzählung keinen Sinn ergeben hat. Womöglich wäre der Roman zu lang geraten, hätte man auch hier alles ausgeführt. Daher würde es dem Text meiner Meinung nach gut tun, wenn er ein wenig entschlackt werden könnte.
Profile Image for Anna Sotschka.
33 reviews
May 25, 2022
Kurz nach der Wende brechen Ella und ihr Freund René nach Südfrankreich auf um dort ihren ersten gemeinsamen Urlaub zu verbringen. Auf ihrer Reise treffen sie auf ein altes Schloss und seine Bewohner. Die Gräfin Charlotte de Violet und ihren treuen Diener Vincent. Das Paar beschließt einige Tage in diesem Schoss zu verbringen, so dass es eines Abends zu einem gemeinsamen Dinner zwischen den besagten Protagonisten und Charlottes Sohn Alain kommt. Der Abend ist begleitet von einigen Konflikten, mit dem Ergebnis, dass René und Alain gemeinsam nach Paris aufbrechen, während Ella im Schloss bei Charlotte und Vincent bleibt.

Das Lesen des Buches ist mir rein sprachlich wahnsinnig leicht gefallen. Der Autor versteht es die deutsche Sprache auf eine wunderbare und malerische Art einzusetzen. Als Leserin hatte ich häufig das Gefühl mittendrin zu sein. Sei es am Pool des Schlosses, im Restaurant des kleinen Orts oder in den den bizarren Situationen in welchen sich René und Alain auf ihrem Trip nach Paris wiederfinden. Immer wieder traf ich auf Sätze oder ganze Passagen, welche ich mehrmals las, weil sie mir so gut gefallen haben und so viel Bedeutung hatten. Sollte es nur um die Sprache selbst gehen, hätte ich am liebsten 5 Sterne gegeben.

Da mich neben der Sprache natürlich auch der Inhalt des Buches interessiert, kann ich das Buch leider nicht uneingeschränkt weiter empfehlen. Zu oft hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass das Erlebte der Protagonisten keinen Einfluss auf das weitere Geschehen hat. Ich liebe nachvollziehbare und markante Charaktere. Die Protagonisten dieses Buches waren durchaus markant, viele ihrer Entscheidungen und Reaktionen für mich aber leider nur sehr schwer nachvollziehbar. Seien es die Launen von Ella, die Unterwürfigkeit von Rene oder die finale Entscheidung der Gräfin. Hier hätte ich mir an einigen Stellen mehr Inhalt gewünscht. Während ein Blick in Ellas Vergangenheit es mir etwas leichter gemacht hat ihre Sprunghaftigkeit und teilweise sogar Taktlosigkeit zu verstehen, blieben Renés Teilnahmslosigkeit am Leben und Charlottes Entschluss für mich bis zum Ende ein Rätsel. Obwohl das Buch augenscheinlich doch sehr viel Inhalt hatte (knapp 550 Seiten) hatte ich zwischenzeitlich nicht immer die Motivation weiterzulesen, da für meinen Geschmack zu wenig passiert ist. Daher wurde ich nach dem Abschluss des Bucher sehr unbefriedigt zurück gelassen.

Nichtsdestotrotz, hat mir das Lesen des Buches viel gegeben und ich werde sicher auch in Zukunft auf die Veröffentlichungen des Autors achten. Der Inhalt war meiner Meinung nach zwar leider zu dünn, die Sprache jedoch war wunderschön, die Beschreibung der Welt beinahe spürbar und die Charaktere wahnsinnig besonders und einprägsam.
Profile Image for Sabine Winkler.
257 reviews1 follower
May 26, 2022
Altes Schloss – große Geschichte
Den ersten Sommer nach dem Mauerfall verbringt das Liebespaar Ella und René aus Ostdeutschland in Südfrankreich. Auf der Heimreise entdecken sie zufällig das heruntergekommene Hotel von Madame de Violet und übernachten spontan dort. Beim Abendessen sitzen daher Vertreter dreier verschiedener Schichten an einem Tisch: die sonderbare Hotelbesitzerin, der Stolz und Würde des alten Adels am Herzen liegt, deren Sohn Alain, der den Kapitalismus verkörpert und schließlich das ostdeutsche Pärchen, das sozialistische Werte mit sich bringt. Alain überredet René, mit ihm Paris zu besuchen und Ella bleibt auf dem Schloss, wo sie vom verschwiegenen Diener immer mehr über die Gräfin erfährt. Die hat allerdings ganz eigene Pläne …
Fiele die kräftige Farbe nicht so ins Auge, wäre das Cover wohl eher unspektakulär. Weiß hervorgehoben ist das Wort „Paradiese“, und der Titel ist sehr passend zum Buch gewählt. Die Überschriften der Kapitel sind teils zweideutig, die Länge sehr leserfreundlich gestaltet. Der Autor beeindruckt in seinem Erstling mit einer wunderschönen und bildhaften Sprache. Die Beschreibungen nehmen den Leser sofort mit ins Buch; man spürt die sommerliche Hitze, schmeckt das Essen geradezu, sieht die Landschaft vor sich. Die Dialoge sind lebhaft und vor allem beim ersten Abendessen ein wahrer Schlagabtausch. Durch diesen ausgezeichneten Schreibstil werden auch einige Schwächen des Buches ausgeglichen, wenn es etwa um weniger nachvollziehbare Reaktionen der Protagonisten geht.
Perspektivenwechsel geben dem Leser einen Einblick aus unterschiedlichen Sichtweisen und beleben dadurch die Handlung – in der eigentlich gar nicht so viel geschieht. Die Atmosphäre dieses Romans entsteht vor allem durch Rückblenden und Nebenhandlungen. Die Charaktere sind etwas überzeichnet dargestellt, insgesamt aber doch lebensecht. Sympathien betreffend kommen die weiblichen Protagonisten nicht so gut davon; zu kapriziös, zu unbelehrbar und festgefahren sind sie in ihrer Persönlichkeit.
Ein Buch, das über Traditionen spricht, über Pflichtgefühl und Liebe, ja eigentlich über das Leben selbst und diese Themen doch mit einer Leichtigkeit zu einer empfehlenswerten Lektüre macht.
Profile Image for Lesereien.
257 reviews22 followers
April 9, 2022
Es ist das Jahr 1990 und Ella und René, ein junges Paar aus Ostdeutschland, befinden sich auf einer Reise durch Frankreich. Sie lassen sich treiben, finden sich auf der Dune du Pilat während eines Gewitters wieder und stoßen nur zufällig auf das Château Violet. Das Schloss ist ein ehemaliges Weingut, an dem die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat und das nur noch von der Besitzerin, Madame de Violet, und einem Diener bewohnt wird.

Der als kurze Übernachtung geplante Aufenthalt verlängert sich schon bald, verknüpft die Figuren miteinander und lässt unterschiedliche Welten aufeinanderprallen: den Osten mit dem Westen, die Vergangenheit mit der Gegenwart. Die Charaktere hängen Welten und Vorstellungen nach, die es nicht mehr gibt oder noch nie gab und die nur in ihnen selbst weiterleben. So träumt Charlotte, die Gräfin, von dem florierenden Schloss aus den alten Tagen, Alain, der Sohn und Erbe träumt von seiner Kindheit und Ella und René projizieren Erwartungen auf den jeweils anderen, die diese(r) nicht zu erfüllen imstande ist. Die Figuren stehen sich damit manchmal selbst im Weg und werden, durch das Annehmen neuer Sichtweisen, dazu gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Man muss sich als Leser schon einlassen auf diesen Roman, dessen Figuren nicht immer zu überzeugen vermögen. René und Ella wirken zuweilen melodramatisch und ihre Streitereien scheinen an den Haaren herbeigezogen. Aber diese Schwächen werden wettgemacht durch die Geschichte der Familie der Violets und das Schicksal der Gräfin, die durchaus anschaulich und lebendig erzählt werden. Und dann ist es vor allem die Atmosphäre, die den Roman trägt. Dieser Roadtrip durch Frankreich, der ganz große Lust darauf macht, selbst ins Auto zu steigen und loszufahren. Deshalb lohnen sich die über fünfhundert Seiten dann doch, trotz Schwächen.
Profile Image for Lilie125.
54 reviews1 follower
April 28, 2022
Inhalt:
Unmittelbar nach der Wende machen Ella und René, ein junges Paar aus der DDR, Urlaub in einem alten Schlosshotel in Frankreich. Dort treffen sie auf die Gräfin Charlotte de Violet und ihren Diener Vincent, deren letzten Gäste sie sein sollen.
In dem Buch prallen zwei Welten aufeinander und das frisch verliebte Paar erlebt die ersten Schwierigkeiten in ihrer Beziehung.

Meine Meinung:
Der Roman ist sehr atmosphärisch geschrieben. Der Autor zeichnet mit seinen Worten wunderschöne Bilder. Seine Wortwahl ist dabei stets bedacht und sehr gelungen, sodass man Südfrankreich förmlich fühlen kann.
Auch die verschiedenen Charaktere wirken sehr authentisch und lebhaft. Ihre verschiedenen Hintergrundgeschichten sind sehr gut herausgearbeitet und ihr Aufeinanderprallen grundsätzlich eine spannende Idee. Die Welt des Adels, an der Charlotte festhalten möchte, trifft auf die sozialistische Welt, in der Ella und René aufgewachsen sind. Insbesondere wie das Pärchen den Kapitalismus erlebt, war sehr interessant zu lesen.
So spannend die Charaktere auch waren, so wenig konnten mich ihre Konflikte untereinander überzeugen. Ihre Zwiespältigkeiten wirkten sehr erzwungen und haben nicht die Tiefe aufgewiesen, die ich mir erhofft hatte.
Auch hatte der Roman sehr große Längen. Gerade in der Mitte hat sich die Geschichte stark gezogen und leider ihre Anziehungskraft auf mich verloren. Die Charaktere drehen sich mit ihren Gedanken und Gefühlen lange im Kreis, ohne dass wirklich viel passiert. Meiner Meinung nach hätte der Roman gut 100 Seiten kürzer sein dürfen.
Wer einen atmosphärischen Roman sucht und über gewisse inhaltliche Defizite hinwegsehen kann, der wird sicher einige angenehme Lesestunden mit „Die Paradiese von gestern“ verbringen. Für mich persönlich war es aber alles in allem ein sehr mittelmäßiger Roman.
Profile Image for Karina.
236 reviews2 followers
April 30, 2022
In dem Buch, die Paradiese von Gestern, geht es einmal um das junge Pärchen Ella und René die nach dem großen Mauerfall Ihre erste gemeinsame Reise außerhalb der DDR erleben und um die Gräfin Charlotte de Violet, Ihrem Sohn Alain und Ihrem treuen Diener Vincent. 
Charlotte de Violet und Vincent sind die letzten die in dem verfallenen Schloss, das lange Zeit als Hotel diente, die Stellung halten und auf Ihre letzten Gäste warten. Ella und René führt das Schicksal dahin und für Sie beginnt eine Turbulente Zeit die Ihre Beziehung auf eine harte Probe stellt. Charlottes Sohn Alain ist daran nicht ganz unbeteiligt. 
Das Buch ist von der Sprache her sehr schön und blumig geschrieben. Ich habe oft von Mitlesern das Wort atmosphärisch gelesen und das stimmt auch. Mir war es für das was erzählt wurde zu lang und die einzelnen Personen entweder zu uninteressant oder die die ich interessant fand kamen zu selten vor. Alles in Allem hat es mich nicht gefesselt. Aber ich bin mir sicher das sehen ganz viele anders. Also macht Euch selber ein Bild 🙂.
Profile Image for Papier.fliegerin.
297 reviews6 followers
April 23, 2022
Darum geht es:
Ella und René sind jung und frisch verliebt. Sie kommen aus Ostdeutschland und verbringen, kaum dass die Mauer gefallen ist, ihren ersten gemeinsamen Urlaub in Südfrankreich. Dabei geraten sie auf das heruntergekommene Weinschloss der Madame de Violet. Als deren Sohn Alain auftaucht, ein aalglatter Geschäftsmann, stoßen drei Weltanschauungen aufeinander. Die Situation eskaliert. Am kommenden Morgen ist nichts mehr, wie es war. René fährt mit Alain nach Paris und wird von ihm in die High Society eingeführt. Ella bleibt zurück auf dem Schloss und taucht immer tiefer in die Welt von Madame de Violet und ihrem verschwiegenen Diener ein. Niemand weiß, dass die Gräfin mit dem Leben abgeschlossen hat und nur noch auf den passenden Moment wartet, sich von der Welt zu verabschieden.
Was nur als kurze Zwischenübernachtung geplant ist, verlängert sich und plötzlich treffen Welten aufeinander. Ost trifft auf West, Vergangenheit auf Gegenwart. Und alle vier Personen müssen lernen sich miteinander auseinander und was sie wirklich wollen.
Das Buch ist unglaublich und sehr atmosphärisch geschrieben. Nach dem Lesen hatte ich direkt Lust ins Auto zu springen und eine Reise durch Frankreich zu machen. Es war alles so schön beschrieben, dass ich wieder einmal Fernweh hatte.
Leider hatte der Roman seine Längen und keine der Figuren konnte ich wirklich leiden. Irgendwie war mir alles zu melodramatisch, es gab zu viele Streitereien, die einfach nicht hätte sein müssen.
3 von 5 Sterne
Profile Image for Queen Janine.
7 reviews2 followers
April 13, 2022
In Mario Schneiders Roman "Die Paradiese von gestern" begleiten wir Ella und René, ein junges ostdeutsches Paar unmittelbar nach der Wende, auf ihrer ersten Reise in den Westen, die sie nach Südfrankreich führt. Das Geld ist ihnen schon beinahe ausgegangen, als der Zufall sie zum Schlosshotel der alternden Gräfin Charlotte de Violet führt, das diese mit dem Portier Vincent betreibt. Ella und René werden als letzte Gäste zu einem Dîner gebeten, an dem auch der von der Gräfin entfremdete Sohn Alain teilnimmt und das sich anders entwickelt als erwartet... Insgesamt bietet der Roman eine spannende Reise in die Vergangenheit der Gräfin einerseits und eine Reise des Pärchens zu sich selbst, die einen von beiden auch in die Stadt der Liebe führt. Keineswegs seicht und mit vielen Gedanken, die zum Nachdenken anregen, gespickt. Lesenswert!
Displaying 1 - 13 of 13 reviews

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