Jump to ratings and reviews
Rate this book

Habichtland

Rate this book
Wie kann man leben und lieben,
wenn die Welt im Irrsinn versinkt ?

Deutschland 1941: Hannes und Lisa leben mit ihren Kindern zurückgezogen auf einem kleinen Hof in der Elbmarsch. Sie wollen sich von allem fernhalten, was nach Politik riecht. Doch Lisa fällt das immer ­schwerer. Sie kann nicht länger stillhalten, wenn der Bürgermeister seine Reden schwingt, wenn die Lehrerin ihren Kindern Härte predigt. Als Hannes einen offiziellen Posten im Dorf annimmt, um seine Familie zu schützen, spricht Lisa kaum noch mit ihm. Kurz darauf trifft Hannes seine Jugendliebe Mara wieder, die ihn bittet, ein großes Wagnis einzugehen …

In der Fortsetzung seines erfolgreichen Romans „Kronsnest“ erzählt Florian Knöppler mit großer sprachlicher Intensität von einer Familie, die an den Verhältnissen der Zeit zu zerbrechen droht.

242 pages, Hardcover

First published March 1, 2022

7 people want to read

About the author

Florian Knöppler

4 books1 follower

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
8 (53%)
4 stars
3 (20%)
3 stars
4 (26%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Buchbesprechung.
211 reviews24 followers
April 8, 2022
REZENSION – Mit seinem Roman „Kronsnest“ gelang Florian Knöppler (56) im vergangenen Jahr ein eindrucksvolles und viel beachtetes Debüt über das dörfliche Leben in der holsteinischen Elbmarsch in den 1920er Jahren zur Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus. Mit einem Zeitsprung ins Jahr 1941 setzt er nun in „Habichtland“, im Februar beim Pendragon Verlag erschienen, seine Erzählung um den inzwischen erwachsenen Kleinbauern Hannes, Ehefrau Lisa, seine Freundin Mara von Heesen und Stiefvater Walter fort. Obwohl die Protagonisten dieselben sind, hat sich nach 15 Jahren nicht zuletzt durch Umwälzung der politischen Gegebenheiten ihr Leben verändert, weshalb „Habichtland“ nicht zwingend als Fortsetzung, sondern durchaus als eigenständiger Roman mit anderem Themenschwerpunkt gelesen werden kann.
In „Habichtland“ lässt Knöppler seine Hauptpersonen nach „Möglichkeiten von Glück und Moral in einer Diktatur“ suchen. Hannes und Lisa gehen dabei gegensätzliche Wege: Der sensible, in sich gekehrte und wortkarge Kleinbauer Hannes sucht in Zeiten des Krieges und des Nazi-Regimes vor allem Ruhe und Frieden und schottet sich gegen alles Störende und Zerstörende ab. Bald fühlt er sich auf seinem ärmlichen Hof, der für ihn und seine Familie eine „Insel des Glücks“ bleiben und Sicherheit bieten sollte, wie ein gefangener Panther im Gitterkäfig. Es sind diese Verse des Gedichts „Der Panther“ des Lyrikers Rainer Maria Rilke, die sein Gefühl besser beschreiben, als Hannes es selbst ausdrücken könnte: „Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.“
Statt mit seiner Frau offen über seine Gefühle zu sprechen, die ihm durch ihr Handeln und Schweigen fremd geworden ist, gibt er ihr nur dieses Gedicht zu lesen. Denn auch Lisa ist in ihrer eigenen, wenn zunächst anderen Welt gefangen, um dem „ganzen Irrsinn da draußen“ zu entgehen. Sie kann nicht wie ihr Mann tatenlos wegschauen. Sie muss gegen die Nazis aktiv werden und schließt sich, anfangs ohne Wissen ihres Mannes, einer kommunistischen Untergrundzelle an. Damit bringt sie ihn und ihre Kinder in Gefahr. Ist aktiver Widerstand gegen das Regime ohne Rücksicht auf die Gefahr für die eigene Familie moralisch verantwortungsvoller als Hannes' Untätigkeit und Abschottung? Der Autor lässt diese Frage unbeantwortet. Wir Leser müssen sie für uns selbst entscheiden.
Wie schon „Kronsnest“ besticht auch „Habichtland“ durch atmosphärisch und in Einzelheiten gehende Schilderungen des dörflichen Lebens und der Bewohner der Elbmarsch. Sie scheinen nicht fiktiv zu sein, sondern lebende Vorbilder zu haben. Man spürt deutlich: Der Autor kennt diese Landschaft, kennt diese Menschen mit ihren Eigenarten und ihrer Sprache. Man hört das Vogelgezwitscher, sieht den Habicht auf sein Opfer hinabstürzen und riecht förmlich den Mist im Stall und die Jauche im Hof. Kein Wunder, lebt Knöppler doch selbst seit einigen Jahren in dieser holsteinischen Region um Elmshorn und bewirtschaftet dort seinen eigenen Hof. Seine klare, schnörkellose und unaufgeregte Erzählweise macht seinen Roman realistischer und dadurch noch wirkungsvoller. Wo andere viele Worte verlieren, reichen den Holsteinern zwei oder drei, Sätze sind abgehackt, kein Wort zu viel: „Und jetzt?“ „Verbuddeln.“ „Wann und wohin mit ihm?“ „Heut Nacht? In den Außendeich?“
Wie schon „Kronsnest“ ist auch „Habichtland“ trotz scheinbarer ländlicher Idylle wahrlich kein historischer Heimatroman, sondern gleicht eher einem Psycho-Roman, so tief dringen wir in die Seelen seiner Protagonisten ein. Knöppler hat sich mit seinen Figuren ein eigene kleine Welt um Hannes, Lisa und ihr Dorf geschaffen – eine Welt, die einem ans Herz geht. Wer „Kronsnest“ kennt, muss „Habichtland“ lesen. Wer den ersten Band noch nicht kennt, sollte beide kaufen!
Profile Image for Detlef.
332 reviews4 followers
April 22, 2022
»Habichtland« von Florian Knöppler ist der Nachfolger des Romans »Kronsnest« und eine konsequente Fortsetzung der Familiensaga einige Jahre später.

Florian Knöppler erzählt die Familiensaga weiter

Die Jahre sind vergangen, die Nazi-Clique hat sich etabliert und der Krieg hat vor zwei Jahren angefangen zu toben. Deutschland steht 1941 kurz vor dem Russland-Krieg. Hannes und Lisa sind inzwischen verheiratet und haben Kinder. Während er sich immer noch nicht für oder gegen die Nazis entschieden hat, weil er tatsächlich nur das Beste für seine Familie möchte, hat sich Lisa bereits entschieden und verschließt sich ihrem Mann gegenüber immer mehr. Lisa hat längst erkannt, dass ein neutrales Verhalten, ein Heraushalten aus der Politik nicht möglich ist. Sie kann nicht stillhalten und verbrennt sich mit ihren Sprüchen zur falschen Zeit, am falschen Ort, unter falschen Menschen, den Mund. Es wird brandgefährlich für sie. Die Zerreißprobe für die Familie ist enorm groß.

»Habichtland« – ein norddeutsches Familiendrama

Florian Knöppler schafft mit einer sprachlichen Intensität eine bedrohliche Atmosphäre vor der Kulisse der norddeutschen Elbmarsch. Detailreiche und stimmungsvolle Bilder entstehen im Kopf der Leser. Manche von ihnen düster, andere auch wieder heiter. Letzteres, wenn Hannes’ erste Liebe Mara wieder ins Spiel kommt. Wunderschön, dass diese Figur nach dem ersten teil nicht auf ein Abstellgleis geschoben wurde. Und Glücksmomente für den Protagonisten.

Wie Lisa und Hannes haben sich auch alle anderen Nachbarn und ehemaligen Schulkameraden weiterentwickelt und sind älter geworden. Sie haben sich im Leben etabliert. Doch meist sind sie ihrer „Seite“ treu geblieben. Und daraus zieht Knöppler das Material für Spannung in den einzelnen Szenen. Denn es wird immer wieder sehr gefährlich für die Menschen um Hannes und für ihn selbst. Während den Erwachsenen auch klar ist, in welche Gefahr sie sich begeben, scheint Vieles für die Kinder unverständlich. Erstaunlich, wie sehr sich diese Situation gerade jetzt in der Zeit der Bombardierung der Ukraine in der Realität widerspiegelt.

»Habichtland« sollten die Leser als Nachfolger von »Kronsnest« nicht missen. Es ist aber nicht zwingend, den Vorgänger gelesen zu haben. Der Roman steht ganz alleine für sich. Mehr denn je zeigt auch er die heutige Gesellschaft anhand einer Handlung, die vor vielen Jahren spielt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022
Profile Image for Dagmar.
71 reviews
November 29, 2025
Ein Roman, der mir wirklich gut gefiel. auch wenn ich mich erst an das Spröde miteinander und den spröden Ton gewöhnen musste.
gerade zu Beginn, bis die lesende Person in der Geschichte ist, erfordert es etwas Geduld sich in den Rhythmus einzufinden, quasi runterzufahren.
Doch das lohnt: sowohl im Hinblick auf die Geschichte als auch auf eine:n selbst.

Die Geschichte? Vergleichbar mit Christa Wolffs "Lichtungen": wie die äußeren Ereignisse dazu führen, dass man sich irgendwohin entwickelt oder dass Saiten, die in in jeder/m ruhen, abgerufen werden. Hier auf alle Fälle als deutlichere Aussage, bei Lichtungen" deutlich weniger eindeutig.
Displaying 1 - 3 of 3 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.