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Die Königin von Troisdorf: Wie der Endsieg ausblieb

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Die 1960er Jahre. Bundesrepublik Deutschland. Im rheinischen Troisdorf betreiben die Eltern des Erzählers ein gutgehendes Fotoatelier. Nach außen hin demonstriert man seinen Status: Häuser. Neues Auto. Sonntäglicher Kirchgang – zumindest der Frauen und des Kindes. Doch hinter der gutbürgerlichen Fassade legen die Familienmitglieder verstörende Verhaltensweisen an den Tag. Was treibt die Eltern um, die während des Zweiten Weltkriegs bereits junge Erwachsene waren? Warum verabscheut die Oma, die zwei Weltkriege erlebte, ihren Enkel? In einem weiten Bogen erzählt Andreas Fischer die Geschichte seiner Familie von 1914 bis 2014, vom Einsatz des Großvaters als Soldat im Ersten Weltkrieg bis zum Tod der Mutter. Der Autor verwebt Familienereignisse, die vor seiner Geburt lagen, mit Szenen aus seiner Kindheit und Dokumenten aus unterschiedlichen Quellen: Briefe des gefallenen Bruders der Mutter finden sich ebenso wie Unterlagen aus Militärarchiven. Ein Kriegsenkelroman. Bereits in mehreren Dokumentarfilmen beschäftigte sich Andreas Fischer mit der Frage, wie sich kriegsbedingte Verluste und Traumata generationenübergreifend auf Familien auswirken, so in Söhne ohne Väter

473 pages, Hardcover

First published March 31, 2022

13 people want to read

About the author

Andreas Fischer

154 books2 followers

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Petra Weißmann.
4 reviews2 followers
April 21, 2023
Das Buch von Andreas Fischer gibt einen faszinierenden Einblick in die Abgründe der deutschen Nachkriegsgesellschaft und ist eines von den wenigen Büchern im Leben die man, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen mag. Der Dokumentarfilmer Fischer, Jahrgang 1961, hat in diesem seinem ersten Roman mit kindlichen Augen aufgeschrieben, was ihm selber in seiner Nachkriegsfamilie geschehen ist. In vielen kleinen assoziativ miteinander verbundenen Szenen, die mit seinem jeweiligen Alter überschrieben sind (mal ist er sechs, dann dreizehn, dann vier Jahre alt) lässt er die prägendsten Szenen seiner Kinder und Jugendjahre in den sechziger und siebziger Jahren Revue passieren. Das ist nie langweilig, oft lustig, manchmal sehr traurig und war in Wirklichkeit wohl noch viel schlimmer, als es Fischer darstellen mag. Sein Protagonist, der kindliche Andreas, ist ein phantasiebegabter Junge, der die Welt seiner Eltern und Vorfahren mit fast kindlich anmutender Naivität beschreibt und dabei schönste poetische Szenen evoziert, wenn er zum Beispiel beschreibt, wie er seinen Teddybär Tag für Tag beerdigt, weil er nicht verstehen kann, wieso sein toter Großvater begraben wurde und weil niemand mit ihm darüber spricht. Die als lieblos beschriebene Mutter und die noch viel schlimmere Großmutter Leni sind Figuren, wie man sie heute wohl nur noch selten trifft; Frauen, die in ihrer Bigotterie und Prüderie noch kaum auszuhalten sind. Der Vater ist ein schlimmer Trinker, der seinem Sohn aber doch einiges mitgibt und ihn am Schluss in die vorzeitige Freiheit entlässt, indem er ihm behilflich ist, sich sein eigenes Wohnreich im Dachboden des Geschäftshauses auszubauen, in dem sich das Fotostudio der Eltern befindet. Dieses Fotostudio hat den Eltern, die weiterhin sehr bescheiden leben, zu erheblichem Wohlstand verholfen. So wird dem Kind Andreas, dem Liebe und Zuneigung nicht oder nur wenig gegönnt wird, immerhin fast jeder materielle Wunsch erfüllt. Die Vorfahren von Andreas, die am Schluss des Romans alle tot sind, wirken so, als hätten sie alle das dritte Reich nie hinter sich gelassen, seelisch verkrüppelt, einige auch körperlich versehrt. Mit diesem Porträt zeichnet Fischer ein sehr genaues Bild der Menschen, die 1945 als Erwachsene überlebt haben, aber in denen innerlich etwas gestorben ist. Warum das so ist, erfahren wir nicht. Und es ist gut, dass Fischer nicht psychologisiert. Mit seinen lakonischen Beschreibungen überlässt er es uns, zu vermuten, was in diesen Menschen vorgegangen ist, warum sie so geworden sind, wie sie sind....
Profile Image for Schnu.te.
57 reviews2 followers
August 26, 2023
Sehr kurzweilig geschrieben, nüchtern und rational, aber nicht ohne subtilen Humor, was die emotionale Kälte und seelischen Grausamkeiten erträglicher macht.
Trotz der wilden Zeitsprünge lässt es sich angenehm flüssig lesen und durch Einschübe aus Beschreibungen von Dokumenten, Postkarten und Briefen wird es weiter aufgelockert.
Beim Lesen entstanden in mir deutliche Bilder aus der Zeit, wahrscheinlich auch, weil es mich von der Stimmung und der Art , dem Habitus der Menschen her, sehr an das Elternhaus meiner Mutter erinnert hat, die ebenfalls zur ähnlichen Zeit wie der Autor im Rheinland aufgewaschen ist.
Erst in den letzten beiden Jahren habe ich begonnen mit intensiver mit der deutschen Geschichte und vor allem dem Thema Kriegsenkel, beziehungsweise transgrnerationalen Traumata zu beschäftigen und ich empfinde dieses Buch als absolute Bereicherung.

Ganz große Liebe auch fürs Cover Foto
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