Schottland ist nicht England. Diese ebenso banale wie folgenschwere Erkenntnis, so empfiehlt Heinz Ohff, sollte am Anfang einer Reise ins Land der »Scots« stehen. Jenseits von Kilts, Dudelsack und Loch Ness haben die Kelten und eine stürmische Geschichte ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen: in einer eigenen Sprache, einer eigenen Kultur, einer eigenen Rechtsprechung und einer eigenen Kirche. Dass Schottland auch ein eigenes Wetter hat, erfährt der Reisende am eigenen Leib. Aber schließlich gibt es ja noch den erstklassigen Whisky und die schönsten Golfplätze der Welt, ganz zu schweigen von der Landschaft gewordenen Poesie …
Vor meiner Reise nach Schottland fand ich überhaupt nicht in das Buch hinein. Die Erzählweise von Herrn Ohff ist mir meinem Geschmack nach zu antiquiert für einen Reiseführer. -
Während ich unterwegs war, las ich schließlich die Kapitel, die für mich vorort von Bedeutung waren. Die eine oder andere wissenswerte Info fand sich durchaus, aber im Großen und Ganzen blieben mir seine Schilderungen zu oberflächlich. Gerade über die Themen Glencoe, Culloden und Highland Clearance erzählte mir meine Reiseleiterin in zwei Minuten mehr, als ich auf mehreren Seiten beschrieben im Buch fand. Ohff hielt sich viel zu sehr mit der Analyse diverser Zitate von beispielsweise Theodor Fontane auf, der ebenfalls durch Schottland reiste. Wenn er es an einer Stelle nicht ausdrücklich erwähnt hätte, wäre ich bis zum Schluss der Annahme geblieben, der Autor habe die schottische Grenze nie übertreten und stattdessen Wissen aus zweiter Hand geborgt. Zudem verwirrt die Namensgebung einiger Kapitel. So finden sich unter "Seife und Whisky" überhaupt keine Infos zu dem genannten Thema. Hinzu kam, dass Abschnitte, die historische Ereignisse betrafen, derart verschachtelt waren, dass sie wenig Sinn ergaben und noch weniger wissenswerte Details enthielten.
Nein, umgeworfen hat mich dieser schriftliche Reisebegleiter nicht. Schottland bleibt mir zu leblos darin. Einmal dort gewesen, ist ein lebendiger und farbenfroher Reisebericht ein Muss. Ich möchte als Leser herauslesen können, dass ich dieses Land mit seiner Weite, seinen beeindruckenden Landschaften (sowohl Highlands, Lowlands wie die atemberaubenden Sandstrände mit türkisblauer See), seiner dramatischen Geschichte und seinen gastfreundlichen Einwohnern mindestens einmal im Leben bereist haben sollte.
Der Autor, Jahrgang 1922, schrieb dieses Buch bereits 1992. Zwar wurde es für die Neuauflage der Piper-Serie überarbeitet, was allerdings knapp zwanzig Jahre zurückliegt – so wichen die DM-Angaben dem Euro, aber z.B. wurde übersehen, dass seit 1995 die Skye Bridge den Fährverkehr ersetzt. (Gibt es eine weitere Überarbeitung neueren Datums?)
Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre, politischer Natur etc., sucht man hier natürlich vergeblich. Auch sonst wirkt diese Gebrauchsanweisung recht betagt, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. (Als der Autor seine persönlichen Weltkriegsanekdoten hervorkramt, konnte ich ein Augenrollen nicht unterdrücken.)
Meine eigenen Schottlandeindrücke und Interessenschwerpunkte sind andere als die von Herrn Ohff dargestellten. Dennoch gibt es hier, je nach Interessenslage, informative Aspekte zu entdecken.
Ich hab mir das Buch, neben anderen, in Vorbereitung für eine Schottlandreise geliehen, und bin nur sehr schwer hinein gekommen. Thematisch ist es ziemlich interessant, aber mit dem Schreibstil bin ich einfach überhaupt nicht zurecht gekommen. Ich hatte das Buch dann während des Urlaubs tatsächlich gar nicht gelesen, und erst ein paar Wochen später wieder aufgegriffen. Da ich nun ein paar der vom Autoren angesprochen Themen selbst erfahren hab, war der Zugang nicht mehr ganz so schwer, aber noch immer irgendwie sperrig. Ich wollte schon aufgeben, da riss die persönliche Anekdote aus der Zeit des 2. Weltkrieges in der Mitte des Buches das Ding doch nochmal ganz schön rum. Verrückt, was eine persönliche Verbindung alles anrichten kann. Und so wurde aus "Puh, ich muss mich ganz schön überwinden" doch noch ein "Naja, ich kann ja mal gucken, was der Autor noch alles schreibt".
Ob es jetzt an besagter Anekdote liegt, dass ich mit der zweiten Hälfte besser zurecht gekommen bin, oder eher daran, dass ich mich an den Stil gewöhnt habe, oder inzwischen selbst in Schottland war, oder die zweite Hälfte tatsächlich besser ist, vermag ich nicht zu sagen.
Wer dieses Buch ausprobieren möchte, dem empfehle ich jedenfalls, es kapitelweise hinterher oder währenddessen, nicht aber vorher zu lesen.
Macht große Lust, sofort nach Schottland zu reisen. Der etwas onkelig-anekdotische Stil passt perfekt. Enthält zudem gute weiterführende Lektürehinweise.