Man merkt diesem Buch an, dass Band 1 eigentlich ein Einzelband sein sollte und nun halt noch eine Fortsetzung geschrieben wurde. Grundsätzlich habe ich mich auch über die Info eines Folgebandes gefreut, wenngleich es auch kein Buch war, dem ich aufgeregt entgegengefiebert habe. Denn an Band 2 stören mich im Grunde die gleichen Dinge wie auch schon an Band 1.
Aber erst mal zum Positiven: Ich mochte nach wie vor das, was man zur dargestellten Welt erfährt, sehr und denke auch immer noch, dass die Welt und ihre Figuren grundsätzlich sehr viel Potenzial haben für eine längere Fantasygeschichte, die immer wieder durchzogen ist von Krimi- und Romance-Elementen. (Aber vielleicht ist Carlsen da auch nicht ganz der richtige Verlag für.)
Der Erzählstil der Autorin ist auch durchaus spannend, sodass ich immer gerne gelesen habe, auch wenn die Handlung nicht immer so meins war. Mir ist der Humor zwar manches Mal echt zu sehr erzwungen lustig, aber meist machte es trotzdem Spaß zu lesen.
Was mich bereits bei Band 1 gestört hat und nun auch wieder: Die Charaktere (allerhöchstens mit Ausnahme von Enju, aber aus deren Sicht lesen wir ja auch) sind alle ziemlich flach. Oft habe ich beim Lesen vergessen, wer bestimmte Figuren waren, als ihre Namen fielen, weil es einfach so viele waren und die meisten wirklich nicht mehr als Tinte auf Papier.
Doch vor allem Kayneth, der ja als Love Interest eigentlich etwas wichtiger ist, hat sich meiner Meinung nach im Vergleich zu Band 1 kein bisschen gebessert. Dieser Mann hat nicht mehr Persönlichkeit bzw. Charaktereigenschaften als unfassbar attraktiv, heiß und absolut mächtig – Alpha eben. Ich hätte mir da wirklich eine Verbesserung gewünscht, aber leider scheint das zu reichen, damit man auf ihn fliegt. So war es nämlich anscheinend bei Enju. Mir fiel bereits in Band 1 schwer, nachzuvollziehen, woher die romantische Anziehung der beiden kam, doch auch bei Band 2 habe ich mich das immer wieder gefragt. Ich weiß wirklich nicht, was genau Enju so toll an Kayneth findet – also neben seinen Muskeln und dass er halt – natürlich – auch anderweitig echt gut ausgestattet ist (man stelle sich ein YA Buch vor, in dem das nicht zwanghaft erwähnt werden muss – unvorstellbar, ich weiß).
Des Weiteren ist Enjus generelle Oberflächlichkeit zuweilen echt nervig. Ich hatte das gar nicht mehr so in Erinnerung aus Band 1 … Jedes Mal, wenn neue Figuren vorkommen, wird deren Aussehen von Enju beschrieben – so weit noch alles gut –, doch leider kann dies so gut wie nie passieren, ohne dass zugleich auch das Aussehen dieser Figuren bzw. deren Attraktivität bewerten werden muss. Enju stopft eigentlich jeden in Kategorien. Ganz ehrlich, es ist mir total egal, wen Enju heiß, attraktiv, abstoßend, unscheinbar oder was auch immer findet. Das tut einfach nichts zur Sache.
Genau aus dem Grund passiert vermutlich die erste Hälfte des Bandes auch nichts Relevantes, erst danach kommt die Story langsam mal ins Rollen. Also unterhaltsam und spannend war es durchaus, aber auch wenig überraschend. Die meisten Dinge konnte man sich herleiten – da hätte ich mir doch etwas mehr Kreativität gewünscht außer ein paar verletzte Egos.
Das Drama rund um Kayneth hätte man sich sparen können, da einfach von dem Moment an, als er ihr von seinem Vorhaben erzählt hat, absolut klar war, dass die Sache einen fetten Haken hat. Es war anstrengend, wie Enju im Laufe der Geschichte alles zwanghaft falsch verstehen musste, damit das Drama ja weiterhin vorhanden bleibt. Man hätte den Platz in der Geschichte nutzen können, um eine bessere Gesamtstory rund um die Hochzeitsfeier zu stricken. Und auch wenn es Romantasy ist, kann man die Charaktere auch einfach mal zusammenkommen lassen, ohne auf Teufel komm raus noch gekünsteltes Drama aufrechterhalten zu müssen. Das ist ja dann nicht gleich langweilig.
Aller Kritikpunkte zum Trotz haben mir auch einige Handlungspunkte gefallen, wie z.B. Enjus Probleme mit den Zwillingen oder ihrer Magie. Nachdem es mich am Ende von Band 1 gestört, dass Enju die Bösen binnen zwei Seiten erledigt hat, weil sie absolut overpowered war, war es doch angenehm, dass es hier zumindest den Anschein hatte, dass ihre Macht nicht grenzenlos ist – dadurch war auch der Finalkampf etwas spannender. Auch war das Buch nicht mehr voll mit Filmreferenzen, was ich sehr angenehm fand.
Fazit: Eine lockere Fortsetzung für zwischendurch, die zwar wenig Tiefgang, dafür aber durchaus Unterhaltungswert hat. Das Lesen hat Spaß gemacht, auch wenn mich Dinge wie fehlende Charaktertiefe, mancherlei Oberflächlichkeit und erzwungenes Drama hin und wieder die Augen haben verdrehen lassen. Sieht man davon jedoch ab, ist es eine durchaus spannend erzählende Geschichte, die sich angenehm weglesen lässt. Alles in allem bin ich jedoch froh, dass die Reihe nun abgeschlossen ist, da Band 2 absolut optional war, was man ihm anmerkt – es passiert wenig wirklich Relevantes. 3/5 Sterne.