Mokita Ein Mokita ist eine Wahrheit, die jeder kennt, aber keiner ausspricht.
Ellis erbt das Haus ihrer Oma mit dem alten Kirschbaum im Garten und kehrt in das kleine Dorf im Westerwald zurück, in dem sie aufgewachsen ist, nicht ahnend, dass dies ihr bisheriges Leben gehörig auf den Kopf stellen wird: Alte Fotos enthüllen ein lang gehütetes Familiengeheimnis und bringen nach und nach sicher geglaubte Tatsachen ins Wanken. Begegnungen mit Nachbar Alfons lassen weitere vermeintliche Gewissheiten bröckeln. Und dann ist da auf der anderen Seite des Kirschbaums auch noch ihr ehemaliger Schulfreund Carsten. Seine Anwesenheit verwirrt Ellis zusätzlich und lässt sie am Ende erkennen, dass es manchmal eine entscheidende Rolle spielt, von welcher Seite des Kirschbaums man die Welt betrachtet.
Das Buch Links vom Kirschbaum von Marit Schalk ist ihr drittes Werk. Auf dem Cover sehen wir passend zum Titel einen Kirschbaum mit einer Bank darunter. Im Hintergrund den Himmel sowie rechts mittig ein paar Schemen von einem Dorf. Das ganze hat eine gemalte Optik in harmonisierenden Farben. Den Kirschbaum in einem zarten Rosa darzustellen, macht seine Verbindung mit dem Titel deutlich. Die Geschichte vom Kirschbaum ist eine sehr spannende, etwas sentimentale und durchaus lustige Geschichte mit ungeahnten Geheimnissen. Ich fand es sehr toll, Ellis zu begleiten, sie kennen- und lieben zu lernen und ihren Weg mitzuverfolgen. Die Autorin spricht darüber ein selbst bestimmtes Leben zu führen, und zeigt, wie überholt geschlechterspezifische Rollen heutzutage sind. Auch wird im Roman deutlich, wie wenig Kontrolle man darüber hat, wann und in wen man sich verliebt. Man kann es nicht erzwingen und auch nicht einfach so eine Beziehung mit jemand anderem führen. Dies muss nicht nur Ellis begreifen. Auch erfahren wir, wie wichtig es ist, Probleme einer Beziehung selbst anzupacken. Man kann sowas nicht über Mami regeln. Ganz wichtig ist dabei auch die Kommunikation. Man sollte seinem Partner sagen, was man denkt und sich wünscht, ihm im Gegenzug aber auch zuhören, versuchen, ihn zu verstehen und ernst nehmen. Das wichtigste Thema des Romanes ist allerdings die Wahrheit. Sowohl die unausgesprochene als auch die verkündete und die Frage danach, was überhaupt wahr ist? Glaube ich einem Menschen, weil er meine Mutter, Oma, Tante, Onkel oder andere vertraute Person ist? Kann man das vorbehaltlos? Und ab wann sollte man Erzähltes hinterfragen? Vor allem aber, wenn dabei andere Personen involviert sind, ist es doch fair, sich beide Seiten anzuhören und selbst ein Urteil zu bilden. Neben den ausgearbeiteten Botschaften gefielen mir das Setting und die Protagonisten sehr. Über Sebastian kann man sich wunderbar aufregen, auch seine Mutter ist so ein Exemplar, vor allem, wo sie sich immer einmischt. Ellis ist eine taffe Frau, die eine Weile braucht ihren Weg zu finden. Das Setting des Dorfes im Westerwald finde ich richtig schön gemütlich. Alle kennen sich und man bleibt beim Einkaufen zum Plaudern stehen. Dann auch, wie sie immer reden: "Die Rademachers Ellis und Schusters Christel," finde ich herrlich. Alles in allem ein rund um gelungenes Buch. Diese, meine Wahrheit sollten wir verkünden und keinesfalls zum Mokita werden lassen. Wenn ihr euch jetzt fragt, was das ist, ein Mokita, dann wird es höchste Zeit den Roman zu erwerben. Aber auch mit dem Wissen, solltet ihr ihn für ein paar gemütliche Stunden griffbereit haben.