»Als der Tag anbrach, breitete sich eine Schockwelle über die Welt aus: In Europa tobte fast 23 Jahre nach dem NATO-Angriff auf Jugoslawien wieder ein offener Krieg.« Diesen einleitenden Worten lässt Jörg Kronauer die Vorgeschichte jenes Waffengangs folgen, in den der Ukraine-Konflikt durch den russischen Angriff im Februar 2022 umschlug: Dabei geht es um einen der beiden Großkonflikte, für die der Westen seit Jahren rüstet. Einmal gegen Russland, das sich nach seinem dramatischen Niedergang in den 1990ern stabilisiert hat und nun auf einer eigenständigen Rolle in der Weltpolitik beharrt. Zum zweiten gegen China, das bei rasantem Aufstieg im Begriff ist, zur Weltmacht zu werden. Dies suchen die transatlantischen Staaten zu verhindern. Der Machtkampf gegen Russland wie gegen China wird politisch, wirtschaftlich und medial geführt. In wachsendem Maß kommt ein militärischer Aufmarsch hinzu. Der Band zeigt: Eine künftige militärische Konfrontation, mit der bei weiterer Brandbeschleunigung auch das Szenario eines allumfassenden Weltkriegs bedrohlich aufscheint, liegt in der Logik dieser Politik.
1968. Lebt in London, Soziologe und freier Journalist mit den Schwerpunkten Neofaschismus und deutsche Außenpolitik, Redakteur des Nachrichtenportals german-foreignpolicy.com.
Eines vorne weg: Dies ist kein Buch für Putin- oder Xi-Fans.
Die Politik der beiden Länder China und Russland wird nicht schön geredet; jedoch wird gezeigt, dass die westlichen Länder nicht so moralisch überlegen sind, wie sie sich ihren Einwohnern verkaufen. In Sachen Scheinheiligkeit stehen sie den beiden Rivalen in nichts nach.
Selbst wenn man den beiden Systemfeinden kritisch gegenübersteht, lohnt sich die Lektüre dieses Buches, zumal die Aussagen alle mit Quellenangabe klar recherchierbar sind.
Fazit: Erschreckend in welcher mentalen Parallelwelt die Politik (aller Länder) hängengeblieben ist; von wegen der Kalte Krieg sei vorbei.