Marlene Hellene schreibt über 40 Wochen, die in höchstem Maße aufgeladen sind mit gesellschaftlichen Zuschreibungen und Erwartungen. Kaum jemand spricht darüber, aber dennoch sind sie real: die Zweifel, die körperliche Anstrengung, die Wut, wenn der eigene Körper über Nacht zum Allgemeingut erklärt wird. Übergriffigkeiten und Erwartungsdruck setzen Schwangeren zu, und sie müssen sich ihre Selbstbestimmtheit immer wieder hart erkämpfen – ein überfälliges Plädoyer für ein neues Bauchgefühl.
«Wenn Sie finden, dass Schwangere die Klappe halten sollten, wird dieses Buch Sie wahnsinnig machen. Für alle anderen ist es eine aufklärende und bereichernde Lektüre, teils lustig, teils beruhigend und teils wütend machend. Also genau richtig.» Margarete Stokowski
Ich habe die Ankündigung für dieses Buch zufällig auf Twitter gesehen, ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als ich von meiner eigenen Schwangerschaft erfahren habe, da habe ich es direkt vorbestellt. Erschienen ist es dann, als ich die erste (wirklich) schlimme Phase fast hinter mir hatte und damit genau rechtzeitig, um mir mit seinen Worten zur Hilfe zu eilen. Dass ich trotzdem bis jetzt gebraucht habe, um es fertig zu lesen, hat zwei Gründe: 1. ist so eine Schwangerschaft anstrengend (auch emotional) und 2. musste ich nach einigen Kapiteln erst einmal verarbeiten, nachdenken, sacken lassen.
Es passiert mir zu selten, dass Bücher so perfekt in eine Lebensphase reinpassen, mich auffangen, mir das Gefühl geben, verstanden zu werden, mich trösten und gleichzeitig den Wunsch wecken, eine Revolution anzetteln zu wollen. Dieses Buch hat all dies getan und wird allein deshalb für immer einen Platz in meinem Herzen haben. Das ganze System, in das man als Schwangere eingeschleust wird, ist gefühlt darauf ausgelegt, der schwangeren Person schlechte Gefühle zu machen. Vom Kodex an Verhaltensregeln angefangen, über die Beurteilung des Körpers bis hin zu Urteilen über den Verlauf der Schwangerschaft („Wie Ihnen ist immer noch schlecht?! Das müsste jetzt aber aufhören!“) wird ständig das Gefühl vermittelt, man sei ständig in Gefahr, eine schlechte Mutter zu werden, bevor das Kleine überhaupt auf der Welt ist. Die Darstellung der Informationen („So unterstützen Sie Ihren kleinen Schatz perfekt“, „Liebe im Bauch“ und überall „Glück“) tut ihr Übriges dazu - es ist schwer, sich sehr glücklich zu schätzen wenn man wahnsinnigen Durst hat, aber von Wasser erbrechen muss oder der Kreislauf zusammenklappt weil man zu lange auf dem Rücken gelegen hat. Marlene Hellene richtet in diesem Buch ihre Empathie auf die schwangeren Personen und ihre Wut auf die Gesellschaft und deren Umgang mit Schwangeren und hat mir damit mehr geholfen als es jedes teure Schwangerschaftsöl und jede Akupunktursession je vermocht hätten. Alle Aspekte einer Schwangerschaft werden eingehend beleuchtet, von der Feststellung der Schwangerschaft bis zum Wochenbett und es wird darauf eingegangen, was die schwangere Person erlebt und empfinden kann. Dabei hat Marlene Hellene immer im Blick, dass jede Schwangerschaft extrem individuell ist und jede schwangere Person diese Situationen anders erleben kann - und dass ihre Gefühle dabei aber immer valide sind.
Für Schwangere, denen es so ähnlich geht wie mir, wird dieses Buch eine Wohltat sein, mit der sich das permanente schlechte Gewissen etwas beruhigen lässt. Damit es aber gar nicht erst zur Bildung dieses schlechten Gewissens kommt, würde ich mir wünschen, dass dieses Buch alle anderen auch lesen: Frauen, die (noch) keine Kinder haben, aber sich welche wünschen, Frauen, die keine Kinder haben wollen, Frauen, die mal schwanger waren, aber vor allem: Männer! Männer, die meinen, dass „Frauenthemen“ sie nichts angehen, Männer, die in medizinischen Berufen arbeiten und selbstverständlich Väter! Der werdende Vater in diesem Haushalt kriegt es zumindest gleich in die Hand gedrückt.
Spannende Fakten, viele feministische Parolen und etwas wenig Abwechslung. Das Buch hat mir ganz gut gefallen, allerdings hätte ich mir weniger feministische Quoten gewünscht und mehr Antworten auf Fragen, die man sich als Schwangere täglich stellt.
ich habe das buch beim aufräumen als hörbuch gehört, dafür war es eine prima unterhaltung. die stimme (und dann auch irgendwie der ton des buchs) klang wie bei einem freche mädchen buch. ich habe mir glaube ich ein bisschen was anderes erhofft, ich hätte mir mehr fakten über schwangerschaften gewünscht, stattdessen bestand das buch zu großen teilen aus feministischen statements und forderungen, die natürlich gut und wichtig sind und denen ich obviously zustimme, aber ich musste nicht unbedingt fünf mal gesagt bekommen, dass es wichtig ist die autonomie von schwangeren anzuerkennen. vielleicht war ich einfach ein bisschen die falsche zielgruppe, für menschen, die mit feminismus nicht viel am hut haben, sich aber fürs schwangersein interessieren und dann zufällig darüber stolpern, ist es bestimmt super. fazit: ein prima buch, wenn man sich nicht so sehr für die biologischen vorgänge und mehr für die gefühle und gesellschaftliche stellung von schwangeren interessiert.
Durchaus lesenswert - nicht nur für schwangere Personen sondern besonders auch für diejenigen die rund um das Thema Schwangerschaft eine Meinung haben oder bestimmte Vorstellungen pflegen
Gutes, angenehm und schnell zu lesendes Buch, was umfangreich darauf vorbereitet, was eine Frau erwartet, wenn sie schwanger wird - vor allem auf gesellschaftlicher, psychischer, aber auch auf körperlicher Ebene. Über vieles redet nämlich niemand, zum Beispiel, welcher gesellschaftlicher Erwartungsdruck an schwangere Frauen herrscht. Ich wünschte, ich hätte dieses Buch schon bei meiner ersten Schwangerschaft gekannt, dann wäre ich nicht so oft (böse) überrascht worden. So habe ich viele der beschriebenen Erfahrungen bereits gemacht und nicht allzu viel Neues dazugelernt. Für meinen Geschmack hätten die einzelnen Kapitel weiter ins Detail gehen dürfen.
Dieses Buch ist kein klassischer Ratgeber. Wie der Untertitel schon sagt, ist es ein Plädaoyer, eine Autorin die ihre Sicht auf Schwangerschaft darlegt. Und sie hat damit in 98% der Fälle einfach mal Recht! Zumindest sehe ich das so. Und ihrer Aussage, dass dieses Buch für alle Menschen ist, nicht nur für Schwangere, kann ich ebenfalls nur unterschreiben. Einige Aspekte waren wir schon vorher klar, andere sehe ich nun in einem anderen Licht. Genderverweigerer, Patriarchen und Erzionservative werden dieses Buch wahrscheinlich nicht mögen und sollten es aber trotzdem lesen. Einfach um mal eine andere Sicht auf die Dinge zu bekommen. Man muss Marlene Hellene vielleicht nicht in allem zustimmen, aber man sollte zumindest mal darüber nachdenken. Mögen alle Eltern ihre Kinder zu aufgeschlossenen Menschen erziehen!
Bei Spotify gehört in 5h Autofahrt. Ich enthalte mich bei der Wertung weil es mir irgendwie... so gar nichts gegeben hat. Es lässt mich irritiert zurück. Es hat sich angehört wie ein ewig langer rant darauf, dass es unfair ist dass über Frauen bestimmt wird. Aber das wars dann halt auch... also ... ja ist scheiße aber zB. dann wird in einem Kapitel darüber gerantet das Frauen es niemandem sagen müssen, wenn sie schwanger sind und das es verboten ist bei Bewerbungsgesprächen danach zu fragen. Ja, das ist auch voll unmöglich und Diskriminierung etc. Aber ... dann wird dieses Kapitel mit "LÜGT" betitelt und das immer wieder aggressiv wiederholt und dann ist das Kapitel zu Ende. Hat mir jetzt ehrlich gesagt nix gebracht zu wissen wie oft Google Ergebnisse dazu ausspuckt ob Jennifer Anniston wieder schwanger ist (das kam halt 3 oder 5 Mal als ... "Recherchemethode" wie oft etwas so Relevant ist in der Welt aber whatever). Und sie hat ja Recht. Ja, Frau muss niemandem von ihrer Schwangerschaft erzählen sondern darf das auch erstmal mit sich ausmachen... Aber wie wäre es dann iwie... mit konstruktiven Tipps wie man schlagfertig damit umgeht wenn jemand MAL WIEDER fragt "Ey warum trinkst du keinen Alkohol?" Stattdessen erzählt sie (fairerweise in einem anderen Kapitel) dass sie nie Probleme damit hatte, weil ihr Fanta sowieso besser schmeckt als Sekt. Idk... Also ja sie hat mit allem Recht was sie so schreibt. Aber ... mehr halt auch nicht. Mach doch lieber Lösungsvorschläge als mich an meinem Lenkrad hier auf der Autobahn neben Kassel anzuschreien, dass ich dann lügen darf. Hab ich schon kapiert..... Aber ok vielleicht hab ich auch einfach falsche Erwartungen gehabt. Weirdes Buch.
P.S.: Das einzige was ich wirklich daraus mitnehmen konnte und vorher nicht wusste: Die Schwangerschaftswochen beginnen mit der letzten Periode vor dem Eisprung. Also man ist beim Eisprung schon in der 2. SSW. - Sachen gibts! (ist jetzt für andere vllt Common Knowledge aber war für mich jetzt bisher auch einfach nicht relevant.....)
Habe zuerst "Man bekommt ja so viel zurück" gelesen und das Buch wegen seiner frechen Leichtigkeit verschlungen. "Bauch frei" behandelt sehr einfühlsam und trotzdem unterhaltsam und empowernd eine Vielzahl von Themen im Bereich Schwangerschaft und Geburt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass sie nicht geteilt hätte, dass sie von fast allen Themen nicht persönlich betroffen ist/war. Zufällig hat sie selbst ja eine Vater-Mutter-Kind-Kind Familie, keine Schwangerschaftsstreifen, zwei vaginale Geburten gehabt, einen guten sozioökonomischen Background, nie selbst einen Abort erlebt etc. Das ist insbesondere schwierig, da sie die Thematik vornehmlich emotional und subjektiv beleuchtet. Teilweise auch medizinisch problematisch. Beispielsweise ist ein positiver Toxoplasmose-Test leider kein Freibrief, um ungehemmt bei Rohmilch, rohem Fleisch und ungewaschenem Gemüse zuzuschlagen, denn leider gibt es noch andere Keime, wie Listerien, die so übertragen werden und die Ungeborenen potentiell schwer schädigen können. Man muss sich dessen zumindest bewusst sein und dann für sich selbst entscheiden. Und zum Glück ist die Medizin nicht mehr ganz so Männer dominiert wie dargestellt (allerdings liegt die erste Geburt der Autorin auch knapp 15 Jahre zurück, wo die Situation noch eine andere war). Mittlerweile sind über 70% der AbsolventInnen eines Medizinstudiums in Deutschland Frauen. In der Gynäkologie/Geburtshilfe ist der Anteil an Frauen sogar noch höher. Leider immer noch zu wenig ganz oben in den Chef-, und EntscheidungsträgerInnen-Positionen. Go Girls!!
Ein modernes feministisches Buch zum Thema schwanger und Mutterschaft für alle Menschen mit Uterus und teilweise gegendert. Einige Punkte haben mir geholfen mir selber in der Schwangerschaft weniger Druck zu machen zum Beispiel Angst vor Dehnungsstreifen und vor einem weniger vorzeigbaren Körper. Es sind nur Zeichen der Mutterschaft und ich darf mich aus Liebe und meine Haut und Bewegung kümmern. Zudem hat mich das Buch etwas darauf vorbereitet wie man sich in einigen Situationen wahrscheinlich fühlen wird und das man Grenzen ziehen darf wenn andere diese nicht wahren. Zusätzlich möchte ich allen Hebammen danken und dazu aufrufen das man diesen falls möglich den Dank mit etwas kleinem zeigt. Das Buch ist lustig aber auch Gesellschaftskritisch geschrieben um für eine fairere Behandlung von Frauen und Familien im deutschen Gesundheitssystem zu werben. Werbung müsste Familien diverser zeigen, zum Glück kann jeder selber entscheiden welche Firmen unterstützenswert sind.
Ein sehr gutes Buch. Kann ich wirklich empfehlen. Ich habe es als Hörbuch gehört. Wirklich super. Vieles was nicht ausgesprochen wird, über die Schwangerschaft, wird hier erzählt. Leider kommt der positive Aspekt, für mich zu kurz. Dennoch auf jeden Fall Lesens/hörenswert, da man sich in vielen Teilen wieder findet und den Gesellschaftlichen Druck gezeigt bekommt.
Endlich ein " anderes " Buch über Schwangerschaft. Ehrlich, humorvoll und man kann sich gut damit identifizieren, wenn man nicht nur die rosarote Brille rund um das Thema Schwangerschaft trägt und so manche gesellschaftliche Missstände erkennt und ggfs auch selbst unter so manchen gesundheitlichen Nebeneffekten leidet und eben nicht nur "strahlt und genießt " und sich dennoch von Herzen freut
Wichtiger Beitrag zu Gewalt unter der Geburt in den letzten Kapiteln; warum beim Kapitel über Geld nur über Konsum und Kinderwunschkliniken, nicht aber über Altersvorsorge, Pay Gap und Care Gap geschrieben wird, leuchtet mir nicht ein. Insgesamt ein eher oberflächlicher Rundumschlag.