Dieses Buch informiert über die wichtigsten Ereignisse und Zusammenhänge der ukrainischen Geschichte. Es setzt der vorherrschenden russozentrischen Perspektive eine ukrainische gegenüber und versucht gleichzeitig, ukrainische nationale Mythen kritisch zu überprüfen. Dabei wird nicht nur die Geschichte der Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart dargestellt; auch die Geschichte der in der Ukraine lebenden Polen, Russen, Juden und Deutschen wird mit berücksichtigt.
Hervorragend ist die Darstellung der Geschichte bis zum Zweiten Weltkrieg. Präsentiert werden nicht nur die Ereignisse und Strukturen selbst, sondern auch, wie diese in der Folgezeit unterschiedlich interpretiert wurden, woraus unterschiedliche Geschichtsbilder resultierten. Sie erklären nicht nur Unterschiede zwischen Russen (oder auch Polen) und Ukrainern, sondern auch Differenzen zwischen den Ukrainern. Leider fällt die Darstellung der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den ersten Jahren der Unabhängigkeit etwas ab, sie ist weniger analytisch und eher referierend. Die Schilderung der letzten Jahre erreicht dagegen wieder ein höheres Niveau. Ein weiteres kleines Manko ist, dass die Emigration von Ukrainern nach Nordamerika und die Bedeutung der Diaspora überhaupt nicht behandelt wird.
Das Buch ist versändlich geschrieben und der Autor erklärt immer den gesamtpolitischen Hintergrund im osteuropäischen Kontext, der beim breiteren Lesepublikum nicht vorausgesetzt werden kann.
Trudno. (Schwierig, auf Polnisch). Ich habe das Buch gelesen in der Hoffnung, dass ich eine ukrainische Identität erkenne. Allerdings bleibt der Eindruck, dass die Ukrainer von ihren Herrschern immer als Untergebene und Sklaven behandelt wurden. Polen wie Russen. Und andere Herrscher. Die Ukraine existiert eigentlich eigenstaatlich erst seit 1990. Schwierig. I wish them Luck.
By offering historical background information from medieval times through to the recent past, this book helps understand the current conflict in Ukraine. Specifically, the country’s inner divisions offer an opening for the rhetoric of “liberation” that accompanies Russia’s aggression: in the East and South, large chunks of the population have historically been more inclined towards Moscow than Western powers. Those inner divisions, which trace back to inclusion into the Russian, Austro-Hungarian and Polish empires some centuries ago, also foreshadow a very complex post-war situation, whatever the settlement that will eventually end the present war. And very complex indeed will be the integration of Ukraine, or possibly its central and Western parts in case Russia manages to hold on to territory occupied in the East and South, into the European Union.
Ein wie immer sehr gutes Buch von Andreas Kappeler, der insbesondere die Periode nach 1991 in der Ukraine verständlich, aber detailgetreu nacherzählt. Besonders empfehlenswert ist auch das sehr gefüllte Literaturverzeichnis am Ende des Werkes.
Wäre es möglich, ich würde die „Kleine Geschichte der Ukraine“ mit 3,5 Sternen bewerten. Das Buch ist, auch seinem schlanken Umfang von weniger als 400 Seiten geschuldet, ein wilder Ritt durch die Geschichte einer immer noch jungen Nation, die hier vom Mittelalter bis in das Jahr 2019 spannt, als die Zeichen auf Hoffnung standen und der brutale Angriffskrieg Russlands so noch von den wenigsten erwartet wurde. Der Text ist immer dann stark, wenn er dokumentierend und analytisch bleibt und verliert, sobald Andreas Kappeler ins Dozieren kommt oder den eigenen Standpunkt prominent einbringt. Allgemein sind sowohl die textliche Dichte, die Geschwindigkeit der „Erzählung“ und deren Nachvollziehbarkeit wechselhaft, mit Höhen und Tiefen, aber im Gesamten: unbedingt lesenswert. Wer einen schnellen – wenn auch für Nichthistoriker und der osteuropäischen Kultur bisher eher unbefleckt gegenüberstehenden Menschen nicht ganz einfachen – Einstieg in die Hintergründe des aktuellen Konfliktes sucht, ist mit diesem Buch gut beraten. Hier und da wünschte ich mir, Andreas Kappeler hätte es den Leser:innen durch eine gewohntere, "eingedeutschte" Schreibweise osteuropäischer Städte- und Personennamen etwas leichter gemacht.
Das Buch ist wohl gut, die ukrainische Geschichte reizt mich indes nicht. Grundsätzlich beginnt die Geschichte auch lange Zeit bevor es überhaupt eine Ukraine gab, als Ort, an dem Menschen in den geschichtlichen Wirren hin und her geschubbst wurden. Meine Allgemeinbildung ist leider etwas mau, so dass mir die Begriffe Kosacken, Tartaren, Mongolen sozusagen im leeren Raum durch den Kopf schwirren. Was in jedem Fall deutlich wird, ist dass die "Ukraine" ständig im Zentrum des Ärgers stand und es relativ wenig eigene Identität gibt. Wer diese versucht hat, zu Tage zu fördern wurde in der Regel abgemurkst. Die beiden Weltkriege haben der Ukraine besonders zugesetzt. Allerdings haben sich Ukrainer auch nicht wenig an der Vernichtung der Juden beteiligt, während sie selbst unter Stalin litten. Soweit. Wer einen kurzen Einblick braucht, der ist hier gut beraten.
Großartiges Überblickswerk, für alle die ihren Horizont erweitern wollen. Gibt Einblicke in aktuelle Debatten und zeigt chronologisch die Geschichte der Ukraine. Führt uns die Verantwortung vor Augen, die wir als Westeuropäer an diesem Angriffskrieg tragen, nämlich die, die wir aufgrund unseres jahrelangen Desinteresses tragen. Für viele war die Ukraine ja "irgendwie Russland" und durch diese Ignoranz tragen wir meines Erachtens auch eine gewisse Mitverantwortung an der Situation. Um mich dieser Verantwortung zu stellen, habe ich dieses Buch gelesen und es hat tatsächlich meinen Horizont erweitert. Sehr empfehlenswert.
A comprehensive explanation of Ukraines history with many different important perspectives, which helps explain Ukraines entanglement between Europe and Russia.
References through out the book could have given the book more credibility and academic weight.
I read a danish translation (Ukraines historie, Ellekær)
Das Buch ist ein sehr guter Überblick über ein Thema, welches in der deutschen Wahrnehmung leider komplett unterrepräsentiert ist. Einzelne Abschnitte sind etwas ermüdend geschrieben und an ca. 20 Stellen, wäre ein Plot sinnvoller gewesen, als die verwendete Aufzählung von Statistiken. Insgesamt sehr lesenswert, wenn auch nicht auf Lesbarkeit getrimmt. Die Sowjetzeit hätte gefühlt etwas mehr Seiten bekomme können.