Wenn man sich in die Sprachmelodie und die erzählenden Bilderwelten einer Autorin verliebt hat, dann enttäuscht sie ja nie: trotzdem habe ich bei jedem Buch, das ich von Franziska Hauser lese, wieder Angst, es könne mit seinen Vorgängern, die ich so sehr liebe, nicht mithalten.
Eine völlig unbegründete Angst:
denn auch „Keine von ihnen“, erschienen im Eichborn Verlag, ist einfach nur großartig und ich habe jede Seite geliebt!
Erzählt wird die Geschichte von Jef: zum einen, wie sie sich durch Hochstapelei ein Künstlerinnenstipendium in einem Künstlerhaus erschleicht und dort auf vier andere „echte“ junge Künstler*innen trifft.
Aber was ist eigentlich „echte“ Kunst und wer bestimmt das?
Ist die ältere Frau, die in einer versteckten Wohnung im Keller des Künstlerhauses lebt und nachts backt nun eine verkannte Künstlerin oder eine verrückte Obdachlose?
Und zum anderen wird Jefs Vorgeschichte erzählt: wie sie in ihrer Freundin Rita die angeblich beste Freundin gefunden hat, die ihr aber nicht nur jedes bißchen Selbstbewußtsein raubt, sondern sie auch eines Tages einfach verlässt, ohne sich auch nur umzudrehen.
Wenn die Beziehung zu Rita so toxisch war: warum denkt sie dann trotzdem jeden Tag an die gemeinsame Zeit zurück? Und wer ist sie eigentlich ohne Rita?
All diese Fragen beschäftigen Jef während ihrer Zeit im Künstlerhaus und letztendlich noch viele mehr: was ist ein würdevolles Leben im Kapitalismus und kann es eine Balance zwischen Leben und Arbeit geben?
Sind die Menschen verrückt, die sich von unserer Konsumgesellschaft abwenden oder eher die, die das nicht tun?
Ein ganz wunderbares, oft melancholisches, aber dennoch vor Lebensfreude sprühendes Buch über das Erwachsenwerden in einem eher menschenfeindlichen System: ganz, ganz große Empfehlung!! 🙌🏼