"Das Antiquariat der Träume" von Lars Simon ist das erste Buch, das ich 2021 gelesen habe (ja, ich bin jetzt schon richtig hinterher mit den Rezensionen, ich weiß) und es war ein toller Einstieg in mein Lese-Jahr. Das Buch hat mich beruhigt und gleichzeitig in Spannung gehalten, die optimale Mischung für gute Unterhaltung. Bloß das Ende war etwas enttäuschend, weil die Entwicklung der Geschichte dann doch sehr absehbar wurde.
Inhalt: Johan begegnet auf einer Kreuzfahrt seiner großen Liebe Lina - und verliert sie sofort wieder, weil das Schiff in einem Sturm verunglückt. Anstatt seine Karriere als erfolgreicher Verleger in Stockholm fortzusetzen, eröffnet er ein kleines Antiquariat mit Café im schwedischen Hinterland. Von nun an besuchen ihn die Figuren seiner Lieblingsbücher in Menschengestalt: Pippi Langstrumpf, Sherlock Holmes, William von Baskerville, das Kaninchen aus Alice im Wunderland und viele andere werden zu seinen besten Freunden und Beratern. Doch um sein Trauma zu bewältigen, muss sich Johan entscheiden: will er in sein altes Leben zurückkehren oder den Hinweisen seiner neuen Freunde folgen und sich erneut auf die Suche nach Lina machen?
Mein Ebook-Reader wird dem Cover leider keinesfalls gerecht. Die schönen bunten Farben werden halt leider nicht dargestellt, stattdessen gibt es Einheitsgrau im Angebot. Naja, dafür kann das Buch ja nichts. Das ist nämlich ganz wunderschön designt und spiegelt auch mein Lesegefühl total gut wider. Und auch den Titel finde ich sehr gelungen, weil er sich vom Einheitsbrei abhebt und schon ein bisschen auf den Inhalt abzielt. So waren Cover und Titel die Hauptgründe, warum ich mich dazu entschlossen habe, das Buch auszuleihen.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich liebe diesen schwedischen Stil (das Buch ist im Original auf deutsch, also ist der Begriff "schwedischer Stil" diskutabel, aber es spielt in Schweden) und bekomme starke Inga-Lindström-Vibes. Die Idee des Buches mit den Buchfiguren-Halluzinationen ist einzigartig und neu und perfekt für alle Bibliophile. Meiner Meinung nach hätte man das sogar noch stärker mit einfließen lassen können, da ließen sich bestimmt einige lustige Situationen kreieren. Ich würde mir jedenfalls sehr einen Sherlock Holmes an meiner Seite wünschen, der mein Leben kommentiert.
Der Protagonist, Johan, war früher Verleger und wird jetzt Antiquar und hat damit für mich zwei absolute Traumberufe. An manchen Stellen fand ich sein Verhalten nicht ganz nachvollziehbar, aber ich habe auch noch nie einen Menschen bei einem Schiffsunglück verloren. Allgemein wirkt Johan meistens etwas unnahbar, aber das schadet dem Buch meines Erachtens nach gar nicht, eher im Gegenteil: man möchte unbedingt herausfinden, was ihn antreibt, wieso er so ist, wie er ist.
Nicht nur in Bezug auf Johan gibt das Buch Rätsel auf. Man möchte die ganze Zeit herausfinden, was mit Lina passiert ist, was es mit dem Buch, der "Singoalla", auf sich hat, wer der seltsame Buchverkäufer ist, was da zwischen Johan und seiner Angestellten Agnes läuft, wie Johan in seinem früheren Leben als Verleger in Stockholm war und so weiter. Ich liebe es, wenn ich in einem Buch aktiv mitdenken muss, und sei es nur ein bisschen, und einem nicht alles vor die Füße geworfen wird. Das ist dem Autor absolut gelungen, ohne dass es gleich in einem Abenteuerroman endet.
Was meiner Meinung nach nicht ganz so gelungen ist, ist der Schluss. Der klingt nämlich ein bisschen so, als hätte es eine ganz knappe Deadline gegeben und ein schnelles Ende hätte hergemusst. Die Geschichte, die vorher sehr unkonventionell gewirkt hat, entwickelt sich nun sehr vorhersehbar und irgendwie auch ein bisschen enttäuschend. Aber ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen - jeder soll schließlich selbst lesen und sich seine Meinung bilden ;)
Und die Lektüre des Buchs kann ich trotz des nicht optimalen Schlusses sehr empfehlen. Das Alleinstellungsmerkmal vom "Antiquariat der Träume" ist wirklich die tolle Atmosphäre, in die der Leser beim Rezipieren versetzt wird und die ich selten bei einem Buch so einnehmend fand.