„Die Sirenen auf den Einsatzfahrzeugen sind bereits andere geworden. Wer Anfang 1990 aus dem Westen nach Ostberlin kommt, wundert sich über den Klang, mit dem sich die Autos der Volkspolizei ankündigen. Im Osten gibt es kein Martinshorn, hier hören sich die Sirenen wie in amerikanischen Gangsterfilmen an. Nachts, bei offenem Fenster, klingt Ostberlin wie New York.“
Etwas konfus und durcheinander (was mir aber gefällt, weil es sich ein bisschen wie in meinem Kopf anfühlt) zeichnet der Autor das schillerndes Bild eines Berlins, das ich nie erleben konnte, da es schon lange nicht mehr existiert. Obwohl der Text sich nicht in nostalgischen Schleifen verliert, ist Nostalgie dennoch das Grundgefühl, dass dieses Buch ausstrahlt. Die Sehnsucht nach einem Leben in einer Stadt, das so nie wieder möglich sein wird, weil die Stadt und die Welt, in der diese Stadt existiert, inzwischen so verändert sind. Und Traurigkeit wegen all der Möglichkeiten, all der faszinierenden Wege, die nicht begangen wurden, weil Entscheidungsträger*innen den Mut dazu nicht hatten.
Die Perspektiven sind divers, aber insgesamt ziemlich westlich geprägt, was ich schade finde. Mehr Ostberliner Eindrücke und insbesondere das kritischere Hinterfragen seiner eigenen westlichen Sichtweise auf Ostberlin und die DDR durch den Autor hätten das Buch noch bereichern können.