Auf Our Darkness bin ich durch Zufall gestoßen, da Autor Sascha Lange vor einer Weile eine Lesung in meiner Stadt abgehalten hat. Ich selbst bin durch meinen Vater (ebenfalls Ossi) mit Gruppen wie The Cure, Joy Division bzw. New Order, Dead Can Dance oder Siouxsie and the Banshees aufgewachsen und höre sie selbst bis heute, gemischt mit Dark Wave und Dark Techno. Die Lesung war sehr unterhaltsam, lehrreich und (obwohl ich viel später erst geboren wurde) auch für mich nostalgisch, bisweilen etwas melancholisch.
Das Buch ist ein unheimlich interessantes Sammelwerk an geschichtlichem Hintergrund, persönlichen Erfahrungsberichten von Waver*innen und etlichen Fotos und Scans relevanter Dokumente. Sascha Lange vereint mit Our Darkness (benannt nach dem legendären Song von Anne Clark) einmal mehr seine Expertise als promovierter Historiker mit Schwerpunkt Jugendkulturen und sein Hobby. Zusammen mit Dennis Burmeister ist diese düstere, melancholische, amüsant geschriebene Reise in Buchform herausgekommen. Für einige in die eigene Jugend, in die eigene Vergangenheit. Für andere (wie mich) eine Zeitreise in selbst nicht erlebte, aber sehr faszinierende Zeiten.
Egal, inwiefern ihr schon einmal einen Bezug zu dem Thema hattet – sei es musikalisch, durch den alten Osten oder dass ihr selbst in der Szene unterwegs seid/wart… Es gibt viel Neues und Altes zu erfahren. Manch einer staunt von außen oder von der Gegenwart aus, wie viel Kreativität, Eigensinn und Mut die Waver- und Grufti-Szene in der DDR an den Tag gelegt hat, um ihre Musik hören und ihre Jugendkultur ausleben zu können. Welche Rolle der Stasi-Apparat gespielt hat. Inwiefern sich die Waver- und Grufti-Szene (wenn auch unbewusst und ungewollt) gegen Gendernormen gestellt und u. a. Queerfeindlichkeit erfahren hat. Aktuell wohne ich in Erfurt und habe mich gefreut, hier und da Details speziell für diese Stadt zu erfahren.
Als besonders bereichernd empfand ich beim Lesen die Berichte von Anhänger*innen der damaligen Szene. Diese sehr expliziten, spezifischen Berichte ergänzen den geschichtlichen Aspekt des Buches, oft auch mithilfe von Fotos aus privaten Sammlungen. Schließlich kann man sich besonders die Haarpracht ohne Bildmaterial nur halb so gut vorstellen! Ich habe auch ein kleines Faible für alles Düstere, Melancholische und einige der Fotos sind einfach nur herrlich atmosphärisch und wunderschön, hach…
Was soll ich noch sagen: Ganz große Leseempfehlung! Erstrecht an alle unter euch, die sich mit dieser Thematik bis jetzt noch gar nicht auseinandergesetzt haben. Vielen Dank an Sascha Lange für den kleinen Plausch nach der Lesung und die Signatur des Buches. Das nächste Mal nehme ich definitiv meinen Vater mit, damit wir zusammen zeit- bzw. zurück in die Vergangenheit reisen können.